Februar 2015

Zombie vs. Ninja, Genzel vs. Don Arrigone: Zwei Schmalfilm-affine Filmfreunde sprechen über wundersames Schnipselkino von Ninja-Verramscher Godfrey Ho.

Genzel: "Zombiefilm oder Eastern", wünscht sich Don Arrigone beim Besuch zum Filmabend im Genzel HQ. Weil ich die Interessen junger Cinephiler ernst nehme, kann ich mit nur einem Film beide Desiderate abdecken: ZOMBIE VS. NINJA, ein Streifen aus dem unendlichen Ninja-Fundus von Godfrey Ho, der meistens alte Ramschfilme aufkaufte und mit ein paar eigens gedrehten Ninjaszenen zu praktisch neuen Ramschfilmen umfunktionierte. Seine Ninjas tragen gerne bunte Klamotten und Stirnbänder, auf denen das Wort "Ninja" steht, und sie haben freilich mit der Handlung der Originalfilme rein gar nichts zu tun, sondern werden irgendwie per Schnitt und Synchronisation ins Geschehen gebracht. Und wenn schon Ninjas das Herz des Videothekenkellerfans höher schlagen lassen, ist die Aussicht auf eine Begegnung zwischen Ninjas und untoten Gesellen geradewegs entzückend.

Von 1994 an kümmerte sich der italienische Vielfilmer Aristide Massaccesi, besser bekannt unter seinem oft verwendeten Pseudonym "Joe D'Amato", fast ausschließlich um die Erwachsenenunterhaltung: Bis zu Massaccesis Tod im Jahr 1999 entstanden über 100 Hardcore-Titel, in denen sich die Protagonisten quer durch geschichtliche, literarische und mythologische Szenarien - Verzeihung: - vögelten. Nur ganze vier Mal entstanden noch Streifen, die nichts mit dem XXX-Genre zu tun haben - und doch ganz zum Gesamtwerk dieses Regisseurs passen, der einst im Interview mit Splatting Image sagte: "Ja, ich mag nackte Körper, weil die sehr kommerziell sind." Rein professionelles Interesse also.

Das Model Gloria (Teresa Leopardi, ARIZONA ROAD) muß nachts auf der Landstraße wegen einer Baustelle eine Umleitung fahren, dann bleibt ihr Wagen liegen. Sie kommt zu einer Villa, wo sie um Hilfe bitten will - stattdessen beobachtet sie dort aber einen Mord und landet mit einem Nervenzusammenbruch im Krankenhaus. Die Polizei fährt unter Leitung von Commissioner Rizzo (Anthony Franciosa, TENEBRE) zu eben jener Villa, um ihren Angaben nachzugehen - aber dort gibt es nicht nur keine Leiche zu entdecken, auch das Haus scheint schon seit zwanzig Jahren leerzustehen. Der Psychiater Contini (Miles O'Keeffe, ATOR - HERR DES FEUERS) beginnt eine Therapie mit Gloria - aber die scheint von einem mysteriösen Killer verfolgt zu werden ...

Wie so ziemlich jeder anständige Giallo ist auch dieser spät erschienene Vertreter seines Genres vornehmlich ein Erinnerungspuzzle: Ein Gewaltverbrechen ist geschehen, aber übrig davon sind nur Bruchstücke von Wahrnehmungen - in diesem Falle sowohl visueller als auch auditiver Natur: Gloria erinnert sich daran, wie ein Mann eine Frau erschlagen hat (das ist als Silhouette hinter einem Vorhang zu sehen), und hat noch die laut dröhnende Opernmusik im Ohr, die währenddessen im Radio lief und alle anderen Geräusche übertönte.

Deutsche Version des Interviews HIER / German translation of interview HERE

Back in the Nineties, I came across a comedy on German television starring Bill Pullman that was called U-BOOT ACADEMY - a film that seemed to be in the same vein as the POLICE ACADEMY movies, with lovably goofy characters and a delightfully silly kind of humor. Even though Michael Winslow had a small part in it, the film actually didn't have anything to do with the ACADEMY series, as I later found out - its original title was GOING UNDER. Regardless of its connection or lack thereof to the ACADEMY movies, I loved the film - its visual gags, its crazy ideas, its Zucker-style absurdity. Pullman was in his wonderful early comedy mode, and the film (which I've always seen in its dubbed version, which adds quite a lot of puns) remains endlessly quotable.

Over the years, I've always kept an eye out for other films made by GOING UNDER's director, Mark W. Travis. While Mark has worked extensively in television and theatre, GOING UNDER remains his only feature film. However, Mark went on to become a well-regarded teacher, doing acting and directing workshops all over the world, and releasing several books on directing, e.g. THE FILM DIRECTOR'S BAG OF TRICKS. You can find out more about him on his website.

After revisiting the film a few months ago and writing about it (here - a German-language review, though, like most entries in this blog), I decided to contact Mark and interview him about the film. I was surprised to hear that there was a lot of behind-the-scenes drama in post-production, and the finished film isn't what Mark wanted at all ...
Click here to read the interview.

Der Italiener Fabrizio De Angelis und der US-Staat Arizona haben eine besondere Beziehungen zueinander: Dort hat der gute Mann nämlich nicht nur den Wandschrank-ähnlichen Mimen Mark Gregory in gleich drei RAMBO-Rip-Offs unter dem Namen THUNDER gegen brutale Polizisten antreten lassen, sondern auch den Actionkrimi GIANT KILLER und den ganz ähnlich gearteten SAG NIE WIEDER INDIO inszeniert. Das macht vor allem deswegen Sinn, weil De Angelis, früher Produzent diverser Fulci-Streifen wie WOODOO - DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, der heiteren Mixtur ZOMBIES UNTER KANNIBALEN und des Endzeitkrachers THE RIFFS - DIE GEWALT SIND WIR, als Regisseur primär sehr sparsam unterwegs war. Kosten und Aufwand scheinen dem Mann generell zuwider gewesen zu sein, weshalb ihm die prächtige Landschaft Arizonas wohl sehr sympathisch war: Die sieht nämlich auch ohne Geld richtig üppig auf der Kinoleinwand aus.

Obwohl De Angelis in seinen späteren Jahren hauptsächlich damit beschäftigt war, mehr KARATE-KID-Rip-Offs zu drehen, als Ralph Macchio je schauen könnte, begab er sich 1991 für das Actiondrama ARIZONA ROAD doch noch mal auf vertrautes Terrain: Hier darf wie zu guten alten THUNDER-Zeiten ein armer Bursche von Autoritätsfiguren mißhandelt und verfolgt werden, bis er dann beim knallharten Rachefeldzug klare Verhältnisse schafft. Vor allem mit Polizisten scheint es De Angelis auch nicht so gehabt zu haben: Die sind bei ihm gerne mal sadistische Brutalos, korrupte Rassisten oder, wie in THE IRON GIRL, einfach überhaupt nicht hilfreich. Ergo darf auch hier ein kaltschnäuziger Großkapitalist mit einem dicken Sheriff zusammenarbeiten, der für ihn die Drecksarbeit übernimmt.

Was haben die folgenden Dinge gemeinsam: Ein Hammer, ein Aktenordner, ein Staubwedel, eine defekte Parkuhr, ein offener Luftpolsterumschlag, eine schwarze Krawatte, drei Dutzend Eier, das Anlageformular N bei der Einkommenssteuererklärung, ein Laternenpfahl, die späten Texte von Thomas Bernhard, vier Staubsaugerbeutel, eine Baustelle, ein Eimer Sand und ein Inkassoverfahren? Völlig richtig: Sie sind allesamt lustiger als der Film HILFE - DIE VERWANDTEN KOMMEN.