Im folgenden Gastbeitrag kümmert sich der wackere Don Arrigone um einen relativ berüchtigten Exploitation-Klassiker: THE EXTERMINATOR von James Glickenhaus, der unter anderem auch den schmackigen Action-Politthriller DER SÖLDNER inszeniert hat. Ab ins Grindhouse, werter Don!



THE EXTERMINATOR – ich muß sagen, der Titel weckt Erwartungen, und auch das Poster, das schlicht und ergreifend einen Mann mit Flammenwerfer zeigt, wirkt vielversprechend, zumindest für einen Exploitationfilm. Vorfreude ist, wie so oft, allerdings die schönste Freude, und der Film selbst ist, obwohl (oder weil?) solide, eher enttäuschend.

Die meiste Action wird zu Beginn geboten, als unsere Hauptcharaktere, John Eastland (Robert Ginty) und Michael Jefferson (Steve James), es mit dem halben Vietcong aufnehmen – wobei dieser nicht nur gewohnt grausam ist, sondern auch versucht, den halben Dschungel in die Luft zu jagen. Wohin man die Kamera auch richtet, im Hintergrund gehen Explosionen hoch, und wenn ein Hubschrauber einen Berg passiert, dann wird halt versucht, den Felsbrocken zu sprengen. An Effekten wurde in dieser Sequenz wahrlich nicht gespart.


Der unmittelbar nächste Shot zeigt die Freiheitsstatue, Sinnbild für das Amerika von THE EXTERMINATOR, und schon fühlt man sich als Zuschauer nur noch eine Hymne von patriotischen Gefühlen entfernt. Bevor man allerdings das star spangled banner im Wohnzimmer gehißt hat, wird darauf hingewiesen, daß es auch in diesem wunderbaren Land Probleme gibt: Zum Beispiel Jugendbanden. Diese schlagen Michael kurzerhand zum Krüppel, weil er zuvor einen kleinen Überfall vereitelt hat.

John, dem Michael in Vietnam das Leben gerettet hat, sinnt auf Rache, schnappt sich einen der Knaben und foltert ihn ein wenig mit dem Flammenwerfer – übrigens die imposanteste Szene mit diesem Mordwerkzeug, das Kinoposter hätte mehr erhoffen lassen. Der Halbstarke verrät das Versteck seiner Freunde, woraufhin John in der Punkbude mal so richtig aufräumt.


Und damit beginnen die Probleme: Sein unmittelbares Ziel, Rache, hat John erreicht, und die Schlußfolgerung, nun in der ganzen Stadt aufzuräumen, ist zwar schlüssig, aber für die Handlung ein wenig abstrakt. Die folgenden Bösewichte decken zwar alle Spektren des Abschaums ab, vom korrupten Politiker bis zum pädophilen Perversen, haben aber mit John nichts zu tun und sind daher nur uninteressantes Kanonenfutter – selbst wenn sie teilweise recht unterhaltsam über den Jordan geschickt werden. Einzig die interessanten und filmisch gut eingefangenen Szenerien halten bei der Stange, vermitteln sie doch das Gefühl, das Verbrechen könnte tatsächlich hinter jeder Ecke lauern (tut es in dem Film ja auch).

Erschwerend kommt allerdings hinzu, daß es parallel zu Johns Rachefeldzug noch eine weitere Handlung gibt, die deutlich langweiliger ausfällt: Detective James Dalton, gespielt von Christopher George, beginnt eine Affäre mit einer Ärztin und sucht nach dem geheimnisvollen Exterminator – und zwar in dieser Reihenfolge: Nie läßt er den Verdacht aufkommen, sein Beruf wäre ihm wirklich wichtig. Und auch wenn er mit der Zeit tatsächlich John auf die Spuren kommt, weil es das Skript nun mal so will, trägt seine Geschichte doch nichts zur Handlung bei, und letztlich, soviel sei verraten, läuft sein Nebenplot fast gänzlich ins Leere. Wenn es die größte Tat eines Charakters ist, sich mit Strom ein Würstchen zu braten, sollte man als Regisseur wohl darüber nachdenken, ob man ihn wirklich braucht. Schlimmer ist nur noch die Ärztin selbst: Sie kocht nicht einmal.


Und die Haupthandlung selbst? Die endet nicht, sondern dient nur als Aufbau für eine Fortsetzung, die 4 Jahre später tatsächlich erschienen ist – wobei ich kaum glaube, daß diesem Ereignis wirklich jemand entgegengefiebert hat.

Meine Rezension klang bisher sehr negativ, und daher sei erwähnt, daß THE EXTERMINATOR nicht wirklich schlecht ist. Ich habe längere 101 Minuten erlebt, und wenn man den Hauptcharakter etwas komplexer gestaltet und im Gegenzug auf den zweiten Handlungsstrang sowie anderen unnötigen Ballast verzichtet hätte, dann wäre der Film zumindest streckenweise wirklich interessant. Die Gewalt ist (meist) nicht zu übertrieben, aber ausreichend brutal, um zu unterhalten (wer filmische Gewalt nicht amüsant findet, wird mit dem Film ohnehin nicht warm werden), die Regiearbeit sehr solide. Das große Problem ist nur, daß man sich bessere Filme mit ähnlicher Thematik ansehen könnte – seien es Klassiker wie DEATH WISH/EIN MANN SIEHT ROT oder TAXI DRIVER oder Exploitationperlen wie MS. 45. Insofern ist DER EXTERMINATOR wie eine Flasche billigen Rieslings im Keller eines Weinkenners: Sie ist da, aber es gibt keinen Grund, wieso man nicht was Besseres trinken sollte.



Der Exterminator (USA 1980)
Originaltitel: The Exterminator
Regie: James Glickenhaus
Buch: James Glickenhaus
Produktion: Mark Buntzman
Darsteller: Robert Ginty, Steve James, Christopher George, Samantha Eggar

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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