Im folgenden Gastbeitrag berichtet der unerschütterliche Don Arrigone über den Horror-Streifen EVIL BREED, den er leichtsinnigerweise erstanden und ins Genzel HQ gebracht hat. Wohlan, Don!



Meine Reise hatte ja ganz harmlos und unschuldig begonnen: ein bißchen billige Sci-Fi und alte Eastern, eigentlich alles ganz lustig. Aber irgendwann wollte ich mehr, wagte mich weiter vor in die Niederungen des Films: postapokalyptischer Amazonen-Müll, deutscher Billig-Splatter, italienischer Zombie-Schund aus den Achtzigern. Selbst damit war aber meine Neugier nicht befriedigt, immer tiefer stieg ich hinab durch die Höllen des Trash. Mit HEART BEAT wähnte ich mich schließlich im letzten, innersten Kreis. Und genau dort, nur ein paar Meter weiter, wartete auch EVIL BREED – THE LEGEND OF SAMHAIN auf mich, bereit, mir ganz neue Facetten des Grauens zu zeigen.

Dabei klang das Konzept gar nicht mal soo schlecht, zumindest aus Perspektive eines Mannes: Einige Hardcore-Darstellerinnen, z.B. Jenna Jameson und Chasey Lane, und jede Menge Gewalt. Was kann man da groß falsch machen? Nun, verdammt viel, wie sich zeigen sollte. Aber alles der Reihe nach.


Ein Pärchen vergnügt sich in einem nebligen, unheimlichen Wald. Vielleicht nicht der romantischste Ort für ein Stelldichein, aber zumindest heißt die Frau Chasey Lane. Nachdem es ein ganz klein wenig zur Sache ging, geht sie erstmal aus dem Zelt ... und jetzt kommt die Preisfrage: Wer taucht wohl nicht wieder auf? Nach einer Weile wird ihr Liebhaber skeptisch und geht sie suchen, wobei er sich alle Mühe gibt, verängstigt zu wirken. Dazu hat er auch allen Grund, immerhin ertönt ständig geheimnisvolles Rascheln, außerdem wackelt die Kamera – für gewöhnlich kein gutes Zeichen. Plötzlich bewegt sich irgendetwas im Dunkeln; er schwenkt die Taschenlampe, kann aber nichts erkennen ... dann kehrt wieder Ruhe ein. Wer das Erlebnis EVIL BREED nun wirklich nachvollziehen will, der lese den letzten Satz bitte so 4-5 Mal und schlage bei dem Wort "Plötzlich" jeweils auf den Tisch, das liefert den passenden Soundtrack. Man kann es mit dem Spannungsaufbau eben auch übertreiben – vor allem wenn mir der Charakter, der grad durch den nächtlichen Sumpf stapft, vollkommen egal ist. Irgendwann kriegt ihn das mysteriöse Wesen aus dem Moor doch, und ein paar Szenen später wird er über einem Lagerfeuer gegrillt – sah nach gut durch aus.

Damit ist der Film leider noch nicht zu Ende, potentielles Sterbe-Material naht in Form einer Gruppe 30-40jähriger Studierender und ihrer kaum älteren Professorin. Bei unseren Protagonisten wird natürlich jedes Klischée abgedeckt: der Aufreißer, der tief in seinem Herzen doch ein Feigling ist, das Pärchen, die Cheerleader-Tusse und die introvertierte Jungfrau. Beim gemeinsamen Horrorfilm-Abend wird das sogar thematisiert, und persönlich kommt es mir fast so vor, ich hätte das schonmal gesehen.


Der erste Abend und die folgende Nacht sind dann mit Pseudo-Schreckmomenten vollgestopft, die natürlich allesamt kein bißchen funktionieren. Abrupter Schnitt, laute Geräusche, ein Messer ... ja, so wird in EVIL BREED Gemüse zerkleinert. Daß irgendein Idiot – sprich der Aufreißer – dann noch andere Leute erschrecken will, versteht sich von selbst. Im Film funktioniert das zwar, aber vor dem Fernseher äußert ein unbeeindruckter Herr Genzel den Verdacht, daß der Film vielleicht nicht wirklich gut sei ... aber der ist auch ein alter Pessimist, also wird fleißig weitergeschaut.

Irgendwann geht dann die Sonne auf, ein neuer Morgen bricht heran: Zeit, sich mit der indigenen Bevölkerung vertraut zu machen. Damit kommt auch endlich mein Lieblingscharakter ins Spiel: Gary, den man an seinem seltsamen Akzent und dem glasigen Blick sofort als irren Iren-Stereotyp identifizieren kann – im Endeffekt fehlt nur der Guinness-Hut. Gary schwafelt dann seltsames Zeug von Druiden, geheimnisvollen Feuern, nächtlichen Besuchen bei Schafen und blutigen Opferriten. Die vollkommen starre, ausdruckslose Mimik, die er dabei an den Tag legt, fällt mir gar nicht mehr wirklich auf: Das bin ich von diesem Film inzwischen gewöhnt. Seiner Warnung, die Wege, oder am besten auch das Haus, nicht zu verlassen, folgt natürlich niemand. Fairneßhalber muß angemerkt werden, daß ich auch nicht auf diesen Trottel hören würde.


Um diese Episode noch an Spannung zu *hust* überbieten, folgt eine kleine Geschichtsstunde. Die Professorin erzählt den Studierenden von Sawney Beane, einem legendären Kannibalen, dessen Nachfahren Irland angeblich bis heute heimsuchen. Wikipedia ist übrigens der Meinung, daß der Gute eigentlich Schotte war ... aber die Frau hat studiert, also glauben wir ihr mal. Damit zeichnet sich zumindest die Bedrohung ab, für rote Heringe ist der Film eindeutig zu blöd.

Das Monster darf in der nächsten Nacht dann auch endlich zuschlagen – und wenn schon, dann richtig. Ein Charakter nach dem anderen segnet das Zeitliche – was aber auch kein Wunder ist, so blöd, wie die sich anstellen: Einer reicht dem Monster sogar das Messer, nachdem es ihn lieb darum gebeten hat. Die meisten Tode sind recht unspektakulär, mit wenigen Ausnahmen: Gary wird auf der Toilette mit seinem eigenen Darm erwürgt, während seine Schwester (Jenna Jameson) vor der Tür fragt, ob ihm der Haggis (!) denn nicht bekommen sei. Jenna, oder Jenny, wie sie im Film heißt, ist dann das nächste Opfer. Sie darf sich sogar ein wenig wehren, unterliegt dann aber und kommt an einen Stein-Tisch gefesselt wieder zu sich. Man kann sich denken, wie es weitergeht, aber halt ... diesmal zählt gar nicht ihr übliches Kapital: Endlich einmal hat sie einen Mann gefunden, der an ihren inneren Werten interessiert ist (auch wenn ihm das herausgerissene Silikon nicht zu schmecken scheint).


Ahm, ja ... es sterben noch ein paar Leutchen, dann lebt nur noch die Jungfrau – eine Überraschung mehr in diesem Film. Auch diese kämpft eine Weile mit dem Monster, versteckt sich zeitweise in einem Kasten (gefühlte 5 Minuten) und erschlägt dann den Sawney-Nachkommen in seiner Küche mit einer Pfanne: Gender-ForscherInnen finden hierfür sicher eine interessante Interpretation. Ich hingegen atme nur erleichtert auf, immerhin ist nun mit einem baldigen Ende zu rechnen.

Dieses kommt dann natürlich nicht ohne einen vollkommen an den Haaren herbeigezogenen Twist aus. Geht ja nicht, daß so ein Film gut ausgeht. Nun: Ende schlecht, alles schlecht.

Es ist bezeichnend, daß Regisseur Christian Viel sich auf IMDB im Forum für den Film entschuldigt. Er wollte eigentlich noch mehr Gewalt und Nacktszenen, aber die bösen Produzenten haben ihm da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ein wenig kann ich ihn ja beruhigen: Hunderte von Litern Blut und Tausende von Brüsten hätten den Film zwar etwas unterhaltsamer gemacht, gerettet hätten sie dieses Machwerk aber nicht. Die grottigen Schauspieler, der sinnlose Plot, mehr Logikfehler denn Tote: Nein, Herr Viel, Sie können beruhigt schlafen – der Film wäre auch sonst Mist geworden. Ich wünsche eine gute Nacht.




Besten Dank an Don Arrigone für den Beitrag! Sagen wir es mal so: Ich habe mich bei diesem Film schon vor dem Vorspann brutal gelangweilt. Solch fade Herumfilmerei macht mich dann irgendwann sehr traurig: Die haben nicht mal die Ambition, in ihrer uninteressanten, banalen, bekloppten, einschläfernden und schon tausendfach erzählten Geschichte irgendwelche Bilder oder Momente zu finden, die man noch nicht schon dutzendfach kennt. Eigentlich sollte es Geldstrafen geben für den nächsten, der eine Gruppe von Behämmerten in den Wald packt und dann glaubt, wir würden da bibbernd mitgehen.

Ein Gutes hatte die Angelegenheit natürlich: Der Don hat die 5 Euro für den Film ausgegeben und nicht ich. Danke, werter Don. 





Evil Breed - The Legend of Samhain (Kanada 2003)
Regie: Christian Viel
Drehbuch: William R. Mariani, Christian Viel
Darsteller: Bobbie Phillips, Jenna Jameson, Chasey Lane, Howard Rosenstein, Ginger Lynn Allen, Richard Grieco
Länge: 81 Minuten
FSK: 18

------------------
4 8 15 16 23 42
Share To:

Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

Post A Comment:

0 comments so far,add yours