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Großangriff der Zombies (1980)

Der Horror!

Versprochen ist versprochen! Kümmern wir uns also flott um den GROSSANGRIFF DER ZOMBIES, den Umberto Lenzi da auf uns hetzt. Im Original hieß der Streifen INCUBO SULLA CITTÀ CONTAMINATA (das kann man, wenn man will, mit „gefangen in der verseuchten Stadt“ übersetzen), auf englisch wurde es zunächst zu NIGHTMARE CITY, dann zu CITY OF THE WALKING DEAD. Weil es sich um eine italienisch-mexikanisch-spanische Co-Produktion handelt, gibt es auch einen spanischen Originaltitel, der da INVASION DE LOS ZOMBIES ATÓMICOS lautet. Ihr seht: Die Lage ist kompliziert.

Naja, eigentlich gar nicht. Zumindest, was die Handlung angeht. Da wird in einer namenlosen Stadt die Ankunft von Professor Kleinaltmann (oder wie der hieß) erwartet, der – uh oh – mit einer ungekennzeichneten Militärmaschine ohne Funkkontakt einfliegt. Die Tür geht auf, heraus kommt nicht nur ein messerwetzender Prof (der studentische Zuseher ist solche Bilder ja gewohnt), sondern eine stattliche Anzahl von wüsten Rabauken, sprich: Zombies, die gleich mal das am Flughafen stationierte Militär ausradieren. Zack!

NIGHTMARE CITY ist deshalb in die Zombie-Filmgeschichte eingegangen, weil die miesepetrigen Untoten hier nicht besoffen durch die Gegend torkeln, sondern wie die Losgelassenen rennen, springen, jagen, und nebenher Waffen verwenden und im Team arbeiten. (Einen sieht man sogar mit einem Hund Fußball spielen, aber wem das zu unrealistisch erscheint, sei vertröstet, daß es sich nur um einen „goof“ im Bildhintergrund handelt.) Schade eigentlich, daß das Zombie-Makeup so blöd aussieht – es könnte auch GROSSANGRIFF DER KARTOFFELKÖPFE heissen – sonst hätten wir wirklich Schiß vor den Vandalen.

Schon nach kurzer Zeit wird dem geneigten Zuseher klar, warum heutige Zombiestreifen immer als „blutleer“ tituliert werden. Da werden Kehlen durchgeschnitten, Brüste abgehackt, Köpfe zermatscht, und in einer Fulci-ähnlichen Sequenz sticht ein Zombie einer kreischenden Frau mit einer Eisenstange ein Auge aus. Autsch.

Trotz des hohen Matschfaktors sind manche Szenen eher amüsant als gruselig: Großes Kino beispielsweise der Moment, wo die Wilden eine TV-Aerobic-Sendung überfallen, in der eine Gruppe leichtbekleideter Hüpfschnitten eher unkoordiniert herumtanzen, bevor sie verhackstückt werden. Immerhin sind manche Zombies so anständig, sich nach dem Dinner den Mund abzuwischen. Im Schaltraum des Senders beobachtet dann ein Techniker die Szene auf dem Monitor und wundert sich: „Das gehört doch überhaupt nicht zu unserer Sendung!“ Ich sag’s ja immer: Es ist so schwer, gutes Personal zu finden.

Erfreulicherweise nimmt sich der Film immer wieder ein paar Sekunden Zeit, uns mit nackten Brüsten zu beglücken. Da sind die Italiener wenigstens nicht so verklemmt wie die Amerikaner! Gewisse Handlungsbrüche sind verzeihlich, wenn so gründlich abgefrühstückt wird. Und als Ruhepol dient uns ja immer Hauptdarsteller Hugo Stieglitz (ja, der heißt wirklich so), der – seinen Gesichtszügen nach zu urteilen – von der Zombieinvasion ungefähr so beeindruckt ist wie ein Eskimo von leichtem Schneefall.

Jawoll, meine Herren, der war spaßig! Und trotz des Trash-Faktors doch recht ungemütlich. Schön dreckig, schnuckelige Musik. So mag ich meine Zombies.

Und jetzt ist es endlich an der Zeit, von meiner momentanen Suche zu erzählen. Es gibt da nämlich einen Streifen, der sich OK CONNERY nennt – auf deutsch: OPERATION KLEINER BRUDER. Die Hauptrolle in besagtem (bislang nicht aufzutreibendem) Film spielt ein gewisser Neil Connery – Bruder von Sean. Neil spielt in diesem mutmaßlichen Kleinod den Bruder von 007 und kämpft sich durch einen Italo-Rip-Off der James-Bond-Filme – in dem sogar Bernard Lee („M“) und Lois Maxwell (Miss Moneypenny) mitspielen! Auch zu sehen sind Adolfo Celi (Largo in FEUERBALL), Daniela Bianchi (Bond-Girl in LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU) und Anthony Dawson (Professor Dent in DR. NO). Na, wenn das mal kein Spaß wird! Wenn ich ihn nur endlich irgendwo finden würde …

  

Großangriff der Zombies (Italien/Spanien 1980)
Originaltitel: Incubo sulla città contaminata
Alternativtitel: City of the Walking Dead / Nightmare City
Regie: Umberto Lenzi
Darsteller: Hugo Stieglitz, Laura Trotter, Mel Ferrer

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Christian Genzel
Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, erschien 2011. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr, und den 2017 für den Shocking Short Award nominierten CINEMA DELL' OSCURITÀ. Derzeit arbeitet er an einer Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm und produziert Bonusmaterial für Film-Neuveröffentlichungen. Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, u.a. für die Salzburger Nachrichten, Film & TV Kamera, Ray, Celluloid, GMX, Neon Zombie und den All-Music Guide. Er leitet die Film-Podcasts Lichtspielplatz, Talking Pictures und Pixelkino und hält Vorträge zu verschiedenen Filmthemen.

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