Juni 2015

Vor ein paar Tagen habe ich hier über den Retro-Slasher ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST geschrieben - ein Rückblick auf einen Film, der ich einst als armseligsten Vertreter seiner Gattung eingestuft habe. Als Ergänzung dazu erinnert sich im folgenden Gastbeitrag Dr. Wily mit liebevollen Worten an den Streifen, den er zu seinen Lieblingsfilmen zählt.



Ein Teenieslasher von der Stange mit den typischen Klischees, billigen Schockern und Logiklöchern. Ein Horrorfilm, wie sie ihn in den 80ern wohl schon genug gedreht hatten. I KNOW WHAT YOU DID LAST SUMMER ist einer meiner Lieblingsfilme.

Das Slasher-Genre ist an müden, uninspirierten Vertretern seiner Art nicht gerade arm - aber für mich war immer ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST die wohl armseligste Ausgabe seiner Gattung. Ganz klar, diverse andere Filme waren haarsträubend inkompetent zusammengeschustert - aber die kann ich irgendwo zwischen "miese Produktionsbedingungen", "Fanfilm" und "die lernen halt noch" seufzend durchwinken. ICH WEISS dagegen hatte das nötige Budget, um richtig geleckt auszusehen, diverse populäre Mimen und einen Autor, der nur ein Jahr zuvor mit SCREAM die jahrelangen Slasher-Klischees liebevoll gebrochen und neu zusammengefügt hat.

Und doch klapperte ICH WEISS in hanebüchener Konstruktion jede abgestandene Situation ab, die schon zehn Jahre davor das große Gähnen hervorgerufen hat - ganz so, als hätte man sich bewußt dagegen entschieden, irgendwie originell zu werden. Solch fast aggressive Mittelmäßigkeit machte mich dann eben auch aggressiv. Ob sich ungefähr anderthalb Jahrzehnte nach der letzten Sichtung an dieser Reaktion etwas geändert hat?

Es war abzusehen: Auch bei seiner zweiten Regiearbeit befindet sich Matthias Schweighöfer ganz im Til-Schweiger-Modus. Nachdem er mit der Maskulinitätsklamotte WHAT A MAN zwei Stunden lang Männer-und-Frauen-Klischees über die Leinwand geigte und dazu wie das große Vorbild unerbittlich charttauglichen Dauerpop auf- und abdudeln ließ, folgt mit SCHLUSSMACHER ein exakt gleich inszenierter Beziehungsschlager: Große Gefühle werden behauptet, seichte Banalitäten werden verbreitet, und das Publikum darf von vorne bis hinten mitschunkeln.

Höchste Zeit, sich einmal wieder einem C64-Klassiker meiner Kindheit zu widmen: DONALD DUCK'S PLAYGROUND, das für mich aus naheliegenden Gründen seinerzeit schlichtweg den Titel DONALD DUCK trug. Das Spiel erschien 1984 bei Sierra, die im selben Jahr mit dem Fantasy-Game KING'S QUEST den Startschuß zu unzähligen populären Adventure-Reihen gaben. Witzigerweise steckt hinter dem kindlich orientierten DONALD DUCK kein Geringerer als Al Lowe, der sich nur wenig später mit dem Schmuddelklassiker LEISURE SUIT LARRY weitaus anzüglicheren Themen widmete.

Das in Zusammenarbeit mit Disney produzierte Game verbindet eine Ansammlung von kleinen Mini-Spielen, die mit einer Mini-Aufbausimulation verbunden sind. Donalds Neffen brauchen Ausrüstung für den Spielplatz, aber die kostet Geld - weshalb Donald arbeiten muß, um Tick, Trick und Track mit den gewünschten Spielsachen beschenken zu können. (Gastbeiträge rund um die Frage, inwieweit es zur Donald-Figur paßt, daß sie ohne Zwang durch Dagobert arbeitet - und noch dazu, ohne selber etwas davon zu haben! - sind in der Kommentarsektion gerne gesehen.)

Auch der ORF wird von Donald beliefert! Da wundert einen die Programmgestaltung nun wirklich nicht mehr.

Es gibt vier Jobs, bei denen Donald Geld verdienen kann. Die Schichtdauer kann frei eingestellt werden und beträgt höchst studentenfreundlich zwischen einer und acht Minuten (wer mag, kann seinem Chef ja morgen mal einen entsprechenden Schichtplan vorschlagen). Am einfachsten ist die Arbeit beim Obstmarkt: Donald fängt Melonen, Kürbisse und Zitronen auf, die vom Laster geworfen werden, und ordnet sie in die richtigen Kisten. Auch am Flughafen ist das Prinzip ähnlich: Pakete müssen vom Fließband in den richtigen Container geworfen werden, sortiert nach dem durch drei Buchstaben angegebenen Bestimmungsort (z.B. LAX, JFK, PHX, ORF - ob letztere Päckchen nach Österreich geschickt werden?). Hier muß man sich allerdings schon etwas mehr beeilen, weil der Transportfahrer bald weiterdüst und mit neuen Containern zurückkommt.

Zu erwachsen? Kein Problem, Donald kann auch im Spielzeugladen arbeiten, wo er Spielsachen richtig in die Regale einordnen muß - wozu er auch erst die Leiter richtig platzieren muß. Dummerweise liegt das Geschäft direkt an den Gleisen, und alle 70 Sekunden fährt der Amquack Express vorbei - was den Laden derart zum Wackeln bringt, daß die Spielsachen herabfallen und kaputtgehen. Das kann man verhindern, indem man einen Hebel umlegt und die Regale damit zur Sicherheit schließt - zerbrochene Spielsachen werden einem nämlich vom Gehalt abgezogen!

Viel moderner kann es bei der Deutschen Bahn und der ÖBB auch nicht zugehen ...

Ganz so rasant fährt der Zug aber dann doch nicht, wie Donald beim vierten Job feststellen darf: Da tuckert die Eisenbahn durch ein Gleissystem, bei dem sechs verschiedene Weichen umgestellt werden können. Donald kriegt den jeweiligen Bestimmungsort angesagt und muß dann die entsprechenden Hebel umlegen, damit der Zug auch in Ducktropolis, Duck Valley oder einem der anderen Orte ankommen kann und nicht unendlich im Kreis fährt.

Nach getaner Arbeit wird man sorgfältig ausbezahlt: Man sieht jede einzelne Münze und jeden einzelnen Geldschein zu den eigenen Ersparnissen wandern. Mit denen kann man in der Stadt dann zu den Läden von Micky, Minni und Goofy wandern, um dort Ausrüstung für den Spielplatz zu kaufen - und wer sich grämt, mit geschlagenen acht Minuten Flughafenmaloche nur einen Dollar verdient zu haben, darf hier erleichtert feststellen, daß ein Trampolin ohnehin nur 5 Cent kostet. Trotz immenser Betriebsamkeit zweier Großkapitalisten dürfte Entenhausen also noch von der Inflation verschont geblieben sein.

25 Cent für eine Rutsche? Micky, weißt du, wieviele Trampoline ich für das Geld kriege??

Ab geht's über die Gleise zum Spielplatz, wo die gekauften Gegenstände arrangiert werden können. Dann kann man einen der drei Neffen durch das Gelände steuern und spielen lassen: Springen auf dem Trampolin, Schaukeln im Reifen, Hinaufklettern am Netz und dann herunterrutschen. Und dann kann man sich wieder an die Arbeit machen, um den Spielplatz auszubauen.

Es ist leicht zu sehen, warum das Spiel seinerzeit so viel Spaß gemacht hat: Es ist ganz einfach herzallerliebst. Donald watschelt in niedlicher Animation durch die Stadt und schaut sogar brav nach links und rechts, bevor er über die Schienen hurtet. Beim Obstsortieren quakt er wütend, wenn er etwas nicht fangen kann, und schaut glücklich, wenn er etwas richtig einsortiert hat. Und wie die Neffen auf dem Spielplatz herumhüpfen, ist trotz ganz einfacher Gestaltung absolut goldig.

Becky wohnt mit ihrem Laden wie Elwood: Jede Minute fährt ein Zug vorbei ...

Dazu kommt: Die vier Spiele machen sehr kurzweiligen Spaß. Man braucht wenig bis gar keine Erklärung, um sie spielen zu können, aber sie sind flott genug, um damit vergnüglich die Zeit zu vertreiben. Mein Favorit war immer die Eisenbahn, aber ich habe in allen Bereichen geschaut, wo ich noch flotter und effektiver arbeiten kann, um etwas mehr zu verdienen.

Aus heutiger Sicht ist es sehr nett, wie den Kindern hier sanft dies und jenes beigebracht wird: Man lernt am Flughafen Buchstaben auseinanderzuhalten, beim Weichenstellen ist etwas Kombinationsgabe gefragt. Nicht nur beim Einsammeln des Lohns lernt man den Umgang mit Geld: Wenn man im Laden etwas kauft, muß man das Geld auf den Tresen legen und sich gegebenenfalls das passende Wechselgeld auch selber nehmen. Ganz generell bereitet einen DONALD DUCK'S PLAYGROUND auf ein Grundprinzip des wirklichen Lebens vor: Wenn man etwas Schönes kaufen will, muß man eben vorher dafür arbeiten, um das entsprechende Geld zu haben.

Noch ein bißchen leer, der Spielplatz - aber wenn Micky halt zweistellige Wucher-Centbeträge verlangt ...!

Als Erwachsener kann das Spiel aber leider nur für einen kurzen, entspannenden Nostalgietrip herhalten: Obwohl es drei Schwierigkeitsstufen gibt (auf den höheren läuft alles etwas schneller ab, dafür wird besser bezahlt), sind die Spiele doch zu einfach, um ganz lange fesseln zu können. Heutzutage würde man vielleicht aus einem Game wie dem Weichenstellen auch eine trickreiche, komplexere Erwachsenenversion basteln - aber es ist eben für Kinder gedacht und deswegen eher knuffig als herausfordernd.

Dazu kommt, daß das Spiel eigentlich kein Ziel hat: Selbst, wenn der Spielplatz vollständig ausgerüstet ist, geht das Game halt einfach weiter. Man kann mehr Geld verdienen, wenn man mag, den Spielplatz umrüsten, aber man arbeitet halt nicht wirklich auf etwas hin. Aber vielleicht ist es genau das, was man als Erwachsener aus DONALD DUCK'S PLAYGROUND lernen kann: Hin und wieder mal Spaß an der Sache selbst haben und nicht immer nur an Ziele denken ...


Der Cover-Scan und die Screenshots stammen von der Seite mobygames.com.

"Terror und Tod, hier herrscht der Wahnsinn", verspricht uns die VHS-Box von SHOCKING FEAR, der im Original LURKING FEAR heißt und auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft basiert. Im Filmgespräch mit dem großen Alten Don Arrigone wollen wir einen genauen Blick auf diesen Videothekenstreifen werfen, der 1994 herauskam und mit HELLRAISER-Dame Ashley Laurence (hier als Ashley Lauren), RE-ANIMATOR Jeffrey Combs und Charaktergesicht Vincent Schiavelli aufwarten kann. Ein junger Mann ist auf dem Weg in ein kleines Kaff, wo er die Beute eines Raubzugs suchen will, die sein Vater dort versteckt hat. Ihm sind aber nicht nur diverse Killer auf der Spur - nein, im Ort gehen auch ungustiöse Ungeheuer umher ... Wohlan, Don, reden wir darüber!


Genzel: Wie, räusper, fast immer bei Lovecraft endet auch das hier mit einer großen Explosion. 

Don Arrigone: Ja, wir haben hier ein Loch und Höhlen, in dem namenlose Monster hausen, und am Ende füllen die Helden alles mit Benzin und zünden es an. Da fliegt so einiges in die Luft. Unter anderem auch der Balkon, der von innen heraus zu explodieren beginnt, bevor das restliche Gebäude noch einmal hochgeht.

Die gesamte Handlung hat ja in einer Kirche gespielt, und am Ende gehen gefühlte 10 Gebäude in Flammen auf, also vermutlich die gesamte Stadt. Es heißt ja auch, dass das Tunnelsystem sehr weit verzweigt ist .

CG: Es war aber immer dasselbe Haus. Also: dasselbe Modell vom selben Haus. Gründlicherweise sind auch die oberen Stockwerke explodiert, obwohl das Benzin in den Tunnel gepumpt wurde.

DA: Allerdings sind die Stadtbewohner reichlich spät auf die Idee mit dem Benzin gekommen – immerhin wüten die Anthropophagen da schon eine ganze Weile ...

CG: Man möchte meinen, dass in den 20 Jahren, die die Untiere da laut Film schon ihr Unwesen treiben, sich irgendwann irgendjemand mal eine Waffe besorgt hätte oder auf die Idee mit dem Dynamit gekommen wäre, um den Monstern den Garaus auszumachen. Hier jagen sie ja schon zum Schluß den Friedhof in die Luft – wobei uns nicht klar ist, wieso das oberirdische Sprengen von Grabsteinen die Bewohner von Höhlen erschüttern sollte, deren Ausgang direkt im Kirchgebäude liegt, aber gut. Sie haben da ein Loch, aus dem die Viecher rauskommen – wieso haben sie da in den 20 Jahren nicht schon mal längst etwas reingeworfen? Oder das überflutet, wie man das mit Ratten in Gemäuern macht?

DA: Ja ... für mich als Bewohner dieses Dorfes wäre die noch logischere Lösung gewesen, daß ich wegziehe. Und wenn so ein Monsterangriff jetzt zum ersten Mal der Polizei gemeldet wird, dann machen die vermutlich einen Alkohol- und Drogentest mit dir, aber wenn das gesamte Dorf inklusive Polizeistation berichtet, dass da garstige Gestalten auftauchen, dürfte es doch in den Vereinigten Staaten irgendwelche Organisationen geben, die sich da vielleicht dann mal darum kümmern. Das waren ja auch nur um die 10 Monster ... eine Einheit Soldaten mit Schnellfeuergewehren hätte das doch halbwegs flott lösen können sollen.

CG: Man könnte das Loch auch einfach zumauern, sollte man nicht so zur Gewalttätigkeit neigen. Und den Friedhof verlegen.

Nun bin ich aber kein Lovecraft-Experte –was ist denn eigentlich der tatsächliche Lovecraft-Gehalt des Films?

DA: Es gibt diese Kurzgeschichte "The Lurking Fear" tatsächlich, und es geht da tatsächlich um eine im Untergrund hausende Meute von Menschenfressern. Einzig der Krimiplot ist frei erfunden. Insofern ist der Lovecraft-Gehalt also recht hoch – zumindest, wenn man "freie" Adaptionen wie CTHULHU MANSION als Vergleich heranzieht.

CG: Mir scheint der Streifen eine Gangstergeschichte mit NIGHT OF THE LIVING DEAD verknüpfen zu wollen – ein paar Leute, die aus verschiedenen Gründen in einem Haus zusammenkommen, in diesem Fall eine Kirche, um sich gegen miesepetrige Monster zu wehren. Mit etwas gutem Willen ist da also vielleicht auch THE FOG Vorbild – im Prinzip jeder Film, in dem sich Leute vor einer Bedrohung verschanzen, die da von außen kommt.

Trotz 18er-Freigabe auf dem VHS-Tape konnten wir allerdings nur die gekürzte Version begutachten.

DA: Die vermutlich sehr stark gekürzte Version.

CG: … in der immer nur ein sehr harter Schnitt kam, und dann waren Leute nicht mehr Teilnehmer der Handlung.

DA: Nicht mehr Teilnehmer des Lebens.


CG: Ich fand' SHOCKING FEAR ja anfangs gar nicht so schlecht. Er war von der Stimmung her nicht uninteressant gemacht, mit der Kirche und den Vorbereitungen zur Sprengung und der Tatsache, daß man gar nicht so genau weiß, was da passieren wird. Es war ganz angenehm, wie er diese verschiedenen Handlungsstränge am Anfang eingeführt und sich dabei gar nicht so sehr angestrengt hat, einem gleich zu Beginn zu erklären, wie das alles zusammengehört – das hat sich nach und nach ergeben.

Das war interessant – man hat sich am Anfang richtig gefragt: Was passiert da? Zum Beispiel, wie sie sich vor dem aufkommenden Sturm fürchten und das Dynamit anbringen. Und auch diese Familiengeschichte mit dem Leichenbestatter, dem Freund des verstorbenen Vaters – das war gar nicht schlecht gemacht, ganz B-Movie Charme, aber durchaus geschickt und stimmungsvoll gemacht. So ganz aufgegangen ist es dann leider nicht.

DA: Ich bin ja auch sehr anfällig für den Charme, den alte verfallene Kirchen haben, gerade in der Kombination mit Nacht, Mondlicht, Nebel und Sturm – das finde ich auch ein sehr spannendes Setting für einen guten, klassischen Horrorfilm, aus dem man was machen kann. Aber von den Bildern her hätte man da noch wesentlich mehr rausholen können. Es sah nicht wirklich schlecht aus, aber eher ... Hausmannskost, wenig wirklich spannende Shots.

CG: Das Problem ist, daß sich die Geschichte dann verläuft. Da sind sie dann in der Kirche, und dann kommen hin und wieder die Viecher ... und dann kommen sie halt mal aus dem Boden, mal raus dem Loch, und dann sind es mal mehrere ... mal kommt ein Arm, jemand wird nach unten oder seitlich aus dem Bild gezogen … während die Figuren über das Loch reden, zusammenkauern oder sich gegenseitig bedrohen. Der Priester sieht die Katastrophe kommen, eine Familiengeschichte erklärt die Herkunft der Monster, und irgendwie summiert sich das nie zu etwas, was wirklich spannend wäre. Gerade gegen Ende macht der Film dann recht wenig her für das, was vorweg eigentlich kam.

DA: Ja, der Anfang ist spannender inszeniert, aber sobald die Situation geklärt ist, verkommt die Sache zu einem absolut berechenbaren, normalen Slasher. Auch die Hintergrundgeschichte der Hauptfigur hilft da wenig ... sie scheint immer wieder durch, aber der Krimiplot mit der Suche nach dem Geld und den Streitigkeiten zwischen den beiden Parteien nimmt halt wesentlich mehr Platz ein, als dass der Protagonist sich mit seiner Familiengeschichte beschäftigt – insofern ist die Auflösung dann ... ja ... sehr beliebig. Es hinterlässt nicht wirklich Eindruck, als der Hauptcharakter dann das dunkle Familiengeheimnis lüftet, dass die Untiere seine Vorfahren sind. Wir leiden nicht mit ihm mit ... er leidet ja selber auch nicht drunter!

CG: Gerade dieser Twist mit der Familiengeschichte war dann höchst aufgesetzt, vor allem mit seinem Voice-Over am Ende: Er weiß nicht mehr, wer er ist, und er ist Gefangener seiner selbst – aber ehrlich, wenn die Monster ihm nicht gesagt hätten, dass sie seine Vorfahren sind, sondern stattdessen die Familie Prokopetz aus Itzehoe, dann wäre das für ihn genauso schlimm bzw. nicht schlimm gewesen, weil es genau so wenig mit ihm zu tun hätte.

Die Situation, daß sich da eine heterogene Gruppe gegen das Böse verschanzen, wurde kaum ausgekostet. Bei NIGHT OF THE LIVING DEAD oder zum Beispiel auch bei Carpenters ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT entsteht da eine Grundspannung, weil unterschiedliche Figuren zusammenarbeiten müssen, um die Bedrohung zu überwinden, zum Beispiel Polizisten und Verbrecher. Bei SHOCKING FEAR wird das versucht mit ein paar Gangstern und einem Typen, der von ihnen gejagt wird, dazu Leute aus einem Dorf und einem Priester ... aber es endet damit, dass sie sich permanent gegenseitig mit der Waffe bedrohen und in Schach halten, aber nicht damit, daß Spannung zwischen den Figuren aufkommt.

DA: Trotz ein paar Ansätzen, den Figuren Persönlichkeit zu verleihen, werden sie aber auch stark auf einzelne Charakterzüge beschränkt. Der Priester will sich selbst opfern, um Jesus nachzufolgen, der Arzt ist Alkoholiker und schwer nikotinabhängig, die eine junge Dame hat ihre Schwester verloren und hatte einen Vater im Vietnam, weshalb sie zur Actionheldin wird, die Femme Fatale hat auffällige Brüste, der Verbrecher ist … ein Verbrecher … und der Hauptcharakter ... (Stille)

CG: … schaut aus wie Wolverine.

DA: Gerade der Protagonist hat wirklich gar nichts. Ich könnte den jetzt auch nicht beschreiben. Hätte der die Straße runter einen Mord begangen, und ich müsste bei der Polizei aussagen, ich wäre hoffnungslos überfordert.


CG: Sollen wir noch kurz über die Monster reden?

DA: Die Ungetüme sahen eigentlich gar nicht soooo schlecht aus. Ich fand das Design der Bestien recht ansprechend. Es war nur problematisch, daß das Monster mehrmals gut ausgeleuchtet gezeigt wurde ... eher untypisch für billige Horrorfilme.

CG: Ich fürchte, das Monster im Schatten zu verbergen, hätte den Film nicht besser gemacht. Aber es gab einzelne Momente, die waren sehr interessant, gerade weil man das Monster gut sieht. Zum Beispiel, als der Priester redet und die Kamera um ihn herumgeht – und man sieht plötzlich das Ungetüm hinter ihm, zu dem er offensichtlich Kontakt hat. Da war das recht interessant, daß man die Kreatur sehr deutlich sieht – es wird damit ja auch suggeriert, daß da eine Beziehung zwischen den beiden besteht.

DA: Die Szene fand ich ebenfalls visuell spannend. Da hast du ganz Recht.

CG: Dann gab es gegen Ende eine ähnliche Szene, als unsere Hauptfigur im Tunnel ist und nach vorne kriecht – und man sieht sehr deutlich das Untier hinter ihm, das ihn beobachtet, aber er sieht die Monstrosität eben nicht. Einfach gemacht, aber eine nette Idee, weil hier auf den Standard-Überraschungseffekt verzichtet wird. Er weiß nicht, daß er beobachtet wird, wir als Zuschaue aber schon.

DA: Gerade dadurch, daß da ein paar spannende Ideen enthalten sind und der Film eben bei weitem nicht absolut schiefgegangen ist, fand ich ihn aber ab Minute 30 herum absolut ermüdend. Er ist nicht gut genug, daß die Spannung dann ewig anhält, und er ist nicht schlecht genug, daß man die ganze Zeit lachend am Boden liegen würde. Leider hatten wir, wie gesagt, die gekürzte Fassung – ein paar nette Gore-Effekte zwischendrin hätten das Teil wohl nochmal aufgelockert und insgesamt unterhaltsamer gemacht. So stand eben das Trauerspiel der Charakterinteraktion im Vordergrund.

CG: Leider sind auch die guten Elemente fast alle in der ersten Hälfte des Filmes – da ist man positiv gestimmt und denkt sich: Och, da steckt ja was drin. Dann kommt aber nichts mehr nach, und man schaut 45 Minuten lang zu, wie aus den guten Elementen nicht recht viel zusammenkommt.

Wir sollten ihm aber mit einer ungeschnittenen Fassung nochmal eine Chance geben. Ich will gar nicht so ganz streng sein mit dem Film ... wir haben schon viel Schlimmeres gesehen.




Shocking Fear (USA 1994)
Originaltitel: Lurking Fear
Regie: C. Courtney Joyner
Buch: C. Courtney Joyner, nach der Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft
Musik: Jim Manzie
Kamera: Adolfo Bartoli
Darsteller: Jon Finch, Blake Bailey, "Ashley Lauren" (= Ashley Laurence), Jeffrey Combs, Allison Mackie, Paul Mantee, Vincent Schiavelli