Transformers: Dark of the Moon – The Album (2011)

Musik / Uncategorized / 22. Juni 2011

Ich geb’s ja zu: Ich freue mich diebisch auf den dritten TRANSFORMERS-Kinofilm. Natürlich ist es ganz einfach, die Krawallfilmchen zu belächeln, und natürlich waren beide Vorgänger ungefähr eine Stunde zu lang, aber anstatt den dünnen intellektuellen Anspruch zu monieren, erfreue ich mich halt am kreativen Spaß der Reihe, der mit nimmermüder Energie gigantisches Spielzeug aufeinanderhetzt. (Hier meine Kurznotizen zu Teil 2.) Kurz vor Kinostart steht zur Einstimmung auch schon das Album mit den Songs im Laden, und wo es sonst mit kleinen Sternchen notiert steht, welche Tracks eigentlich gar nicht aus dem Film sind, wird hier großzügig auf dem Backcover ein genereller Hinweis ausgesprochen: „A number of tracks may not be contained in the film“. Jaja, Kinder: Sucht mal!

Wie schon bei beiden Vorgängerfilmen und -alben eröffnen auch hier Linkin Park die CD, und wie üblich schafft es die Band, mit jedem Release noch kommerzieller zu klingen als ohnehin schon. „Iridescent“ (vom aktuellen Album A THOUSAND SUNS) läßt sich mit Piano und verhaltenem Tempo ruhig an, um dann in die Stadiongröße zu springen. Auch danach stehen diverse Bands in den Startlöchern, mit denen schon die früheren Soundtracks bestückt waren: Taking Back Sunday (T1 und T2), Theory of a Deadman (T2), Staind (T2) und die Goo Goo Dolls (T1). Die Kontinuität ist freilich ebenso dadurch gesichert, daß auch hier wieder lautstarker Mainstreamrock aufgefahren wird, bei dem produktionstechnisch kein Haar an der falschen Stelle sitzt: Der Kompressor glüht, die Gitarren donnern, das Stadion bewegt sich. Freilich ist es gewissermaßen fast ehrlich, einen brachialen Blockbuster mit ebensolcher Musik zu bestücken.

Komplettausfälle sind nicht in der Trackliste zu verorten, auch wenn My Chemical Romance (die noch nie im Verdacht standen, unglaublich kantig zu klingen) klangtechnisch nur knapp an der Meister-Propper-Glätte vorbeischrammen und die Goo Goo Dolls gewohnt schmusig ausfallen. Dafür gibt es den bodenständigen Breitleinwand-Rock von Theory of a Deadman („Head Above Water“), eine mitreißend energiereiche Temporunde von Black Veil Brides („Set the World on Fire“, produziert von Josh Abraham), und auch sonst viel Power. Der intensivste Track stammt überraschenderweise von Staind, die ja eigentlich mit dem letzten Album eher im Stillstand verharrt waren: Bei „The Bottom“ jaulen die Gitarren, Aaron Lewis‘ Melancholie hat Kraft, und irgendwann schreit er sogar wie noch zu DYSFUNCTION-Zeiten.

Ganz hinten stechen zwei Tracks noch aus der Masse an Radio-Rock heraus: Mastodon replizieren die staubige Lässigkeit von ZZ Top mit dem Cover „Just Got Paid“, und danach – nur auf der europäischen Variante – fegen die deutschen Beatsteaks durch „House on Fire“, was klanglich keine weiten Strecken vom Rest der CD entfernt erscheint, aber dennoch durch den Verzicht auf die ultrafette Produktion eine eigene Note setzt.

Schöne Compilation also. Jetzt freue ich mich nicht nur auf TRANSFORMERS 3, sondern auch auf das kommende Staind-Album und auf mehr Songs von den Black Veil Brides. Ach so, war das vielleicht der Hintergedanke der Produzenten dieses Soundtracks? Sapperlot!

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Christian Genzel
Christian Genzel
Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr, und den 2017 für den Shocking Short Award nominierten CINEMA DELL' OSCURITÀ. Derzeit arbeitet er an einer Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm. Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für Film & TV Kamera, Celluloid, GMX, den All-Music Guide, 35 Millimeter, Neon Zombie und Salzburger Nachrichten. Er hält Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".





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3 Comments

on 29. June 2011

Also Roger Ebert hält den Film für einen der dümmsten und schwächsten die er je gesehen hat: ""Transformers 3" has long stretches involving careless and illogical assemblies of inelegant shots." Und dabei ist Ebert einer der verständnisvollsten, was Popcorn-Kino angeht. ich bin schon gespannt, wie deine Rezension ausfallen wird, sobald du ihn gesehen hast.

on 29. June 2011

Nunja, Ebert schreibt gerne mal viel Kappes, wenn's um Popcorn-Kino geht. Siehe z.B. sein Review zu X-MEN 1. An TRANSFORMERS 2 hat er exakt die Punkte bemängelt, die in Teil 1 eh schon vorhanden waren (den er extrem positiv bewertet hat) – daß der jetzt also nicht hochspringt und T3 bejubelt, war irgendwie klar. Anderswo wird der Film sehr positiv aufgenommen – aber das ist mir in die eine wie in die andere Richtung egal, was da wer toll oder dumm findet …

on 1. July 2011

Wirklich lustig ist die Rezension von Andrew O'Hehir auf salon.com. Die trifft wahrscheinlich ziemlich ins Schwarze.



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