Griff inklusive

Grip Inc. kehren nach einer halben Dekade Pause mit ihrem besten Album zurück: INCORPORATED.

Geschlagene fünf Jahre ist es her, daß wir das letzte Mal von ihnen hörten: Grip Inc., die Gruppe um Ex-und-jetzt-wieder-Slayer-Drummer Dave Lombardo, Gitarrist und Produzent Waldemar Sorychta sowie Sänger Gus Chambers. Nach drei feinen Schwermetall-Platten, mit denen sie uns in der zweiten Hälfte der 90er Jahre beglückten, war erstmal Funkstille angesagt. Die Zeit war nicht reif für ein neues Album, sagten sie.

Jetzt ist sie reif. Und das hört man INCORPORATED (SPV/Steamhammer, VÖ: 15. März), dem Nachfolger des 1999 erschienenen Albums SOLIDIFY, auch an: Dave und Co. gehen mit mehr Kraft und Ambition denn je zu Werke. Die Platte hat Druck und befriedigt jeden Liebhaber harter Klänge, bietet aber auch genug Melodie und ungewöhnliche Abstecher, um sie weit aus der Masse der immer gleich klingenden Metalveröffentlichungen meist minderjähriger musikalischer Missetäter herausstechen zu lassen.

Gleich der Opener, "Curse (Of The Cloth)", gibt die Fahrtrichtung vor: hyperschnelle Blastbeats, ein exotisches Zwischenspiel auf der Flamenco-Gitarre, danach tonnenschwere Riffs. Mit "The Answer" befindet sich ein nicht minder heftiger Sturm im Anschluß, dessen Refrain starken Ohrwurmcharakter besitzt - obwohl er interessanterweise weniger melodisch ist als die Strophen dazwischen!

War die Gruppe beim letzten Mal noch hermetisch abgeriegelt, so hat man sich diesmal mit Gastmusikern zusammengesetzt. Erwähnenswert insbesondere ist hier der Auftritt eines Apocalyptica-Viertels, der nicht nur "(Built To) Resist" mit dramatischen Streichern anreichert. Auch Soundspielereien lassen sich finden, wie die Keyboard-Klänge, die unaufdringlich in "Prophecy" oder "The Gift" eingewoben wurden.

Die Pause hat den Metallmannen hörbar gut getan, denn die Spielfreude der Band steht bei INCORPORATED bei elfundneunzig Prozent. Diese Leidenschaft war übrigens ebenso spürbar im Interview mit Waldemar Sorychta, das ihr im Anschluß nachlesen könnt. Eine uneingeschränkt empfehlenswerte CD!





Dieser Text erschien zuerst am 13. März 2004 bei Fritz!/Salzburger Nachrichten.

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Christian Genzel

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