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NABONGA, DER RIESENAFFE: Von Primaten und Primitiven

Zeit für ein kurzes Filmgespräch! Welches Z-Movie haben der unerschütterliche Don Arrigone und ich diesmal geschaut?

Don Arrigone: NABONGA, DER RIESENAFFE – der Film ohne Riesenaffe.

Christian Genzel: Und dieser normal große Affe hieß auch nicht Nabonga, sondern Samson.

DA: Nabonga war ein Fluß, der im Film vorkam. Der Streifen war eine extreme Belastung, muß ich anmerken.

CG: Oh ja. Dieses Schlafmittel von Film kam 1944 heraus, wurde aber offenbar erst jetzt synchronisiert – mit einem unglaublich einfachen Synthesizer-Soundtrack, der einfach dauernd spielt. Inklusive Grillenzirpen als Loop.

DA: Die Synchronisation war psychisch ebenso belastend. Abgesehen davon gab’s wohl alles, was man sich von einem KING-KONG-Klon Anfang der Vierziger erwartet … wobei, KING-KONG-Klon kann man ja nicht mal sagen.

CG: Eben, da war der Affe wenigstens groß.

DA: … also, von einem Film mit einem Affen und einer Frau.

CG: Ich glaube, selbst da gab es wesentlich bessere Klone.

DA: Vermutlich. 

CG: Er hat 71 Minuten gedauert und war verdammt lang.

DA: Ja, NABONGA hat so seine Längen … und wenig Kürzen.

CG: Er ist wirklich nicht sehr handlungsintensiv. Da waren ein Affe und eine Frau, die haben im Dschungel gelebt. Dann sind vier Leute in diesen Dschungel, um da Juwelen zu finden. Der Affe hat dann zwei von denen umgebracht. Und der Mann und die Frau heiraten dann jetzt.

DA: Vermutlich, ja.

CG: Und die Frau ist leider sehr beschränkt, weil sie im Dschungel aufgewachsen ist und nichts kennt außer dem Dschungel. Weshalb sie nichts versteht von dem, was der Mann sagt – und er gleich mit irgendwelchen sexuellen Anspielungen kommt.

DA: Das war ihr dann zu hoch. Er hätte ihr das einfacher erklären sollen. Vorzeigen vielleicht.

CG: Der Affe muß sich doch auch irgendwann mal gepaart haben?

DA: Der Affe, glaube ich, nicht.

CG: Dafür hatte der Affe eine sehr coole Stehfrisur. Das Wayne-Static-Modell in der kurzen Ausführung. Er sah schon wirklich recht … hm, affig damit aus.

DA: Er hat auch mal mit einem anderen Affen gekämpft, das darf man nicht ausblenden.

CG: Stimmt, das sah sehr Wrestling-mäßig aus. Leider haben sie sich nicht gegenseitig gegen das Schienbein getreten.

DA: Der Affe wurde übrigens von „Nbongo“ gespielt.

CG: So steht’s im Vorspann, damit wohl niemand auf die Idee kommt, sie hätten den Schauspieler Ray Corrigan in ein Affenkostüm gesteckt.

DA: Der Film ist auch immer noch Ausdruck von Rassismus in den USA.

CG: Ja, die primitiven Wilden, die von einem „Haus mit Flügeln“ reden … wobei vielleicht im Original die Schwarzen nicht alle größtenteils „Uaaaaahhhhh“ sagen.

DA: Vielleicht dürfen sie da wirklich reden und sich artikulieren!

CG: Mag sein. Aber das Frauenbild ist ebenso schön: Nicht nur, daß das Mädel nichts verstanden hat – sie bietet auch gleich an, daß sie etwas zu Essen macht.

DA: Wobei sich das Nicht-Verstehen schon aus der Rolle ergibt. Hättest du jetzt da einen Mann gehabt, wäre der wahrscheinlich auch blöd gewesen. Tarzan war ja auch kein Genie.

CG: Aber so beschränkt war er dann auch nicht … Bemerkenswert an ihr ist allerdings noch: Sie ist im Alter von 6 Jahren in diesen Dschungel gekommen und hatte jetzt mit 26 trotzdem ein passendes Kleid.

DA: Das hat sie sich sicher mal genäht.

CG: Oder es ist mitgewachsen, wie die Hose beim Hulk.

DA: Der Vater hat wahrscheinlich schon gewußt, daß sie jetzt 20 Jahre im Dschungel sein werden, also hat er dem Töchterchen ein elastisches Kleid mitgenommen. Ab 18 hat das Kleid dann wohl auch gut und eng gesessen. Aber trotz aller Anzüglichkeiten gab’s keinen Sex.

Der Film war wahrscheinlich lange Zeit vergessen, und es wäre besser gewesen, es wäre dabei geblieben.

CG: Bis dann das Label „Great Movies“ gekommen ist …

DA: Filmhistoriker!

CG: Die haben sich tief ins Archiv eingegraben und uns diese Perle geschenkt. Und in eine Fantasy-Box gepackt, in der er zusammen mit zwei anderen Filmen keinerlei Fantasy-Elemente hat!



Nabonga, der Riesenaffe (USA 1944)
Originaltitel: Nabonga
Regie: Sam Newfield
Buch: Fred Myton
Kamera: Robert Cline
Musik: Willy Stahl
Darsteller: Buster Crabbe, Julie London, Barton MacLane, Fifi D’Orsay

Christian Genzel
Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, erschien 2011. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr, und den 2017 für den Shocking Short Award nominierten CINEMA DELL' OSCURITÀ. Derzeit arbeitet er an einer Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm und produziert Bonusmaterial für Film-Neuveröffentlichungen. Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, u.a. für die Salzburger Nachrichten, Film & TV Kamera, Ray, Celluloid, GMX, Neon Zombie und den All-Music Guide. Er leitet die Film-Podcasts Lichtspielplatz, Talking Pictures und Pixelkino und hält Vorträge zu verschiedenen Filmthemen.

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