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Musiknews: Cold, Incubus, CKY, Staind, Slaves on Dope

Cold haben lange Pause gemacht – eigentlich hatte sich die Band nach dem schwerfälligen 2005er-Album A DIFFERENT KIND OF PAIN aufgelöst und Sänger Scooter Ward hatte ein neues Projekt namens The Killer and the Star gestartet. Ein paar Reunion-Konzerte 2009 haben jetzt doch in ein neues Cold-Album gemündet, und entgegen damaligen Verlautbarungen will die Band auch weiter touren & aufnehmen – wobei die beiden Gitarristen der ursprünglichen Besetzung, Kelly Hayes und Terry Balsamo, ja schon 2005 nicht mehr dabei waren und auch hier wieder durch neue Leute ersetzt werden.

Anyway: Das komplette Album (mit dem Titel SUPERFICTION) kann man sich hier als Stream anhören. Gefällt mir ganz gut – die Ecken und Kanten der ersten zwei Alben sind zwar nicht wieder drin, aber die aufgepustete Schwere des letzten Albums ist auch weg und die Band spielt wieder mit mehr Feuer. Album erscheint in den Staaten am 19., bei uns am 22. Juli.

Von Incubus hat man auch schon lange nichts mehr gehört – und manch einer erinnert sich vielleicht auch, daß ich ihr letztes Album LIGHT GRENADES okay fand, aber nicht unglaublich warm damit geworden bin (siehe hier). Das war 2006. Mittlerweile habe ich die Band fast vergessen – ich habe mitgekriegt, daß es eine Best-of-inklusive-Bonuszeugs gab, und beim Blick übers CD-Regal fielen mir die Jungs immer mal wieder ein, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Bands von früher habe ich bei Incubus einfach nie nachgesehen, was die grad so machen und ob sich da nicht mal etwas Neues am Horizont abzeichnet.

Jetzt gibt’s also das neue Album IF NOT NOW, WHEN?, und nicht nur das Visions zeigt sich angesichts der poppigen Vorgänge auf der CD stutzig: Das ist so relaxed und gefällig und wohlklingend und, herrje, spannungslos, daß sich mir böse im Hinterkopf die Phase „ein schönes Incubus-Album für alte Leute“ aufdrängt. Aber das mag ja jeder mal selber beurteilen: Hier kann man das ganze Album im Stream anhören. Einzeln mögen da einige Songs schön sein (was immer „schön“ ist), aber spätestens nach vieren davon werde ich ruhelos. Und „Promises, Promises“ ist schon verdammt nah an den ganzen Schmusepoppern im Radio.

Nein, CKY haben noch kein neues Album – das sperrige CARVER CITY bleibt derweil das aktuellste. Dafür gibt’s einen Release mit dem originellen Titel B-SIDES & RARITIES, und wir verlosen keine Preise und all den Kommentatoren, die ahnen können, was sich darauf befindet. Immerhin wird der Release von einem neuen Video begleitet – der Single „Afterworld“, die die Band ursprünglich für den JACKASS-3D-Soundtrack aufgenommen hatte. Feiner Song mit gut summendem Groove.

Die größte Überraschung seit langem bereiten uns Staind mit ihrem neuen Album (das schlichtweg STAIND heißen wird), das am 13.9.2011 erscheint: Die Gruppe klang ja schon seit Jahren gerne mal so, als hätte ihnen der Arzt jede Aufregung verboten (Review zum letzten Album hier). Auf dem Soundtrack zu TRANSFORMERS 3 bot die Band dann überraschenderweise das kantigste Stück, und dieser Vorbote wird jetzt von zwei weiteren Songs zementiert: Die Jungs sind wieder bei der kantigen Härte von DYSFUNCTION und davor angelangt. Die Gitarren schrubben hart, und selbst auf der ersten Single „Not Again“ (siehe provisorisches Video oben) schreit Aaron Lewis wieder wie zu den schönsten Zeiten. „Eyes Wide Open“ (das Video ist nur ein Standbild, bietet also nur den Audiotrack) ist, würde ich mal sagen, eine der härtesten Nummern, die sie je aufgenommen haben. Und ja, das ist genau die Spannung, die ich von Staind hören will – denn auch wenn ab BREAK THE CYCLE (ja, inklusive dieses Albums!) immer mal wieder ein netter Song abfiel, war doch der Output der Gruppe seitdem stets viel zu brav und kraftlos, trotz laut aufgedrehter Gitarren. Aber ja, auf den neuen Songs gibt’s auch die Lewissche Melancholie, die wehmütigen Melodien und die trübe Schwere – aber alles gepackt in ein Gewand, das mit Power gespielt und mit Kraft vorgetragen wird. Ehrlich, ich hätte nicht gedacht, daß ich mich je wieder so auf ein Staind-Album freuen würde.

Interessant dazu auch dieses Interview mit Aaron Lewis auf Noisecreep, wo der Sänger auch über seine Country-Solo-EP redet (auf der sogar Charlie Daniels spielt!) und über das neue Staind-Album sagt: „It’s shaping up to be the heaviest thing we have recorded in a long time. It’s definitely one of the heaviest collection of songs that we have put together.“

Einen haben wir noch: Die Slaves on Dope, 2000 von Ozzy Osbourne (!) im Zuge der NuMetal-Welle gesignt, nach dem zweiten (Major-)Album METAFOUR 2003 dann aber auch wieder verschwunden. Die Rhythmussektion spielt mittlerweile mit Ex-Ünloco-Frontmann Joey Duenas in Anew Revolution, Sänger und Gitarrist der Slaves haben sich nun wieder zusammengetan und arbeiten an einem neuen Album (OVER THE INFLUENCE), zu dem es jetzt ein Video gibt: „No One to Blame“. Starker Song, starke Energie!

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Christian Genzel
Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, erschien 2011. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr, und den 2017 für den Shocking Short Award nominierten CINEMA DELL' OSCURITÀ. Derzeit arbeitet er an einer Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm und produziert Bonusmaterial für Film-Neuveröffentlichungen. Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, u.a. für die Salzburger Nachrichten, Film & TV Kamera, Ray, Celluloid, GMX, Neon Zombie und den All-Music Guide. Er leitet die Film-Podcasts Lichtspielplatz, Talking Pictures und Pixelkino und hält Vorträge zu verschiedenen Filmthemen.

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