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Videothekengeher hassen diesen Trick! Ist DREAM EVIL der langweiligste Film überhaupt?

Herr Genzel und ich wollten uns eigentlich nur einen spaßigen Abend mit klassischer Videothekenkost gönnen, und unsere Wahl fiel auf DREAM EVIL (im Original: DREAM A LITTLE EVIL), das Regie-Erstlingswerk von Royce Mathew. Was dann passierte, war schockierend unglaublich!

George (Richard Sebastian, links) und Billy (Duncan Rouleau) sind schon etwas zu alt für „Jugend forscht“.

Oder vielleicht war es weniger unglaublich. Denn jetzt bricht Herr Mathew sein Schweigen (bzw. tat er dies bereits 2020 in einem Interview mit The Schlock Pit, man musste ihn wahrscheinlich auch nur höflich fragen): Er hatte kaum Erfahrung, ein Budget von sage und schreibe 9000 Dollar, genau einen Drehort und sensationelle 40 Stunden Zeit. Dass dabei ein Film herauskommt, der bisher von der Academy konsequent ignoriert wurde, überrascht eigentlich wenig. Beziehungsweise ist es natürlich extrem schockierend! Fühlt euch angeschrien!

Beschäftigen wir uns kurz und schmerzlos mit dem Plot, der John Hughes‘ Teeniephantasie L.I.S.A. – DER HELLE WAHNSINN (1985) als Horrorkomödie interpretiert – zumindest in den allerletzten Filmminuten: Hauptcharakter George baut vor einem prominent platzierten Einstein-Poster eine Maschine, mit der man eine Illusion dessen erschaffen kann, was man sich gerade vorstellt, z.B. einen spannenderen Film. Sein Freund Billy nutzt dies sofort, um seine perversesten Fantasien auszuleben (einvernehmlicher Geschlechtsverkehr, vermutlich in der Missionarsstellung). Die vermeintlichen Illusionen entwickeln allerdings ein Eigenleben und verbleiben auch bei abgeschalteter Maschine in unserer Welt. Zudem manifestiert sich auch das Unbewusste – und da Billy, wie er mehrfach betont, großer Fan von Horrorfilmen ist, geht das in den letzten 15 Minuten des Films natürlich gehörig schief. Für George entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod gegen eine billige Kopie von Regan aus DER EXORZIST und ein Monster, das selbst bei Charles Band durch die Qualitätskontrolle gefallen wäre. Ödipale Konflikte werden nicht ausgelebt, trotz zweimaliger Anspielung auf PSYCHO. Sämtliche weiteren Charaktere – z.B. Georges Bruder Mark oder dessen Beischlafgefährtin Veronika – sind nur Staffage und einzig für den abschließenden Bodycount im niedrigen einstelligen Bereich erforderlich, die Handlung funktioniert auch gut ohne sie.

Nachdem wir nun das Problem mit dem Plot aus dem Weg haben, darf ich ohne weiteres Aufheben präsentieren:

Die 10 langweiligsten Momente in DREAM EVIL – Nummer 4 wird dich zum EINSCHLAFEN bringen!

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10) Mir fällt gerade auf, dass ich mir für eine solche Liste überhaupt 10 Szenen merken hätte müssen, was nicht wirklich der Fall ist. Aber vielleicht reichen schon die quer durch den Film im Minutentakt gezeigten Establishing Shots dieses vollkommen überhaupt nicht unheimlichen, stinknormalen Einfamilienhauses, in dem die Geschichte spielt (Marktwert 1990: 250.000 Dollar).

Hmm …

Sämtliche Interaktionen, die Georges Freund Billy (gespielt von Comicautor Duncan Rouleau, dem Co-Creator der erfolgreichen Animationsserie BEN 10 – nicht zu verwechseln mit dem weniger erfolgreichen BEN AND ARTHUR) beinhalten, gehören auf jeden Fall auch auf die Liste. Ich fürchte, hier sind wir bei 10 aufwärts, wobei mein Hirn schon fleißig verdrängt und jegliche Synapsen kappt, die zu Erinnerungen an DREAM EVIL führen. Billy benimmt sich jedenfalls lautstark in jeder Sekunde so, als wäre er 14, und der Mittzwanziger Rouleau spielt ihn so, als müsste er höchstselbst die $9000 Budget zahlen. Jede Szene mit ihm ist eine fast schon spirituelle Leiderfahrung. Rouleau hat übrigens leider auch noch weitere Auftritte als Darsteller in anderen Filmen, die Herr Genzel auch noch publikumswirksam anpreisen will – freut euch schon auf seine 11 schönsten Performances!

Hmmmmmm …

Verdammt! Naja. Immerhin habt ihr den Artikel schon angeklickt! Darum hier die langweiligste Szene – wobei sich fragen lässt, ob es nicht gerade die aufregendste Szene war (im Sinne, dass sich Herr Genzel hier sehr aufregen musste), wenn sie mir als einzige im Gedächtnis blieb? Aber ich werde ja nicht bezahlt, um zu philosophieren!

1) Angie ist die physische Manifestation von Billys Masturbationsfantasien und erscheint in Folge auch Hauptcharakter George. Dieser will beweisen, dass er selbst nicht verrückt und Angie real ist. Dazu will er mit einer Sofortbildkamera ein Foto von ihr schießen. Einfach, geradlinig sowie kurz und schmerzlos? Nicht mit DREAM EVIL! Kaum ist er bereit, ein Foto zu schießen, bittet ihn Angie schon zu warten und wechselt die Pose. Bis George endlich abdrückt, wiederholt sich dieses Spiel etliche Male, obwohl er ja nur irgendein Foto von ihr braucht, kein Cover für den Playboy. Dieses unnötige In-die-Länge-Ziehen einer einfachsten Handlung, um ja noch ein paar Sekunden Film rauszuschinden, kann als Epitom der Langsamkeit und Langweiligkeit von DREAM EVIL gesehen werden. Oder als Anleitung für das richtige Vorgehen: Immerhin hast du aufreizende Astralmanifestationen fortwährend falsch fotografiert!

Das Geheimnis beim Ablichten übernatürlicher Wesen: Die Pose muss stimmen!

Ist DREAM EVIL der langweiligste Film überhaupt?

Vermutlich nicht, aber Herr Genzel und ich sind gegenüber alten Filmen wieder wohlwollender geworden, was nie ein gutes Zeichen ist. Wir waren auch sehr froh, als DREAM EVIL nach 80 Minuten tatsächlich vorbei war. Apropos vorbei: Wenn ihr bis hierher gelesen habt, dann kann ich euch endlich mit einem abrupten Ende ohne jegliche Auflösung konfrontieren. Immerhin habt ihr schon geklickt.

 

Dream Evil (USA 1990)
Originaltitel: Dream a Little Evil
Regie: Royce Mathew
Buch: Royce Mathew
Produktion: Royce Mathew
Darsteller: Richard Sebastian, Michelle Gaudreau, Duncan Rouleau, Victoria Nesbitt, Tom Alexander, Kathy Smith, Lyle Waggoner

Don Arrigone
Als Kind ausgesetzt und im Kloster zum Heiligen Massacesi aufgezogen. Zeigte schon in jungen Jahren Interesse an jeglicher Art von Film, insbesondere aber an den Genres Horror und Thriller. Studium der Theologie, Magisterarbeit zur Darstellung der Nonne im italienischen Film des 20. Jahrhunderts. Priesterweihe, und Beitritt zum Geheimorden der Fratri Rossi. Tod während einer nächtlichen Orgie, aufgrund seines sündigen Lebenswandels hinabgefahren in die Hölle. Gefangen im 9. Zirkel der Unterwelt und somit gezwungen, bis zum jüngsten Tag Videothekenfutter zu rezensieren.

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