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Filmnotizen: Bierfest

Genzel trinkt!
Ich schau‘ mir ja total gern Dodelcomedies an. Ach, das wußtet ihr schon? Na dann. So hab‘ ich mir also gestern BIERFEST gegeben, der von der fünfköpfigen amerikanischen Komikertruppe Broken Lizard … inszeniert? verbrochen? geschaffen? … wurde. Was erwartet man bei einem Titel wie BIERFEST (im Original ebenso BEERFEST)? Na klar: Schwerste intellektuelle Unterhaltung. Und das gibt’s denn auch mal. Zwei amerikanische Brüder kommen nach München, um die Asche ihres Großvaters (Donald Sutherland!!) auf der Theresienwiese zu verstreuen, und geraten in die geheimen Keller unterhalb des Oktoberfests, wo fiese Deutsche bei einem FIGHT-CLUB-ähnlichen Bierfest die Teams anderer Nationen unter den Tisch saufen. Anführer der Deutschen ist übrigens Jürgen Prochnow, im Team der Deutschen trinkt Ralf Moeller mit. Und natürlich wird überall wundervolles, teils sinnfreies Denglisch gesprochen, alle Deutschland-Klischées werden genüßlich zelebriert, ein paar blanke Möpse hüpfen über den Schirm, ein Herr Schniedelwichsen wird wegen Verrats erschossen, und es wird gesoffen bis zum bitteren Ende, unter anderem aus einem Bierstiefel („das boot“, haha).

Nach der Niederlage ziehen sich die Amerikaner zurück und trainieren fürs nächste Jahr (ihr bester Mann ist ein alter College-Kumpel, der jetzt auf dem Straßenstrich Teile seiner Anatomie für einen Dollar herzeigt), während die Deutschen mit dem U-Boot in Colorado anrücken, um eine geheime Bierformel zu klauen. Eine Hauptfigur stirbt ganz unversehens, wird beerdigt, und dann kommt derselbe Schauspieler als Zwillingsbruder und bittet darum, mit demselben Namen angesprochen zu werden – genau, wenn schon absurd, dann mal so richtig. Der Humor ist größtenteils schwer bierselig, oft sehr tief, mitunter sehr witzig, Cloris Leachman (Frau Blücher!) läuft im Dirndl herum und erzählt Anzüglichkeiten, und zum Schluß gibt Willie Nelson dann noch beim Kiffen einen Witz zum Besten: Der Vater erwischt seinen Sohn beim Masturbieren und sagt: „Du weißt doch, daß man davon blind wird“. Der Junge erwidert: „Papa, ich bin hier drüben“. Prost!
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Christian Genzel
Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, erschien 2011. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr, und den 2017 für den Shocking Short Award nominierten CINEMA DELL' OSCURITÀ. Derzeit arbeitet er an einer Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm und produziert Bonusmaterial für Film-Neuveröffentlichungen. Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, u.a. für die Salzburger Nachrichten, Film & TV Kamera, Ray, Celluloid, GMX, Neon Zombie und den All-Music Guide. Er leitet die Film-Podcasts Lichtspielplatz, Talking Pictures und Pixelkino und hält Vorträge zu verschiedenen Filmthemen.

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