Aus unserer begeistert aufgenommenen neuen Reihe "Die schönsten Anzeigen aller Zeiten" (die nur solange so heißt, bis uns ein besserer Titel eingefallen ist) heute ein weiteres Fundstück, diesmal im O-Ton aus der stets ergiebigen ÖH-Jobbörse:

Interkulturellen Frauentreff
Musik, Singen od. Tanzen

Ich bin auf der Suche nach ausländischen Stdenten, die bei einem interkulturellen Frauenfrühstück in St. Johann im Pongau Tanz oder Musik als Unterhaltung oder mit Mitarbeit der Frühstücksbesucher bieten können. Bezahlung möglich.


Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, daß ich als Mann durchaus ein Recht habe, an interkulturellen Frauenfrühstücken (Frauenfrühstücks?) teilzunehmen. Alles andere wäre gendervorurteilsbehaftet und ausgrenzend. Zweitens: Frühstücken Frauen anders als Männer? Drittens: Verstehe ich das vielleicht falsch, und da treffen sich Kannibalen (= interkulturell), um Frauen zu frühstücken?

Weiters: Warum müssen die tanzenden und musizierenden Unterhalter Ausländer sein? Warum müssen es Studenten sein? Wollen die die frühstückenden Frauen vielleicht mit Bauchtänzerinnen unterhalten? Und nicht zuletzt: Ist der Satz eigentlich deutsch? Spätestens bei "mit Mitarbeit" bin ich leider ausgestiegen.

Ach ja, und daß eine Bezahlung möglich ist, beruhigt natürlich. Auch wenn nie die Rede davon war, daß sie dann auch tatsächlich erfolgt.

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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3 comments so far,Add yours

  1. und warum nur in St. Johann im Pongau? wo sich glücklicherweise in den nächsten wochen eh genug ausländer zum schifahren einfinden werden....

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  2. Dieses Jobangebot gibt tatsächlich einige Rätsel auf. Mein momentanes Verständnis: Die Veranstalter suchen für einen interkulturellen Frauentreff ausländische Stundentinnen, die dann für die Frühstücksbesucher (vermutlich die Teilnehmer obigen Treffs) singen oder tanzen bzw. diese in die Aktivitäten miteinbinden. Während die Frauen also frühstücken, sollen sie gleichzeitig zur Mitarbeit beim Tanz aufgefordert werden. Es ist auch interessant, dass der interkulturelle Frauentreff im Titel sofort zu einem Frauenfrühstück wird. Wenn also die Veranstaltung nur aus einem Frühstück besteht, warum ist es dann wichtig, dass sie interkulturell und nur für Frauen ist? Wird das Frühstück erst dadurch interkulturell, dass die tanzenden und singenden Ausländerinnen hinzukommen, während sonst nur eingeborene Pongauerinnen herumschlapfen? Die mögliche Bezahlung stellt eine gewisse kritische Distanz zum Kapitalismus her. Das ist ihnen in diesen Zeiten auch nicht zu verdenken.

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