Oktober 2016

Director Steve Carver initially turned this film down because he didn't care for the script", heißt es lapidar in der Trivia-Sektion der IMDB – wie gehabt ohne jegliche Angabe einer Quelle oder eines Kontexts. Nicht, daß man diesem Informationshäppchen angesichts des öden Resultats nicht sofort Glauben schenken würde, aber die wichtigste Frage bleibt doch ganz und gar unbeantwortet: Was genau hat ihn umgestimmt? Und wie hoffnungslos muß JOCKS vorher gewirkt haben?

"San Francisco ist die Hölle!", steht auf dem Cover der deutschen VHS-Veröffentlichung – was nicht weiter bemerkenswert wäre, würde der Film nicht MIAMI COPS heißen und offenbar in Detroit spielen. Die heute so gern beklagte Homogenisierung des urbanen Lebens begann offenbar schon 1989.

Beim vorliegenden Film handelt es sich nicht um die beinahe gleichnamige Terence-Hill-und-Bud-Spencer-Komödie DIE MIAMI COPS, die unoriginellerweise in der richtigen Stadt spielte. Stattdessen betrachten wir ein italienisches Action-Sparschwein, das sich dezent an MIAMI VICE (aha!) ankuschelt: Ein weißer und ein schwarzer Polizist, ein Drogenschmuggler, ein rotes Sakko, ein cremiges Saxophon. Oder zwei.

In zwei Wochen stehen in den Vereinigten Staaten von Amerika die Präsidentschaftswahlen an, und sie werden wahrscheinlich in die Geschichte eingehen: 2016 ist das Jahr, in dem der Wahlkampf zur Farce wurde, in dem sämtliche Grenzen des Anstands aufgehoben wurden. Es ist das Jahr, in dem sich erschreckend deutlich zeigt, daß es im politischen Wettstreit nicht um Inhalte und Werte geht, sondern nur um marktschreierische Popularität. Es ist das Jahr eines Wahlkampfs, in dem die niedersten Instinkte im Wähler angesprochen werden, und er wird angeführt von einem Demagogen, der mit demokratischen Mitteln in eine Position kommen möchte, wo er die Demokratie aushebeln kann – und zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren finden sich genug Menschen, die das offenbar wollen.

"Wait a minute", schraubt John Shaft an einer Stelle von SHAFT IN AFRIKA die Erwartungen seines Gegenübers herunter. "Now, I'm not James Bond. Simply Sam Spade." Man muß diese Tiefstapelei als Ironie werten: Im dritten SHAFT-Film ist von dem Privatdetektiv Spade in der Hauptfigur nichts mehr übrig, stattdessen wird ein vollwertiges Bond-Abenteuer geboten – komplett mit Oberschurke, exotischer Kulisse, ausgefallenen Nebenfiguren und aufregender Cartoon-Gewalt.

"You liked it before, so he's back with more", tönt es vom Plakat: Ein Spruch, mit dem sich so ziemlich jede Fortsetzung selbstbewußt ankündigen könnte (abgesehen vielleicht von HALLOWEEN III). Nachdem SHAFT 1971 bei nur $500.000 Produktionskosten $13 Millionen einspielen konnte und mit Isaac Hayes' Titelsong einen wegweisenden Nummer-Eins-Hit abwarf, mußte schnell eine Fortsetzung her. Wie praktisch, daß sich die Hauptfigur John Shaft gleich sowohl als Privatdetektiv im klassischen Roman-Serienstil als auch als Bond-ähnlicher Superheld vorgestellt hatte: So einen Mann kann man problemlos immer wieder in neue Fälle und Abenteuer stürzen. Und so startete schon im Juni 1972 mit SHAFT'S BIG SCORE! (bei uns LIEBESGRÜSSE AUS PISTOLEN) eine Fortsetzung, die "back with more" ist und doch weniger bietet.

Die Kamera schwebt über dem Times Square und taucht dann in die Straßen ein, beobachtet das Treiben auf der 42nd Street mit ihren zahlreichen Kinos – manche bewerben Filme wie den Burt-Lancaster-Western MIT EISERNEN FÄUSTEN, andere zeigen Sexstreifen wie HE AND SHE. Auf dem Soundtrack zischen plötzlich Hi-Hats einen unnachgiebigen Funk-Rhythmus, Wah-Wah-Gitarren treiben schnalzend das Tempo voran – und dann steigt ein schwarzer Mann mit braunem Ledermantel und beigem Rollkragenpullover die Stufen einer U-Bahn-Station empor. Die Kamera wechselt in eine Untersicht und zeigt sein ernstes Gesicht als Heldenporträt. Es ist die Geburt von John Shaft, der das Actionkino an sich reißen wird.

In der zehnten Folge unseres "Lichtspielplatz"-Podcasts kümmern wir uns um einen wahren Horrorklassiker: Sean S. Cunninghams FREITAG, DER 13. aus dem Jahr 1980. Dr. Wily und ich betrachten den Film von unterschiedlichen Blickpunkten aus: Wie funktioniert die Inszenierung? Was hebt ihn von ähnlichen Horrorfilmen ab? Was kam davor, was kam danach? Was hat es mit der "Schuld und Sühne"-Thematik auf sich, die kurz darauf zum Slasher-Klischee wurde? Und warum spielt Horror so oft mit Regeln und Regelbrüchen?



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Viel Spaß!