Dezember 2014

Irgendwann sollte mal jemand ein Buch über das Subgenre des Cheerleader-Films herausbringen. Vielleicht ich? In so einem Nachschlagewerk lernt man dann, alle GIRLS-UNITED-Teile an der Handlung auseinanderzuhalten, man spannt einen historischen Rahmen zu Siebziger-Billigkomödien wie REVENGE OF THE CHEERLEADERS, man gruppiert die netten leicht und noch leichter bekleideten Darstellerinnen wie im Highschool-Jahrbuch, und man redet über solche Cheerleader-Filme, von denen noch nie jemand etwas gehört hat - so wie der vorliegende CHEERBALLS aus dem Jahr 1984, der im Original ein enthusiastisches GIMME AN "F" als Titel trägt. Sollte der mehr oder minder verschollene Streifen irgendwann mal auf DVD wiederveröffentlicht werden, wird er vielleicht als GIRLS UNITED 0 erscheinen, und dann kann man sich wieder mit der Handlung anstrengen. Vielleicht merkt man sich's so leichter: CHEERBALLS ist der Cheerleader-Film, wo Männer mehr nackte Haut zeigen als die ganzen Mädels.
 

Politiker und Nachtclubsängerin: Das wird nichts. Bitteschön, ich habe euch eben anderthalb Stunden Softsexdrama quasi ohne Auslassungen kompakt zusammengefaßt - ihr müßt also BLUE ANGEL CAFE nicht sehen und könnt euch anderen Softsexdramen zuwenden.
"Schatz, deine Disco-Dance-Platten aus den Achtzigern
machen mich ganz heiß ..."
Wenn sich Regisseur Bruno Mattei und Autor Claudio Fragasso an einer Erotikkomödie versuchen, kann man als Kenner italienischer Kleinkunst allerlei erwarten - abgesehen vielleicht von einer brauchbaren Erotikkomödie. Immerhin ist Bruno, der hier als "David Graham" auftritt, der Kopf hinter solchen Granaten wie DIE HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN, CONTAMINATOR oder ROBOMAN, während Fragasso (hier mal wieder als "Clyde Anderson") nicht nur bei all diesen Filmen als Autor beteiligt war, sondern selber als Regisseur unter anderem den - man kann es nicht anders nennen - Knüller TROLL 2 betreut hat. Derart geballte Kompetenz kann natürlich nur bedeuten, daß der vorliegende Film höchst unterhaltsam ausfällt - aus vielleicht nicht ganz beabsichtigten Gründen.
Stefan Müller am Set von BIEST.

Mit seinem Horrorfilm BIEST legte der Grazer Independent-Filmemacher Stefan Müller dieses Jahr einen echten Geheimtip vor. In der Geschichte geht es um Lena und Andi, die einen Ausflug in die Berge machen, um ihre Beziehung zu retten - und dort nicht nur mit ihren privaten Problemen, sondern auch mit dem titelgebenden Biest kämpfen müssen, das schon für ominöse Blutspuren im Schnee gesorgt hat.

Das Bemerkenswerte an BIEST ist es, wie geschickt Müller den Zuseher in den Film hineinzieht: Die Kamera führt uns gemächlich in die Bergwelt, die Story tastet sich nach und nach an die Geschichte der beiden Hauptfiguren heran - und weil diese zerbrochene Beziehung glaubwürdig geschrieben ist und von den beiden großartigen Darstellern Paul Hassler und Stephanie Lexer packend gespielt wird, hängen wir bald emotional an den Figuren. Auch visuell hat der Film vor allem im ersten Part mit seinen weiten, einsamen Berglandschaften einiges zu bieten. Umso erstaunlicher, daß der Film für eine absolute Low-Budget-Summe von nur € 30.000 inszeniert und fertiggestellt wurde.

Im folgenden Interview erzählt uns Stefan Müller, wie der Film zustandegekommen ist, wie es zu einem Gastauftritt von Peter Simonischek kam, wie er inszeniert, welche Gedanken er zum Independent-Filmemachen und zum Genrefilm hat, und einiges mehr.