Der brave Agent Jonathan Rhys Meyers geleitet die Naturgewalt John Travolta auf der Jagd nach Rauschgifthändlern und Terroristen durch Paris. So einfach ist das, und wenn Travolta mit Glatze und fiesem Bart durch den Film walzt, mit zynischen Sprüchen und gnadenloser Gewalt Menschenleben im Sekundentakt auspustet und der Film uns das Prozedere als Buddy Movie präsentiert, dann kann man wohl kaum anders, als von einer "guilty pleasure" zu sprechen. Natürlich ist FROM PARIS WITH LOVE brutal, kalt, proletenhaft und in seiner Gewalt so reaktionär wie seinerzeit die gröbsten Krawallfilme von Chuck Norris und Konsorten - die bösen Jungs, allesamt Ausländerpack und zur Sicherheit der Welt lieber gleich erschossen als sichergestellt, erhalten hier noch nicht einmal die Güte, irgendwie als Figuren vorgestellt zu werden, bevor sie dem Aufräumkommando Travolta als Kanonenfutter dienen dürfen. Aber meine Güte, Film ist keine Realität, und ein Actionspektakel wie FROM PARIS WITH LOVE gibt nicht mal vor, eine solche überhaupt abzubilden - wozu also moralische Anfälle kriegen? Dafür produziert der Trip zuviel Adrenalin, dafür macht Travolta, der sich ja schon immer in den fiesen und widerlichen Rollen am wohligsten ausbreitete, in seiner lässigen Brutaloshow einfach zu viel Spaß. Und hey, er darf sogar einen "Royale with cheese" verzehren und dabei lächeln.


So eine Überraschung - TRANSFORMERS 2 ist noch lauter und alberner als sein Vorgänger, der ja nun auch schon kaum auf leisen und subtilen Sohlen dahergeschlichen kam. Der Film ist gerade fünf Minuten aus und ich habe schon Schwierigkeiten, die Handlung gezielt wiederzugeben - es reicht wohl zu sagen, daß die Decepticons wieder angreifen, Megatron wiedererweckt wird, und die Autobots den guten Shia LaBeouf beschützen wollen, der plötzlich mysteriöse Transformers-Runen in seinem Kopf gespeichert hat. Das führt irgendwie dazu, daß dann das US-Militär in malerischen Bildern anrückt und halb Ägypten in die Steinzeit zurückbombt - aber zum Glück sind die Ägypter gerade gar nicht da, weswegen Soldaten und Blechbots ungestört Dörfer, Pyramiden und die Sinne des Zusehers in orgiastischer Freude zu Staub zermahlen können. Inmitten des Spektakels leckt die Kamera beständig an der scheinbar einem völlig anderen Genre entliehenen Megan Fox auf und ab, die schon in ihrer ersten Szene in Pinup-Pose auf dem Motorrad hockt, mit halbgeöffnetem Mund und einer Hose, die oben wie unten - Entschuldigung - nur unwesentlich vor der Schamlippe endet.

Mittlerweile hat ja selbst Regisseur Michael Bay zu Protokoll gegeben, daß er von seiner Fortsetzung enttäuscht sei - Schuld sei der Autorenstreik, der nur drei Wochen für die Entwicklung des Skripts ließ. Ich kann Michael beruhigen: Ich könnte mir keine Autorenarbeit der Welt vorstellen, die diese zweieinhalb Stunden Rumms nachhaltig verändert hätte. Wenn zwischen ausufernder Materialschlacht, einem zappeligen John Turturro und der aufblasbaren Porno-Fox noch Zeit bleibt für eine Mythologisierung der Transformers-Ursprünge mitsamt übersinnlicher Erscheinung der großen alten Ur-Blechmänner, dann ist doch alles glänzend im Bay-Land. Das kann man, wie fast alle Kritiker, als Affront gegen den Verstand und die feine Kunst der Kinematographie sehen. Man kann aber auch mal fünf gerade sein lassen und bei diesem krawalligen Zauberkasten seinen Spaß haben - das Vergnügen liegt definitiv auf gleicher Ebene wie beim nicht minder spektakulösen und ganz und gar inhaltsfreien Erstling. Ich bin jedenfalls gerüstet für Teil 3.

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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