März 2017

Derzeit wütet der größte Affe der Welt wieder auf den Kinoleinwänden: In KONG: SKULL ISLAND geht es erneut auf die legendäre Insel, die den gigantischen Gorilla King Kong beheimatet. Wir sprechen über die Anfänge des Monsters im Filmklassiker von 1933, seine übergroße Rückkehr im Remake von 1976, Peter Jacksons ausufernde Liebeserklärung an den Originalfilm aus dem Jahr 2005 und die aktuelle Inszenierung vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges. Unterwegs geht es um die Beziehung zwischen der Schönen und dem Biest, um die unzähligen Lesarten der Geschichte und um die Frage, warum sich die Monsterstory so sehr für verschiedenste Interpretationen anbietet.

Viel Spaß!



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Alle Soundclips aus KONG: SKULL ISLAND mit freundlicher Genehmigung von Warner Bros. Pictures Publicity verwendet.
Plakatausschnitt & Soundclips: (C) 2017 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Sylvia Kristel gilt als Königin des erotischen Films: Mit der Hauptrolle in der 1974 veröffentlichten Buchverfilmung EMMANUELLE (bei uns: EMANUELA) prägte sie ein ganzes Filmgenre - und wurde für den Rest ihrer Karriere mit dieser Figur identifiziert. Der Film war ein Millionenerfolg, der zahllose Nachfolger anregte. Aber während Kristel stets als Göttin der Verführung galt, zeigt ihre Filmographie einige Überraschungen: Sie drehte mit Claude Chabrol, Roger Vadim und Alain Robbe-Grillet, spielte neben Gerard Depardieu, Michel Piccoli und Alain Delon.

In der aktuellen Lichtspielplatz-Folge sprechen wir über den Film EMMANUELLE und seine Hintergründe, das zugrundeliegende Buch von Emmanuelle Arsan, die unzähligen Nachfolger und Nachahmer, andere Kristel-Filme wie ALICE, DAS SPIEL MIT DEM FEUER, LA MARGE, LADY CHATTERLEYS LIEBHABER und MATA HARI und ihre Autobiographie UNDRESSING EMMANUELLE. Es ist eine Reise durch Erotikfilme und Arthouse-Streifen, ein Brückenschlag von François Truffaut über Walerian Borowczyk hin zu Joe D'Amato.

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Weiterführende Texte auf Wilsons Dachboden:
EMMANUELLE 4: Neuer Körper, altes Glück
EMMANUELLE 6: Eine Verführerin in Bedrängnis
LAURA: Eine erotische Expedition von und mit der "echten" Emmanuelle

Der Screenshot stammt von der BluRay von EMMANUELLE, (C) 2010 Kinowelt.
Vater und Terrorsohn: Carmelo und Malcolm

"Wir finden, dass Sie und ihr Söhnchen schon eine gewisse Zumutung sind", meint eine Frau im Zugabteil zu Carmelo und seinem vierjährigen Bub Malcolm. Die werte Dame untertreibt hemmungslos: Das Kind ist der absolute Terror.

In der italienischen Komödie ERSTE KLASSE reist Carmelo (Enrico Montesano) mit seinem Sohn Malcolm zu dessen Großmutter, damit seine Frau vierzehn Tage Urlaub mit ihrem Freund machen kann. Weil sich bislang immer die Mutter um das Kind gekümmert hat, ist er als Vater hoffnungslos überfordert. Im Zug lernt er die schöne Beatrice (Sylvia Kristel) kennen, die unterwegs zu einem Kongress ist, um dort einen Vortrag über das prähistorische Skelett zu halten, das sie rekonstruiert hat. Zwischen Carmelo und Beatrice bahnt sich eine kleine Affäre an – aber die wird ständig durch das aufgedrehte Kind wieder eingebremst …

Carmelo bandelt mit Beatrice an
Manchmal kann sich so eine ÖBB-Vorteilscard schon lohnen.

Daß Carmelo der väterlichen Verantwortung für Malcolm entkommen will, ist nur allzu verständlich: Der Knabe ist wahrlich niemandem zuzumuten. Selbst Rosemarys Baby stellt man sich gegen Malcolm als Engelskind vor: Der Junge plärrt permanent in voller Lautstärke, was er gerade will, läuft ständig weg, droht einer Mitreisenden mit der Stricknadel das Auge auszustechen, klettert in die Gepäckablage hoch, zerfetzt Zeitschriften, wirft mit Essen und Bananenschalen um sich und macht sich unter Ankündigung wonnig in die Hose. Er könnte im Alleingang das Problem der Überbevölkerung lösen: Wer über Nachwuchs nachdenkt, wird sich das nach der Sichtung des Films nochmal ganz genau überlegen.

Wem Malcolm noch nicht lustig genug ist, darf sich freuen, daß auch die restliche Zugbesatzung Vollgas gibt. Da lauert in einem Abteil eine Bande militanter Feministinnen, die geifernd über jeden verdächtigen Mann herfallen, während der Frachtwaggon des Zuges von einem comicbegeisterten Revolverheld bewacht wird, der gerne Schauspieler wäre. Als er Carmelo und Beatrice in einer Sequenz mit gezückter Pistole stellt, weil er sie für Diebe hält, läßt er sich von Carmelo das schlafende Kind in den Arm legen, damit der überhaupt die Hände hochhalten kann.

Sylvia Kristel oben ohne
Ach, drum wird der Film auf DVD unter dem Titel ERSTE KLASSE SEX vermarktet.

Beatrice erwärmt sich derweil in rasanter Geschwindigkeit für das Plappermaul Carmelo und findet es erregend, als der im Gedanken an seine Frau "Nutte" zischt und sie glaubt, selber gemeint zu sein. Später wird sie seufzen, daß sie immer Männer kennenlernt, "die schon anderweitig verpflichtet sind". Sie wird dem Kind auch aufgebracht eine Ohrfeige geben, als es sich im Frachtwagen an ihrem Skelett zu schaffen macht, und kurz darauf Carmelos Gepäck aus dem Fenster werfen, weil der sie diesbezüglich zur Rede stellt. Ach ja, und Carmelo wird irgendwann sein Kind an einem Bahnhof zurücklassen, damit er endlich ungestört bei Beatrice landen kann – wobei das wohl selbst der aufrechteste Pädagoge angesichts dieses verhaltensauffälligen Kindes verstehen können wird.

"I have seldom heard a train go by and not wished I was on it", schrieb einst Reiseschriftsteller Paul Theroux über die Romantik der Zugfahrt. Die Ausnahme, die er andeutet, wird ein Kinobesuch von ERSTE KLASSE gewesen sein.




Erste Klasse (Italien/Frankreich 1980)
Originaltitel: Un amore in prima classe / L'amour en premiere classe
Alternativtitel: Erste Klasse Sex
Regie: Salvatore Samperi
Buch: Salvatore Samperi, Gianfranco Manfredi, Giorgio Basile
Kamera: Camillo Bazzoni
Musik: Roberto Colombo, Gianfranco Manfredi
Darsteller: Enrico Montesano, Sylvia Kristel, Lorenzo Aiello, Franca Valeri, Felice Andreasi, Enzo Cannavale, Luc Merenda

Die Screenshots stammen von der DVD (C) 2009 KNM/Movie Power.