Marc Singer in L.A.P.D.

Im Land der Videothekenware kann man sich nie ganz sicher sein, ob der Star, der da so vertrauenserweckend vom Cover schaut, auch wirklich den ganzen Film über zu sehen sein wird. Wie zum Beispiel Dennis Hopper, der den potentiellen Kunden des Cop-Thrillers L.A.P.D.: TO PROTECT AND TO SERVE lockt: Er wird in ungefähr fünf Szenen, die sich wohl auf ebensoviele Minuten Laufzeit summieren, als Polizeichef scharfe Worte an sein Team richten und dann wieder das Bild für preiswertere Akteure freimachen.

Der Oberinspektor hat tatsächlich auch allen Grund für das eine oder andere ernste Wörtchen, auch wenn er das selber gar nicht ahnt: Viele seiner Polizisten haben sich nämlich zu einer Gang zusammengeschlossen, die ihren müden Verdienst mit einem nicht ganz legal beschafften dreizehnten, vierzehnten, fünfundvierzigsten Monatsgehalt aufbessern. Als Ordnungshüter kann man eben recht einfach Ware beiseiteschaffen und dann zu Protokoll geben, dass die Täter eines Einbruchs nicht eine einzige brauchbare Spur hinterlassen haben.

Dennis Hopper in L.A.P.D.
Captain Elsworth (Dennis Hopper) schiebt eine ruhige Kugel: Er muß nur wenige Szenen im Monat arbeiten.

Der wackere Cop Steele, der aufgrund seiner erhöhten Einsatzbereitschaft von den Kollegen liebevoll "Cowboy" genannt wird, kann sich mit derlei schmutzigen Geschäften nicht so recht arrangieren. Aus Loyalität deckt er die Bande zwar und nimmt dafür mit missbilligendem Blick einen monetären Anteil entgegen – aber weil sein Papa seinerzeit als aufrechter Cop Korruption im Polizeiapparat aufgedeckt hat, nagt das schlechte Gewissen an Steele immer mehr. Es sei dabei nicht verschwiegen, dass einer der Drahtzieher der Rabaukencops, Lt. Alexander, der Sohnemann jenes Polizeischurkens ist, der einst von Steeles Vater der Gerechtigkeit übergeben wurde.

Wenn schon Hopper als Captain nur gelegentlich in der Handlung vorbeischaut, so hat der Videothekenfreund dafür viel von den anderen beiden B-Namen, die sich hier ein moralisches Duell allerzweiter Kajüte liefern: Der finstere Lt. Alexander wird vom verlässlich schurkischen Michael Madsen gespielt, Cowboy Steele dagegen von "Beastmaster" Marc Singer. Der wirkt hier wie Johnny Drama aus der Serie ENTOURAGE: ein herber Kerl, der wohl trotz augenscheinlicher Bemühungen immer zweite Wahl bleiben wird – und deswegen bei allem Männlichkeitsgehabe nur umso herziger wirkt. Wenn Singer aber nicht gerade mit ernstem Blick brütet, kann er für eine schöne Frau wie Kiara Hunter auch schon mal den etwas unbedarften Jungen geben und damit umso mehr punkten.

Steele bandelt mit Kimberly an
Immerhin: Auch böse Cops laden nette Frauen zu ihren Parties ein.

L.A.P.D. wirkt mitunter wie die B-Version von COLORS – FARBEN DER GEWALT. So wie das filmische Vorbild ist der Streifen aber auch von der Realität der Stadt Los Angeles inspiriert: Die Gangaktivitäten, die dort in den Achtzigern und Neunzigern wüteten, finden hier in zynisch brutalen Shoot-Outs ihr Echo, während der nicht zuletzt wegen des Rodney-King-Vorfalls schwer angeschlagene Ruf der Polizeikräfte hier dafür sorgt, daß die Polizisten gleich selber zu Verbrechern werden. Nicht umsonst suggerieren Anfangs- und Endtitel, daß es sich bei L.A.P.D. um eine reelle Geschichte handelt – obwohl die Geschehnisse natürlich frei erfunden sind.

Trotz preisbewußter Machart ist der von Stuntmann Ed Anders inszenierte Streifen tatsächlich besser, als man meinen könnte. Das Skript nimmt sich Zeit für Steeles moralischen Zwiespalt und entwickelt seinen Plot mit Ruhe, die Beziehung zwischen Steele und seinem Vater (Charles Durning!) hat ebenso eine gewisse Resonanz wie seine Freundschaft mit dem idealistischen jungen Partner Wade. Freilich wird der Billigthriller damit kein Charakterdrama, und freilich läuft die Story auf einen Action-Showdown hinaus – aber die Entwicklungen zum Schluß arbeiten konsequent mit der desillusionierten Grundstimmung. Die am Ende im Sinn von DIRTY HARRY hingeworfene Dienstmarke ist hier kein Befreiungsschlag, sondern eine Resignation.

Steele kümmert sich um seinen Vater
Steele (Marc Singer, Mitte) und sein Partner Wade (Steve Bacic) kümmern sich um Steeles Papa (Charles Durning).

Übrigens: Ein Einsatz führt Steele und Wade ins Kino. An der Wand der Lobby prangt das Plakat zur Chaoskomödie SCREWBALL HOTEL, im Saal selber ist der Schnodderklassiker FLESH GORDON – SCHANDE DER GALAXIS zu sehen – beides Filme, die wie dieser hier von Produzent Maurice Smith stammen. Dieses Kino müßte man finden, das solche Spektakel präsentiert! Ach ja, und Flesh-Gordon-Darsteller Vince Murdocco, der auf der Leinwand von den drei "cosmic cheerleaders" umtanzt wird, taucht später im Film auch noch kurz als Polizist auf. Die Rolle umfaßt zwei Einstellungen und drei Worte – da ist Dennis Hopper im Vergleich dann eigentlich doch gar nicht so wenig im Film zu sehen.




L.A.P.D.: To Protect and To Serve (USA 2000)
Alternativtitel: Die Todesengel von L.A.
Regie: Ed Anders
Buch: Rob Neighbors
Kamera: Michael Balfry
Musik: Ian Putz
Darsteller: Marc Singer, Michael Madsen, Dennis Hopper, Wayne Crawford, Charles Durning, Steve Bacic, Kiara Hunter

Die Screenshots stammen von der englischen DVD (C) ILC Prime 2005.
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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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