Mittlerweile hat's ja fast Tradition, nach Feier- und anderweitig vertrödelten Tagen hier im Blog einen mehr oder minder detaillierten Bericht zu veröffentlichen. So soll auch die gestrige Wocheneinheit nicht unerwähnt bleiben, die sich immerhin von zwei Serienfinalen, zwei Sägen, zwei Freunden und drei Schnitzeln geprägt zeigte.

Natürlich war gestern der Tag, derjenige welche, the one where we were supposed to find out what it's all about. Ein 1½-stündiges LOST-Finale kann ja an unserer Selbsthilfegruppe nicht spurlos vorüberziehen, nicht unbeachtet bleiben von unserem kleinen Why-is-that-creepy-guy-so-bald-Zusammenschluß, der sich gegenseitig stützt, um LOST-lose Zeiten zu überbrücken und dabei nach außen hin gesellschaftliche Achtung zu wahren. Was sollte nicht alles passieren im Finale! Was sollten wir nicht alles erfahren! Und freilich war uns klar, daß der Schluß eine totale Frechheit sein würde, eine neonleuchtende Karotte, die man uns Sehpferden den Sommer lang vor die Nase halten würde.

Nun, natürlich können wir nicht bis Oktober warten, um zu erfahren, wie's denn jetzt weitergeht. Aber so eine Frechheit war's ja eigentlich gar nicht. Der eigentliche Knüller war das Boot, auf dem dieser Seebär-meets-Otto-Rahn zusammen mit den Taktik-und-Spiele-Leuten saß, und hinten drin saß Nicole Kidman, damit wir erahnen können, daß es sich um the Others handelt. What the f---? Die Spekulationen darüber werden uns wohl doch ein bißchen auf Trab halten. Die Luke war eher antiklimaktisch, aber eigentlich gar nicht so doof aufgelöst, weil's interessant bleibt und zumindest ausschließt, daß es halt nur ein Bunker mit einer verängstigten Atomfamilie drin ist, denen schon lange die Konserven ausgegangen sind. Was mag wohl unter der Insel sein? Die Leiter und der lange Schacht deuten doch wohl auf einen größeren Komplex hin. Und eingesperrt war wohl auch nichts drin, sonst gäb's ja keine Leiter.

Nun, natürlich haben wir nach 90 Minuten LOST 150 Minuten Diskussionsforum gespielt, innerhalb derer sich Sir Schwarzelot verpflichtet hat, Traum-LOST-Episoden zu schreiben, innerhalb derer Michael Jackson auf der Seite der Others gewähnt wurde, und innerhalb derer diverse Ängste geäußert wurden, daß J.J. Abrams möglicherweise den Ordner mit der ganzen Auflösung beim Umsiedeln verloren hat.

Kein fauler Tag ohne Schnitzelexpedition! Nachdem die Fageralm ja derzeit den Dienst verweigert (eventuell sind ihnen die muhbilen Schnitzel ausgegangen), haben wir uns einmal die Ehrentrudisalm angeschaut, die auch ganz okaye Bösel-Bricketts zu bieten hat, und wo zu unserer Überraschung our very own Pedell Wast kellnert. Nett. Der Ausblick ist leider nicht so schön wie von ganz oben, aber das schöne Wetter hat's wettgemacht.

Geht auseinander! Das Fellowship ging gegen Abend wieder getrennte Wege, um im Einzelkampf die Demokratie zu schützen, und so fand ich mich dann daheim vorm Rechner, um mir das ALIAS-Finale anzusehen. Da hat jemand ganz viel RESIDENT EVIL oder irgendeinen anderen Zombie-Apokalypso-Matscher gespielt und dann Syd und die Gang reingeworfen. Unterhaltsam, und letztlich irgendwie belanglos. Aber wenigstens hockt Sloane jetzt wieder im Knast, und der Kopfschuß sollte Yelena dann doch eine Zeitlang davon abhalten, als regular in irgendeiner Staffel aufzutauchen - vorausgesetzt, es handelt sich nicht wieder um ein Project-Helix-oder-wie-der-haarsträubende-Blödsinn-heißt-Doppelgänger. Go, Doppelganger, you're one of us. Aber der Cliffhanger ist ja der totale Irrsinn! Mal ehrlich: Wenn die nächste Staffel das aufgreift und etwas Interessantes daraus spinnt (und mit etwas mehr Konsequenz erzählt als Season 4), dann bin ich versöhnt. "First of all, my name is not Michael Vaughn ..." hieß es da ganz kurz vor dem Crash. Boah!

Ja, und da war der Abend ja noch jung, und drum habe ich mir SAW angesehen, und der ist eine evil little number und mit Abstand das heftigste, das ich seit langem (ganz langem) gesehen habe. Splattert wie Sau, extrem heftig, verstörend, gemein, brutal, klaustrophobisch, und was es da noch für Adjektive gibt. Cary Elwes (ohne Strumpfhosen) in der Hauptrolle, Danny Glover stolpert als komplett besessener Cop mit Halsnarbe durch das Geschehen, Monica Potter verbringt den halben Film ans Bett gefesselt, und alle sind sie gefangen in einer Serienkillergeschichte, gegen die der SIEBEN-Killer wie ein humanistischer Aktionist wirkt. Man kann ja eigentlich froh sein, daß uns der Film auch von den anderen Figuren und den anderen Opfern erzählt, weil wir ansonsten die ganze Zeit lang mit Elwes und seinem Leidensgenossen in dem ekligen Badezimmer eingesperrt wären, wo nach und nach der Irrsinn regiert. Nicht zu vergessen, daß irgendwie alle Figuren nicht ganz sauber sind und man schon nach kurzer Zeit das Bedürfnis verspürt, sich ganz dringend mit ganz viel Seife zu waschen. Oh, und für diesen kleinen Film, der wohl fast nichts gekostet hat und eine minimale Crew hatte, haben sie neben den obenerwähnten Darstellern auch noch Charlie Clouser für den Soundtrack gewonnen, der dann auch gleich Page Hamilton, Danny Lohner und ein paar andere Freunde ins Studio geholt hat. With a little help from your friends.

Und dann? Überraschend gut geschlafen.

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele, und dreht eine Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX, den All-Music Guide, das 35-Millimeter-Filmmagazin und Film & TV Kameramann. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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