Monsterhorror aus dem Hause Asylum, Folge Zwölftausendsiebenundvierzig: MEGA PYTHON VS. GATOROID. Sprich: Große Schlange gegen großes Krokodil. Die Aufregung ist fast physisch im Raum spürbar. Zeichneten sich doch auch schon die vorigen Spektakel dieser Produktionsstätte durch herausragende Darsteller, komplexe Drehbücher, überzeugende Spezialeffekte, sauberes Handwerk, originelle Inszenierung, mitreißende Musik, cleveren Witz und bombastischen--- ... ah, Moment ... da sind mir wohl meine Notizen durcheinandergekommen. Also, was ich eigentlich sagen wollte: Man darf gespannt sein, ob es sich bei dem Film um miesen Schund oder um höllisch miesen Schund handelt. Asylum deckt da ja durchaus ein gewisses Spektrum ab.

Also: Da geraten Pythons in die Everglades, weil die Umweltaktivistin Dr. Nikki Riley einen ganzen Schwung aus Forschungslabors befreiter Schlangen dort aussetzt. Leider wachsen die Viecher in kürzester Zeit zu enorm großen Biestern heran, was der Parkleiterin Terry O'Hara mißfällt - weswegen sie einen Packen Steroide und eine geheime Substanz kauft, die ein Protein unterdrückt, durch das Muskelwachstum gehemmt wird. Dieses Zeugs verfüttert sie also an die Alligatoren, damit die auch wachsen und die Pythons bekämpfen können. Der nicht ganz zu Ende gedachte Plan führt leider dazu, daß nur sechs Monate später sowohl Riesenpythons wie auch Riesenalligatoren die Sümpfe unsicher machen - und dabei nicht nur die geplante Benefizaktion im Park gefährden. Riley und O'Hara müssen mit vereinten Kräften gegen das tierische Gesocks vorgehen, und dazu hecken sie einen komplexen, ausgeklügelt inszenierten Plan---- ach, Mist, das sind ja schon wieder die falschen Notizen.

Also gut: Sie sprengen halt alles in die Luft. Vorher aber dürfen die lieben Tierchen das Gelände und später auch die nächstgelegene Stadt zum Mittelpunkt diverser Freßgelage machen: Haps, ein Parkranger ist platt, knurps, ein weiterer Parkranger rennt kopflos durch die Gegend, hamm-hamm, die Benefizgesellschaft wird zum Appetitanreger. Weil der Film von Asylum stammt, kommen die Tiere vornehmlich aus dem Computer und machen dabei selten den Eindruck, als würden sie mit den Schauspielern zusammen in einem Bild agieren. Oder sich auch sonst irgendwie physikalisch glaubwürdig bewegen. Um Geld zu sparen und die Umwelt zu schonen, werden einige Spezialeffekte auch recycelt (oder wie man dieses schöne deutsche Wort sonst schreibt): Ein Shot, in dem Alligatoren und Pythons sich bedrohlich auf die Festgesellschaft zubewegen, darf zwischendurch immer mal wieder aufs Neue begutachtet werden.


Wie schon beim Fischstäbchenthriller MEGAPIRANHA können Asylum auch hier wieder auf die darstellerischen Talente der Sängerin Tiffany zurückgreifen (rechts im Bild), deren Kleid ab der zweiten Hälfte des Films so tief ausgeschnitten ist, daß man meinen könnte, ihre Brüste würden am Wettwachstum der Alligatoren und Schlangen teilnehmen. Als Gegenspielerin für Tiffanys Parkrangerin wurde in einem heiteren Coup Sängerin Debbie Gibson als Dr. Riley besetzt, die in den Achtzigern als Rivalin von Tiffany gehandelt wurde und sich deswegen hier in einer langen Sequenz mit ihr prügeln darf.

Es sind diese Momente der ironischen Popkultur-Verweise, in denen MEGA PYTHON VS. GATOROID am vergnüglichsten ist - immerhin rollen Tiffany und Debbie Gibson nicht nur am Boden entlang, sondern knallen sich dann auch noch Torten ins Gesicht. Für die Benefizgala wird in einem Wortwitz, der leider nur im Englischen funktioniert, ein Affe angekündigt - woraufhin dann Micky Dolenz von den Monkees auftritt, aber bevor der anfangen kann zu spielen ("Ich beginne mit ein paar meiner größten Hits aus den Sechzigern"), wird er von einer großen Python verspachtelt.


Leider aber ist der Rest des trashigen Spektakels weitaus weniger augenzwinkernd gehalten - auch wenn sich eine Python in der Stadt so auf die Schienen legen darf, daß der Zug einfach direkt in sie hineinfährt. Aber merke: Wenn man eine Hauptdarstellerin wie Tiffany hat und die einen Tick fülliger ist als die Hungermodels dieser Welt, dann ist es inszenatorisch nicht so geschickt, sie irgendwann im Film an einer aus einem Helikopter geworfenen Strickleiter baumeln zu lassen und dann alles im Bild nach unten zu schieben, als würde sie mit ihrem Gewicht den kompletten Hubschrauber zu Boden ziehen. Überhaupt, der Helikopter: Ein hilfreicher Indianer (einer von diesen Wissenschaftlern, die für ihr Expertentum angeheuert werden und denen dann nicht ein einziges Wort der Warnung geglaubt wird) legt mit einem kleinen Flugzeug eine harte Bruchlandung hin und kann nur wenige Minuten später mit einem plötzlich herbeigezauberten Hubschrauber den Tag retten - hat der den schnell aus dem Yps-Heft zusammengeschraubt, das er in der Hosentasche mit sich herumträgt?

Machen wir es kurz: In MONTY PYTHON VS. GATOROID läuft die britische Komikertruppe einmal mehr zur Hochform auf. Zum gewohnt bissigen Humor kommen hier eine satirisch-kritische Handlung und eine überraschende Bildgewalt, mit der------ äh. Ach so. Ja. Egal.




Mega Python vs. Gatoroid (USA 2010)
Regie: Mary Lambert
Buch: Naomi Selfman
Darsteller: Tiffany, Debbie Gibson, A Martinez, Kathryn Joosten, Micky Dolenz

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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