Gestern saß ich zum einhundertzwanzigtausendfünfundneunzigsten Mal vor STAND BY ME, diesem 6-Sterne-Film über das Erwachsenwerden, und er war natürlich immer noch genauso wundervoll wie die Male zuvor. Aber etwas war anders. Nicht nur, daß ich den Film gestern zum ersten Mal auf englisch geschaut habe, sondern es ist auch das erste Mal, daß ich Kiefer Sutherland in dem Streifen so richtig bewußt wahrnehme, und zwar in a post-24 frame of mind. Da glaubte ich doch Helge Schneider sagen hören: "Willkommen in der Twilight Suuuuuuhn": Nicht nur, daß der Erzähler im Voice-Over darauf hinweist, daß für Kiefers Figur Ehrenworthalten keine top priority sei (natürlich nicht, denn wichtiger sind thousands of innocent people), sondern dann bellt Kiefer seine Gang auch noch an: "Get in the fucking car - NOW!". Schnaps!

Ernest Lehman ist gestorben. Das erwähne ich jetzt nicht, weil der gute Mann das Drehbuch zu SOUND OF MUSIC geschrieben hat, sondern weil er für zwei feine Hitchcock-Streifen geskriptet hat: NORTH BY NORTHWEST und FAMILY PLOT. Nachdem ich den PLOT letztens erst wieder angesehen habe (und William Devane war damals auch schon grandios), muß ich mir wohl zum Gedenken am Wochenende nochmal NORTHWEST ansehen. Schönste Dialogzeile:
Eve Kendall: I'm a big girl.
Roger Thornhill: Yeah, and in all the right places, too.


Schwarz fährt ins Kinderlager (inklusive Button "Man of Patience"), aber vorher hat er mir noch die Photos gezeigt, die wir für seine EP und seine Homepage geschossen haben. Rock'n'Roll! Hoffentlich sind bald ein paar davon online, sonst packe ich welche auf meine Seite. Mann, wird das eine grandiose CD!

Aus irgendeinem Grund liegt derzeit bei mir dauernd RESULTS MAY VARY von Limp Bizkit (falsch: 2003 war die korrekte Schreibweise "limpbizkit") im CD-Player. Warum nur? Das ist ein Album von katastrophalem Größenwahn, schlechtem Stadion-Rock, peinlichen Texten und ideenlosem Songwriting. Aus rein wissenschaftlichem Interesse heraus kann ich's mir nicht erklären (schließlich muß das Album für meine Dissertation gründlichst seziert werden). Ob's mal wieder das Verkehrsunfall-Prinzip ist? Oder muß ich mir schön langsam eingestehen, daß die CD aus irgendeinem (bislang nicht erforschten) Grund Spaß macht? Uhhh. Aber vielleicht bin ich einfach nur ein derart devoter NuMetal-Fan und sollte mich sofort beim Bizkit-Fanclub einschreiben (ab Herbst trete ich dann nur noch mit rotem Baseballkäppi auf).

So, genug für nun. Sibille kommt nachher vorbei, und dann fahre ich sie mitten in der Nacht zum Flughafen. Dem Münchner Flughafen, wohlgemerkt.

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele, und dreht eine Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX, den All-Music Guide, das 35-Millimeter-Filmmagazin und Film & TV Kameramann. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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