Wer in letzter Zeit die erhitzten Diskussionen im Regie.de-Forum verfolgt hat, ist vielleicht wie ich selbst Zeuge einer erstaunlichen Erkenntnis geworden. Jörg ist nicht etwa einfach nur der verschrobene Schmalfilmregisseur, für den er weithin gehalten wird. Nein, er ist der tumbe Held, der durch wu wei das oppressive System untergräbt, der naive Idealist, dessen unbedarfte Beharrlichkeit beinahe Züge der Deutschen Romantik aufweist und das Establishment durch eben jenes Chaos aufrüttelt, vor dem es sich durch Überheblichkeit schützen will. Jörg ist quasi der Donald Duck der Kurzfilmszene, der im ständigen Konflikt mit den Dagoberts, MacMoneysacs und Gustav-Gans-Figuren der etablierten Filmschaffenden steht, aber mit seiner Kurzfilmtrilogie Tick-Trick-Track (kaum zu unterscheiden, aber nur im Trio stark) und dem Handbuch der Filmstube Fieselschweif jenen Menschen im Forum als Spiegel für ihre eigenen Bedürfnisse dient: Jörg ist einer wie wir, einer von unten, für den - wie für die anderen Forenmitglieder auch - Aufmerksamkeit und Anerkennung gleichzusetzen sind.

Wie Clemens Brentano glaubt auch Jörg an die magische Kraft des Wortes: Auf überlange Belehrungen darüber, wie indiskutabel schlecht sein Ruf in der Branche und speziell im Forum nicht sei, reagiert er mit dem romantischen Zauberstab, dessen Verwendung eben das wahr werden läßt, was gesprochen wird: "In Regie ist mein Ruf sehr gut." Gegen die humorlosen, sich selbst allzu wichtig nehmenden Eingeschnappten, die in ihrem erzieherischen Auftrag, wie andere Menschen sich zu verhalten hätten, mitunter gerne von sich selbst in der dritten Person sprechen, ist Jörg wie ein Schild, an dem alles abprallt, und funktioniert als Wunderwaffe, die das wahre Gesicht seiner Widersacher erkennen läßt.

Jörg, wir sind auf deiner Seite. Wenn du es baust, wird er kommen.

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Christian Genzel

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