Jeder Mensch hat mindestens ein Talent. Manche haben ganz viele. Gestern wurde mir von Schwarz eines bescheinigt, das mir auch schon meine liebe Frau Mama attestiert hat, und auf das ich total gut verzichten könnte. Ohne näher auf den ganzen Kladderadatsch eingehen zu wollen, kann ich nur sagen, daß es mich gerade sehr beschäftigt und reichlich nach unten zieht, was mir öfter passiert, weil ich eben so veranlagt bin -- aber: im gleichen Zuge habe ich gestern wieder an meinem Drehbuch geschrieben. Nicht viel, nur eine Seite, aber ich habe eine Idee für die zweite Episode und kann weiter voranschreiten. Vielleicht haben diese Gefühlslagen tatsächlich etwas mit der Kreativität zu tun. Aber ... can't we just be happy for a while? It happens all the time.

Wenn alles glatt geht, dann ist morgen der letzte Studiobesuch im Rocket angesagt, und Herr Schreier und ich machen den SCHLAFLOS-Sound fix und fertig. Weil aber der Schreier mindestens ebenso ein Perfektionist ist wie ich, wird er am Dienstag im ARRI-Studio mit irgendeiner sauteuren und hyperexklusiven Software ("Das Nonplusultra in 'Mach-mich-rein-vom-Tondreck'-Software") über die Auto- und Zugszenen noch einmal drübergehen, damit der Ton noch ein bißchen besser wird. Dann müssen Haslecker und ich flugs ins Studio West, um den Film dann endgültig zu finalisieren (Ton und Bild wieder zusammenkleben, Vor- und Abspann, Untertitel für die englischen Dialoge), und dann steht der Premiere am 10.11. nichts mehr im Wege.

Schwarz darf indes stolz auf mich sein: Ich habe gestern zwischen Altenmarkt und Obing eine Anhalterin namens Johanna mitgenommen und ihr die Betty's-Apartment-CD vorgespielt. Sehr richtig: Sogar unterwegs ins wohlverdiente Wochenende macht Genzel noch Werbung für die gute Sache. Ob ein neuer Fan geboren wurde, kann ich schwer beurteilen, aber zumindest hat sie das Vorhaben geäußert, sich auf den Newsletter setzen zu lassen.

Ich muß dringend Ordnung in meine To-Do-Liste bringen. Was die Premiere angeht, was die CD-Produktion angeht, was meine Schreibereien angeht, was mein Leben angeht. Wenigstens hole ich mir für die Premiere Unterstützung an Bord, und Schwarz denkt bei den CDs mit, also werden die dringendsten Anliegen schon gut über die Bühne gehen.

Ebenso muß jetzt Schluß sein mit der langsamen Leserei! Ich bin ja eigentlich ein sehr schneller Leser und lese auch sehr viel (nicht so viel wie meine Mom, natürlich, aber die hat ja ungefähr so viele Bücher wie ich Musik und Filme), aber seit dem Sommer habe ich nicht mehr die Muße gefunden, tagsüber zu lesen, und abends im Bett klappen mir immer nach 5 Seiten die Augen zu. Dabei ist das Buch, das ich gerade lese, sehr interessant: Reinhold Messners ALLEINGANG NANGA PARBAT. Nicht, daß ich unbedingt jemand bin, der Bergsteigen ganz unendlich faszinierend findet, aber das freiwillige Suchen der Extreme und Messners beständige Versuche, sich und seine Handlungen zu erklären, sind psychologisch schon sehr spannend.

Ab sofort auf der Leseliste: Serienkiller. Ich werde mir mal den vielbejubelten Bericht zum Zodiac-Killer in San Francisco genehmigen. Das hat hoffentlich den Effekt, daß nicht immer alle meiner Figuren in all meinen Drehbüchern im Grunde genommen total nette Burschen sind (für die Geschichten, die sich in meinem Kopf manifestieren, müssen ein paar wirklich üble Irre her), und sorgt nebenher dafür, daß ich mich für den nächsten David-Fincher-Film optimal vorbereitet fühle.

So, jetzt gehen wir frühstücken.

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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  1. Das Leben in den Griff kriegen ist auch eines meiner Lieblingshobbys. Warte noch ein paar Jahre und dann bist du schon froh, wenn dir nichts weh tut und du gemütlich eine Tasse Tee zu Hause trinken kannst. Man wird nämlich immer bescheidener mit der Zeit.
    Nein, ich will deine Situation auf keinen Fall runterspielen. Ich wünsche dir genug Energie für einen Richtungswechsel. Leider muss man immer ziemlich leiden, bis man die Notwendigkeit einer Änderung einsieht. Die ganze negative Energie in etwas Positives umzusetzen ist immer schwierig. Es ist nämlich ein Kraftwerk, das sehr viel Substanz verbrennt.

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