Herzlich willkommen zu COLA, CANDY, CHOCOLATE, einer weiteren schönen Klamotte aus dem schier unerschöpflichen Fundus der Lisa-Film. Schon der Vorspann spricht für den einschlägig gebildeten Filmfreund ganze Bände: Nicht nur, daß uns neben der wunderschönen Olivia Pascal in der Hauptrolle auch die Mitwirkung der nicht minder vorzeigbaren Ursula Buchfellner versprochen wird (die 1977 mit einem Playboy-Shooting für Aufsehen sorgte, weil sich herausstellte, daß sie damals erst 16 war). Nicht nur, daß der Kenner auch Castmitglied "Christine Gianna" als Dolly Dollar identifizieren kann, das Busenwunder mit dem Kindchengesicht. Nicht nur, daß uns "als Gäste" das heutzutage eher obskure holländische Girl-Trio Luv mit dem Song "Trojan Horse" (Platin in Holland und Nummer 1 in 14 Ländern!) sowie die gänzlich unbekannte Mania mit dem Stück "Heaven's Child" angepriesen werden (diese ganzen hübschen Mädels mit ihren Disco-Nummern haben ihre Gastauftritte übrigens schon kurz nach dem Vorspann absolviert und tauchen im richtigen Film nicht mehr auf). Ja, und nicht nur, daß als Regisseur "Siggi Götz", also Sigi Rothemund, fungiert, der dem deutschen Kino ja schon mit Filmen wie SUMMER NIGHT FEVER und GEH, ZIEH DEIN DIRNDL AUS heitere Impulse gegeben hat (und nur wenig später den PIRATENSENDER POWERPLAY mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger betreuen sollte). Im Vorspann wird nämlich auch folgender Auftritt angekündigt: "Herbert Fux und sein Schimpanse Mickey".

Potzblitz! Da sag noch einer, daß Filmschauen nicht bildet - mir war nämlich bislang gar nicht bewußt, daß Herbert Fux einen Schimpansen namens "Mickey" hatte. Genaugenommen war mir überhaupt kein bei ihm wohnender Affe bewußt! Im leisen Wissen, daß es sich um einen extra für diesen Film zugeteilten Primaten handeln könnte, darf ich anmerken, daß ich hier eine Qualifikation für Herberts politische Karriere entdecke: Wer mit Affen umgehen kann, hält auch die nächste Nationalratssitzung aus. Und doch löst die namentliche Ankündigung eines Affen im Filmvorspann sogleich Bedenkung hinsichtlich der Qualität aus: Schon wieder werden arglose Filmemacher dem Mißverständnis auf den Leim gehen, Affen seien komisch. (Über dieses Phänomen wurde hier schon ausführlich anläßlich des Films DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK, V. TEIL gesprochen.)


Nicht im Vorspann gelistet wird übrigens ein Drehbuchautor - offenbar wollte sich wohl der verantwortliche Herr (laut IMDB ein gewisser "Henry Kwan") nicht einmal unter Pseudonym hier profilieren! Dabei ist die Handlung doch so schön: Gabi (Olivia Pascal) und Carmela (Ursula Buchfellner) fahren in den Urlaub auf die Philippinen, wo viele lustige Sachen passieren.

Nun, in der Tat ist das Prozedere natürlich viel komplexer, als es hier wiedergegeben werden kann. Gabi, die vor der Reise noch von ihrem Macker angenervt ist - angesichts der Tatsache, daß er ihr eine Flasche auf den Kopf haut, ist dieses Gefühl durchaus nachvollziehbar - erspäht schon am Flughafen den etwas nerdigen Dr. Andreas Witzig (Philippe Ricci), der ihr so gut gefällt, daß sie ihm sogleich einen tief schmachtenden Blick im Close-Up spendiert. Dummerweise reist Dr. Witzig mit seiner zickigen Verlobten Christine (Dolly Dollar), deren Bruder (Herbert Fux) auf den Philippinen als Pfarrer eine Mission leitet und die beiden dort trauen soll. Tja, nicht mit Gabi! Die setzt nämlich alles daran, diese Hochzeit zu sabotieren, um den guten Doktor für sich zu bekommen - und das beinhaltet, den (dezent dem Alkohol zugeneigten) Pfarrer so zu diskreditieren, daß der Bischof höchstselbst die Mission schließen muß. Keine Mission, kein Pfarrer, keine Hochzeit, keine Verlobte mehr - macht doch Sinn, oder?


Verpackt ist der Film wie eine der zahlreichen Sexkomödien, die die Lisa-Film seinerzeit so auf den Markt warf - wie zum Beispiel POPCORN UND HIMBEEREIS, ebenfalls mit Pascal, Buchfellner und Dollar. Tatsächlich ist der Anteil an nackten jungen Damen und frivolen Scherzchen hier aber äußerst gering gehalten: Es vergeht über eine halbe Stunde, bis Dolly Dollar einmal kurz ihre Alleinstellungsmerkmale auspacken darf, und dann noch ein paar Minuten, bis Pascal und Buchfellner sich einmal oben ohne am Strand räkeln. Auch später sind die Darstellerinnen immer nur kurz im Evakostüm zu sehen - der Film konzentriert sich stattdessen nämlich schwungvoll auf den Klamauk, der mit Wonnen ausgekostet wird.

Da gibt es zum Beispiel den Amerikaner Johnny, dem stets etwas passiert, wenn er Gabi trifft - zum Beispiel stolpert er am Strand rückwärts Richtung Wasser, verhakt sich in einer Wasserskivorrichtung und wird prompt über das halbe Meer geschleift. Später wird Johnny von den Mädels angeheuert, sich als Pfarrer auszugeben, um den Bischof zu täuschen - und diverse Verwechselspielchen später muß sich Johnny zur Tarnung als Frau verkleiden (und in der Hotelbar zusammen mit Dolly Dollar als Gesangs- und Tanzduo auftreten), während der arme Bischof mit Johnnys Hemd herumlaufen muß und dafür von Herbert Fux einen ordentlichen Tritt in den Allerwertesten verpaßt bekommt. Auch der Affe kommt natürlich nicht zu kurz: Als Fux seine Schwester und ihren Verlobten nämlich am Flughafen abholt, braust der Affe mit dem Wagen davon, während Fux gerade die Koffer auflädt - mit dem zukünfigten Brautpaar auf dem Rücksitz! (Dr. Witzig traut sich nicht, die Kontrolle über den Wagen zu übernehmen, weil er gar nicht Auto fahren kann.)


Ebenfalls höchst albern: Der dicke Hotelchef Juanto, der sich sehr offensichtlich schwul gibt und deswegen Johnny hinterherjagt, weil der sich ja offenbar gerne als Frau verkleidet. Als der Pfarrer Johnny sucht und stattdessen die nackte Carmela findet, rückt der Hotelchef als Beschützer an - um sich aber dann höchst erfreut zu zeigen, als der Pfarrer zur Richtigstellung erläutert: "Ich suche einen Mann!" Oh, und ein nimmermüder Running Gag sei auch noch erwähnt: Bei jedem Glockengebimmel in der Mission rückt die örtliche Feuerwehr an - und zwar zu heiterster Slapstickmusik, weil die Burschen permanent über den Schlauch stolpern oder sich damit um den nächsten Baum wickeln. Dann dreht der Affe das Wasserrad auf und der außer Kontrolle geratene Schlauch spritzt einmal mehr den Pfarrer mit den anderen anwesenden Personen ab.

So, jetzt ist aber mal wieder gut. Worauf sich der Titel bezieht - COLA, CANDY, CHOCOLATE - ist nicht ganz ersichtlich, und ich kann mich weder an konsumierte Erfrischungsgetränke noch an Schokolade im Film erinnern. Vielleicht hält man sich doch lieber an den Alternativtitel, unter dem der Film auch erschienen ist: DREI KESSE BIENEN AUF DEN PHILIPPINEN. Der reimt sich wenigstens auch.




Cola, Candy, Chocolate (Deutschland 1979)
Alternativtitel: Drei kesse Bienen auf den Philippinen
Regie: "Siggi Götz" (= Sigi Rothemund)
Darsteller: Olivia Pascal, Ursula Buchfellner, Dolly Dollar, Philippe Ricci, David Auker, Herbert Fux, Roland Astor, Ike Lozada, Ruben Tizon

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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2 comments so far,Add yours

  1. Kann man den Film auf einem Torrent laden?

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  2. Das kann ich an dieser Stelle schon aus rechtlichen Gründen nicht beantworten. Aber in diesem schönen Filmpaket ist der Film über Amazon günstig zu kriegen - 5 DVDs für 20 Euro, also umgerechnet 4 Euro für den Streifen (aus dem Paket habe ich hier auch schon HOT DOGS AUF IBIZA und SUMMER NIGHT FEVER besprochen).

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