Genzel’n’Roses

Uncategorized / 12. Oktober 2008

Offenbar kommt CHINESE DEMOCRACY, das Guns’n’Roses-Album, an dem Axl Rose schon seit 13 Jahren werkelt und von dem weithin angenommen wurde, daß es nie erscheinen wird, am 23. November über Best Buy heraus. Ein Song davon, „If the World“, ist in Body of Lies gefeatured, dem neuen Leo DiCaprio/Russell Crowe-Streifen. (Quelle: Hier.)

Ich gehe – wie vermutlich der Rest der Welt – davon aus, daß das Album fürchterlich sein wird. Außer Axl Rose ist ja auch schon lange kein Originalmitglied der Band mehr dabei, und Axls Lebenszeichen auf dem END OF DAYS-Soundtrack vor 9 Jahren klang nach jemandem, der sich seit Jahren mit THE DOWNWARD SPIRAL von Nine Inch Nails im Zimmer eingeschlossen hat und verzweifelt probiert, genauso zu klingen.

Wenn es nicht um den Running Gag ginge, daß das Album schon seit den Neunziger Jahren angekündigt wird und Axl Rose dabei nicht so zum einsiedlerischen Spinner mutiert wäre, würde das Ding keinen mehr kratzen. Mich erst recht nicht. Irgendwo stand neulich, daß APPETITE FOR DESTRUCTION, das klassische G’n’R-Album, immer das war, von dem jeder wußte, aber das kaum einer tatsächlich selber, also privat, toll fand. Ich hab’s damals gekauft und auch gehört und fand es ganz gut – aber ich hab’s seit damals auch nicht mehr gehört, und wirklich aufregend toll fand‘ ich es damals schon nicht. Schon interessant, wie ein mittelmäßiges Glam-Metal-Album dank einer Gassenhauer-Single und einem Posterboy-Frontmann einen so legendären Status erreichen konnte und als generationsprägendes Artefakt gehandet wird – wo die Wahrheit doch einfach die ist, daß halt einfach auf jeder depperten Dorfdiscoparty „Paradise City“ exakt so eingesetzt wurde, wie es anderswo mit dem knallroten Gummiboot gehandhabt wird.

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Christian Genzel
Christian Genzel
Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr, und den 2017 für den Shocking Short Award nominierten CINEMA DELL' OSCURITÀ. Derzeit arbeitet er an einer Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm. Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für Film & TV Kamera, Celluloid, GMX, den All-Music Guide, 35 Millimeter, Neon Zombie und Salzburger Nachrichten. Er hält Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".





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