WHAT’S BEHIND THE GROUPIES? oder: Wie wird man eigentlich Rockstar?

Aktuell / Film / Kuschelkino / 19. Mai 2022

Musiker Mickey Saint (Franklin Anthony, AN ACT OF CONFESSION) sitzt auf einer leeren Bühne und kämpft mit dem Künstlerblues: „If only I had some fans!“ Aber zum Glück kommt ihm der rettende Einfall: Er heuert per Annonce schnell ein paar Groupies an, die ihm auf dem Weg zum Ruhm sicher helfen können.

Die beiden Mädchen, die sich da melden, sind freilich eher enttäuscht, dass Mickey gar nicht berühmt ist. Aber weil sie Stars wie Rick Springfield, David Cassidy und Bobby Sherman anhimmeln, klingt Mickeys Plan absolut plausibel für sie: Sobald Mickey erst prominent ist, kommen sie als seine Groupies freilich auch in Berührung mit sämtlichen anderen Berühmtheiten. Man möchte den Damen vielleicht ans Herz legen, dass sie doch einfach auf ein Konzert von Springfield gehen und dort den Backstage-Bereich aufsuchen könnten – aber wer weiß, welch hochkomplexe psychologische Vorgänge in solche Entscheidungen reinspielen. Die Damen lassen sich jedenfalls gerne zu einer Art Groupie-Bewerbungsgespräch überreden, und Mickey ist hochzufrieden.

Mickey Saint (Franklin Anthony) hat schon beinahe alles, was man für das Rockstar-Dasein braucht.

Sein Plan sieht weiters vor, dass ein Groupie zu einem Konzertveranstalter geht, um ihn zu überreden, Mickey zu buchen, und das andere Groupie einen Agenten besucht, der den motivierten Musiker unter Vertrag nehmen soll. Die eine übernimmt den Auftrag gerne, bietet sich dem Agenten (Adam Ward, TIJUANA BLUE) schon kurz nach dem „Grüß Gott“ an und fördert auf dem Schreibtisch des Herrn (in Beisein seiner Sekretärin, Antoinette Maynard) eifrig Mickeys Karriere. Die andere schickt lieber eine Freundin zu dem Konzertveranstalter – deren Motivation zur Teilnahme am Promotion-Plan wird leider nicht näher untersucht, aber auch sie gibt alles (und fragt, während sie ihn in 69er- und Reiterstellung beglückt, auch ständig nach, ob er sich schon entschieden hat, Mickey eine Chance zu geben).

Mickey selber hat aber eigentlich viel romantischere Gründe für seinen Per-Groupies-zum-Star-Plan: Er will nämlich seine Ex-Freundin Karen (Nancy Martin, FLESH GORDON) zurückerobern, die wir zu Beginn des Films mit einem unbekannten Herrn auf der Wiese gesehen haben (und dessen zahlreiche Warzen am Penis wir in Nahaufnahme studieren konnten). Und siehe da, der Plan geht auf: Mickey steht mit seiner Rumpel-Rock-Band auf der Bühne, bläst in die Mundharmonika, die Menge jubelt – und schon kommt Karen auf die Bühne, die sich dann an Ort und Stelle mit Mickey ausführlich versöhnt (was die Menge, die dann nicht mehr zu sehen ist, alle paar Sekunden mit Applaus kommentiert).

Verhandlungen mit dem Agenten (Adam Ward): Darüber schreiben die nie was im Musikexpress.

WHAT’S BEHIND THE GROUPIES, produziert von einem gewissen „Plunger“, ist kein wirklich attraktiver Porno: Die Damen sind teils hübsch, aber die desinteressierte Langeweile, mit der zum Beispiel das Groupie mit der Brille das Prozedere über sich ergehen lässt, macht ebenso wenig Freude wie die erwähnten, eher unhygienisch anmutenden Geschwulste. Aber wenigstens hat der Film Humor, und mit seinem hübsch absurden Mini-Plot ist das Geschehen immerhin amüsant. Der Streifen ist in gewohnt kleinprächtiger Qualität auf der Alpha-Blue-Zusammenstellung „XXX Rock-o-Rama“ zu finden.

 

What’s Behind the Groupies? (USA 1975)
Produktion: „Plunger“
Darsteller: Franklin Anthony, Nancy Martin, Antoinette Maynard, Adam Ward






Christian Genzel
Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr, und den 2017 für den Shocking Short Award nominierten CINEMA DELL' OSCURITÀ. Derzeit arbeitet er an einer Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm. Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für Film & TV Kamera, Celluloid, GMX, den All-Music Guide, 35 Millimeter, Neon Zombie und Salzburger Nachrichten. Er hält Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".





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