MBF-Wertung: *** (3 von 6)

Mal flott der Plot: Karen reist nach dem Tod ihrer Großmutter zu deren Haus zurück, um es zu verkaufen. Nacht um Nacht wird sie von Alpträumen geplagt, die sich offenbar um ihre Kindheit drehen, die sie in besagtem Haus verbracht hat. Bald trifft auch Karens Schwester Wendy (Jenny Mollen) ein, die ihr beim Ausräumen des Hauses helfen will. Allerdings gibt es noch einen undurchsichtigen Mann namens Pierce (Tom Sizemore), der sich um das Haus kümmert, und der Karen trotz seiner Hilfsbereitschaft eher einschüchtert als beruhigt.

Vor der nun folgenden Information müsste man eigentlich mit dem Wort "Spoiler" warnen, wenn die Entwicklung nicht so arg offensichtlich wäre: Tom Sizemore knallt durch und bedroht die beiden Frauen. Was soll er denn auch sonst machen? Also, erstens einmal gibt es in diesem Film ja sonst niemanden, der durchknallen könnte. Zweitens greifen undurchsichtige Hausmeister in Horrorfilmen ja gerne mal zur Axt. Und drittens heuert man nicht Tom Sizemore an, um ihn dann einen netten Kerl spielen zu lassen. Das wäre in etwa so, als würde man Jackie Chan casten und den Typ dann die ganze Zeit im Rollstuhl sitzen lassen.

Nachdem er sich also die ersten fünfzig Minuten darauf beschränkt hat, hin und wieder mal mit finsterem Blick Holz zu hacken, brennen bei Sizemore die Sicherungen durch. Vermutlich hat er auf die Uhr gesehen und gemerkt, daß der Film ja schon bald aus ist – und sich dann auch völlig richtig gedacht, daß er ja hier nicht für's Pferdestriegeln bezahlt wird. Plötzlich erzählt er von dem netten Dr. Mengele, und dann hält er mit Wahnsinn im Auge und Messer in der Hand (umgekehrt wäre das ja auch doof) Wendy einen Monolog, der ihm für die nächsten 10 Jahre auch einschlägige Rollen sichern dürfte. Wendy flüchtet vor ihm, und die Tatsache, daß Jenny Mollen dabei in der Unterwäsche herumläuft, hat ganz ehrlich nur eher marginal etwas mit der großzügigen Wertung von 3 Sternen zu tun.

Sieht man mal davon ab, daß der Spaß recht vorhersehbar ist und der Streifen über weite Strecken recht bemüht ist, ominös zu wirken, gibt es durchaus schlechtere Beschäftigungsmöglichkeiten als DARK MEMORIES. Die Stimmung sitzt ganz gut, der Spannungsaufbau funktioniert, und der Film hechtet nicht immer nach dem nächstbesten, vorhersehbaren Schockmoment. So mag also das Konzept nicht ausufernd Enthusiasmus verbreiten, aber die Ausführung ist durchaus gelungen. Das gibt also streng mathematisch gesehen 3 Sterne in meinem integren Bewertungsschema, wenn man Jenny und die Unterwäsche dazurechnet. Jaja, ich geb's zu: Ich hab' gelogen.

Und ja, ein Kalauer über Regisseur Rubi Zack hätte sich angeboten, aber nein, ich hab' keine Stelle gefunden, wo ich den elegant hätte einbauen können. Entschuldigung.





Dark Memories (USA 2005)
Originaltitel: Ring Around the Rosie / Fear Itself: Dark Memories
Regie: Rubi Zack
Drehbuch: Jeff McArthur, Michael Tabb, Rubi Zack, Jim Suthers, Alex Barder
Kamera: Mark Woods
Musik: John Massari
Produktion: Run Entertainment / Poligon Films / Hollywood Media Bridge / Strategic Film Partners
Darsteller: Gina Philips, Tom Sizemore, Jenny Mollen
Länge: 85 Minuten
FSK: 16

Dieser Text erschien zuerst am 29.12.2008 bei mannbeisstfilm.de.


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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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