THE IMAGE MAKER … IM ZENTRUM DER MACHT: Eine verworrene Medienkritik

Aktuell / Film / Retrospektive / 25. März 2022

Roger Blackwell (Michael Nouri) war einst Medienberater des Präsidenten, bevor ihn nach dem Selbstmord seiner Frau ein Sensationsbericht der Reporterin Molly Grainger (Anne Twomey) zu Fall brachte. Drei Jahre später, passend zur Wiederwahlkampagne von Präsident Manning, plant Blackwell die Veröffentlichung eines Tonbands, auf dem das Staatsoberhaupt offenbar Absprachen mit dem organisierten Verbrechen trifft – und Grainger soll Blackwell bei der skandalösen Enthüllung helfen. Klar, dass verschiedene Parteien starkes Interesse an dem Band haben – und Skepsis an seiner Authentizität …

Man merkt schon an der knappen Inhaltsangabe, dass sich THE IMAGE MAKER … IM ZENTRUM DER MACHT (im Original schlicht THE IMAGEMAKER) viele große Themen auflädt. Macht und Medien, Politik und Korruption, Medien und Manipulation – hier wird eine Watergate-Whistleblower-Mixtur zu einer Mischung aus Thriller und Fragestellung darüber, wie unsere politische Wahrnehmung medial gesteuert wird.

Roger Blackwell (Michael Nouri) meint es ernst mit seinem Enthüllungsfilm.

Aus den interessanten Anlagen wird aber leider nie ein schlüssiges Ganzes. Der Plot verstrickt sich in zahlreichen Schlenkern, die dem Thema Komplexität geben sollen, aber stattdessen das Narrativ zerfransen lassen. Blackwell plant beispielsweise auch, mit seinem Insiderwissen der Politik einen Film zu drehen, und befindet sich mit seinem Geschäftspartner Byron Caine (Jerry Orbach) auf Finanzierungssuche – aber ein potentieller Geldgeber, Botschafter Hoyle (Farley Granger), möchte Caine mit seinem Geld davon überzeugen, den Film doch lieber ohne Blackwell zu produzieren. Mit der Enthüllung des Tonbands wollen Blackwell und Caine also Aufmerksamkeit für ihre Produktion erreichen – aber der Plan, der am Ende des Films auch diverse Twists in den Ring wirft, ist so verknotet, dass er hauptsächlich Fragezeichen hinterlässt. Und dann will Blackwell sich potentiell auch an Grainger für ihren damaligen Klatschreport rächen – und die wird derweil von anderer Seite bedrängt, Blackwell jetzt mit einem noch skandalöseren Bericht jede Glaubwürdigkeit zu ruinieren. Was eine komplexe Figuren- und Motivsituation ergeben könnte, wird unter der Regie von Hal Weiner (der auch produziert und mit Dick Goldberg das Skript geschrieben hat) zum ungeschickt jonglierten Kuddelmuddel.

Das ist schade, weil THE IMAGE MAKER durchaus mit spannenden Ideen aufwarten kann. Blackwell, der den Tod seiner Frau nicht überwunden hat, plant eine Art Video-Lebenspartner-Simulation – und lässt dafür eine Schauspielerin seine Ehefrau spielen, die überall in seiner Wohnung auf Fernsehschirmen auftaucht und ihm zu Tagesbeginn und –ende eine vertraute Zweisamkeit vorspielen soll. Es gibt der Geschichte einen sanft futuristischen, originellen Touch, wie Blackwell da von einer Frau auf dem Schirm geweckt wird, die offenbar von der Küche aus in jedem Zimmer mit ihm in Verbindung steht – bis wir dann durch die leere Küche sehen, dass es sich um eine Aufzeichnung handeln muss. Wahrscheinlich sollte die Idee das Konzept der Beeinflussung und Manipulation von Bildern und Klängen weiter anfüttern, das hier immer wieder anklingt.

Reporterin Molly Grainger (Anne Twomey) hat den Durchblick.

Auch einzelne Szenen halten immer wieder das Interesse aufrecht. Da dreht Blackwell einen Wahlwerbespot mit einem Kongressabgeordneten, aber plötzlich platzt ein aufgebrachter schwarzer Mann in den Dreh und konfrontiert den Politiker mit Vorwürfen, dass seine hochtrabenden Worte über Arbeit und Bildung nichts mit seiner Realität zu tun hätten – und damit bringt er den Mann so um seine Fassung, dass der anfängt, den Eindringling rassistisch zu beschimpfen und damit sein wahres Gesicht zu zeigen. Blackwell lächelt zufrieden und klatscht sich mit dem Provokateur ab: Der Auftritt war abgesprochen. Und dann ist da noch die wahnwitzige Enthüllungs-TV-Show, in der Blackwell plötzlich den Revolver zückt, damit die Kamera auf ihm bleibt – an Einfällen ist der Film durchaus nicht arm.

Ein großes Ganzes wird nie daraus, und man ist sich hinterher auch nicht ganz klar, ob man die Story wirklich durchschaut hat – oder ob der Plot nicht mit seinen ganzen Ereignissen längt hoffnungslos in sich zusammengestürzt ist. Aber immerhin: Unterhaltsam und ungewöhnlich ist der obskure Film bis dahin durchaus.

 

The Image Maker … im Zentrum der Macht (USA 1986)
Originaltitel: The Imagemaker
Regie: Hal Weiner
Buch: Dick Goldberg, Hal Weiner
Kamera: Jacques Haitkin
Musik: Fred Karns
Darsteller: Michael Nouri, Anne Twomey, Jerry Orbach, Jessica Harper, Farley Granger, Richard Bauer






Christian Genzel
Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr, und den 2017 für den Shocking Short Award nominierten CINEMA DELL' OSCURITÀ. Derzeit arbeitet er an einer Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm. Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für Film & TV Kamera, Celluloid, GMX, den All-Music Guide, 35 Millimeter, Neon Zombie und Salzburger Nachrichten. Er hält Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".





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