2013 wurden gleich zwei großangelegte Anschläge auf das Weiße Haus verübt: Erst attackierte Antoine Fuqua in OLYMPUS HAS FALLEN den amerikanischen Regierungssitz, danach demolierte Roland Emmerich in WHITE HOUSE DOWN die Präsidentschaftsbude. An welchem Film orientiert sich also nun der etwas preiswerter produzierte OPERATION OLYMPUS - WHITE HOUSE TAKEN? Richtig: An gar keinem von beiden. Der von Cineastenschreck Uwe Boll inszenierte B-Thriller heißt im Original schlicht SUDDENLY und ist ein Remake eines gleichnamigen Films aus dem Jahr 1954, in dem Frank Sinatra zusammen mit zwei anderen Männern einen Anschlag auf den US-Präsidenten plante. Welches Haus wird nun also in OPERATION OLYMPUS - WHITE HOUSE TAKEN im Zuge dieses Attentats besetzt? Richtig: Ein Einfamilienhaus in einer amerikanischen Kleinstadt, von dem aus man die Hauptstraße überblicken kann. Im Weißen Haus könnte ja jeder drehen.

In dieser Kleinstadt kommt also der Präsident zu Besuch, um vor der versammelten Einwohnerschaft von 20 Statisten Wahlwerbung zu machen. Eine kleine Gruppe von Secret-Service-Agenten plant allerdings die Ermordung des Staatsoberhaupts, das zwar wie Obama aussieht, aber dem trotzdem vom Anführer der Schurken ein sinnloser Irakkrieg vorgeworfen wird. In dem Haus, das die Attentäter besetzen, wohnt eine junge Frau mit ihrem Sohnemann und ihrem Papa, und alle drei werden als Geiseln genommen, weil die unzufriedenen Staatsdiener keine zivilen Verluste schaffen wollen. Später kommt noch der dezent alkoholisierte Cop Todd Shaw dazu, der im Kampf gegen die böse Bande endlich wieder ein Held sein darf.


Man glaubt es kaum, aber die Zusammenfassung der Geschichte - eigentlich nur eine Anhäufung müder Klischées und filmischer Allgemeinplätze - klingt immer noch spannender, als der Film es einlösen kann. Ignorieren wird einmal die Tatsache, daß die Verbindung zu den White-House-Krachern von Fuqua und Emmerich nur vom deutschen Verleih zusammenfabuliert wurde - als Thriller ist dieses Filmchen so oder so eine komplett banale Angelegenheit. Es gibt hier nichts zu sehen, das nicht anderswo schon aufregender durchexerziert worden wäre.

Angesichts des Rufs, den der Regisseur des Films genießt, liegt natürlich die Vermutung nahe, daß der Film von einer inkompetenten Inszenierung versenkt wird - aber das ist gar nicht der Fall: Es ist die Tatsache, daß sich die Inszenierung durch rein gar nichts auszeichnet, die SUDDENLY so unaufregend macht. Es ist kaum ein Kompliment, nur konstatieren zu können, daß die Bilder aneinanderpassen, daß sie ohne Ausfälle das zeigen, was gezeigt werden muß, und daß die Schauspieler durch sie hindurchlaufen, wie es sich gehört: Daß da Basishandwerk vorhanden ist, ist ja eigentlich nur erwähnenswert, weil Boll so gerne zum Stümper vom Format eines Ed Wood hochstilisiert wird.


Aber kein Bild ist je interessant, keine Inszenierungsidee je kreativ, kein Moment je mehr als eine Erinnerung an bessere Ausführungen in anderen Filmen. Boll und sein Kameramann Brendan Uegama filmen in uninteressant ausgeleuchteten Einstellungen das Geschehen ab, ohne auch nur eine Sekunde lang visuelle Spannungen zu erzeugen, die aus der Standardstory wenigstens etwas Oberflächenthrill herausgeholt hätten.

SUDDENLY hat nichts wirklich Gutes und nichts wirklich Schlechtes. Er läuft eben so vor sich hin. Er ist ansehbar - was ebenfalls kaum als Kompliment durchgehen kann. Man springt ja auch nicht vor Begeisterung hoch, wenn ein Romanautor die Formulierung grammatikalisch korrekter Sätze beherrscht.




Operation Olympus - White House Taken (Kanada/USA 2013)
Originaltitel: Suddenly
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Raul Inglis
Kamera: "B. Uegama" (= Brendan Uegama)
Musik: Stu Goldberg
Darsteller: Ray Liotta, Erin Karpluk, Dominic Purcell, Michael Paré, Tyron Leitso, Don MacKay
Share To:

Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

Post A Comment:

0 comments so far,add yours