Es ist nicht so, als ob CLASH OF THE TITANS, das Remake des Fantasyfilms von 1981, einen besonders guten Ruf hätte: Ganz im Gegenteil, er wird gemeinhin als "Enttäuschung" wahrgenommen. Warum? Viel Rabatz, wenig Handlung, viele dicke Effekte, wenig eleganter Dialog. Nun ja - diese Attribute fassen den Film durchaus adäquat zusammen, aber dennoch hat er als stimmungsvolle Fantasy-Action seine Reize, die vielleicht nicht in einer wohlfeilen Story, aber in spannend inszenierten Kämpfen gegen erstklassig zum Leben erweckte Kreaturen liegen. Ergo verspricht uns der Trailer zur Fortsetzung WRATH OF THE TITANIC--, äh, TITANS primär mal mehr davon: Mehr Monster, mehr Kampf, mehr Mehr. Nichts dagegen einzuwenden.

Weil die Geschichte in Part 1 schon nebensächlich abgehandelt wurde und mit den Szenen im Olymp auch einige hölzern-schultheatralische Momente bot, wird die Handlung in WRATH auf das Allernotwendigste gekappt: Perseus, der Halbgott, der in Teil 1 den Kraken besiegt hat (und das ganze andere Fantasygesocks, das wir nicht ganz unter den Teppich kehren wollen), hat sich mit Frau und Kind zurückgezogen und das Angebot seines Vaters Zeus ausgeschlagen, mit ihm zu herrschen. Zehn Jahre nach den Ereignis aber wird die Götterwelt unruhig, weil die Menschen nicht mehr an die Gottheiten glauben und diese damit an Kraft verlieren. Deswegen droht Kronos zu erwecken, der Titanenpapa von Zeus, Hades und Poseidon, und - sagen wir es mal so: Es wäre schlecht für die Welt. Der sinistre Hades macht also einen Deal mit Kronos, bringt Poseidon um und hält Zeus gefangen. Na, wer muß jetzt ran, um quer durch die Mythenwelt mal wieder den ganzen Mist geradezubiegen?


Das reicht jetzt mal an Handlung, der Film läuft ja auch schon wieder fünf Minuten. Was folgt, ist eine Serie von Stationen - Perseus muß sich mit der Königin Andromeda verbünden, seinen Bruder Argenor finden und den gefallenen Gott Hephaestus, und sich dann in die Unterwelt aufmachen, um Hades und Zeus' abtrünnigen Sohn Ares zu bekämpfen. Nicht, daß der erste Teil einen komplexeren dramaturgischen Bogen gehabt hätte - vielmehr wurde die Level-1-Level-2-Level-3-Struktur hier noch von weiterem erzählerischem Ballast befreit, und die Figuren kriegen am Ende jeder Sequenz gesagt, wo sie als nächstes hinmüssen. Zeit für die nächste Actionszene.

So weit, so gut, wenn es denn die Action auch "bringen" würde, um es mal streng wissenschaftlich zu formulieren. Natürlich: Das Design der Kreaturen - vom Zyklopen über den Minotaurus bis hin zu Kronos, der als gigantischer Feuerdämon aus einem explodierenden Berg stapft - ist fantastisch, die dazugehörigen Effekte funktionieren tadellos, das Spektakel ist schön anzusehen. Leider aber inszeniert Regisseur Jonathan Liebesman - he who shook the camera in BATTLE: LOS ANGELES - das Prozedere ohne visuelle oder narrative Strategie: Da blitzt und staubt viel im Bild, es bewegt sich was, ein ganzes Care-Paket an Effekten wird abgespielt, und zwischendurch laufen Menschen durch die Einstellungen - aber es bleibt meist unklar, wo sich was befindet und in welcher Relation die einzelnen Shots zueinander stehen.


Ja, ein solcher Vorwurf wird gerne pauschal gegenüber allen modernen Actionsequenzen gemacht, die mit wackliger Kamera und hyperaktivem Alarmschnitt durch das Geschehen sausen - und gerne wird die Kritik von älteren Filmliebhabern geäußert, für die im heutigen Kino einfach der Zug und jedweger anderer Transport abgefahren ist. In WRATH OF THE TITANS ist der Vorwurf aber vollauf gerechtfertigt: Man sehe sich als Beispiel den Endkampf gegen den Titanen Kronos an und erläutere hinterher plausibel, wo sich Hades, Zeus und Andromedas Armee auf dem gezeigten Areal in Bezug zu Kronos befinden. Und da die Bilder ohne das geringste Gespür für Räumlichkeit aneinandergereiht sind, verwirrt der 3D-Effekt natürlich auch mehr, als daß er hilft. Wer Michael Bay sein handwerkliches Können absprechen will, sollte nach dem ZORN DER TITANEN nochmal aufmerksam ansehen, wie klar Bay sein Roboterspektakel TRANSFORMERS 3 im Raum arrangiert und in den einzelnen (natürlich unmenschlich schnell aufblitzenden) Shots jede Aktion sauber vermittelt.

Aber auch davon abgesehen verschenkt Liebesmans Regie einfach viel zu viel: Da steht eine Armee herum und wartet zitternd auf die Ankunft von Kronos, den sie bekämpfen müssen - und theoretisch könnten wir da mitfiebern und -zittern, wenn wir den Feuertitanen nicht schon ein paar Minuten vorher in vollem Glanz gesehen hätten. Viel früher im Film wird versucht, das Bild des heranstapfenden Zyklopen herauszuzögern, um seine Wirkung zu verstärken - was dann aber damit verpufft, daß sofort in einen wackligen Kampf übergegangen wird, ohne eine Reaktion unsererseits oder seitens der Figuren auszukosten. Und nein, Liebesmans pseudodokumentarischer Kriegsberichterstattungs-Look will sich nicht ganz mit dem Fantasy-Setting einigen - auch wenn im Finale die Soldaten aufmarschieren, als käme jetzt WORLD INVASTION: BATTLE OLYMP.


So ist das Vergnügen an den TITANEN hier leider eher sparsam ausgefallen. Es gibt ein paar nette Effekte zu bestaunen, ein paar überzeugend realisierte Kreaturen anzusehen, und drumherum viel nicht sonderlich involvierende Action anzusehen, die nirgendwo Dramatik oder Spannung vermittelt, weil Inszenierung und Plot das schlichtweg vergessen haben.

Natürlich ist ein dritter Teil schon in Planung. Für den hoffe ich, daß dann endlich Außerirdische im Olymp einfallen. Und daß Cher als Mutter von Oedipus mitspielt. Ach, jetzt wirft mir sicher wieder jemand vor, ich würde die Reihe nicht ernst nehmen.




Zorn der Titanen
Originaltitel: Wrath of the Titans
Regie: Jonathan Liebesman
Drehbuch: Dan Mazeau, David Leslie Johnson
Kamera: Ben Davis
Darsteller: Sam Worthington, Liam Neeson, Ralph Fiennes, Rosamund Pike, Edgar Ramirez, Danny Huston, Bill Nighy

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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