März 2016

Wenn ein neuer Film von GREMLINS-Regisseur Joe Dante erscheint, möchte man das eigentlich feiern. Mit kurioser Phantastik und subversivem Humor bietet seine Filmographie immer wieder ein diebisches Vergnügen – und da er sich mittlerweile wie so viele seiner kreativen Genossen viel zu selten im Spielfilmbereich austoben darf, ist die pure Existenz seiner Zombiekomödie WEG MIT DER EX eigentlich zu begrüßen. Leider funktioniert der Film hinten und vorne nicht.

Selten gab es einen beruhigenderen Katastrophenfilm als SAN ANDREAS: Die kalifornische Küste wird von einer Jahrhundertkatastrophe erschüttert, San Francisco wird von einem 9,6-Beben so kleingetrümmert, daß danach jeder MAD-MAX-Film nach ordentlicher Zivilisation aussieht, aber Hauptdarsteller The Rock kann dem Gewackel trotzen, seine getrennte Familie wieder zusammenführen und gegen jede Widrigkeit beschützen. Ein paar Hunderttausend Menschen sterben, aber zum Glück niemand Wichtiges.

Eine Art Tor taucht im Universum auf – und mit ihm ein nicht greifbares Gefühl des Schreckens, das von den Menschen in seiner Nähe Besitz ergreift und sie zu mörderischen Taten bringen kann. Nachdem der Kommandant des Raumschiffs USS Cochise von dieser Panik erfasst wurde und ein anderes Besatzungsmitglied im Maschinenraum erst einen Kollegen und dann sich selber erschossen hat, wird die USS Enterprise losgeschickt, um Nachforschungen anzustellen.

"Hast du jemals etwas so bildschön zusammenkrachen sehen?", fragt Anthony Quinn am Ende von ALEXIS ZORBAS, als die mühsam errichtete Lastenseilbahn auseinanderfällt. Man könnte den Satz auch an das Ende von Dia Westerteichers Experimental-Doku DER TAUSENDFÜSSLER – CHRONOLOGIE EINER ZERSTÖRUNG setzen: Hier wohnt man dem ästhetischen Abriß des Düsseldorfer "Tausendfüßlers" bei.

Männer, Frauen, Brüste: Das Leben kann so schön sein. Vor allem in einer schwungvollen Sexkomödie wie SCREWBALLS, die wie maßgeschneidert ist für kritische Zuseher, denen die PORKY'S-Filme immer viel zu viel Handlung hatten.

Ganz so schön ist das Leben für die Protagonisten von SCREWBALLS dann allerdings doch nicht: Da herrscht nämlich gewaltiger Triebstau. Immerhin gehen unsere fünf Helden auf die Taft & Adams Highschool – kurz: T&A High – wo sie umringt sind von schnuckeligen, wohlgeformten Damen. Die sind auch allesamt für jedes Vergnügen zu haben – abgesehen von der durchtriebenen Purity Busch, die nicht minder ansehnlich ist, aber sich permanent zugeknöpft gibt. Gerüchte besagen, sie sei die letzte Jungfrau der Schule! Und wie es so ist bei uns Männern: Was wir nicht haben können, macht uns ja erst recht scharf.

In der Reihe "Class of 1986" widmet sich Wilsons Dachboden Filmen, die dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern. Nach meinen generellen Überlegungen zum Film (hier) und einer genauen Betrachtung der Filmmusik (hier) darf ich jetzt das Wort an Spieleveteran Heinrich Lenhardt übergeben, der uns im folgenden Gastbeitrag von den beiden Computerspielen zum Film berichtet.



Ein Alien kommt selten allein – das merkten nicht nur die Weltraumsoldaten, welche in James Camerons Filmfortsetzung mit einer regelrechten Familienpackung der außerirdischen Beißer Bekanntschaft machten. Durch den großen Erfolg seiner GHOSTBUSTERS-Umsetzung ermutigt, ließ sich Activision nicht lumpen und veröffentlichte Ende 1986 gleich zwei Spiele zum selben Kinofilm. Richtig überzeugend war keiner der beiden Titel, aber die unterschiedliche spielerische Herangehensweise bei identischer Vorlage ist eine nähere Betrachtung wert.

In der Reihe "Class of 1986" widmet sich Wilsons Dachboden Filmen, die dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern. Nach meinen generellen Überlegungen zu James Camerons ALIENS (hier) folgt nun eine genauere Betrachtung der Filmmusik.


"It was a nightmare", sagt James Horner im Making-of kopfschüttelnd über die Arbeit am Score zu James Camerons ALIENS. Theoretisch hätte Horner sechs Wochen Zeit für seine Kompositionen gehabt – aber als er in England ankam, wurde dort noch gedreht, und Horner hatte keine fertigen Sequenzen, zu denen er etwas schreiben konnte. Das Studio war technisch veraltet, was den Prozeß kaum vereinfachte, und Cameron änderte beim Schnitt bis zur letzten Sekunde die Abläufe – weshalb Horner seine Musik für das Finale in einer 35-stündigen Sitzung umschreiben mußte, damit sie rechtzeitig zum Orchester kam und der Veröffentlichungstermin des Films eingehalten werden konnte. "They didn't know what they were asking – how inhuman and how difficult it was", erinnert Horner sich.

Dabei war Horner es eigentlich gewöhnt, unter schwierigen Bedingungen zu arbeiten: Er begann seine Karriere bei Billigproduzent Roger Corman, wo er aus minimalstem Budget maximal effektive Scores herausholte. Seine Musik für Cormans Science-Fiction-Streifen SADOR – HERRSCHER IM WELTRAUM war so gut, daß Corman sie in diversen Streifen recycelte – und Horner schnell an größere Produktionen herankam, darunter das Enterprise-Abenteuer STAR TREK II – DER ZORN DES KHAN und seine Fortsetzung STAR TREK III – AUF DER SUCHE NACH MR. SPOCK. Witzigerweise trat Horner sowohl mit STAR TREK II wie auch mit ALIENS die Nachfolge von Jerry Goldsmith an, der den jeweils ersten Teil vertonte.

Schon beim "Main Title" von ALIENS läßt Horner Camerons Militarisierungsansatz anklingen: Am Ende des Themas ist, hier noch verhalten, eine Marschtrommel zu hören, die später weite Teile der Action untermalen wird. Passend zum Film ist natürlich auch die musikalische Untermalung generell zackiger, temporeicher, setzt nicht auf langsam kriechenden Terror, sondern auf schnelle Angriffe und stetig aufs Neue hereinkrachende Überraschungen.

Melodien verwendet Horner sehr sparsam. Einige Male baut er das Adagio aus Aram Chatschaturjans Ballet GAYANEH ein, dieses wehmütig schwebende Stück, das uns schon in Stanley Kubricks 2001 die leere Unendlichkeit des Weltraums spüren ließ. (Chatschaturjan bleibt im Film wie auf dem Album übrigens unerwähnt.) Außerdem gibt es eine Fanfare, die die intensiven Momente vorantreibt ("Ripley's Rescue").

Ansonsten ist der Score ein Gebräu aus martialischen Rhythmen und bedrohlichen Ausbrüchen. Die Musik fühlt sich dissonanter an, als sie es tatsächlich ist, weil Horner über seine Spannungsmotive immer wieder schrille Klänge setzt ("Futile Escape") oder das Timing der einzelnen Elemente so verschiebt, daß ihre Einsätze etwas Aufwühlendes an sich haben ("Going After Newt"). Man merkt, wie im Herzen der ALIENS-Action der Horror pocht: Vergleicht man "Futile Escape" mit "Stealing the Enterprise" von Horners Soundtrack zu STAR TREK III, hört man eine ähnliche Herangehensweise mit den Trommeln und Fanfaren – aber dort steht das Abenteuer im Vordergrund, das All steckt voll wundersamer Möglichkeiten. In ALIENS ist es ein beklemmender Albtraum.

Und doch steigt Horner in seinem Score nicht nur aufs Gaspedal. In atmosphärischen Stücken wie "Sub-Level 3" oder "Atmosphere Station" zieht er die Spannung mit Suggestion an: Da kriechen ständig leise Töne in den Raum, irgendetwas scheint näherzukommen – aber es ist noch nicht wirklich greifbar. Immer wieder setzt er kleine Echos ein, elektronische Percussioneffekte hallen durch das Geschehen. Interessant auch, wie Horner die Dynamik im Griff hat, wie er manchmal fast unhörbar leise wird und dann nach und nach die Musik wieder nach vorne holt – oder wie er in einer intensiven Hetzjagd wie "Futile Escape" plötzlich wieder das GAYANEH-Adagio erklingen läßt.

Mit seiner metallischen Percussion und der vielschichtigen Intensität wurde Horners ALIENS-Score sehr einflußreich, und seine musikalischen Ansätze zogen sich durch viele weitere große und kleine Scores. Teilweise wurde die Musik wie bei SADOR tatsächlich zweitverwertet: Alleine das dringliche Finale "Bishop's Countdown" wurde in zahllosen Action-Trailern eingesetzt (BROKEN ARROW, FROM DUSK TILL DAWN), das Stück "Resolution and Hyperspace" wurde für STIRB LANGSAM übernommen.

Trotz der schlechten Bedingungen konnte Horner also eine Musik schaffen, die sich festgesetzt hat – und das so sehr, daß Evan Cater für den All-Music Guide schrieb, Horners Ansätze seien "so well received in the film music community that many of the film's cues have become action flick clichés". Tatsächlich war Horner für ALIENS sogar für einen Oscar nominiert. Einer seiner Konkurrenten war witzigerweise Leonard Rosenman, der Horners Nachfolge in der STAR-TREK-Reihe angetreten hatte und für den Score zu STAR TREK IV – ZURÜCK IN DIE GEGENWART nominiert war. Sie verloren gegen Jazzpianist Herbie Hancock und seine Musik für das französische Drama ROUND MIDNIGHT. (Horner verlor in derselben Nacht übrigens noch ein zweites Mal: Sein Titelsong zu FEIVEL, DER MAUSWANDERER war ebenso nominiert, konnte aber Berlins "Take My Breath Away" aus TOP GUN nicht schlagen.)

Der ALIENS-Score mag für Horner also ein Albtraum gewesen sein, aber es war ein lohnenswerter. In den folgenden Jahren blieb er ein immens gefragter Komponist und erhielt weitere Oscar-Nominierungen, unter anderem für FELD DER TRÄUME und APOLLO 13. Gewinnen sollte er die Statue dann nach Aussöhnung mit James Cameron für dessen Megahit TITANIC – und wenn man sich auf diesem Score beispielsweise das Stück "Hard to Starboard" anhört, kann man von den hämmernden Metallgeräuschen unter den Trommelrhythmen eine Linie zurück zur ALIENS-Musik ziehen.


Der abschließende Teil unserer ALIENS-Retrospektive geht morgen online: Ein Gastbeitrag von Spieleveteran Heinrich Lenhardt über die beiden Computerspiele, die zum Film veröffentlicht wurden (hier).




In der Reihe "Class of 1986" widmet sich Wilsons Dachboden Filmen, die dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern. Nach der Retrospektive zu TOP GUN widmen wir uns jetzt in einer dreiteiligen Retrospektive dem großen Actionspektakel des Jahres: ALIENS.

Hinter einem unscheinbaren Plural verbirgt sich ein Sequel, das tief im Geist der Achtziger verwurzelt ist: Aus ALIEN wird ALIENS, aus einem schleichenden Weltraumspuk wird ein gnadenloses, dezibelstarkes Aufrüstungsspektakel. Statt einem Alien gibt es tausende, statt bunt gemischten Normalo-Arbeitern treten bis an die Zähne bewaffnete Über-Marines an, statt einer freudschen Begegnung mit dem Unheimlichen wird hier eine dantesche Reise in die Hölle inszeniert. Es liegt am erstaunlichen erzählerischen Talent von Autor und Regisseur James Cameron, daß die Over-the-Top-Potenzierung des ersten Films funktioniert.

In der Rubrik "FilmSinn" schreibe ich Überlegungen zu verschiedenen Themen aus der Filmwelt nieder, die mich beschäftigen.

34 Minuten. Das ist das komplette Ausmaß der Extras auf der eben erschienenen BluRay von SPECTRE – und ein endgültiges Zeichen, daß das Zeitalter des Bonusmaterials Geschichte ist. Vor allem, wenn fünf Minuten davon durch drei Trailer in Anspruch genommen wird und neun weitere für sechs Mini-Featurettes verwendet werden, die dazu dienen, den Film zu bewerben. Nicht einmal das Video zum Bond-Song ist auf der Disc!

Es ist schon seit einiger Zeit üblich, das Bonusmaterial auf das Nötigste zu reduzieren. Ganz egal, wie aufwendig der Film produziert wurde oder wie erfolgreich er im Kino lief – in den meisten Fällen gibt es außer ein paar oberflächlichen Making-of-Clips mit Werbecharakter nichts mehr zu sehen. Es gäbe beispielsweise mit Sicherheit viel zur Entstehung des Bergsteigerdramas EVEREST zu erzählen – aber die vier kurzen Clips auf der BluRay beschränken sich auf ein paar dahingeworfene Presse-Statements. Man darf froh sein, daß bei EVEREST noch ein Audiokommentar des Regisseurs Platz hatte – SPECTRE findet den nicht, obwohl Sam Mendes ja, wie man vor ein paar Jahren noch bei SKYFALL hören konnte, viel Interessantes zu sagen hat.

So sah das früher aus mit den Bonus-Features.
(Im gezeigten Fall: Die US-DVD zu DON'T SAY A WORD)

Vor einigen Jahren war das noch anders. Mit den Laserdiscs fing es an, daß Filmemacher Kommentare zu ihren Werken einsprachen. Mit dem Aufkommen der DVDs gab es dann eine Flut an Zusatzmaterial – die Möglichkeiten des neuen Mediums wollten genutzt werden, weshalb mitunter selbst kleine Schnoddertitel mit mehreren Audiokommentaren, entfernten Szenen, Interviews, Making-of-Clips und teilweise spielfilmlangen Dokumentationen bedacht wurden. Man kann freilich darüber streiten, ob ein Film wie AMERICAN PSYCHO 2 gleich zwei Audiokommentare plus Outtakes und entfernte Szenen gebraucht hätte.

Es entstand da eine neue Industrie, was die Produktion von Extras angeht, und manche Produzenten konnten sich einen Namen mit der Herstellung besonderer Bonus-Features machen. Natürlich: Im Laufe der Zeit hat sich da mehr Zusatzmaterial angesammelt, als man je schauen könnte, und so manche Doku und mancher Kommentar waren völlig verzichtbar. Aber es war da für diejenigen, die es interessiert hat, die tiefer in einen Film eintauchen und mehr über die Macher und Hintergründe erfahren wollten.

Aus dem Making-of zu Alfred Hitchcocks FAMILIENGRAB: Einblicke in die Arbeit des Meisters.

Bonusmaterial ist eine großartige Möglichkeit, mehr über das Filmemachen zu lernen. Die gesammelten Dokumentationen der Alfred-Hitchcock-Box mit 14 Filmen, teilweise einstündig oder länger, sind so vollgepackt mit Wissen über Filmgeschichte, Drehbucharbeit, Inszenierung und generelle Filmgestaltung, dass sie fast als Vorlesungsreihe durchgehen. Ein Filmemacher wie Peter Bogdanovich verrät auf seinen Audiokommentaren immer wieder handwerkliche Tricks und Inszenierungsstrategien. Nicht umsonst meinte BOOGIE-NIGHTS-Regisseur Paul Thomas Anderson 1997 in einem Porträt der Los Angeles Times flapsig: "You can learn more from John Sturges' audio track on the BAD DAY AT BLACK ROCK laserdisc than you can in 20 years of film school."

Auch unabhängig vom Lerneffekt können die Extras der Filme neue Sichtweisen eröffnen. Man bemerkt Nuancen, die man vielleicht übersehen hat, entwickelt eine Wertschätzung für gewisse Details der Filme, hört von den Ideen und Sichtweisen der Macher und ihren Gründen für bestimmte Entscheidungen. Ich finde es immer spannend, Menschen detailliert über ihr Handwerk reden zu hören: Man gewinnt Perspektive für Aspekte, über die man sich vielleicht noch nie Gedanken gemacht hat, und wird angeregt, genauer hinzusehen.

Und ja, manchmal sind die Extras der Filme einfach nur unterhaltsam. Da sieht man Komiker in den Outtakes improvisieren, daß sich die Kollegen kaum mehr halten können, da erzählen Beteiligte haarsträubende Anekdoten von der Produktion, und Schauspieler treffen nach vielen Jahren wieder aufeinander und unterhalten sich, als wären sie auf einem Klassentreffen.

Natürlich braucht nicht jeder Film alle Arten von Extras, und nicht jeder Kreative ist gleichermaßen offen oder sogar geeignet dafür. Woody Allens Filme sind bestenfalls mit ein paar Interviews der Schauspieler bestückt, meistens aber ganz blank – was in Ordnung geht, weil der Meister solche Einblicke ablehnt. Steven Spielberg spricht keine Audiokommentare ein – was auch in Ordnung geht, weil die Dokumentation auf seinen Filmen genug Informationen auf komprimiertem Raum hergeben. Wer einmal einen Audiokommentar von Rob Reiner gehört hat, weiß, daß man nicht jeden Macher zu diesem Format zwingen muß – der gute Mann schweigt nämlich den Großteil des Films über, wenn niemand bei ihm sitzt (plaudert in den Dokumentation aber ganz vergnügt über seine Filme). Aber im Rahmen dessen, was Sinn macht und was die Macher erzählen wollen: Bitte, auf jeden Fall. Schön, wenn es verfügbar ist.

So sieht das heute aus: Selbst ein Multi-Millionen-Titel wie SPECTRE kriegt nur ein paar Bonus-Brocken.

Warum also verschwindet diese Vielfalt an Einblicken seit einigen Jahren wieder? Ganz einfach: Die Absatzzahlen für DVDs und BluRays sind gesunken, die Anbieter setzen immer mehr auf Streaming-Anbieter und Video on Demand – Plattformen, bei denen Bonusmaterial nicht vorgesehen ist. Immer weniger Firmen wollen also aufwendiges Material produzieren, wenn sie immer weniger davon absetzen können.

Freilich muß man es auch ganz nüchtern betrachten: Nicht jeden interessieren Extras. Viele wollen einfach den Film sehen und haben kein Bedürfnis, den Regisseur dazu reden zu hören. Das Bonusmaterial ist ein Angebot an eine wahrscheinlich überschaubare Gruppe an Filmliebhabern – und selbst die steigen ja nach und nach auf die günstigen und praktischen Streaming-Portale um. "Sammelst du Filme oder Bonusmaterial?", wurde ich einmal gefragt. Die Antwort für die meisten liegt bei den Filmen. Meine Antwort ist, daß es kein "oder" sein muß.

Es gibt immer noch Ausreißer: Die Ankündigung zur Heimkino-Edition von STAR WARS: THE FORCE AWAKENS verspricht eine Dokumentation in Spielfilmlänge und zig andere Extras, darunter ein Segment, in dem John Williams über seine Musik spricht. Auch Klassiker kriegen gerne ein umfangreiches Paket an Material mitgeliefert (das allerdings oft auch zu großen Teilen aus Material besteht, das noch zur Blütezeit der Extras angefertigt wurde). Aber wenn eine Großproduktion wie SPECTRE mit ein paar hingeklatschten Pseudo-Extras daherkommt, weiß man, daß die goldenen Jahre für Filmliebhaber zumindest in dieser Hinsicht vorbei sind. Ein Blick quer durch die Neuerscheinungen der letzten Monate bestätigt die Entwicklung.

Special Edition, Collector's Edition, Platinum Edition ... verschwinden die Bonus-Editionen oder werden sie teuer?

Ich könnte mir vorstellen, daß es noch einen Markt für aufwendigere Liebhaber-Editionen gibt – so wie einige Filmfreunde viel Geld für schicke Verpackungen und Boxen ausgeben, wäre es denkbar, daß es Luxus-Editionen mit Bonusmaterial für die Interessierten gibt und Ohne-alles-Editionen für alle anderen. Solch eine Unterteilung gab es einige Zeit auch – und vielleicht würde sie nach wie vor Sinn machen. Vermutlich lägen solche Editionen, vor allem die für die Nischentitel, mittlerweile aber im preislichen Bereich der mittlerweile so beliebten Mediabooks.

Ebenso wäre denkbar, daß Netflix, Amazon und andere Streaming-Anbieter zusätzliche Sektionen für Extras anlegen, die man bei Bedarf schauen kann – vielleicht auch gegen einen kleinen Aufpreis. In beiden Varianten gilt: Ich bin bereit, mehr zu zahlen, wenn ich dafür die entsprechenden Inhalte kriege, die mich interessieren.

Aber wie signalisieren wir den Firmen, daß wir wieder mehr Bonusmaterial haben wollen – oder überhaupt welches? Oder ist es einfach nur ein Luxusproblem, wenn etwas wieder verschwindet, das es lange Jahre der Kinogeschichte gar nicht gegeben hat?


Vielen Dank an Dia Westerteicher von Evil Ed für das Logo zur Rubrik "FilmSinn".

Im dritten Lichtspielplatz-Podcast reden Dr. Wily und ich über die HALLOWEEN-Sequels und -Remakes. Wir reden darüber, wie sich die Figuren von Michael Myers und Dr. Loomis mit der Zeit entwickeln, ordnen den ungeliebten Teil 3 in die Reihe ein und schaffen es bei der Diskussion sogar, den Artus-Mythos zu erwähnen. Als übergeordnete Frage überlegen wir, was eine HALLOWEEN-Geschichte ausmacht - abgesehen davon, daß da ein misanthroper Mann mit Messer Leuten nachstellt.



Der Podcast kann auch HIER direkt als mp3 heruntergeladen werden.

(00:00) Einleitung: Ein Überblick über die verschiedenen HALLOWEEN-Sequels und Remakes
(05:33) Die Entwicklung der Reihe, nachträgliche Anpassungen für Fortsetzungen
(13:14) Die Bezugspunkte für die Myers-Figur: das Verwandtschaftsverhältnis, der Prophet Loomis
(24:33) Sequel-Blöcke, Lieblosigkeiten
(29:04) Fortsetzungen im Zuge von Trends
(32:53) Der Ausreißer: HALLOWEEN III
(47:51) Die menschlichen und mystischen Seiten von Michael Myers
(54:02) Die Zombie-Remakes
(1:11:53) Das unbeliebte HALLOWEEN, die HALLOWEEN-Zukunft

Musik:
Clark Kent


Der nächste Lichtspielplatz wird sich um BRIDGE OF SPIES und die Politik von Steven Spielberg drehen.