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HIGHLANDER – THE SOURCE: Es kann nur fünf geben

„Es kann nur einen geben“, hieß es schon mehrfach 1986 im originalen HIGHLANDER, und leider Gottes hat kein Mensch zugehört: Es gab natürlich ganz viele, und sie waren allesamt gar nicht gut und richtig unnötig, und schon 1991 im ersten Sequel waren die Unsterblichen aus den schottischen Highlands auf einmal Außerirdische, der im ersten Part gestorbene Sean Connery auf einmal wieder per Gehaltsscheck wiederauferstanden, und dann ging die Erde nebenher unter, während neue Unsterbliche zum Kampf auftauchten, obwohl Christopher Lambert im ersten Teil als letzter von ihnen übrigblieb, sterblich wurde und hier jetzt wieder unsterblich werden durfte. (Wer den zweiten Teil oder vielleicht auch den ersten gar nicht gesehen hat, darf beruhigt sein – es macht exakt soviel Sinn, wie es hier den Anschein hat.) Dann gab’s aber noch mehr Filme, und eine TV-Serie, und eigentlich hat die Geschichte nie wieder wirklich zusammengepaßt, aber wenn man so eine Kuh im Stall stehen hat, muß man die auch melken. Sonst platzt sie irgendwann, hab‘ ich irgendwo gelesen, und das ist ja dann auch unschön. Jede Fortsetzung rettet ein Kuhleben.

So sind wir nun also schon beim fünften Teil der Filmreihe angekommen, von der es nur einen hätte geben sollen, und er trägt den Titel HIGHLANDER: THE SOURCE, weil sich die Unsterblichen hier nun zusammentun, um Die Quelle zu finden, die angeblich Ursprung ihrer Unsterblichkeit ist und dann irgendetwas Tolles macht, wenn man drin ist. Oder davor. Oder daneben. Der Film spielt übrigens tausend Jahre nach dem letzten Film, weswegen die Welt auch zu einem sparsam ausgeleuchteten Endzeit-Schrottplatz verkommen ist, wo wüste Rabauken der Anarchie frönen und Männer mit Anzug und Krawatte auf offener Straße mit Benzin übergießen. Die Geschichte spielt „somewhere in Eastern Europe“, und dieses Irgendwo sieht exakt so aus, wie ich mir den Ostblock all die Jahre vorgestellt habe. Zufälligerweise befindet sich Die Quelle denn nun auch in einem Wald in einem dieser Länder, wo man billig Videothekenquatsch drehen kann.

Aufmerksame Leser mögen schon festgestellt haben, daß ich mir gar keine Mühe gebe, das Prinzip der Unsterblichkeit zu erklären, wie es als grundlegendes Konzept in HIGHLANDER eingeführt wurde. Das hat den Grund, daß besagtes Konzept ohnehin in jeder Fortsetzung geändert wurde und wir im Prinzip einfach nur wissen müssen, daß sich die Unsterblichen gerne gegenseitig die Köpfe abschlagen – der einzige Weg, wie so ein Unsterblicher sterben kann, obwohl ich mich ja frage, was passiert, wenn man dem Arme und Beine abhackt. Wachsen die nach? Was ist, wenn ihm ein Zementblock auf den Kopf fällt? Liegt der dann Jahrtausende lang zerquetscht unter dem wuchtigen Teil? Fragen über Fragen, allesamt interessanter als das, was der Film hier so handlungsmäßig abspult.

Also, nehmen wir mal an, ich wäre unsterblich – da würden mir ja auf Anhieb ein paar interessante Sachen einfallen, die ich mit meinem Leben anstellen könnte. Ich könnte Kurator der größten Plattensammlung der Welt werden und die bis ans Ende der Zelt pflegen und ausbauen. Oder ich heuere beim Bombenkommando an und entschärfe fiese Sprengsätze, wo mir ja eh nichts passieren kann. Oder ich werde Pac-Man-Profi und spiele 3D-Shooter mit verbundenen Augen durch. Die Unsterblichen in HIGHLANDER: THE SOURCE ziehen deprimiert durch die Gegend, schlagen gelegentlich einem anderen Unsterblichen den Kopf ab, und suchen halt Die Quelle, obwohl sie nicht mal wissen, warum überhaupt.

Damit die Suche nach Die Quelle auch nicht zu fad wird, taucht übrigens ein bleicher Geselle auf, der sich The Guardian nennt und per beschleunigter Videoanimation herumrennt wie ein kleiner Derwisch. Der Guardian bringt manchmal die Unsterblichen um, die – jetzt erwähnen wir’s einfach mal an dieser Stelle, um das konfuse Storykonstrukt zu replizieren – urplötzlich nicht mehr unsterblich sind, wenn sie nur nahe genug an Die Quelle herangekommen sind. Manchmal rennt der Guardian auch nur lustig herum und redet ein bißchen albern, und vielleicht will er Die Quelle ja gar nicht schützen, sondern sich selber nur ein wenig unterhalten. Wer weiß das schon so genau.

Christopher Lambert schien nicht überzeugt von der Qualität dieses Films zu sein, weswegen er sich anderen Projekten zugewandt hat. Man stelle sich das mal vor! Es gibt Filme, in denen Lambert nicht mitspielen will! Stattdessen rennt nun also Adrian Paul als Highlander herum, wie ja auch schon in der Serie und (zusammen mit Lambert) im vorigen Film, aber wie das nun alles aneinanderpaßt, ist natürlich total egal. In einem Flashback erfahren wir, daß ihn damals seine geliebte Frau verlassen hat, weil er keine Kinder kriegen kann (das können die Unsterblichen nämlich grundsätzlich nicht, und ob das Paar über Adoption oder künstliche Befruchtung nachgedacht hat, erfahren wir nicht). Sie taucht dann aber wieder auf, weil sie in Richtung Die Quelle unterwegs ist. Ein vor sich hinmodernder Unsterblicher gibt ihr den weisen Ratschlag „follow the signs“ und wendet sich dann an Adrian Paul mit den Worten „follow the woman“.

Unterwegs verprügeln die wackeren Unsterblichen dann in einer großangelegten Actionsequenz ein paar Punks, die dann plötzlich einen Benzinlaster haben und mit großer Explosion dahinscheiden. Dann fährt die Gang der Langlebigen ein bißchen durch den Ostblock, und wir hören eine schreckliche Coverversion von „Princes of the Universe“, das ursprünglich mal von Queen für den ersten HIGHLANDER gespielt wurde. Ist manchmal gar nicht so leicht, 95 Minuten Spielfilm vollzukriegen.

Regisseur Brett Leonard strengt sich übrigens sehr an, weswegen alles dauernd blitzt und funkelt und sehr schnell geschnitten ist. Leonard hat auch tolle Filme wie FEED oder VIRTUOSITY gemacht, die ich nicht gesehen habe, und er hat seinerzeit DER RASENMÄHERMANN gedreht, für den ich ja eine Ein-Mann-Lobby bilde, weil mir sehr schnurz ist, ob das im Geiste von Stephen King ist oder nicht. Das hat jetzt freilich gar nichts mit HIGHLANDER: THE SOURCE zu tun, aber über irgendwas muß man ja reden, wenn der Film schon nichts hergibt.

Highlander – The Source (USA 2006)
Regie: Brett Leonard
Drehbuch: David Abramowitz, Stephen Kelvin Watkins
Kamera: Steve Arnold
Musik: George Kallis
Produktion: Davis-Panzer / Sequence Film / Lionsgate / Grosvenor Park / Katana Productions / Mandala Productions / Lietuvos Kino Studija
Darsteller: Adrian Paul, Thekla Reuten, Cristian Solimeno, Peter Wingfield, Jim Byrnes
Länge: 95 Minuten
FSK: 16

Christian Genzel
Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, erschien 2011. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr, und den 2017 für den Shocking Short Award nominierten CINEMA DELL' OSCURITÀ. Derzeit arbeitet er an einer Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm und produziert Bonusmaterial für Film-Neuveröffentlichungen. Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, u.a. für die Salzburger Nachrichten, Film & TV Kamera, Ray, Celluloid, GMX, Neon Zombie und den All-Music Guide. Er leitet die Film-Podcasts Lichtspielplatz, Talking Pictures und Pixelkino und hält Vorträge zu verschiedenen Filmthemen.

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