Sic transit Gloria Mudfuzz

Klang und Wut auf dem zweiten Album der österreichischen Groove-Metal-Band Mudfuzz.

Sic transit Gloria Mudfuzz. Das ist natürlich gelogen, weil Mudfuzzens Ruhm mit dem neuen Release GLORIA keineswegs flöten (oder anderweitig instrumental vor die Hunde) gehen sollte, aber wenn der gerne Cleverness vortäuschende Rezensent nicht so recht weiß, was er angesichts und ange-ohr-s des ungestümen Ungetüms sagen soll, flüchtet er sich eben in kalauernde Witzeleien. Nur nichts anmerken lassen.

Mudfuzz kommen aus Österreich, aber eine genaue Lokalisierung ist nicht einmal unter Zuhilfenahme der offiziellen Webpage möglich. Sie klingen auch kein Fitzelchen nach Vorarlberg und überhaupt nicht nach der Steiermark, und dem Radau nach zu urteilen kommen sie ohnehin eher aus einer Vorhölle oder aus einem dieser Länder, wo raue Wikinger am Fjord den Wolf jagen. Vor drei Jahren empfahl sich die Gruppe - die, es darf ruhig ausgesprochen werden, genauso klingt wie sie heißt - mit ihrem ersten Album, das mit dreckigem Groove launig vor sich hinrumpelte. Der Nachfolger, dessen Name uns assoziativ entweder an Ruhm oder an höllisch schwere Kreuzworträtsel bindet, klingt ganz so, als hätten sie Stufe Elf auf dem Verzerrer gefunden, und läßt vermuten, daß es in den drei Jahren seit dem Erstling mit der Stimmung rapide bergab ging.

Daß so ein Krach überhaupt erlaubt ist in Österreich! Freilich gibt es eine ganze Menge härterer Bands, schnellerer Instrumentalangeber, aber so schmutzig verzerrt pfeifend nehmen sie dann doch alle nicht auf. Alles kracht, die Stimme dröhnt, der Bass brummt, und der Nachbar des Rezensenten überlegt sich gerade, eine Wohnung in der ruhigeren Flughafengegend zu beziehen. Sänger Andy71 (Eltern gibt's!) klingt wie Ex-SOiL-Sänger Ryan McCombs, die Band wie eine groovende Mischung aus Fear Factory und zwei Subwoofern. Das Wort "brachial" drängt sich auf.

Fein und empfehlenswert - wenn man einmal außer Acht läßt, daß einen das Gekloppe ein wenig orientierungslos zurückläßt. Der Profi mag die einzelnen - das folgende Wort muß mit ganz spitzem Mund gelesen werden: - Kompositionen durchaus für unterscheidbar halten, der weniger fanatische Hörer hört gegebenenfalls, daß "Fields" etwas heftiger ist als "Ephemeral", und daß "R.I.B.P." irgendwie viel Getrommel bietet, aber dabei kommt er sich dann auch schon vor wie ein kleines Penibelchen.

Dann hätten wir es ja doch geschafft, etwas vermeintlich differenziertes über dieses Album zu sagen, das solch angestrengte Grübeleien eigentlich gar nicht braucht. Gloria, der Krach ist da.





Dieser Text erschien zuerst am 5.12.2006 bei Fritz!/Salzburger Nachrichten.

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Christian Genzel

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