Januar 2016

In der Reihe "Class of 1986" widmet sich Wilsons Dachboden zwölf Filmen, die dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern. Nach meinen generellen Überlegungen zu TOP GUN (hier) und dem Gespräch mit Dr. Wily über den Soundtrack des Films (hier) soll jetzt noch ein Spotlight auf den Look von Kelly McGillis geworfen werden.

So viel Arbeit, wie Tony Scott in die visuelle Präsentation von TOP GUN gesteckt hat - jedes Bild ist mit dem Auge eines Werbefilmers perfekt designt - so viel Zeit verbrachte er auch damit, die weibliche Hauptfigur zu stylen. Im Making-of erzählt Produzent Jerry Bruckheimer: "Tony spent an enormous amount of time on her look. He hired some of the best fashion stylists to work on her, and make-up artists, and hair people - really putting an enormous amount of energy into how good she looked in the movie, and how good he wanted her to look in the movie."

Schauen wir also mal an, wie Kelly McGillis (bzw. die Ausbilderin Charlie, die sie spielt) im Film auftritt und präsentiert wird:

In der Reihe "Class of 1986" widmet sich Wilsons Dachboden zwölf Filmen, die dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern. Nach meinen generellen Überlegungen zu TOP GUN (hier) folgt hier ein Gespräch mit meinem treuen Gastautor Dr. Wily über den dazugehörigen Soundtrack.

Der Soundtrack zu TOP GUN war ein ebensolcher Megahit wie der Film selber: Er kam auf Platz 1 der amerikanischen Billboard-Charts, ebenso wie die Single "Take My Breath Away" von Berlin, während der Hauptsong "Danger Zone" von Kenny Loggins immerhin Platz 2 erreichte. Das Album wurde in den Staaten neunfach mit Platin ausgezeichnet, verkaufte sich also alleine dort über 9 Millionen Mal. Vom internationalen Erfolg ganz zu schweigen - auch zum Beispiel in Deutschland und der Schweiz schaffte es die Platte an die Spitze der Charts.

Im folgenden Gespräch sitze ich mit Dr. Wily zusammen, um zu untersuchen, wie der Sound des Albums zum Film paßt, welche Themen verarbeitet werden, und wie die Platte den Geist der Zeit widerspiegelt.


In der Reihe "Class of 1986" widmet sich Wilsons Dachboden zwölf Filmen, die dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern. Den Anfang macht eine dreiteilige Retrospektive zu Tony Scotts TOP GUN.



Schon im Juli 1986, knapp zwei Monate nach Start des Fliegerspektakels TOP GUN, berichtete die Los Angeles Times über einen Rekrutierungsanstieg bei der Navy – immerhin wurden teils in den Kinos Stände aufgebaut, an denen man sich freiwillig melden konnte. In seinem 2004 erschienenen Buch OPERATION HOLLYWOOD gibt Autor David L. Robb an, daß nach Veröffentlichung des Films die Zahl der Neuanmeldungen um 500 Prozent gestiegen sei. Wenn TOP GUN als Propagandafilm bezeichnet wird, ist das keine Übertreibung.

Maverick - der Einzelgänger: Tom Cruise.

Dabei ist es gar keine politische Ideologie, die hier propagiert wird – abgesehen natürlich von dem Standpunkt, daß das Militär eine schnuckelige Angelegenheit ist, in der exzellente Männer auch menschlich noch wachsen können. Die Feinde in TOP GUN sind anonym, dunkle Flugzeuge mit nicht identifizierbaren Gestalten darin – vielleicht Russen, vielleicht Koreaner, aber eigentlich nur kontextlose Gegner, die von den amerikanischen Elitefliegern in ihre Schranken verwiesen werden. Perfekte Werbung für die Army ist das nicht nur deswegen, weil der Film das ganze Leistungsnarrativ der Dekade, die Sieg-durch-Optimierung-Idee dieser Ära so punktgenau einfängt – nein, der Hauptgrund, warum TOP GUN so verführerisch funktioniert, ist die Tatsache, daß sich hier die ganze Welt in all ihren Ereignissen hauptsächlich um die Charakterbildung eines einzelnen Individuums dreht. Nicht ganz zufällig ist dieses Individuum die Hauptfigur, mit der wir uns identifizieren.

Er heißt nicht umsonst "Maverick", der Einzelgänger, der hier als talentierter Pilot an die Eliteschule Top Gun geholt wird, um dort eine Sonderausbildung zu erhalten. Maverick macht die Dinge auf seine Weise, begleitet von seiner treuen zweiten Geige "Goose", die sich stets brav unterordnet. Schon zu Beginn sehen wir, wie Maverick Befehle seines Vorgesetzten mißachtet, um einem Pilotenkollegen zu helfen. Natürlich sind wir auf seiner Seite, obwohl eine Militärstruktur mit derartigem Gutdünken eines Einzelnen nie funktionieren könnte – aber Mavericks Können gibt ihm auch im Film Recht. Er wird von seinen Vorgesetzten zurechtgewiesen, aber niemals ohne die Vergewisserung, daß er einer ihrer besten Piloten sei. Exzellenz schafft Privilegien.

Spannungen zwischen Iceman (Val Kilmer, links) und Maverick (Tom Cruise).

Im Top-Gun-Programm darf sich Maverick mit anderen herausragenden Könnern messen, darunter der korrekte Iceman, der Mavericks Draufgängertum als gefährlich einstuft. Im wahren Leben wäre Iceman derjenige mit den wünschenswerten Charaktereigenschaften, hier aber ist er der ungläubige Thomas – ein kalter Unmensch, der Mavericks Brillanz noch nicht erfaßt hat. Er wird zum Schluß respektvoll den Hut vor dessen Fähigkeiten ziehen dürfen.

Mavericks Kummer beginnt, als er an sich selbst zu zweifeln beginnt. Bei einem Unfall stirbt sein Partner Goose, weshalb Maverick seine Leichtfüßigkeit verliert. Der Tod seines Freundes stürzt ihn in eine Sinnkrise – nicht etwa, weil er mit dem Verlust hadert, sondern weil er ab sofort an seiner eigenen Unbesiegbarkeit zweifelt. In TOP GUN ist ein Todesfall nicht tragisch, weil ein Mensch stirbt, sondern weil ein anderer deswegen sein bislang ungebrochenes Selbstvertrauen verliert.

Spannungen anderer Art zwischen Maverick und Ausbilderin Charlie (Kelly McGillis).

Zum Glück darf die Welt zusammenarbeiten, den jungen Piloten wieder auf die richtige Spur zu bringen und aus ihm den besten Piloten zu machen, der er ohnehin schon war. Die Ausbilderin Charlie, seinem Charme schon längst verfallen, redet ebenso auf ihn ein wie Kommandant Viper, der Maverick zuvor sogar schon für seine Arroganz gelobt hat. Selbst die Witwe von Goose sieht es offenbar als ihre primäre Aufgabe, Maverick aufzubauen: "God, he loved flying with you, Maverick", versichert sie ihm schluchzend, als er ihr nach Gooses Tod seine Aufwartung macht.

TOP GUN ist wie ein mißverstandener Entwicklungsroman, in dem die ganze Welt nur in Bezug auf einen selbst existiert, und Maverick als Zentrum dieser persönlichkeitsstärkenden Ereignisse der quintessentielle Held der amerikanischen Achtziger. Reagan versprach unerschöpfliches Wachstum, Anstrengungen würden mit Gewinn belohnt werden. In der tatsächlichen "Top Gun"-Schule gibt es keinerlei Trophäe zu gewinnen, aber der Film läßt sich von solchen Wirklichkeitsdefiziten kaum bremsen: Hier zählen Leistung und Ehrgeiz, das Leben ist ständiger Wettkampf. "No points for second place", wie es an einer Stelle heißt. Amerika liebt nur die Sieger.

"I feel the need ... the need for speed."

Es ist nur allzu passend, daß Regisseur Tony Scott zuvor als Werbefilmer arbeitete: Seine Bilder für TOP GUN sind eine einzige Verkaufsshow. Sie verkaufen den Traum vom Aufstieg, den Traum vom Sieg, die Erfüllung aller Sehnsüchte nach Abenteuer und persönlicher Verwirklichung. Die Sonne überflutet jeden Moment, und selbst in die nüchternen Büros der Navy dringt das grelle Licht so optimistisch gleißend, daß der Griff zu den ikonischen Ray-Ban-Sonnenbrillen ganz natürlich scheint. Scott sah die jungen Piloten als "rock'n'roll stars" und setzt sie dementsprechend in Szene: Wie Werbung gerne eine Illusion von Lebensgefühl evoziert, wirkt auch das Leben als Kampfpilot in TOP GUN wie ein immerwährender Sommer an einem Ort, an dem man seinen Platz im Leben findet.

Mit der Ästhetik von TOP GUN beeinflußten Scott und die Produzenten Jerry Bruckheimer und Don Simpson maßgeblich das Kino der Achtziger und diverse spätere Action-Blockbuster. Auch inhaltlich hinterließ der Film seine Spuren – als perfekt designtes Popcorn-Spektakel schuf er sich seine eigene Nische in der Popkultur, trug aber auch zur Formelhaftigkeit und Substanzlosigkeit folgender Produktionen bei. Vielleicht regt der Film an, eine Ausbildung zum Piloten zu machen – aber bestimmt keine zum Drehbuchautoren.


Morgen folgt Teil 2 der TOP-GUN-Retrospektive: Ein Gespräch mit Dachboden-Gastautor Dr. Wily über den Soundtrack des Films (hier). Übermorgen schließe ich die Retrospektive mit einem Blick auf den Look von Kelly McGillis bzw. ihrer Filmfigur ab (hier).





Top Gun - Sie fürchten weder Tod noch Teufel (USA 1986)
Originaltitel: Top Gun
Regie: Tony Scott
Buch: Jim Cash & Jack Epps Jr.
Kamera: Jeffrey Kimball
Musik: Harold Faltermeyer
Produktion: Jerry Bruckheimer & Don Simpson
Darsteller: Tom Cruise, Kelly McGillis, Val Kilmer, Anthony Edwards, Tom Skerritt, Michael Ironside, John Stockwell, Barry Tubb, Rick Rossovich, Tim Robbins, James Tolkan, Meg Ryan, Adrian Pasdar

Die Screenshots wurden von der deutschen BluRay (C) 2009 Paramount Pictures genommen.

Ich darf stolz den Podcast von Wilsons Dachboden präsentieren: Den "Lichtspielplatz", auf dem die verschiedensten Filmthemen behandelt werden sollen.

In der ersten Folge unterhalte ich mich mit Dr. Wily, der hier schon durch einige Gastbeiträge bekannt ist, über das Gesamtwerk von John Carpenter. Wir reden über Carpenter als Einzelgänger, seine Liebe zum Western, singen spontan (und nicht sehr gut) das ASSAULT-Thema nach und stürzen uns auch auf ein paar weniger beliebte Filme wie DAS DORF DER VERDAMMTEN und, jawohl, GHOSTS OF MARS.

Wir wünschen viel Spaß und freuen uns über Rückmeldungen!

Der Podcast kann auch HIER direkt als mp3-Datei heruntergeladen werden.



Science-Fiction-Action mit Soldaten und außerirdischen Käfern? Man kann es dem deutschen Verleih kaum verdenken, daß STARFORCE wie ein nur minimal unbekannterer Klon von Verhoevens STARSHIP TROOPERS vermarktet wird. "In einem Alien-verseuchten Ödland findet der letzte Kampf um die Freiheit statt!", tönt es auf dem hinteren Cover. Schade ist dabei natürlich nur, daß besagte Käfer-Aliens bloß am Rande in der Story auftauchen und außerdem nur auf dem Cover die Größe von Gebäuden erreichen.

Terroristen besetzen ein Hochhaus! Sie sind bis an die Zähne bewaffnet und nehmen Geiseln! Und nur ein einsamer Einzelkämpfer, der zufällig im Gebäude ist, kann den sinistren Schurken die Stirn bieten! Wem die Geschichte bekannt vorkommt: Richtig, SKYSCRAPER funktioniert genauso wie STIRB LANGSAM 2, nur im Wolkenkratzer. Räusper.

Aber halt! Es gibt ja noch einen Kniff: Der Einzelkämpfer ist diesmal eine Frau. Und zwar nicht irgendeine, sondern Ex-Playmate Anna Nicole Smith, die in den Neunzigern hauptsächlich dafür bekannt war, eine steinalte Oberweite zu besitzen und einen mördergroßen Milliardär geheiratet zu haben. Oder war das umgekehrt?