Bill (Aaron Eckhart) steckt schwer in der Krise: Seine Frau (Elizabeth Banks) betrügt ihn mit einem affigen TV-Reporter (Timothy Olyphant), er hat dank seiner Ehe einen verantwortungslosen Posten in der Bank seines Schwiegervaters (Holmes Osbourne), wo er von seinem Schwager (Todd Louiso) gemobbt wird, und er muß sich im Rahmen eines Mentorenprogramms um einen rebellischen Schüler (Logan Lerman) kümmern, obwohl er mit seinem eigenen Leben schon genug Probleme hat. Während Bill versucht, mittels eines Doughnut-Franchise-Ladens finanziell auf eigene Füße zu kommen - was er ohne Zustimmung seines Schwiegervaters und seiner Frau nicht machen kann - beschließt sein Schüler, ihm zu helfen, seine Frau zurückzuerobern: Zum Beispiel mit Hilfe einer attraktiven jungen Verkäuferin (Jessica Alba), die Bills Frau eifersüchtig machen soll ...

MEET BILL (der anfangs einfach nur BILL hieß, bevor er für den Kinostart umbetitelt wurde) erinnert an Midlife-Crisis-Geschichten wie AMERICAN BEAUTY und THE WEATHER MAN - ohne aber deren Schärfe und Eindringlichkeit zu erreichen. Eines der Probleme des Films ist es, daß man nie genug Einblicke in Bills Leben und seine Beziehung kriegt: Seine Frau wirkt kalt und karrieregeil, und weil nie etabliert wird, warum die Ehe mal funktioniert hat (oder ob sie das je getan hat), ist auch nie ganz klar, warum er seine Frau unbedingt zurückerobern will - die sich übrigens nicht ein einziges Mal bei ihm für ihren Seitensprung entschuldigt, sondern im Gegenteil ihn darüber belehrt, daß er nicht in ihrem Leben herumschnüffeln soll! Auch Bills Traum vom eigenen Doughnut-Laden überzeugt nicht: In einer (durchaus witzigen) Sequenz erklärt er seinem Schüler, daß Arbeit generell nervt, ob man nun in einer Bank arbeitet oder Essen verkauft oder sonstwas macht, und daß man deswegen nur froh sein sollte, wenn man dabei Geld scheffeln kann. Wieso hat der Mann keine wirkliche Leidenschaft, für die er kämpft? Warum sollen wir mitfiebern, daß er seinen eigenen Laden eröffnen kann?


Eine solche Geschichte über einen von den großen und kleinen Alltagsproblemen gebeutelten Mann funktioniert hauptsächlich darüber, daß wir uns darauf freuen, mit ihm aus diesem Leben ausbrechen zu können: Wir wollen sehen, wie er dem unnachgiebig strengen Schwiegervater und der oberflächlichen Ehefrau und dem Widerling von Schwager irgendwann eins reinwürgen kann, wie er den verhaßten Job hinschmeißt und sein Leben so umkrempelt, daß er wieder Spaß daran hat. Aber alle diese Momente kommen nie: Bill verliert nach und nach die Kontrolle über sein Leben, aber er fügt es später nicht so wieder zusammen, daß wir uns wirklich für ihn freuen können. Dabei ist auch der Effekt der Beziehung zu seinem Schüler (der übrigens namenlos bleibt und im Abspann nur als "The Kid" gelistet wird) eher unklar: Man kriegt das Gefühl, daß der Film da (ganz in der Tradition solcher Paarungen) zeigen will, wie jeder der beiden dem anderen etwas mitgeben kann - aber was genau ist das hier? Mit gutem Willen kann man noch sehen, wie der Kontakt zu dem rebellischen Jungen in Bill auch eine Trotzreaktion gegenüber seinem restlichen Umfeld hervorruft - aber was passiert umgekehrt in der Beziehung?

Nicht alles ist enttäuschend an dem Film: Die Darsteller liefern allesamt gute Leistungen ab, angefangen bei Aaron Eckhart, der den unterwürfigen Mann, der den Frust in sich hineinfrißt, mit Wonne spielt. Logan Lerman - der später in der Titelrolle von PERCY JACKSON und als D'Artagnan in Paul Andersons DIE DREI MUSKETIERE zu sehen war - macht am meisten Spaß, weil er mit frechem Funkeln im Auge vieles still kommentiert und als einzige Figur alles im Griff zu haben scheint. Auch in den Nebenrollen überzeugen die Schauspieler: Schwiegervater Holmes Osbourne ist wunderbar mißbilligend und sieht Bill immer mit einem Blick an, der Bände spricht; Todd Louiso (bekannt aus HIGH FIDELITY) ist nicht minder gut in seiner Rolle als überhebliches Ekel, das ohne den Schutz des Vaters nie etwas zu melden hätte. Ebenfalls zu sehen sind die SNL-Komiker Jason Sudeikis (den kennen wir aus ALLES ERLAUBT) und Kristin Wiig (BRAUTALARM). Ach ja, und in kleineren Rollen tauchen noch Marisa Coughlan als Verkäuferin sowie Craig Bierko als Bills Bruder auf. Ein starkes Ensemble, das hier versammelt wurde.


Mit diesen Darstellern funktioniert also wenigstens die Comedy in MEET BILL - auch wenn man mitunter nicht lacht, weil einem Bill schon leid tut, wenn er überall kleingemacht wird und wieder eins auf den Deckel kriegt. Dennoch sind die entsprechenden Sequenzen vergnüglich - sei es eine Entenjagd mit dem Schwiegervater, in der Bill wie ein Trottel behandelt wird, oder eine Sequenz, in der Bill seiner Frau hinterherspioniert und sie ohne Probleme seine Bauchrundung hinter dem Strauch erspäht, wo er sich versteckt.

Es hapert eben an dem Gesamtkonzept des Drehbuchs. Nein, auch da ist MEET BILL kein Totalausfall - nur eben eher unbefriedigend. Will heißen: Der Film kann schon durchaus unterhalten und besitzt auch einige gute dramatische Ansätze. Wirklich aufgehen tut das Ganze aber nie. Schade.




Meet Bill (USA 2007)
Regie: Melisa Wallack & Bernie Goldmann
Buch: Melisa Wallack
Darsteller: Aaron Eckhart, Elizabeth Banks, Jessica Alba, Timothy Olyphant, Logan Lerman, Craig Bierko, Holmes Osbourne, Todd Louiso, Kristen Wiig, Jason Sudeikis

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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1 comments so far,Add yours

  1. Yeah, endlich mal wieder ein Film mit Jessica Alba.. Ich find sie gut..

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