Na, das ist doch mal halbwegs inhaltsbezogen an den großen bekannten Namen angelehnt: Auf KEVIN ALLEIN ZU HAUS (in dem John Candy in einer Nebenrolle auftrat) folgte ALLEIN MIT ONKEL BUCK (der eigentlich schon vor KEVIN herauskam, aber dank Mitwirkung von Macauley Culkin erst danach bei uns das Licht der Videothek erblickte) - und dann JACK ALLEIN IM SERIENWAHN, der im Original wenig aussagekräftig DELIRIOUS heißt und in dem Autor Jack Gable (Candy) zwar nicht irgendwie alleine ist, aber immerhin in einer TV-Seifenoper gefangen: Nämlich seiner eigenen.

Dieser Zustand ergibt sich nach einem Autounfall. Jack, der schon seit Jahren vergebens der eingebildeten Hauptdarstellerin der Serie (Emma Samms) verfallen ist, wacht also plötzlich im Hospital des Ortes auf, wo alle seine intriganten Figuren Wirklichkeit geworden sind - und er selbst als mächtiger Mann von der Wall Street angesehen wird, der einer neuen Serienfigur (Mariel Hemingway) eine geheime Formel abkaufen soll. Es dauert nicht lange, bis Jack erkennt, daß er mit seiner Schreibmaschine die Vorgänge in der Stadt beeinflussen kann - und daß aber auch noch ein anderer Autor am Werke ist: der Schreiberling Fetterman, mit dessen Engagement die Produktionsfirma anfangs schon drohte, weil Jack sich weigerte, die von seinem Schwarm gespielte Figur über die Klinge springen zu lassen ...


DELIRIOUS bietet ein amüsantes Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit und nimmt in diesem Zuge den Serienbetrieb jeder Soap augenzwinkernd auf die Schippe. Zu hochdramatischer Musik chargieren alle Figuren und schmieden finstere Pläne, und freilich ergeben sich immer wieder völlig an den Haaren herbeigezogene Entwicklungen - da werden überraschende Verwandschaftsverhältnisse aufgedeckt und absurde Verschwörungen in genau solchen Plots geschmiedet, wie sie in jedem vernünftigen TV-Dramolett wöchentlich aufs Neue konstruiert werden. Passend dazu wurden viele der Nebenrollen mit fernseherfahrenen Schauspielern besetzt: Emma Samms aus dem DENVER-CLAN, Raymond Burr aus PERRY MASON und DER CHEF, Andrea Thompson aus FALCON CREST, David Rasche aus SLEDGE HAMMER - und letzterer spielt im schönsten dramatischen Shatner-Modus, bei dem quasi hinter jedem Wort ein Punkt folgt ("One. Hundred. Thousand. Dollars").

Aber natürlich steht und fällt so ein Film mit dem Hauptdarsteller, und wie gehabt trägt John Candy den Streifen mühelos. Candy spielt die Figur auch hier wieder leicht neurotisch und sehr angespannt, aber letztlich absolut sympathisch - und mit eben jener Sympathie punktet er selbst in Szenen, die ansonsten reichlich albern wären: Zum Beispiel in einer Sequenz, wo er sich selbst per Schreibmaschine als strahlender Retter auf weißem Pferd inszeniert. Man sieht auch hier, daß Candy die meisten Filme mit seiner Präsenz enorm aufwerten kann, und aufs Neue ist es schade, daß der so früh verstorbene Schauspieler nicht mehr Filme drehen konnte. Auch in DELIRIOUS baut übrigens der Witz nie auf Candys Körperfülle auf - alleine deswegen hatten seine Filmfiguren auch schon immer mehr Würde als die Chaoten, die Chris Farley gerne gespielt hat.


Trotz der wohlwollenden Worte kann bei DELIRIOUS allerdings kaum von einem großen Wurf geredet werden. Der Film ist sympathisch und witzig, mehr aber auch nicht. Die Diskrepanz zwischen Wirklichkeit und Fernsehhandlung hätte sicherlich noch pointiertere Entwicklungen erlaubt, und der Witz wirft von Slapstick über Wortwitze hin zu Absurditäten und morbiden Gags alles in einen Topf, ohne eine wirklich klare Balance zu finden.

Egal: Manchmal reicht es ja, wenn ein Film einfach lustig ist. Und wenn John Candy mitspielt.




Jack allein im Serienwahn (USA 1991)
Originaltitel: Delirious
Regie: Tom Mankiewicz
Buch: Lawrence J. Cohen & Fred Freeman
Kamera: Robert Stevens
Ausführender Produzent: Richard Donner
Darsteller: John Candy, Mariel Hemingway, Emma Samms, Raymond Burr, Dylan Baker, Charles Rocket, David Rasche, Andrea Thompson, Zach Grenier, Jerry Orbach, Mark Boone Junior, Robert Wagner
Länge: 92 Minuten
FSK: 12

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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