Mai 2016

In der fünften Folge unseres Lichtspielplatz-Podcasts geht es um Tobe Hooper, den Regisseur von BLUTGERICHT IN TEXAS. Dr. Wily und ich reden über verschiedene Themen in Hoopers Filmen, z.B. das Thema der Familie oder das Prinzip der Hysterie, und vernachlässigen dabei auch nicht die unbekannteren und ungeliebteren Filme des Regisseurs. Um die große POLTERGEIST-Frage kommen wir freilich auch nicht herum - und debattieren dabei, warum die überhaupt so vehement im Raum steht.


Viel Spaß beim Hören!



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Im Podcast erwähnte Links:
Tobe Hooper Appreciation Society
Faculty of Horror – Texas Chain Saw Massacre Episode
Poltergeist Fanseite


Mehr Tobe Hooper auf Wilsons Dachboden:
BLUTGERICHT IN TEXAS: Ein morbides Horror-Meisterwerk

FIRE SYNDROME: Hoopers hysterische Welt

CROCODILE: Beschränkte Studenten gegen Schnappi, das Krokodil

MIDNIGHT MOVIE: Tobe Hooper vs. Zombies

DJINN - DES TEUFELS BRUT: Horror in und aus den Emiraten
Close-Up: BLUTGERICHT IN TEXAS - Der Mord an Franklin
Close-Up: BLUTGERICHT IN TEXAS - Die Szene mit dem Fleischerhaken
Sexy Erdenfrau muß beschützt werden ...
... vor sexy Alienfrau.
Sexy Mark Dacoscos übernimmt das.
Sexy Alienfrau wird schnell brutal.
Sexy Erdenfrau auch.
Sexy Mark Dacascos erst recht.
Sexy Oberalien Billy Zane verbreitet auch Unmut.
Sexy Explosionen sind zu sehen.
Es gibt eine sexy Duschszene mit der sexy Erdenfrau.
Es gibt auch eine sexy Partikel-Duschszene mit der sexy Alienfrau.
Die sexy Erdenfrau gerät in sexy Gefangenschaft.
Es gibt noch mehr sexy Explosionen.
Sexy Mark Dacascos ist diesmal so sexy, daß er sogar das Gesicht bewegt.
Es gibt auch sexy Spezialeffekte.
Sexy Abspann nach 84 Minuten.
Mehr fällt mir leider zum Film nicht ein.



Alien Agent (Kanada 2007)
Regie: Jesse Johnson
Buch: Vlady Pildysh
Kamera: C. Kim Miles
Musik: Michael Richard Plowman
Darsteller: Mark Dacascos, Amelia Cooke, Emma Lahana, William MacDonald, Kim Coates, Billy Zane

TALKING PICTURES is an interview series in which I talk to the people behind some of my favorite movies. From cult movie directors to character actors, from seasoned veterans to brilliant newcomers, from celebrated artists to filmmakers who haven't received the recognition they deserve - these folks have made some great movies and have lots of fascinating stories to tell.

In February 1994, a film that was shown late at night on TV caught my attention: FLESH GORDON MEETS THE COSMIC CHEERLEADERS. It was labelled "flop of the day" by my TV guide, but that never stopped me from checking out movies that looked different and interesting. The film turned out to be one of the craziest comedies ever made - a SF spoof with no shortage of dirty jokes, inspired silliness, weird monsters and ... yes, penis- and breast-shaped spaceships. Certainly not a film for everybody, but done with an amazing amount of creativity.

A couple years later, I got the UK VHS tapes of both FLESH GORDON and FLESH GORDON MEETS THE COSMIC CHEERLEADERS. I watched them over and over again, sometimes with friends who I tried to introduce to their offbeat charm. And, having an Internet connection since 1996, I tried finding out more about FLESH GORDON creator Howard Ziehm. I gathered he had done a number of adult films and hadn't made a new movie since 1989's FLESH GORDON MEETS THE COSMIC CHEERLEADERS. Other than that, information was very sparse.

Turns out Howard Ziehm didn't just direct a few random adult films - he was actually one of the pioneers of the porno revolution of the 70's, having directed its first feature film with theatrical distribution, MONA THE VIRGIN NYMPH!

Several years later, FLESH GORDON was released on DVD - along with an audio commentary by Howard, who told the fascinating story of how that film came together. It's a tale of accidents and police raids, betrayal and overcoming adversity - simply put: a riveting account that makes you wish it didn't end after an hour.

Last year, Howard told the full story when he released his autobiography TAKE YOUR SHAME AND SHOVE IT - which isn't just a highly entertaining story of a porn pioneer who's also been the co-owner of a folk club in San Francisco and tried his hand (not too successfully, as he is quick to point out) at smuggling drugs from Mexico, but also a fascinating portrait of an era that brought immense social and moral changes.

And now, Howard's my first guest on my new interview series Talking Pictures. I feel honored that he took the time to talk to me about his book and his career. We've discussed how he almost threw in the towel when making FLESH GORDON, how the adult movie industry has changed, why people are ashamed of their sexuality, what Howard's stylistic touches are - and Howard gives the most concise advice ever on how to shoot good porn. Enjoy!



The file can be downloaded HERE.

The Talking Pictures podcast can be found on iTunes: HERE.

Howard's autobiography can be bought HERE.

Many thanks to Howard and Judy Ziehm for the picture.
Special thanks to Dr. Wily, my Lichtspielplatz podcasting partner, and Dia Westerteicher, from the Evil Ed Podcast, for audio editing and mastering. The music was created by Clark Kent.


Read more about Howard Ziehm's work here on Wilsons Dachboden (in German):
COP KILLERS: Ein leerer Amoklauf durch Amerika
FLESH GORDON: Zoten und Zeitgeist
TAKE YOUR SHAME AND SHOVE IT: Die Memoiren von Porno-Pionier Howard Ziehm


"Nicht aufgeben", geben viele erfolgreiche Künstler dem Nachwuchs als Tip. Weitermachen, am Traum festhalten, nicht unterkriegen lassen – irgendwann wird alles aufgehen. Der Tip hat einen Haken: Er kommt immer nur von Menschen, die schon Erfolg haben, und kann sich somit nur selbst bestätigen. Die anderen werden nämlich nie befragt.

Der in dem Dokumentarfilm FÜR KURZE ZEIT NAPOLEON porträtierte Wolfgang Krone ist so ein Mensch, der nie aufgegeben hat. 1978, als er 30 Jahre alt war, beschloß er, sich den Traum vom eigenen Spielfilm zu erfüllen. Er trommelte Freunde und Verwandtschaft zusammen, setzte Annoncen in die Zeitung und rekrutierte mehr und mehr Menschen, um ein Kriegsdrama im seinerzeit populären Amateurvideo-Format Super 8 zu drehen: DIE ERINNERUNGEN DES GRENADIERS ROUSSEAU. In der ambitionierten Geschichte geht es um drei Freunde, die in Napoleons Armee anheuern – aber einer fällt bald im Kampf, weshalb die anderen beiden desillusioniert desertieren wollen. Krone selbst spielte Napoleon, weil seine teilweise noch minderjährigen Mitstreiter einfach nicht alt genug für die Rolle waren.

Die Südstaatenlady Daisy Wertham ist eine störrische alte Dame. Weil sie schon beim Ausparken aus der eigenen Garage ihr Fahrzeug nicht mehr richtig unter Kontrolle hat und den teuren Wagen in den Garten der Nachbarn krachen lässt, heuert ihr Sohn Boolie einen Chauffeur für seine Mutter an. Die beharrt aber darauf, auf keinerlei Hilfe angewiesen zu sein, und macht dem Fahrer Hoke das Leben schwer – angefangen damit, dass sie anfangs schlichtweg darauf besteht, zu Fuß einkaufen zu gehen. Hoke, ein einfacher schwarzer Arbeiter, bleibt mit Engelsgeduld am Ball – und so entwickelt sich über die Jahre hinweg nicht nur ein Arbeitsverhältnis zwischen ihm und Miss Daisy, sondern auch eine ungewöhnliche, verhaltene Freundschaft.

MISS DAISY UND IHR CHAUFFEUR, im Original DRIVING MISS DAISY, war ursprünglich ein Off-Broadway-Theaterstück, in dem Autor Alfred Uhry Erinnerungen an seine eigene Großmutter und ihren Fahrer verarbeitete. Ein Sofa und ein paar Stühle – mehr brauchte es auf der Bühne nicht, um Haus und Auto darzustellen und die Geschichte einer langen, zögerlichen Annäherung zu erzählen.

Miss Daisy (Jessica Tandy) akzeptiert ihren Fahrer Hoke (Morgan Freeman) nur widerwillig.

Unter der Regie des Australiers Bruce Beresford merkt man der von Uhry selbst adaptierten Filmversion nie an, daß sie ihren Ursprung im Theater hat. Es hilft natürlich, daß im Kino die imaginierten Orte, die mit dem Auto angefahren werden, tatsächlich dargestellt werden können und das Setting damit abwechslungsreich bleibt. Aber selbst in den zahlreichen eigentlich bühnenhaften Momenten, in denen zwei Menschen in einem Raum miteinander reden, erzählt Beresfords Inszenierung Bände. Es ist die Art von Regie, die man kaum merkt, aber die alle Feinheiten der Geschichte subtil aufblühen lässt – ob es das Verstreichen der Zeit ist, das sich in kleinen Ausstattungsdetails widerspiegelt, oder die Nutzung des filmischen Raums, in dem die Charaktere entsprechend ihrer Beziehung selten gleichberechtigt arrangiert sind.

Dank Beresfords sicherer und zurückhaltender Hand kann sein zentrales Schauspieltrio sich so entfalten, daß die Figuren zu echten Personen werden und man schnell emotionalen Anteil an ihrer Geschichte nimmt. Jessica Tandy erlaubt uns, den Mensch unter Miss Daisys brüsken Art zu sehen: eine stolze Witwe, die Hilfe ablehnt, weil sie sie als unwürdig für eine unabhängige Frau sieht – und eigentlich Angst davor hat, sie irgendwann annehmen zu müssen. Morgen Freeman spielt Hoke als freundlichen, unterwürfigen Mann, der sich vielleicht von Miss Daisy das Lesen beibringen lassen muß, aber dafür in seiner Menschenkenntnis so viel mehr weiß. Und dann ist da noch Dan Aykroyd als Daisys Sohn Boolie – ein Mann, der sich mit Pragmatismus um seine Mutter kümmert und sich vielleicht insgeheim wünscht, die Geduld von Hoke dafür zu haben.

Es ist fast ironisch, dass der Originaltitel DRIVING MISS DAISY so viel Bewegung suggeriert – wo sich doch die Freundschaft zwischen Miss Daisy und Hoke nicht einmal im Schritttempo entfaltet. 25 Jahre umspannt die Geschichte, die im Jahr 1948 anfängt, und in all diesen Jahren herrscht Stillstand im Haus von Miss Daisy, dessen Einrichtung so statisch ist, wie es bei alten Menschen so gerne der Fall ist. Es paßt, daß Hoke, selbst wenn er 19 Meilen die Stunde fährt, wo 35 erlaubt sind, noch ermahnt wird, nicht zu schnell zu fahren: Miss Daisy will eben nirgendwohin gefahren werden, auch nicht im übertragenen Sinne.

Sohn Boolie (Dan Aykroyd) argumentiert stets vergeblich mit seiner Mutter.

Dem Film wurde aus manchen Kreisen ungewollter Rassismus oder zumindest eine naive Sicht der Thematik vorgeworfen: Da wurde die zaghafte Freundschaft zwischen den beiden Hauptfiguren so verstanden, dass Hoke jahrelang als freundlicher Bediensteter Miss Daisys Abweisung erdulden muß, damit sie ihre Vorbehalte gegenüber dem schwarzen Mann ablegen kann. Auch zum Beispiel Filmkritiker Steven H. Scheuer schreibt in seinem Kompendium MOVIES ON TV AND VIDEOCASSETTE: "the hatred, tensions, and struggles of those times might as well be happening on another planet".

Gerade das stimmt natürlich nicht: Zwei der wichtigsten Szenen beziehen tatsächliche Ereignisse dieser unruhigen Zeit ein. In einer Sequenz hört Miss Daisy, daß bei der örtlichen Synagoge ein Bombenattentat verübt wurde – es ist der Anschlag auf die Hebrew Benevolent Congregation, der am 12. Oktober 1958 in Atlanta stattfand. In einer anderen Szene geht Miss Daisy zu einem Empfang, bei dem Martin Luther King eine Rede hält.

Daß diese Ereignisse im Hintergrund passieren, ist exakt der Punkt: Der Rassismus dieser Zeit dringt nicht in seinem ganzen Ausmaß in die Welt und damit das Bewußtsein von Miss Daisy vor. Als der schwarze Hoke der jüdischen Miss Daisy nach dem Anschlag auf die Synagoge eine Geschichte aus seiner Jugend erzählt, wo der Vater eines Freundes gelyncht wurde, erkennt sie nicht mal die Zusammenhänge. "Ich habe noch nie in meinem Leben Vorurteile gehabt", entrüstet sie sich an einer Stelle. Über das Schaffen von Martin Luther King schwärmt sie noch: "Ist es nicht wundervoll, wie die Dinge sich verändern?" – aber sie kommt nicht auf den Gedanken, Hoke zu der Rede mitzunehmen.

Diese Rede, die King 1965 im Dinkier Plaza Hotel in Atlanta hielt, ist ausschnittsweise auch im Film zu hören, und sie zeigt – nachdem Miss Daisy Hoke vor dem Hotel beim Wagen hat stehen lassen, anstatt ihn zum Empfang einzuladen – was die Frau in all den Jahren mit Hoke nie gelernt hat: "History will have to record that the greatest tragedy of this period of social transition was not the vitriolic words and the violent actions of the bad people but the appalling silence and indifference of the good people. Our generation will have to repent not only for the words and acts of the children of darkness but also for the fears and apathy of the children of light." Hoke hört der Rede draußen über das Autoradio zu, während Miss Daisy innen mit Reue auf den leeren Stuhl neben sich blickt.

Boolie (Dan Aykroyd, links) und Hoke (Morgan Freeman) üben sich in Geduld.

Trotz dieser historischen und politischen Verortung ist MISS DAISY UND IHR CHAUFFEUR aber im Kern ein Film über ein ganz anderes Thema: Es ist eine Geschichte über Würde – und darüber, wie Menschen diese Würde mit ihren Abhängigkeiten von anderen Personen zu balancieren versuchen.

Das wird unter anderem in einer recht unscheinbaren Szene deutlich: Hoke sucht Boolie in dessen Büro auf und berichtet, daß ihn ein anderer Mann abwerben und ihm ein höheres Gehalt zahlen will. Boolie erkennt, daß Hoke ihm das erzählt, weil er eine Gehaltserhöhung haben will – aber er spielt mit und fragt, was denn dieser andere Mann zahlen würde, um dann selber noch mehr anbieten zu können. Wie Freeman und Aykroyd die Szene spielen, ist Gold wert – beide zeigen subtil, wie sie genau wissen, was der andere eigentlich sagt und denkt, aber sie lassen sich gegenseitig die Würde: Hoke muß nicht betteln, Boolie darf pragmatischer Geschäftsmann bleiben und muß nicht zum sentimentalen Gönner mutieren.

Manchmal dauert es lang, bis man lernt, Hilfe anzunehmen.

Miss Daisy kämpft sehr schwer darum, sich diese Würde bewahren zu können – und natürlich empfindet sie ihre Abhängigkeit von einem Fahrer als Verlust derselben. Hoke erreicht sie unter anderem deshalb, weil er ihr immer wieder ihre Würde zugesteht: Als sie zum Beispiel mit der Straßenbahn fahren will, anstatt seine Dienste in Anspruch zu nehmen, argumentiert er nicht so, daß sie auf ihn angewiesen ist, sondern stellt das Auto in den Vordergrund: "Das ist einfach ein Jammer. Da haben Sie dieses feine Hudson-Automobil, das da draußen in der Garage steht – und es hat sich noch keinen Zentimeter bewegt, seit Mister Wertham es von Central Motors hergefahren hat!" Umgekehrt muß auch Hoke immer wieder um seine Würde kämpfen – zum Beispiel bei einer Fahrt durch Alabama, wo er extra fragen muß, ob er kurz den Wagen an den Straßenrand fahren und hinter die Büsche verschwinden darf, weil er wegen der Rassentrennungsgesetze nicht an der Tankstelle auf Toilette gehen durfte.

Am Schluß dieser langen persönlichen Reise lebt Miss Daisy im hohen Alter von über neunzig Jahren in einem Pflegeheim. Und als Hoke, der sich mittlerweile auch schon von seiner Enkeltochter fahren lassen muß, sie zu Thanksgiving besucht, lässt sie sich von ihm helfen, ohne dabei ihre Würde zu verlieren: Er füttert die mittlerweile gebrechliche und manchmal verwirrte Frau mit Kürbiskuchen. Sie lächelt ihn dankbar an. Manchmal braucht man eben Hilfe.




Miss Daisy und ihr Chauffeur (USA 1989)
Originaltitel: Driving Miss Daisy
Regie: Bruce Beresford
Buch: Alfred Uhry, nach seinem Bühnenstück
Kamera: Peter James
Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Jessica Tandy, Morgan Freeman, Dan Aykroyd, Patti Lupone, Esther Rolle