Da steh' ich nun, ich armer Tor - und schlaf so tief wie nie zuvor. Zugegeben, ich stand gar nicht beim Schlafen, aber gefühlt hätte 2012 ZOMBIE APOCALYPSE auch ohne gemütliche Couch einen starken Dornröschen-Effekt ausgeübt. Und dann soll man auch noch sinnvolle Worte finden zu dieser schnodderigen Asylum-Produktion, die übrigens mit ein paar Millionen Dollar Budget als bislang teuerster Film aus der Trash-Schmiede gehandelt wird und mit Ving Rhames und Taryn Manning beinahe prominent besetzt ist. Wohlan, lasset uns die Schnarchnummer flott abfrühstücken:

Also, da hat eine Zombieepidemie stattgefunden. Die Zivilisation ist hinüber. Nur noch kleine Gruppen von Überlebenden schlagen sich durch und hoffen auf bessere Zeiten - oder zumindest auf Zuflucht auf Catalina Island, wo das Leben noch seinen zombiefreien Lauf nimmt. Und so gehen wir also mit einer Truppe Leute mit, die sich durch die amerikanischen Vorstädte kämpfen - mal sterben welche, mal kommen neue dazu, und zwischendurch greifen beständig untote Gestalten an. 87 Minuten lang.


Freilich ist das Zombiegenre schon seit den frühen Achtzigern kein fruchtbarer Boden mehr für Originalität - aber vor allem in der Flut an jüngeren Zombie-Produktionen zeigt sich, daß die Geschichte vom Kampf gegen die wandelnden Toten schon bis aufs Knochenmark ausgelutscht ist. ZOMBIE APOCALYPSE funktioniert wie eine Checkliste sämtlicher Zombiefilm-Elemente, die in den letzten drei Jahrzehnten schon bis zum Vermodern bedient wurden: Ein Familienmitglied oder Geliebter, der durch seine Verwandlung zum Zombie großes emotionales Drama auslöst? Check! Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe, die sich im Überlebenskampf selber an die Gurgel zu gehen droht? Check! Blutige und verweste Gestalten, die wie Joe Cocker wackelnd durch die Szenerie schlurfen und ständig Hunger nach Menschenfleisch haben (aber dann nur kurz reinbeißen)? Check! Abgetrennte Körperteile und Shotgunsalven, die einem Zombie den Kopf wegpusten? Check! Melancholische Gespräche über die Zukunft der Menschheit? Check!

Richtig schlecht gemacht ist diese ZOMBIE APOCALYPSE (der Originaltitel kommt ohne die Jahreszahl aus, die vielleicht bei uns zusätzlich Emmerichsche Endzeit-Stimmung wecken soll) dabei eigentlich gar nicht. Freilich ist auch hier einmal mehr Schmalhans Küchenmeister: Gefilmt wurde in leeren Häusern, auf abgelegenen Wiesen, in dörflichen Nebenstraßen, mit kleiner Cast und einer überschaubaren Anzahl an Zombiestatisten. Zwischendurch sind immer wieder Bilder einer Großstadt zu sehen, in die stets brav ein Raucheffekt eingefügt wurde - damit man auch sieht, daß da wahrlich die Hölle los ist. Die Effekte stammen allesamt aus dem Computer, und sie erfüllen ihren Zweck, obwohl sie trotz einer Vielzahl physischer Wunden (Kopfschüsse, abgehackte Gliedmaßen, usw.) nie irgendeine Art von Körperlichkeit vermitteln können. Dennoch ist das alles recht solide gefilmt.


Aber wenn man sich schon einen Zombiefilm ansieht, der wie ein 87-minütiges Déjà Vu abläuft - warum dann nicht gleich einen der Klassiker ansehen? Mehr Überraschungen als ein 16-fach gesehener NIGHT OF THE LIVING DEAD bietet ZOMBIE APOCALYPSE selbst bei der ersten Begegnung zu keiner Sekunde - und ersterer bleibt wenigstens selbst beim wiederholten Ansehen spannend und aufregend. Die müde Asylum-Apokalypse dagegen bietet nur einschläfernd aufgewärmte 08/15-Kost. Und das ist eigentlich schlimmer, als wenn der Film total daneben wäre: Zum Scheitern sind nämlich erstmal Ambitionen nötig.




2012 Zombie Apocalypse (USA 2011)
Originaltitel: Zombie Apocalypse
Regie: Nick Lyon
Buch: Craig Engler, Brooks Peck
Darsteller: Ving Rhames, Taryn Manning, Johnny Pacar, Gary Weeks, Lesley-Ann Brandt, Eddie Steeples, Robert Blanche, Gerald Webb, Lilan Bowden, Anya Monzikova

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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2 comments so far,Add yours

  1. Lilan Bowden kennt man übrigens auch aus einer anderen Asylum Verzweiflungstat namens NAZIS FROM THE CENTER OF THE EARTH, der bei uns als NAZI SKY und anderswo sogar als BLOOD STÖRM erschienen ist. Nur damit es zu keinen Verwechslungen und Doppelkäufen kommt.

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  2. "BLOOD STÖRM" ist natürlich ein sehr schöner Titel. Im Gegensatz zur ZOMBIE APOCALYPSE ist NAZI SKY übrigens ein sehr unterhaltsamer Streifen, der seine Absurdität feiert und nicht nur zigfach Gesehenes wiederkäut.

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