Der immense Erfolg von John Carpenters wegweisendem Horrorfilm HALLOWEEN machte eine Fortsetzung beinahe unumgänglich. Carpenter selber sah HALLOWEEN II aber eher als Nebenprojekt an: Er schrieb zwar wieder das Skript zusammen mit Debra Hill und fungierte als Produzent, trat aber die Regie an Rick Rosenthal ab. Auch um den Score kümmerte er sich nur beiläufig: Weil er schon in den Vorbereitungen zu seinem Film THE THING steckte, übergab er die Leitung der Filmmusik an seinen Kollegen Alan Howarth, mit dem er kurz zuvor DIE KLAPPERSCHLANGE vertont hatte. Dennoch wird die Musik sowohl Carpenter wie auch Howarth zugeschrieben - weil Howarth primär Carpenters Originalkompositionen aus dem ersten Teil übernahm und in ein neues klangliches Gewand steckte.

Es ist durchaus passend, daß der Score zu HALLOWEEN II im Grunde genommen eine Wiederholung der Musik des Vorgängers ist, nur anders interpretiert - schließlich trifft das auf den Film selber ja auch zu, der so stark an das Muster des Erstlings anknüpft, daß die Handlung in exakt jener Minute weitergeht, in der Teil 1 endete. Die Stimmung hat sich aber gewandelt: So wie HALLOWEEN II grausamer und klaustrophobischer als sein Vorgänger ausfiel, klingt auch der Score kälter und düsterer - und das, wo die Vorlage ja schon in der ersten Version keinesfalls freundlich und beruhigend wirkte!

Die meisten Stücke auf dem Soundtrack greifen die bekannten Themen aus HALLOWEEN wieder auf: Das "Halloween II Theme", "Laurie's Theme", "Laurie and Jimmy". Neu ist hauptsächlich das überarbeitete Sound Design von Alan Howarth: Statt des Pianos wird größtenteils der Synthesizer verwendet, und die Klänge sind härter, bedrückender, nervenaufreibender als zuvor. Alleine das schneidende Pfeifen, das sich durch "Laurie and Jimmy" und "Michael's Sister" zieht, kann einem sämtliche Nackenhaare aufstellen. Und mit dem fremdartigen Bass-Synthesizer und den metallischen Oberflächen klingt das Hauptthema auf "Halloween II Theme" wie ein massiver Gefrierschrank.

Ein paar neue Motive sind dazugekommen, zum Beispiel das Ambient-artige "Flats in the Parking Lot" und der Terrortrack "Operation Room". Klanglich und auch kompositorisch fügen sich Howarths Erweiterungen so perfekt in den Gesamtkontext ein, als hätten sie ebenso schon zum ersten HALLOWEEN gehört - nur daß der Sound hier geradezu boshafte Dimensionen annimmt: Der Höllenlarm der fabrikhaft kreischenden und pfeifenden Synthesizer des Mittelteils von "Still He Kills" würde selbst Jahre später diverse Industrial-Noise-Bands vor Neid erblassen lassen.

Nach all dem fröstelnden Horror wirkt der letzte Track gleichzeitig erleichternd und doch böse: Der Soundtrack endet mit dem Fünfziger-Jahre-Hit "Mr. Sandman" von den Chordettes. "Mister Sandman, bring me a dream / Make him the cutest that I've ever seen", wird da fröhlich gesungen, und wir fragen uns, ob der Sandmann womöglich noch dunklere Albträume in Petto hat.




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Christian Genzel

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