Also: Es gibt ja durchaus ein paar Löcher in INCEPTION. Was nicht heißt, daß der Film dadurch seine Qualitäten verliert. Omer M. Mozaffar beispielsweise weist in einem guten Essay - in dem er z.B. diskutiert, wie INCEPTION auch mit den leicht verzerrten Erinnerungen unserer früheren Filmerfahrungen arbeitet - auf ein durchaus vorhandenes Problem hin:
The central characters are geniuses who set up a whole process of inhabiting dreams. The one character depicted as essentially illiterate - Tom Hardy - seems to have the ability to choose to "dream up" a huge gun to fight off opponents, yet none of the geniuses or dimwits seems to have the sense to "dream up" a bulletproof vest. Still, speaking as a part-time academic, I often find myself in the company of profound thinkers who lack some basic common sense.
Nun ja, da legt Mozaffar durchaus einen Finger auf einen wunden Punkt - zu keiner Situation verändern die Figuren die Träume, sondern verhalten sich stets "wirklichkeitsverhaftet". Nachdem ja nun Ellen Page dahingehend eingeführt wird, daß sie alles im Traum vorhandene ummodeln kann und auch Gegenstände einführen kann (die Spiegel in der Paris-Sequenz), stellt sich doch die Frage, warum - vor allen in den gefährlichen Situationen - nie Hilfsmittel erträumt werden, oder die Traumarchitektur verändert wird, um neue Möglichkeiten zu eröffnen. Es wird zwar erläutert, daß ein solcher Eingriff schnell dazu führen kann, daß der Träumende aufwacht, aber da muß Page in Paris schon mal die ganze Stadt zusammenfalten und eine Brücke errichten, bevor sie "aus dem Traum geworfen" wird - da wäre eine kugelsichere Weste oder eine plötzlich erscheinende Tür sicherlich kein derart gravierender Eingriff.

Momentan geistert ein wunderbares Bild durchs Netz, das noch eine berechtigte Frage stellt - und über das ich lange und laut gelacht habe. Gefunden auf screencrave.com:



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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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