November 2015

Eigentlich sollte es ein entspannter Deal werden: Einen Koffer mit Drogen abholen und über die Grenze schmuggeln, Geld dafür in Empfang nehmen, das schöne Leben genießen. Aber gleich nach der Übergabe geht alles schief: Die Polizei will die beiden Gauner Ray und Alex einkassieren, aus Panik entsteht eine Schießerei, und schon haben die beiden vier Polizisten auf dem Gewissen. Es ist nur der Auftakt für eine lange, gewalttätige Reise durch das Land …

Als sich die Fertigstellung ihrer Science-Fiction-Parodie FLESH GORDON in die Länge zog und dank der ausufernden Spezialeffekte mehr und mehr Kosten verursachte – ganz zu schweigen von den Schwierigkeiten mit dem Gesetz, weil sie pornographische Filme produzierten – beschlossen die beiden Produzenten Howard Ziehm und Bill Osco, für ein geringes Budget schnell einen kleinen Reißer zu drehen, der wieder Geld in die Kassen spülen sollte.

Der Name Howard Ziehm dürfte nur den interessiertesten Filmliebhabern ein Begriff sein – und das hauptsächlich für seine Science-Fiction-Sexparodie FLESH GORDON, der später noch das verwegene Sequel FLESH GORDON – SCHANDE DER GALAXIS folgte. Dabei ist Ziehm eigentlich ein Pionier – nur halt auf einem Gebiet, das öfter für pikierte Blicke als für filmhistorisches Interesse sorgt: Mit MONA drehte er 1970 den ersten Porno-Langfilm, der es ins Kino schaffte, und zusammen mit seinem Partner Bill Osco gehörte er in diesen jungen Jahren der Erwachsenenunterhaltung zu den umtriebigsten Filmemachern des neuen "Porno Chic". Eigentlich sollte um ihn genauso viel Wirbel gemacht werden wie um Gerard Damiano und dessen DEEP THROAT, der immerhin erst zwei Jahre nach MONA gedreht wurde.

Stellen wir uns mal den Film BODYGUARD ohne Geld und ohne Stars vor. Dann stellen wir uns vor, daß Drogendealer und Mafiosi mitspielen. Stellen wir uns weiters vor, dass Whitney Houstons steinerweichende Ballade durch ein möglichst anonymes Synth-Pop-Epos ausgetauscht wird. Und dann stellen wir uns noch vor, dass alles, was jemandem am Resultat abgehen könnte, durch Blei und in Zeitlupe niedergemähte Rabauken ausgeglichen wird. Et voilà, das ergibt L.A. WARS, der bei uns den dezent neudeutsch anmutenden Titel PROTECT AND KILL verpaßt bekam.

Sexstrahlen, ein Planet namens Porno, ein Raumschiff in Penisform: Herzlich willkommen bei FLESH GORDON, einer Softsex-Parodie der alten FLASH-GORDON-Weltraumabenteuer. Mit bizarren Ideen, schlüpfrigem Witz, schnodderiger Machart und erstaunlich liebevoll gemachten Effekten wurde der kleine Independent-Film 1974 zu einem veritablen Hit, der im Zuge der frühen Pornowelle als billige Parodie begann und sich bald zum Kultfilm mauserte.