Juni 2014

"If I knew the way I'd go back home
But the countryside has changed so much
I'd surely end up lost ..."

Mit diesen Worten beginnt der Paul-Williams-Song "Where Do I Go From Here", der kurz nach Anfang von DEN LETZTEN BEISSEN DIE HUNDE angespielt wird und später nochmal über den Abspann erklingt. Nach außen hin ist der Film eine Mischung aus Buddy-Roadmovie und Raubzugkrimi, aber durchzogen ist die Geschichte von vorne bis hinten von der Desillusion: Amerika hat sich verändert, und die Menschen haben sich im Land verlaufen.

So einfach kann man dem Älterwerden entgehen: Nur nichts anmerken lassen. Wenn Reinhold Messner mit 60 noch die Wüste Gobi durchqueren kann und Rock'n'Roll-Urgesteine wie die Stones im kollektiven Alter von 6200 Jahren die Bühnen bespringen, als würde es für jede volle Dekade Treuepunkte geben, dann kann so ein Actionstar von gestern schon gleich dreimal so tun, als wäre der Fortschritt der Zeit nur eine debattierbare Theorie.

Früher wurde noch gerne gelästert über Kinohelden, die in die Jahre kommen - obwohl genau das sie ja menschlich machte. Aber dann ackerte sich Sylvester Stallone - in den Achtzigern gewissermaßen ein eigenes Filmgenre und seit seinem Durchbruch ROCKY die pure Personifikation der Maxime, daß man nur stur genug sein muß, um aus dem Wunsch Wirklichkeit zu machen - in einem Alter, in dem andere mit dem Kreuzworträtseln beginnen, nochmal den Körper auf hundertachzig und kämpfte sich durch Fortsetzungen von RAMBO und ROCKY, die nicht nur ihm ein Comeback als Actionstar verschafften, sondern auch andere Männer jenseits der 50 ermutigten, weiterhin dem Körperkino zu frönen. "Ich war ungefähr 400 Jahre zu alt für die Rolle", sagte einst Roger Moore zu seinem letzten Bond-Film IM ANGESICHT DES TODES, bei dem er gerade mal 58 war. Heute würde es einen nicht überraschen, wenn er mit seinen mittlerweile 87 Jahren im nächsten Stallone-Film noch mal ebensoviele Terroristen abfrühstücken würde.

Lieber Griff!

Wir vom Syfy-Channel freuen uns, dir hiermit die Regie bei unserem jüngsten Programmfüller anbieten zu können: ARACHNOQUAKE. Wie du ja weißt, sind Katastrophen-Kombinationen derzeit in, und so wollen wir auch diesmal wieder wie zum Beispiel bei ALIEN TORNADO, SHARKTOPUS oder PIRANHACONDA zwei Katastrophen zur Lauflänge von einer bieten. Da du, werter Griff, ja schon Erfahrung mit billig produziertem Unfug hast - zum Beispiel dank 100 MILLION BC oder SWAMP SHARK - qualifizierst du dich optimal für diesen unseren jüngsten Schrott.

Dank des Titels erklärt sich die Handlung ja eigentlich schon von selber, und mehr mußt du dir auch gar nicht ausdenken - Ideen sind kostbar, und wir wollen nicht mehrere auf einen einzelnen Film verschwenden. Unsere Hauptfigur, mit der unsere wahllos zusammengewürfelten Opfer gegen die vom Erdbeben aufgeweckten Riesenspinnen ins Feld ziehen, ist ein unzuverlässiger, gern schon in der Früh dezent alkoholisierter Busfahrer. Da haben wir natürlich sofort an Edward Furlong gedacht - du weißt schon, der war in der Fortsetzung von diesem einen Achtziger-Jahre-Hitfilm, welcher war das gleich ... ach ja: FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE II - aber Edward wollte lieber den anderen Busfahrer spielen, der mit einer Ladung junger Softball-Spielerinnen durch die Gegend gurkt. Um Eddie zu zeigen, wer hier der Boß ist, haben wir seine Szenen prompt auf das Notwendigste reduziert.

What a Man, dieser Til Schweiger: erfolgreicher Filmstar mit Millionenpublikum, Autor, Produzent, Regisseur und regelmäßiger Lieferant bundesdeutscher Komödienhits. Diese Filme bieten immer wieder ein Potpourri aus Beziehungsnöten, Mainstream-Soundtrack, Derbheiten und ganz vielen Witzen über die Geschlechter: Männer! Und Frauen! Total unterschiedlich, die alle! KEINOHRHASEN, ZWEIOHRKÜKEN, WHAT A MAN: Da wird mit Ausdauer in dieselbe Kerbe geschlagen. Aber hoppla - hinter letzterem Film steckt ja gar nicht der Schweiger, sondern dessen Spezi Matthias Schweighöfer. Das merkt man hauptsächlich daran, daß Schweigers Kinder nicht mitspielen.

Aufregende Plakate sind bei Videothekenware selten mit wirklich aufregenden Filmen gleichzusetzen - und doch reizt es einen immer wieder auf's Neue, die Streifen mit den schönsten Groschenheft-Motiven zu begutachten. Im folgenden Gastbeitrag erläutert uns der tapfere Don Arrigone, warum die Empire-Produktion NECROPOLIS in der Liste seiner Lieblingsfilme nicht in den obersten Regionen steht.



Reinkarnation und die ewige Wiederkehr immer gleicher Abläufe – NECROPOLIS behandelt nicht gerade spannungsarme Themen. Aber daß mich beim Ansehen schon bald das Gefühl beschleicht, ein Déjà-Vu zu haben, ist selbst angesichts der Thematik kein gutes Zeichen, sind die Erinnerungen, die (in) mir hochkommen, doch geprägt von immenser Langeweile, die ich schon bei ähnlichem Schrott verspürt habe. Das Nirvana, das mich aus dem ewigen Kreislauf erlöst, scheint weit entfernt. Und so fühle ich mich tatsächlich 70 Minuten Ewigkeit lang, als würde ich nicht mit Herrn Genzel auf einer Couch sitzen, sondern mit dem alten Sisyphos, und als wäre NECROPOLIS ein ungemein schlechter Scherz grausamster Götter (und nicht bloß eine weitere Produktion von Charles Band).

Was macht man, wenn einem Bruce Lee für einen schmissigen Kung-Fu-Film nicht zur Verfügung steht? Ganz klar, man heuert einen seiner vielen Doppelgänger wie Bruce Le, Bruce Lai oder Bruce Li an. Und was macht man, wenn einem die auch nicht zur Verfügung stehen? Gar kein Problem: Der Verleih wird's schon richten. Da nennt man den Film in der deutschen Version ganz einfach BRUCE LEE - SEIN TÖDLICHES ERBE und synchronisiert den Spaß so, als wäre die Hauptfigur der Vetter von Bruce Lee. Der amerikanische Verleiher geht's anders an: Weil dort 1974 die Blaxploitation-Welle in vollem Gange war, packte man den schwarzen Nebendarsteller Ron Van Clief auf das Poster und nannte das Ganze THE BLACK DRAGON. Wo kommt man sich veralberter vor - wenn der Hauptdarsteller ein paar Mal über den sonst nicht auftauchenden Titelhelden Bruce Lee schwadroniert, oder wenn der Mann auf dem Plakat nur ungefähr 15 Minuten lang im Film zu sehen ist?

"You never know who anybody is", sagt die Sekretärin Susan mehrmals. Der reiche Industrielle Jimmy Dell sieht das anders: "Good people, bad people, they generally look like what they are." Die beiden Aussagen sind miteinander verknüpft: Paradoxerweise glauben wir beides, mal das eine, mal das andere, oder wir glauben das eine und handeln nach dem anderen. Es ist ebensowenig möglich, jedem zu mißtrauen, wie man jedem trauen kann.

David Mamets DIE UNSICHTBARE FALLE handelt von einem Betrug, und der Originaltitel weist vage in diese Richtung: THE SPANISH PRISONER ist die Bezeichnung für eine Täuschung, die bis ins 16. Jahrhundert zurückgeht und selbst heute noch in Variationen anzutreffen ist. Da wird einer Zielperson Reichtum und Glück in Aussicht gestellt (gerne auch verbunden mit der Möglichkeit einer romantischen Liaison) - aber weil beides derzeit in der Ferne festgehalten wird, muß die Zielperson erst etwas als Ablöse leisten. Um also gemäß des Namens, den dieser Betrug trägt, die schöne, reiche Gefangene aus Spanien zu befreien, muß das Opfer beispielsweise erst ein vergleichsweise geringes Lösegeld zahlen. Der Trick funktioniert, wenn die Zielperson das versprochene Resultat stark genug will, und genau das bereitet der Trickbetrüger in sorgfältiger psychologischer Manipulation vor.