Deep Focus: Die Spieleverfilmungen der Neunziger

Aktuell / Film / 1. Januar 2020

Die Welt des Films und die Welt der Computerspiele hatten sich schon in den Achtzigern zaghaft angenähert: Zu Hollywood-Blockbustern wie DIE GOONIES, BATMAN, ROBOCOP, E.T. oder INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG gab es Computer- und Videospiele (vgl. unseren Text zum C64-Game BATMAN: THE MOVIE), während das Kino umgekehrt auch das Phänomen der Computerfaszination auslotete (vgl. z.B. unsere Podcast-Folge #29 über WARGAMES).

1993 erschien die erste filmische Adaption eines Videospiels: SUPER MARIO BROS. von Rocky Morton und Annabel Jankel. Der Film litt unter schlimmen Produktionsbedingungen und ging als Vollflop in die Geschichte ein – Morton bezeichnet ihn als „glorreichen Fehlschlag“, unter seinen Problemen lässt sich eine unbändige Kreativität finden. Auch die folgenden Spieleverfilmungen hatten ihre Probleme: DOUBLE DRAGON von Jim Yukich wurde vom Publikum ebenso abgelehnt, STREET FIGHTER von Steven E. de Souza machte zwar Kasse, erhielt aber auch keinen besseren Ruf. Erst MORTAL KOMBAT von Paul W.S. Anderson wurde zum Hit – auch wenn der Film immer noch eher belächelt als gefeiert wurde. Eine schnell produzierte Fortsetzung, MORTAL KOMBAT – ANNIHILATION von John Leonetti, fand wiederum keine Freunde. Als sechste und letzte Spieleverfilmung der Dekade gesellte sich WING COMMANDER hinzu, bei der Spieleschöpfer Chris Roberts höchstselbst Regie führte – aber der Film verschwand schnell wieder.

In unserem „Deep Focus“ blicken wir auf diese sechs Filme, von denen die meisten mit schweren Problemen hinter den Kulissen kämpfen mußten – und die alle mehr zu bieten haben als ihr Ruf.

Herzstück unseres Schwerpunkts ist Folge #38 unseres Podcasts Lichtspielplatz: Klempner, Katzen und Krawall – Die Spieleverfilmungen der Neunziger. Hier sprechen Dr. Wily und ich ausführlich über die Filme, hinzu gesellen sich einige Interviews mit den Machern: Wir haben mit Rocky Morton, Jim Yukich, Steven de Souza sowie mit MORTAL-KOMBAT- und WING-COMMANDER-Autor Kevin Droney gesprochen. Für unser Gespräch über WING COMMANDER haben wir zusätzlich zwei Experten hinzugezogen: Heinrich Lenhardt und Jörg Langer, die als versierte Spielejournalisten und Betreiber des Podcasts Spieleveteranen viel Hintergrund zur Spielreihe liefern können.

Die einzelnen Interviews sind auch in voller Länge in unserem Zweit-Podcast Talking Pictures zu hören: Rocky Morton spricht nicht nur über SUPER MARIO BROS., sondern auch über die von ihm (ebenso zusammen mit Annabel Jankel) geschaffene Figur MAX HEADROOM und andere Stationen seiner bewegten Karriere. Jim Yukich gibt uns ausführlichen Einblick in die Entstehung von DOUBLE DRAGON. Steven E. de Souza war in besonderer Plauderlaune und erzählte nicht nur von STREET FIGHTER, sondern auch von vielen anderen Filmen, bei denen er als Autor involviert war – darunter STIRB LANGSAM, STIRB LANGSAM 2, PHANTOM-KOMMANDO und HUDSON HAWK. Zwischen den heiteren Anekdoten steckt da eine kleine Masterclass über das Filmemachen. Und als Vierter im Bunde erzählt uns Kevin Droney nicht nur von MORTAL KOMBAT und WING COMMANDER, sondern auch von einem eher unbekannten Geheimtipp, den er ebenso geschrieben hat.

Power-Play-Veteran Heinrich Lenhardt hat für uns auch einen Rückblick auf die WING-COMMANDER-Spielereihe geschrieben. Unser Gastautor Don Arrigone erinnert sich im selben Zuge an die alten Spiele DOUBLE DRAGON und MORTAL KOMBAT. Dr. Wily hat auch einen Blick auf die Buchtrilogie zu den WING-COMMANDER-Filmen geworfen, in denen die Story der Filme weitererzählt wird. Von mir gibt es zusätzlich noch ein paar Gedanken zum Soundtrack von SUPER MARIO BROS.

Unser „Deep Focus“ beschränkt sich nicht auf Wilsons Dachboden: Dr. Wily und ich waren umgekehrt auch Gäste im Spieleveteranen-Podcast, um ausführlich über WING COMMANDER III – HEART OF THE TIGER zu reden, das 1995 mit aufwendigen Filmsequenzen und Schauspielern wie Mark Hamill und Malcolm McDowell die Verbindung zwischen Spiel und Kino maßgeblich vorangetrieben hat. Für die GameStar habe ich außerdem einen Artikel zur Entstehung des Films SUPER MARIO BROS. geschrieben.

Wer noch etwas über die Neunziger hinausblicken will, findet in den Archiven von Wilsons Dachboden auch noch einige Texte zu Spieleverfilmungen: Ich habe schon über Jan DeBonts LARA CROFT: TOMB RAIDER – DIE WEGE DES LEBENS geschrieben (an dem auch Steven de Souza mitgearbeitet hat, er berichtet davon in unserem Talking-Pictures-Interview) und eine Sequenz des Films in einem Close-Up analysiert. Auch ein Text zu Mike Newells PRINCE OF PERSIA – DER SAND DER ZEIT findet sich im Archiv – ebenso wie unser früherer Schwerpunkt zur RESIDENT-EVIL-Reihe von MORTAL-KOMBAT-Regisseur Paul W.S. Anderson: RESIDENT EVIL, RESIDENT EVIL: APOCALYPSE, RESIDENT EVIL: EXTINCTION, RESIDENT EVIL: AFTERLIFE, RESIDENT EVIL: RETRIBUTION und RESIDENT EVIL: THE FINAL CHAPTER.

Wir wünschen viel Vergnügen mit diesem ausführlichen Blick auf die frühen Spieleverfilmungen!

 

 






Christian Genzel
Christian Genzel
Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr, und den 2017 für den Shocking Short Award nominierten CINEMA DELL' OSCURITÀ. Derzeit arbeitet er an einer Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm. Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für Film & TV Kamera, Celluloid, GMX, den All-Music Guide, 35 Millimeter, Neon Zombie und Salzburger Nachrichten. Er hält Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".





You might also like