Genzel-X!

Es wurde ja hier schon angekündigt: Am Dienstag spielten Static-X in München, und unser kleiner Cult of Static war dort und hat sich das Spektakel angesehen. Sir Schlaffo, der früher mal Ef hieß und aber jetzt älter geworden ist, konnte leider nicht wie geplant mit, weil er krank darniederlag und jetzt quasi sein System erstmal neu aufsetzen muß. Dafür war der junge Eleve Peter (der dringend einen Namen braucht!) dabei, der noch Static-Novize ist und jetzt in die Gruppe der Erwählten aufgenommen wurde, und Ex-SN-Kollegin Anita, die sich schon im Vorfeld rein privat viele Gedanken um die Staticsche Stehfrisur gemacht hat. Und natürlich: Mama Genzel, die den Altersdurchschnitt im Club mühelos im Alleingang um ein paar Jährchen angehoben hat.

Der Club, in dem Wayne und seine Mannen auftraten, heißt 59:1 und befindet sich zwischen dem Stachus und dem Sendlingertor gut versteckt hinter einem Reisebüro und einem Juwelier. Wenn ich meine ganze Wohnfläche ohne Wände nutzen könnte, wäre das in etwa so groß wie dieser Club - will heißen: viel Platz ist nicht, und man steht selbst hinten noch ganz nah an der Band dran. Es gab etwas Verwirrung darüber, wann denn nun Einlaß ist - Peter schien auch irgendwo gelesen zu haben, daß um 20:30h Beginn und um 21:30h Einlaß sei, was uns vermuten ließ, daß die Vorband nun vielleicht ohne Zuseher spielen muß.

Mußten sie dann doch nicht: The Defiled, aus London, haben ein kurzes Set als Anheizer gerockt, das gar nicht übel war und mich anregt, mal nach einer CD der Jungs Ausschau zu halten. In der Zwischenansage hat der Keyboarder der Band angekündigt, daß sie Stoff brauchen, und die Zuseher dazu aufgefordert, ihnen irgendwas zu verkaufen. Wir wissen natürlich nicht, ob es dann auch jemand getan hat.

Nach kurzer Pause gab's dann lautstarken Static-Radau: Der Mix war nicht ganz optimal und verschwamm in dem kleinen Club etwas - bzw. die Gitarren wurden vom Schlagzeug ein wenig niedergedonnert. Macht nichts, die Band hat sich mit Schwung durch ihre Songs gerockt: Viel vom ersten Album, die Klassiker vom zweiten, ein paar vom dritten und vierten, und einiges natürlich von Nummer 5 und dem neuen. Waynes Frisur stand wie eine Eins - obwohl sie später dann ein wenig auseinanderging, standen die Haare weiterhin stramm nach oben. Wir wissen jetzt auch, daß Wayne einen echten Bart trägt (der ja auf Promophotos immer eher angeklebt aussieht). Zwischendurch lief hin und wieder Waynes Frau (Pornostar Tera Wray, die jetzt ganz offiziell Tera Wray Static heißt) auf die Bühne, um Schnaps auszuschenken, und Wayne hat sie angelächelt, bevor er dann wieder den Zusehern gesagt hat, let's motherfuckin' do this. Nett auch, daß sich Wayne bei seinen Fans bedankt hat dafür, daß sie "noch" da sind: immerhin feiert die Band ja dieses Jahr ihr 10-jähriges.

Hat sich also wirklich gelohnt, daß wir uns die Jungs angesehen und -gehört haben: Wer weiß, wann die mal wieder nach Europa kommen. Unser Cult war jedenfalls sehr zufrieden, Peter erwirbt demnächst seine erste eigene Static-X-CD, und Sir Schlaffo wird alsbald von dicken Kindern auf der Straße ausgelacht, weil er das verpaßt hat.

Ach ja, The Defiled haben dann wohl doch keine Drogen kaufen können - die hingen dann nämlich schwer besoffen am Merchandising-Stand herum und haben lautstark geplärrt, sie brauchen Stoff. Und: Kauft T-Shirts. Und: Who wants to see my dick? Naja, sicherlich zum ersten Mal auf Tournee, die Jungs. Mama Genzel observierte dann, daß der Sänger aussah, als würde er bei Tokyo Hotel spielen, aber aus irgendeinem Grund wollte sie ihm das dann doch nicht persönlich sagen.

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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