2014
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Nachdem ich vor ein paar Wochen dank meiner 36 Jahre Weihnachtserfahrung für GMX schon einen Survival-Guide zum Frohen Fest schreiben durfte, kann ich nun noch fünf Überlebens-Tipps für den Jahreswechsel beisteuern.

"Wer sich ins Eskalationsgebiet wagt und womöglich selber am erbarmungslosen Feuergefecht teilnehmen möchte, kann aufatmen: Kevlar-Schutzwesten und entsprechende Helme gibt es bei den üblichen Online-Allesverkäufern schon im unteren dreistelligen Bereich. Ansonsten empfehlen wir, sich ein Vorbild an der Schweiz zu nehmen: Neutral bleiben und von sicherer Warte aus zusehen."
Weiterlesen bei: http://www.gmx.at/magazine/unterhaltung/lifestyle/ueberlebens-tipps-silvester-jahreswechsel-30329838

Irgendwann sollte mal jemand ein Buch über das Subgenre des Cheerleader-Films herausbringen. Vielleicht ich? In so einem Nachschlagewerk lernt man dann, alle GIRLS-UNITED-Teile an der Handlung auseinanderzuhalten, man spannt einen historischen Rahmen zu Siebziger-Billigkomödien wie REVENGE OF THE CHEERLEADERS, man gruppiert die netten leicht und noch leichter bekleideten Darstellerinnen wie im Highschool-Jahrbuch, und man redet über solche Cheerleader-Filme, von denen noch nie jemand etwas gehört hat - so wie der vorliegende CHEERBALLS aus dem Jahr 1984, der im Original ein enthusiastisches GIMME AN "F" als Titel trägt. Sollte der mehr oder minder verschollene Streifen irgendwann mal auf DVD wiederveröffentlicht werden, wird er vielleicht als GIRLS UNITED 0 erscheinen, und dann kann man sich wieder mit der Handlung anstrengen. Vielleicht merkt man sich's so leichter: CHEERBALLS ist der Cheerleader-Film, wo Männer mehr nackte Haut zeigen als die ganzen Mädels.
 

Politiker und Nachtclubsängerin: Das wird nichts. Bitteschön, ich habe euch eben anderthalb Stunden Softsexdrama quasi ohne Auslassungen kompakt zusammengefaßt - ihr müßt also BLUE ANGEL CAFE nicht sehen und könnt euch anderen Softsexdramen zuwenden.

Noch mehr Weihnachtsartikel für GMX: Ich berichte einerseits über solche Filme, die man beim ersten, zweiten und vielleicht auch dritten Nachdenken gar nicht dem Fest der Liebe zuordnen würde - und präsentiere die fünf wahrlich bizarrsten Weihnachtsfilme aller Zeiten. Jawohl, das STAR WARS HOLIDAY SPECIAL ist dabei - aber der ist nur auf Platz 5 ...

STIRB LANGSAM, EYES WIDE SHUT und GREMLINS: Die heimlichen Weihnachtsfilme
"Klassischerweise denkt man bei Weihnachtsfilmen an sentimentale Festtagsgeschichten wie "Der kleine Lord" oder "Ist das Leben nicht schön?", vielleicht auch an gutherzige Komödien wie das Chevy-Chase-Chaos "Schöne Bescherung" oder "Kevin – Allein zu Haus". Weihnachtsprofis mit Sinn für schwarzen Humor fällt aber vielleicht die Horrorkomödie "Gremlins" ein: Da erzählt Phoebe Cates in einer der legendärsten Szenen von ihrem Vater, der als Weihnachtsmann verkleidet den Kamin herabklettern wollte und sich dabei den Hals brach – was die Familie erst Wochen später durch einen merkwürdigen Geruch im Schornstein merkte..."
http://www.gmx.at/magazine/unterhaltung/tv-film/stirb-eyes-wide-shut-gremlins-heimlichen-weihnachtsfilme-30262318

Die 5 bizarrsten Weihnachtsfilme aller Zeiten
Jeder kennt die besinnlichen Filmklassiker zur Festtagszeit, aber daneben gibt es eine ganze Reihe weniger bekannter Streifen, über die man sich teilweise nur wundern kann. Wookieweihnachten, Teufelspläne, Marsmenschen, Nazi-Experimente und mannsgroße Hasen: Wir präsentieren die fünf wahrlich merkwürdigsten Weihnachtsfilm-Auswüchse.
http://www.gmx.at/magazine/unterhaltung/tv-film/5-bizarrsten-weihnachtsfilme-zeiten-30283852

Photo (C) action press / Collection Christophel
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Zu Weihnachten habe ich von GMX einige Aufträge zu Artikeln gekriegt, die sich rund um das Fest der Liebe drehen.

Psychologie des Spendens: Was hinter der guten Tat zu Weihnachten steckt
Warum spenden Menschen zu Weihnachten lieber als sonst im Jahr? Was steckt eigentlich hinter dem Spenden? Und was hält Menschen davon ab, zu spenden? Für den Artikel habe ich Interviews mit Dipl.-Psych. Albrecht Schnabel von der Universität München sowie mit Glücksforscher Dr. Stephan Lermer geführt, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen.
http://www.gmx.at/magazine/geld-karriere/psychologie-spendens-weihnachten-steckt-30288454 

Acht Überlebens-Tipps für die besinnliche Zeit
Etwas weniger ernst: Meine acht Survival-Tipps für die Zeit rund um Weihnachten - inklusive hochpraktikabler Vorschläge, wie man mit "Last Christmas", Verwandtenbesuchen und dem ganzen Konsumrausch fertigwerden kann.
http://www.gmx.at/magazine/unterhaltung/lifestyle/weihnachten-ueberlebens-tipps-besinnliche-zeit-30262316

In diesem Sinne: Frohes Fest!


"Schatz, deine Disco-Dance-Platten aus den Achtzigern
machen mich ganz heiß ..."
Wenn sich Regisseur Bruno Mattei und Autor Claudio Fragasso an einer Erotikkomödie versuchen, kann man als Kenner italienischer Kleinkunst allerlei erwarten - abgesehen vielleicht von einer brauchbaren Erotikkomödie. Immerhin ist Bruno, der hier als "David Graham" auftritt, der Kopf hinter solchen Granaten wie DIE HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN, CONTAMINATOR oder ROBOMAN, während Fragasso (hier mal wieder als "Clyde Anderson") nicht nur bei all diesen Filmen als Autor beteiligt war, sondern selber als Regisseur unter anderem den - man kann es nicht anders nennen - Knüller TROLL 2 betreut hat. Derart geballte Kompetenz kann natürlich nur bedeuten, daß der vorliegende Film höchst unterhaltsam ausfällt - aus vielleicht nicht ganz beabsichtigten Gründen.
Stefan Müller am Set von BIEST.

Mit seinem Horrorfilm BIEST legte der Grazer Independent-Filmemacher Stefan Müller dieses Jahr einen echten Geheimtip vor. In der Geschichte geht es um Lena und Andi, die einen Ausflug in die Berge machen, um ihre Beziehung zu retten - und dort nicht nur mit ihren privaten Problemen, sondern auch mit dem titelgebenden Biest kämpfen müssen, das schon für ominöse Blutspuren im Schnee gesorgt hat.

Das Bemerkenswerte an BIEST ist es, wie geschickt Müller den Zuseher in den Film hineinzieht: Die Kamera führt uns gemächlich in die Bergwelt, die Story tastet sich nach und nach an die Geschichte der beiden Hauptfiguren heran - und weil diese zerbrochene Beziehung glaubwürdig geschrieben ist und von den beiden großartigen Darstellern Paul Hassler und Stephanie Lexer packend gespielt wird, hängen wir bald emotional an den Figuren. Auch visuell hat der Film vor allem im ersten Part mit seinen weiten, einsamen Berglandschaften einiges zu bieten. Umso erstaunlicher, daß der Film für eine absolute Low-Budget-Summe von nur € 30.000 inszeniert und fertiggestellt wurde.

Im folgenden Interview erzählt uns Stefan Müller, wie der Film zustandegekommen ist, wie es zu einem Gastauftritt von Peter Simonischek kam, wie er inszeniert, welche Gedanken er zum Independent-Filmemachen und zum Genrefilm hat, und einiges mehr.

Nev Schulman wurde 2010 mit dem Dokumentarfilm CATFISH bekannt, in dem er über Monate hinweg per Internet mit einer jungen Frau kommunizierte und sich verliebte - nur um dann bei einem neugierigen Überraschungsbesuch feststellen zu müssen, daß sich hinter seiner "Megan" eine ganz andere Person versteckte. Vermarktet wurde das Ganze durch einen geschickten Trailer wie eine Art Psychothriller, tatsächlich war CATFISH aber eine durchaus anrührende Story, bei der nicht nur die bizarren Ausmaße der Online-Lüge faszinierten, sondern auch das menschliche Drama dahinter. Die Authentizität der Geschehnisse wurde wie bei allen solchen "Selbst-Dokus" vehement hinterfragt - aber unabhängig von der Frage, wie echt das Gezeigte tatsächlich sein mag, war CATFISH eine spannende und interessant erzählte Geschichte. Nach dem Durchbruch des Films startete Schulman auf MTV eine gleichnamige Fernsehshow, in der er und sein Team ähnliche Online-Beziehungen untersuchen. Das Wort "Catfish" bezeichnet seitdem jemanden, der sich im Netz als andere Person ausgibt.

Schönere Ferien vom Ich sind vielleicht nie inszeniert worden: In der Verfilmung von Erich Kästners Roman DREI MÄNNER IM SCHNEE tauschen Paul Dahlke, Claus Biederstaedt und Günther Lüders die sozialen Rollen - einer gezielt, der zweite unverhofft und der dritte gezwungenermaßen - und finden als Schelmentrio zu herzlichster Freundschaft. Initiator der Verwechslungsposse ist der Geheimrat Schlüter (Dahlke), ein reicher Großindustrieller, der zum Spaß unter dem Decknamen "Eduard Schulze" an einem Wettbewerb teilnimmt und einen Aufenthalt im Luxushotel gewinnt - wo er als armer Schlucker hinzureisen gedenkt. Nur sein Butler Johann Kesselhut (Lüders) darf mit, muß aber den wohlhabenden Reedereibesitzer spielen, der Schlüter bzw. Schulze gar nicht kennt. Schlüters Tochter und seine Hausdame finden sein Vorhaben kindisch und warnen das Hotel telefonisch vor, daß der anreisende arme Mann in Wahrheit Millionär sei - weshalb die Hotelbelegschaft den anderen Gewinner des Wettbewerbs, den arbeitslosen Werbefachmann Fritz Hagedorn (Biederstädt), von hinten bis vorne verwöhnt, obwohl der tatsächlich ganz mittellos ist.

Nachdem ich unlängst für GMX über die Reality-TV-Show SUPERVUJO berichten durfte, wurde ich gleich im Anschluß daran beauftragt, die jeweils wöchentlich aktuellen Folgen der Schweizer Kuppelsendung BAUER, LEDIG, SUCHT ... zu betexten. Die befindet sich mittlerweile in der 10. Staffel, eingestiegen bin ich vor einem Monat bei Folge 14. Ja, man versteht trotzdem, was passiert: Landwirte kriegen Besuch von einer Dame, ein allzeit bereites Fernsehteam erzählt uns die kleinen Geschichten ihres Kennenlernens, und ich kommentiere beinahe gar nicht spöttisch, was passiert - oder auch nicht.

Folge 14: Liebesfrust und Liebeslust

"Grillen und Entenfüttern am See, Teigkneten in der Küche, Bootsfahrt mit Vorlesen des Horoskops: Womöglich sind das ja genau die Strategien, mit denen auch Hugh Hefner und Richard Lugner operieren."

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Folge 15: Hoffnung und Hochstimmung bei den Bauern

"Bei so viel Zuversicht in Amors Treffgenauigkeit bleibt abzuwarten, ob die nächste Sendng wirklich nur noch mit trautem Entzücken gefüllt ist. Das ist den Paaren natürlich durchaus zu wünschen, auch wenn es der Spannung halber vielleicht doch mal schön wäre, wenn der eine oder andere Traktor nicht bei der periodischen Fahrzeugprüfung durchzukommen droht."

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Folge 16: Funken, Friedenszeiten und Frauenzimmer

"Diesmal kommt Yvonne auf einen Überraschungsbesuch zurück, mit dem Köbi kaum gerechnet haben dürfte: Er hockt alleine und nachdenklich in seiner Küche, begleitet nur von einem einsamen Kamerateam, als plötzlich die Tür aufgeht."

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Folge 17: Verständigung und Veränderung

"Der Traktor wird aber nicht nur zur Gaudi mit dem neuen Foto ausgestattet: Willi fährt damit nämlich zum diesjährigen 'Traktor-Pulling-Event'. Wer sich jetzt schweissgebadete Schweizer vorstellt, die stöhnend schwere Schlepper über steile Steigungen zerren, täuscht sich: Beim Traktor-Pulling geht es darum, mit dem Gefährt einen mit Gewichten beladenen Wagen hinter sich herzuziehen. Das sieht dann fast so aus wie bei THE FAST & THE FURIOUS, nur halt nicht schnell und wild."

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Drei weitere Folgen kommen noch bis zum Ende der 10. Staffel. Diese Texte werden dann ebenso verlinkt.

(Die Links gehen über einen Proxy, weil man auf die Schweizer GMX-Seite nur zugreifen kann, wenn man sich in der Schweiz befindet.)

Der Spieledesigner Guido Henkel ist Freunden klassischer Rollenspiele als Kopf hinter der Trilogie um DAS SCHWARZE AUGE und als Produzent von PLANESCAPE: TORMENT bekannt. Zu seinen frühen Werken gehört das BARD'S-TALE-ähnliche Hack'n'Slay-Rollenspiel SPIRIT OF ADVENTURE, das 1991 erschien und mit knackigem Schwierigkeitsgrad so manche Schweißperle auf der Stirn des geneigten Spielers entstehen ließ.

Nach meinem Bericht über SPIRIT OF ADVENTURE habe ich Guido Henkel kontaktiert, um mit ihm detailliert über das Spiel zu reden. Im folgenden Interview reden wir über die Entstehung des Spiels, die Attic-Geschichte davor und danach, die Inspirationsquellen für verschiedene Elemente des Games, Henkels Probleme mit verschiedenen Publishern und andere Themen, die mit SPIRIT OF ADVENTURE verknüpft sind.

Ich habe ja eine Theorie, daß das, was früher die Reiseberichte und Entdeckergeschichten waren, heute zum sozialen Selbstversuch mutiert ist. Im 19. Jahrhundert konnte man noch diverse blinde Flecken auf der Landkarte ausmachen und sich auf gefährliche Erkundungsreisen begeben, von denen man den Menschen zuhause berichtete. Heute gibt es auf der Welt nicht mehr viel Gebiete zu bereisen, die nicht schon ausgiebig dokumentiert wurden - also beschreiten manche Menschen eben experimentelle Lebenspfade und erzählen von dem, was sie dort erlebt haben. Ob nun Danny Wallace versucht, möglichst viele Menschen dazu zu bringen, einer Sache beizutreten, die eigentlich keinen Inhalt außer dem Beitreten hat (JOIN ME) oder Morgan Spurlock sich selber mit ausschließlicher McDonald's-Ernährung potentiell die Gesundheit ruiniert (SUPER SIZE ME): Die literarischen und filmischen Protokolle dieser Abenteuer lassen uns auf die eine oder andere Weise Bereiche der Welt sehen, die uns bislang verborgen blieben.

Der Filmemacher Joseph Garner hängt seine filmische Reise an einer Website auf: Craigslist, eine amerikanische Anzeigenbörse, in der es zu wirklich jedem Thema Angebote und Gesuche gibt. Garners Ansatz: Weil es immer heißt, daß die Technologie Menschen voneinander entfremdet, will er versuchen, einen Monat lang Amerika zu durchqueren und dabei nur von Kontakten zu leben, die sich durch Craigslist ergeben - Essen, Transport, Unterkunft und alles andere muß sich also durch Angebote regeln lassen, die andere machen, oder durch per Craigslist arrangierte Tauschgeschäfte.


Gestern, am 1. November 2014, ist Static-X-Frontmann Wayne Static gestorben. 48 Jahre alt war er, in ein paar Tagen hätte er Geburtstag gehabt. Die Todesursache ist noch ungeklärt, aber einige Tweets von Musikerkollegen deuten auf eine Drogenüberdosis hin. Ich will das gar nicht wissen, es ist mir egal. Ich will lieber über sein Leben reden als über seinen Tod.

Auf dem Schweizer TV-Sender 3+ lief am 13. und am 20. Oktober der Reality-Zweiteiler SUPERVUJO, in dem der Fußballer Vujo Gavric - bekannt aus der Kuppelshow BACHELOR - Wein, Weib und Gesang frönt. Für die News von GMX.ch habe ich zu beiden Sendungen einen Nachbericht geschrieben:

"Im Discofieber zeigt sich die Sendung ganz auf Augenhöhe mit dem Ex-Bachelor: Die Kamera schaut gerne gezielt auf die Oberweiten der tanzenden Frauen. Vujo lacht sich zwei Mädels an, von denen eine so aufgetakelt ist, dass sie womöglich mit einem ganz anderen Filmdreh gerechnet hat. Weil sie Chanelle heisst und den Spitznamen Coco trägt, fragt Vujo sie, wie sie beim Sex am liebsten genannt werden will. 'Man kann mit ihm über alles reden', schwärmt die dunkelhaarige Freundin später im Interview."

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"Die Damen spielen freilich auch im zweiten Teil von "Supervujo" eine wichtige Rolle, aber das nicht nur in Bezug auf Vujos eigenes Liebesleben: Er avanciert diesmal zum 'Love Coach', um einen hilflosen jungen Mann an der Hand - oder einem anderen Körperteil - durch die furchteinflössende Welt der Rendezvous zu führen. Der hoffnungsfrohe Kandidat heisst Christian, ist gelernter Bäcker und hat Vujos Hilfe offenbar schon so sehnlich erwartet, dass er beim Kennenlernen bereits ein Ansteckmikro trägt."

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(Die Links gehen über einen Proxy, weil die Seite gmx.ch nur von der Schweiz aus direkt aufrufbar ist.)

Was kriegt man, wenn man SAW mit BURIED kreuzt? Gar keine so schlechte Horrorfilmprämisse: Nach einer ausufernden Party spielt ein Wahnsinniger ein perfides Spiel mit dem Mädchen Brie - er hat sechs ihrer Freunde mitsamt ihren Handys in Kisten eingebuddelt, und sie muß nun im Wettlauf gegen die Zeit herausfinden, wo sich die einzelnen Gräber befinden. Und was kriegt man, wenn man diese Geschichte dann ohne Geld und ohne brauchbares Skript verfilmt? Laßt mal, es war eine rhetorische Frage.

Mit der Zeit wird offenbar jede Geschichte zu ihrem eigenen Genre. So wie DER GROSSE FRUST einen steten Strom an ähnlichen Stories inspirierte, in denen Freunde von einst auf ihr bisheriges Leben zurückblicken, ist WALL STREET mittlerweile auch schon eine eigene Schublade: die Geschichte vom aufstrebenden, brillanten jungen Mann, der mit Ausblick auf immensen Reichtum in die Glitzerwelt eines knallharten Geschäfts hineingezogen wird, bis er erfährt, was der wahre Preis für dieses vermeintlich paradiesische Leben ist. RUNNER RUNNER erzählt diese Story vor dem Hintergrund einer Online-Poker-Firma.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wo mein Faible für psychologische Spannung auf engstem Raum angefangen hat. Vielleicht war es Wolfgang Petersens klaustrophobisches Kriegsdrama DAS BOOT, das ich als Kind wegen meiner Faszination für U-Boote gesehen habe; ganz sicher spielte Carl Schenkels 4-Menschen-im-Fahrstuhl-Thriller ABWÄRTS eine große Rolle, den ich in jungen Jahren unzählige Male angeschaut habe. Ich mag es, unterschiedliche Figuren in einer begrenzten Lokalität aufeinanderprallen zu sehen - in einem Raum, den sie nicht verlassen können, und der vielleicht sogar Lebensgefahr bedeutet. Es fasziniert mich, wie in diesen Situationen die Alltäglichkeit abgestreift wird und die Figuren ihre Geheimnisse und wahren Gesichter offenbaren, und gleichzeitig finde ich es spannend, wie Filmemacher mit solch beschränkten Mitteln inszenatorisch umgehen - ob es nun der bühnenhafte Beratungsraum der 12 GESCHWORENEN ist, das verbarrikadierte Haus in DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN oder das Apartment in COCKTAIL FÜR EINE LEICHE.

Auch Robert Kirbysons Low-Budget-Thriller U-BAHN - NÄCHSTER HALT: TERROR (im Original einfach RED LINE) bugsiert sein kleines Ensemble in kürzester Zeit in einen abgeschlossenen Raum, in dem sie bis zum Filmende bleiben werden: In einer U-Bahn in Los Angeles wird ein Bombenanschlag verübt, und ein paar überlebende Passagiere sind nun in dem verschütteten Tunnel gefangen. Während sie einen Ausweg suchen, finden sie eine zweite Bombe - und der Verdacht keimt auf, daß der Terrorist vielleicht als Selbstmordattentäter noch unter ihnen sein könnte ...

Eifrige Archäologen der Untiefen meines Blogs wissen es schon: Ich habe kein sehr enges Herz, wenn es um europäisches Genrekino vergangener Dekaden geht. So ist es auch kaum verwunderlich, daß mein Horrorseelchen schon einen Hüpfer macht, wenn in dicken roten Lettern die schaurigen Worte ZOMBI HOLOCAUST auf dem Schirm erscheinen und dazu tiefergelegte Analogsynths wohlig brummen. Glücklicherweise ist der folgende Film auch so irrwitzig und entzückend hanebüchen, wie es der reißerische Titel verspricht!

Das Wörtchen "Holocaust" geisterte eine Zeitlang wie ein Logo durch das Bahnhofskino: Man erkannte daran die Extremfilme italienischen Ursprungs, die mit grenzüberschreitenden Gore-Effekten die Lust am Nervenkitzel ausloteten. Es gab den CANNIBAL HOLOCAUST, es gab einen JUNGLE HOLOCAUST, der HOLOCAUST 2000 drohte, man konnte einen BLUE HOLOCAUST erspähen oder sich auf den PORNO HOLOCAUST freuen. Mittendrin gab es halt auch noch den ZOMBI(E) HOLOCAUST, dessen deutscher Titel zeigt, welche beiden Strömungen des Italo-Genrekinos hier zusammenfanden: ZOMBIES UNTER KANNIBALEN. Hamm-hamm.

Unglaublich, wie sich INKOGNITO abplagt, um zu seiner eigentlichen Geschichte zu kommen: Ein 29jähriger Börsenmakler namens Andrew Morenski geht als Schüler verkleidet auf die Highschool seines jungen Cousins. Das macht er, weil er in zwielichtige Geschäfte mit der Mafia verwickelt war und nun von Killern gejagt wird, die sicherstellen wollen, daß er bei einem anstehenden Prozeß nicht aussagen kann. Und weil er sich nicht ausreichend beschützt fühlt vom FBI, taucht er unter falschem Namen an besagter Schule unter.

Daß sich Andrew in der Gegenwart des FBI nicht sicher fühlt, liegt nicht ausschließlich an denen. Nach einiger Zeit in einem bewachten Versteck wird unser Zeuge nämlich quengelig und will aus dem Haus. Er überredet die beiden für ihn abgestellten Agenten, mit ihm in ein Diner essen zu gehen. Dort sitzt auch prompt ein fieser Attentäter, der einen der FBI-Leute erschießt und den anderen verwundet - Andrew kann mit knapper Not entkommen. Wahrscheinlich hat die Mafia in jedem Diner Amerikas sicherheitshalber einen Killer postiert, der etwaige wichtige Zeugen abpassen kann, wenn sie mit ihren Bodyguards mal nicht nur vom Pizzalieferanten verköstigt werden wollen.

"Ein Gentleman kann keine Wette ablehnen", sagte einst Kult-Regisseur Richard Stanley. So mußte ich also schon um der Ehre willen die Herausforderung annehmen, trotz möglicher Zielgruppenverfehlung alle fünf TWILIGHT-Filme hintereinander anzusehen - dankenswerterweise in einem Zeitraum von 72 Stunden und nicht an nur einem einzigen Tag - und hinterher wohlfeile Worte darüber zu verfassen. Nun denn: Widmen wir uns mit angespitztem Auge den Abenteuern von Bella Swan.

Die Siebziger waren eine gefährliche Zeit im Kino. Flugzeuge drohten abzustürzen, U-Boote gingen unter, Wolkenkratzer brannten nieder, Achterbahnen brachen zusammen, Kreuzfahrtschiffe kippten um, am Strand wurde man von Haien weggeknuspert. Manchmal war Charlton Heston dabei, gerne auch George Kennedy - wenn letzterer neben einem im Flugzeug saß, war es sicherlich angeraten, auf dem Boden zu bleiben. Nur daß einen dort flugs ein gewaltiges Erdbeben erwischen konnte, vor dem einen nicht einmal Heston und der Katastrophen-Kennedy zusammen sicher beschützen konnten.

ERDBEBEN erschien 1974, zur schönsten Katastrophenfilmzeit, und er zieht seinen Zusammenbruch von Maschinerie und alltäglichen Vorgängen wie so ziemlich jeder andere solche Genrestreifen auf: Durch das Spektakel führt eine ganze Fußballmannschaft an Stars, mit denen zunächst dramatische Einzelschicksale erzählt werden, bevor das Großereignis dann das eine oder andere Problem in Perspektive rückt. Ein Erdbeben mit 9,9 auf der Richterskala wiegt eben schwerer als ein paar läppische Eheprobleme - auch wenn die betrogene, entfremdete Frau das den gesamten Film über anders zu sehen scheint.
Noch sind Joe (Alan Cummings) und Sally (Jennifer Jason Leigh) glücklich ...
Der Schriftsteller Joe und die Schauspielerin Sally laden zu ihrer sechsjährigen Hochzeitsfeier ein. Im Kreis diverser Freunde und Bekannter aus dem Showbusiness verbringen sie eine ausschweifende Nacht in ihrem mondänen Hollywood-Anwesen - aber so unbekümmert, wie es den Anschein hat, ist der Abend nicht: Joe und Sally haben nach einer Trennung jetzt erst wieder zueinander gefunden und kämpfen noch mit Spannungen. Mit den höflichkeitshalber eingeladenen Nachbarn gab es über die Jahre hinweg immer wieder Zoff, Sally ist als Schauspielerin ausgebrannt, ihr Regisseur verzweifelt, und Joe hat für die Verfilmung seines autobiographischen Bestsellers, bei dem er selber Regie führen darf, nicht etwa Sally als Hauptrolle angeheuert, sondern einen weitaus jüngeren Shooting Star. Im Alkohol- und Drogenrausch kochen in der Gesellschaft nach und nach die Emotionen über ...

Der Versuch einer Neuverfilmung der Rühmannschen Schulposse DIE FEUERZANGENBOWLE - eine der beliebtesten und meistzitierten Komödien aus dem deutschsprachigen Raum - ist im Prinzip nicht so frevelhaft, wie man meinen könnte: Immerhin wurde der zugrundeliegende gleichnamige Roman von Heinrich Spoerl schon 1934 unter dem Titel SO EIN FLEGEL einmal verfilmt - recht lose an der Vorlage orientiert und durchaus mit eigenen Reizen. Und weil die nostalgische Geschichte um Schülerstreiche und kauzige Lehrerfiguren völlig zeitlos ist, ist der Gedanke nicht abwegig, sie für eine neue Generation frisch aufzubereiten.

Kokohasen, Keinschweigerküken, Dreiohrwääh: Schön langsam wird es schwierig, die Familien- und Beziehungskomödien von Til Schweiger auseinanderzuhalten - und das nicht nur, weil sie bei Fortsetzungen einfach mal dasselbe Plakatmotiv verwenden. Inszenierung und Soundtrack bleiben ebenso gleich wie das Schauspielensemble, der Mario-Barth-Humor über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie die Bad-Taste-Einlagen für maximalen kommerziellen Erfolg. Selbst Adam-Sandler-Komödien loten mehr Spielraum im Genre aus.

Ex-Bond liebt Ex-Bond-Girl ... und viele andere Frauen: Auf dem deutschen VHS-Cover zu Sergio Garrones Schmusedrama DER LETZTE HAREM steht George Lazenby, 1969 Connery-Nachfolger im Bond-Film IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT, umringt von zahlreichen schnuckeligen und spärlich bekleideten Damen. Ganz anders als im Film selbst, wo die zahlreichen schnuckeligen und spärlich bekleideten Damen die meiste Zeit ohne Lazenby herumstehen, weil sie in seinem Harem leben und frustriert sind, weil er sie alle vernachlässigt.

Ich gestehe: So ganz verstehe ich das Subgenre "Frauengefängnisfilm" nicht. Oh, ich kapiere durchaus die Muster hinter diesen hübsch reißerisch aufgezogenen Stories: Hinter Gittern herrscht Sodom und Gommora. Die eingesperrten Leicht- und Schwerverbrecherinnen fallen hemmungslos übereinander her, Gewalt ist an der Tagesordnung, und die Wärter und Wärterinnen machen von ihrer Machtposition Gebrauch und mischen bei der Sex-und-Gewalt-Tagesplanung eifrig mit. Es lebe die Phantasie! Aber, um es mal neudeutsch zu sagen, den Appeal der Chose checke ich nicht völlig. Vermutlich liegt es daran, daß ich zwar weder etwas gegen Schmuddelphantasien habe noch gegen reißerisches Exploitation-Kino, aber mir die genussfreudigen Damendramen dann doch lieber in Settings ansehe, wo niemand nebenher verprügelt und gefoltert wird.

In einer der alten Donald-Duck-Geschichten von Carl Barks, dem Erfinder und Zeichner dieses cholerischen Pechvogels, versucht der Patriarch, die drei Neffen Tick, Tick und Track in die Badewanne zu bewegen, aber die sträuben sich und leisten einen Schwur: "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr!" Daß da in einem Comic ganz beiläufig Schillers WILHELM TELL persifliert wird, verdanken wir der deutschen Übersetzerin Dr. Erika Fuchs, die mit Sprachwitz und Belesenheit eine ganz eigene Version dieser Geschichten kreierte. In seinem Buch NUR KEINE SENTIMENTALITÄTEN! - WIE DR. ERIKA FUCHS ENTENHAUSEN NACH DEUTSCHLAND VERLEGTE arbeitet Ernst Horst in lockerem Plauderton das Besondere an Fuchs' Übersetzungen heraus.

Bei der Abschlußzeremonie an der Harvard-Universität im Jahr 1870 gibt der Dekan den Elitestudenten einen Bildungsauftrag mit in die Welt: "It doubly behooves us to look well to the influence we may exert. A high ideal: the education of a nation." Viele dieser Studenten aus reichem Haus werden zukünftig die Geschicke des Landes lenken, und sie sollen es kultivieren. Der Jahrgangssprecher zieht seine nachfolgende Rede weitaus weniger ernst auf, reimt und witzelt sich durch eine Entgegnung, die letzten Endes ankündigt, daß die Dinge immer so bleiben werden, wie sie sind: "We disclaim all intention of making a change in what we esteem on the whole well-arranged."

Da ist sie wieder, diese Diskrepanz zwischen dem Ideal und der Realität Amerikas - eine Kluft, die sich immer wieder in Michael Ciminos Filmen niederschlägt, manchmal als melancholisches Gefühl, daß etwas schiefläuft im Land, wie in DEN LETZTEN BEISSEN DIE HUNDE, und manchmal als vage Ambivalenz zwischen Verehrung und Desillusion, wie in der Schlußszene von DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN. Nirgends aber ist diese Ernüchterung über das Land spürbarer und expliziter eingefangen als in Ciminos drittem Film, dem monumentalen Spätwestern HEAVEN'S GATE - DAS TOR ZUM HIMMEL.

This is this. This ain't something else." Michael hält eine Gewehrpatrone hoch und zeigt sie seinem Freund Stan, der mit ihm und einigen anderen Freunden in die Berge auf die Jagd gefahren ist. Die Burschen albern herum, aber Michael ist wütend, daß Stan die Jagd nicht ernst nimmt. "This is this. From now on, you're on your own", sagt er. Was genau meint er?

Möglich, daß er hauptsächlich auf die Ernsthaftigkeit des Jagens anspielt: Eine Kugel entscheidet über Leben und Tod. Aber er könnte auch etwas anderes meinen. Zuvor hat Michael schon über seine Überzeugung geredet, daß nur ein einzelner Schuß zählt. "One shot is what it's all about. A deer's gotta be taken with one shot", erklärt er. Es ist wie der Ehrenkodex eines Jägers und im weiteren Sinne eine Lebensphilosophie: Man konzentriert sich auf den einen Moment, der zählt. Eine weitere Chance kommt möglicherweise nicht. Vielleicht meint er das, wenn er die Patrone hochhält und sagt, "This is this". Wir können nur mutmaßen.

"If I knew the way I'd go back home
But the countryside has changed so much
I'd surely end up lost ..."

Mit diesen Worten beginnt der Paul-Williams-Song "Where Do I Go From Here", der kurz nach Anfang von DEN LETZTEN BEISSEN DIE HUNDE angespielt wird und später nochmal über den Abspann erklingt. Nach außen hin ist der Film eine Mischung aus Buddy-Roadmovie und Raubzugkrimi, aber durchzogen ist die Geschichte von vorne bis hinten von der Desillusion: Amerika hat sich verändert, und die Menschen haben sich im Land verlaufen.

So einfach kann man dem Älterwerden entgehen: Nur nichts anmerken lassen. Wenn Reinhold Messner mit 60 noch die Wüste Gobi durchqueren kann und Rock'n'Roll-Urgesteine wie die Stones im kollektiven Alter von 6200 Jahren die Bühnen bespringen, als würde es für jede volle Dekade Treuepunkte geben, dann kann so ein Actionstar von gestern schon gleich dreimal so tun, als wäre der Fortschritt der Zeit nur eine debattierbare Theorie.

Früher wurde noch gerne gelästert über Kinohelden, die in die Jahre kommen - obwohl genau das sie ja menschlich machte. Aber dann ackerte sich Sylvester Stallone - in den Achtzigern gewissermaßen ein eigenes Filmgenre und seit seinem Durchbruch ROCKY die pure Personifikation der Maxime, daß man nur stur genug sein muß, um aus dem Wunsch Wirklichkeit zu machen - in einem Alter, in dem andere mit dem Kreuzworträtseln beginnen, nochmal den Körper auf hundertachzig und kämpfte sich durch Fortsetzungen von RAMBO und ROCKY, die nicht nur ihm ein Comeback als Actionstar verschafften, sondern auch andere Männer jenseits der 50 ermutigten, weiterhin dem Körperkino zu frönen. "Ich war ungefähr 400 Jahre zu alt für die Rolle", sagte einst Roger Moore zu seinem letzten Bond-Film IM ANGESICHT DES TODES, bei dem er gerade mal 58 war. Heute würde es einen nicht überraschen, wenn er mit seinen mittlerweile 87 Jahren im nächsten Stallone-Film noch mal ebensoviele Terroristen abfrühstücken würde.

Lieber Griff!

Wir vom Syfy-Channel freuen uns, dir hiermit die Regie bei unserem jüngsten Programmfüller anbieten zu können: ARACHNOQUAKE. Wie du ja weißt, sind Katastrophen-Kombinationen derzeit in, und so wollen wir auch diesmal wieder wie zum Beispiel bei ALIEN TORNADO, SHARKTOPUS oder PIRANHACONDA zwei Katastrophen zur Lauflänge von einer bieten. Da du, werter Griff, ja schon Erfahrung mit billig produziertem Unfug hast - zum Beispiel dank 100 MILLION BC oder SWAMP SHARK - qualifizierst du dich optimal für diesen unseren jüngsten Schrott.

Dank des Titels erklärt sich die Handlung ja eigentlich schon von selber, und mehr mußt du dir auch gar nicht ausdenken - Ideen sind kostbar, und wir wollen nicht mehrere auf einen einzelnen Film verschwenden. Unsere Hauptfigur, mit der unsere wahllos zusammengewürfelten Opfer gegen die vom Erdbeben aufgeweckten Riesenspinnen ins Feld ziehen, ist ein unzuverlässiger, gern schon in der Früh dezent alkoholisierter Busfahrer. Da haben wir natürlich sofort an Edward Furlong gedacht - du weißt schon, der war in der Fortsetzung von diesem einen Achtziger-Jahre-Hitfilm, welcher war das gleich ... ach ja: FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE II - aber Edward wollte lieber den anderen Busfahrer spielen, der mit einer Ladung junger Softball-Spielerinnen durch die Gegend gurkt. Um Eddie zu zeigen, wer hier der Boß ist, haben wir seine Szenen prompt auf das Notwendigste reduziert.

What a Man, dieser Til Schweiger: erfolgreicher Filmstar mit Millionenpublikum, Autor, Produzent, Regisseur und regelmäßiger Lieferant bundesdeutscher Komödienhits. Diese Filme bieten immer wieder ein Potpourri aus Beziehungsnöten, Mainstream-Soundtrack, Derbheiten und ganz vielen Witzen über die Geschlechter: Männer! Und Frauen! Total unterschiedlich, die alle! KEINOHRHASEN, ZWEIOHRKÜKEN, WHAT A MAN: Da wird mit Ausdauer in dieselbe Kerbe geschlagen. Aber hoppla - hinter letzterem Film steckt ja gar nicht der Schweiger, sondern dessen Spezi Matthias Schweighöfer. Das merkt man hauptsächlich daran, daß Schweigers Kinder nicht mitspielen.

Aufregende Plakate sind bei Videothekenware selten mit wirklich aufregenden Filmen gleichzusetzen - und doch reizt es einen immer wieder auf's Neue, die Streifen mit den schönsten Groschenheft-Motiven zu begutachten. Im folgenden Gastbeitrag erläutert uns der tapfere Don Arrigone, warum die Empire-Produktion NECROPOLIS in der Liste seiner Lieblingsfilme nicht in den obersten Regionen steht.



Reinkarnation und die ewige Wiederkehr immer gleicher Abläufe – NECROPOLIS behandelt nicht gerade spannungsarme Themen. Aber daß mich beim Ansehen schon bald das Gefühl beschleicht, ein Déjà-Vu zu haben, ist selbst angesichts der Thematik kein gutes Zeichen, sind die Erinnerungen, die (in) mir hochkommen, doch geprägt von immenser Langeweile, die ich schon bei ähnlichem Schrott verspürt habe. Das Nirvana, das mich aus dem ewigen Kreislauf erlöst, scheint weit entfernt. Und so fühle ich mich tatsächlich 70 Minuten Ewigkeit lang, als würde ich nicht mit Herrn Genzel auf einer Couch sitzen, sondern mit dem alten Sisyphos, und als wäre NECROPOLIS ein ungemein schlechter Scherz grausamster Götter (und nicht bloß eine weitere Produktion von Charles Band).

Was macht man, wenn einem Bruce Lee für einen schmissigen Kung-Fu-Film nicht zur Verfügung steht? Ganz klar, man heuert einen seiner vielen Doppelgänger wie Bruce Le, Bruce Lai oder Bruce Li an. Und was macht man, wenn einem die auch nicht zur Verfügung stehen? Gar kein Problem: Der Verleih wird's schon richten. Da nennt man den Film in der deutschen Version ganz einfach BRUCE LEE - SEIN TÖDLICHES ERBE und synchronisiert den Spaß so, als wäre die Hauptfigur der Vetter von Bruce Lee. Der amerikanische Verleiher geht's anders an: Weil dort 1974 die Blaxploitation-Welle in vollem Gange war, packte man den schwarzen Nebendarsteller Ron Van Clief auf das Poster und nannte das Ganze THE BLACK DRAGON. Wo kommt man sich veralberter vor - wenn der Hauptdarsteller ein paar Mal über den sonst nicht auftauchenden Titelhelden Bruce Lee schwadroniert, oder wenn der Mann auf dem Plakat nur ungefähr 15 Minuten lang im Film zu sehen ist?

"You never know who anybody is", sagt die Sekretärin Susan mehrmals. Der reiche Industrielle Jimmy Dell sieht das anders: "Good people, bad people, they generally look like what they are." Die beiden Aussagen sind miteinander verknüpft: Paradoxerweise glauben wir beides, mal das eine, mal das andere, oder wir glauben das eine und handeln nach dem anderen. Es ist ebensowenig möglich, jedem zu mißtrauen, wie man jedem trauen kann.

David Mamets DIE UNSICHTBARE FALLE handelt von einem Betrug, und der Originaltitel weist vage in diese Richtung: THE SPANISH PRISONER ist die Bezeichnung für eine Täuschung, die bis ins 16. Jahrhundert zurückgeht und selbst heute noch in Variationen anzutreffen ist. Da wird einer Zielperson Reichtum und Glück in Aussicht gestellt (gerne auch verbunden mit der Möglichkeit einer romantischen Liaison) - aber weil beides derzeit in der Ferne festgehalten wird, muß die Zielperson erst etwas als Ablöse leisten. Um also gemäß des Namens, den dieser Betrug trägt, die schöne, reiche Gefangene aus Spanien zu befreien, muß das Opfer beispielsweise erst ein vergleichsweise geringes Lösegeld zahlen. Der Trick funktioniert, wenn die Zielperson das versprochene Resultat stark genug will, und genau das bereitet der Trickbetrüger in sorgfältiger psychologischer Manipulation vor.

Wie der ewige Pilger sitzt er in seiner Limousine und lässt sich durch die Schweiz fahren. Neben ihm seine Frau, die schweigt, wenn sie nicht gerade mit ihm Französischvokabeln für einen TV-Auftritt übt. Und immer ist die Kamera auf ihn gerichtet, während er wie ein abgekapselter Raumfahrer durch das Land gleitet und seine Ideen verbreitet – die der Mann hinter der Kamera nicht eine Sekunde lang teilt.

Christoph Blocher ist das, was man euphemistisch als "nicht unumstritten" bezeichnet: Ein Politiker der extremen Rechten, der mit populistischen Mitteln und zur Schau gestellter Bodenständigkeit Angst schürt, um sein Land vor allem gegen Zuwanderung von außen abzuschotten. Ein Milliardär, der mit fragwürdigen Mitteln sein Vermögen vermehrt und dabei auch schon mal eine Schlüsselrolle in einem Skandal um Insiderhandel spielt. Ein Demagoge, der mit Witz und Wortgewandtheit Menschen auf seine Seite zieht.

Hat schon einmal jemand einen Ninja-Film gesehen, der auch nur annähernd so großartig war wie sein Videocover? Es ist schwer, die Faszination in Worte zu packen, die man vor allem als Jugendlicher vor solchen VHS-Motiven wie dem von KILLER NINJAS entwickeln konnte: Das mußte man doch einfach sofort sehen. Dicke Wummen, muskelbepackte harte Burschen, Hubschrauber, Panzer, Action pur, alles in schicken Farben - und mitten drin auch noch Ninjas! Ninjas machen einfach alles cool. Naja, alles außer den Filmen, die sich hinter diesen Covern verbargen.

Eigentlich ist die U-BOOT ACADEMY gar kein Vertreter des in den Achtzigern so beliebten Academy-Subgenres: Wie bei vielen anderen Filmen (DRIVING ACADEMY, FBI ACADEMY, ...) war es der deutsche Verleih, der dem Film die Nähe zur immens erfolgreichen POLICE-ACADEMY-Reihe geben wollte. Und doch paßt GOING UNDER, wie die U-BOOT ACADEMY im Original heißt, perfekt zu dieser Komödienspielart, in der die Unfähigen auf eine altehrwürdige Institution oder ein ganz nüchternes Berufsfeld losgelassen werden.

Im Prinzip waren die Academy-Filme kleine Oden an den Außenseiter: Hier standen die Spinner und die Seltsamen im Zentrum der Geschichten und waren ihre Helden, während die ordnungsliebenden Normalos als unsympathische Gegenspieler fungierten. Es war erfrischend, einmal nicht die Supercops zu sehen, die knallharten Ermittler, die Besten ihres Feldes, sondern sich komische Käuze in diesen Rollen vorzustellen; einmal nicht die aufrechten Führungspersönlichkeiten abzufeiern, sondern die sozial Schwachen und die unsicheren Eigenbrötler das gewohnte Erfolgsprinzip unterwandern zu sehen. Natürlich waren diese Ausgeflippten als Karikaturen angelegt, aber sie waren liebevoll gezeichnet und hielten zusammen - und wir waren eingeladen, mit ihnen die kleinen Triumphe gegen das System zu feiern. Die Academy-Filme waren das perfekte Gegenmittel zum Narrativ der Leistungsgesellschaft.

Wo manche Leute Probleme sehen, sehen andere Lösungen. Der tragische Tod von Bruce Lee im Jahr 1973 war so ein Problem - immerhin hatte sich der Martial-Arts-Star mit nur einer Handvoll an Filmen, viel Kampfkunst und etwas Lebensphilosophie zur höchst erfolgreichen Marke entwickelt. Wie verkauft man den Fans also nun die ganzen Kung-Fu-Filme, wenn das größte Zugpferd weg ist? Ganz einfach: Man heuert Leute an, die auch kämpfen können, und verkauft sie dem Publikum als Original. Über 100 Filme entstanden in den Jahren nach Lees Tod mit Darstellern, die Bruce Le, Bruce Li, Bruce Lai, Bruce Ly oder - Bonuspunkte für Cleverness - Lee Bruce hießen und dem Vorbild nicht unähnlich sahen - vor allem für westliche Zuseher, die einen Asiaten nicht vom anderen unterscheiden können. Bei uns nahm man das wie so oft auch mit der Namensgebung nicht so ganz genau und pappte ganz einfach den Namen "Bruce Lee" darauf. Problem gelöst, die Geldzirkulation geht weiter.

Es wird gerne bestritten, aber es ist wahr: Horrorfilme regen zum Nachahmen an. Zumindest Filmproduzenten, die bei erfolgreichen Gruselstreifen reflexartig die Scheckbücher zücken, um über Jahre hinweg ähnlich geartete Filme zu ermöglichen. Schon Anfang der Achtziger war der Slasherfilm mehr Replik als Risiko: So eine gut gemachte Schauermär über einen unaufhaltsamen Irren funktioniert eben auch beim hundertzwölften Aufguß noch immer als sichere Bank. Nachdem Wes Cravens SCREAM dem Traditionsgenre 1996 wieder Aufwind gegeben hat, sprangen Hollywoods Geldgeber wie die Nachahmungstäter erneut auf alles, was mit Maske und Messer herumlaufen könnte - nur daß es diesmal die großen Studios waren, die die neue Slasherwelle fortführten. Nachdem sie sich Anfang der Neunziger mit eher literarisch orientierten Horrorstoffen wie DRACULA und INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR an das zuvor so disreputable Genre herangewagt hatten, war jetzt der Punkt gekommen, wo das Killerkino zum Mainstream-Event werden konnte.

Mit dem Titel ROSEN IM HERBST positioniert sich die zweite Verfilmung von Theodor Fontanes Gesellschaftsroman EFFI BRIEST (nach DER SCHRITT VOM WEGE von 1939) schon im Vorfeld im Heimatkino der Wirtschaftswunderjahre, verweist aber auch schon auf seine pessimistischeren Absichten: Im Gegensatz zu Titeln wie TAUSEND ROTE ROSEN BLÜHN oder WENN DIE ALPENROSEN BLÜH'N stehen die Blumen hier schon symbolisch kurz vor dem Verwelken. Und doch ist Rudolf Jugerts Version aus dem Jahr 1955 von der Ästhetik und vom Duktus her zunächst ganz dem Heimatdrama dieser Dekade verschrieben, von der Inszenierung über die Bildsprache bis hin zur Dramaturgie.

Es wird der Punkt kommen, an dem die Realfilme von Wes Anderson künstlicher wirken als sein Animationsfilm DER TALENTIERTE MR. FOX. Andersons Inszenierungen waren schon immer celluloidgewordener Spleen, das Artifizielle stets Quintessenz seiner Geschichten; unter der Verschrobenheit und der demonstrativen Naivität blickte er aber mit warmherziger Melancholie auf menschliche Beziehungen und eine schwer zu greifende Sehnsucht nach besseren Zeiten. Sein mittlerweile achter Spielfilm THE GRAND BUDAPEST HOTEL taucht in die Skurrilität ein, als wären die vorigen Werke nur Trockenübungen gewesen, aber leider findet sich diesmal nichts unter der Oberfläche.

Ich hadere mit Paul Thomas Andersons MAGNOLIA, den ich mir in den letzten paar Wochen gleich zweimal angesehen habe. Es ist ein ausuferndes Ensemblestück über die Schicksale verschiedener Personen, die mit der Vergangenheit ringen und nach Vergebung suchen; der Film ist ein dicht gewobenes Netz aus großen Themen und kleinen Momenten, aus scharf porträtierten Figuren und ambivalent gezeichneten Situationen, aus souveräner Erzählkunst und filmischer Virtuosität. Und doch habe ich das Gefühl, dem Film gewissermaßen widersprechen zu müssen, weil er all seine Pracht in den Dienst einer Weltsicht stellt, die ich nicht teilen kann. Oder will.

Der Rock'n'Roll ist eine Phantasie, die nicht gelebt werden kann. Sex, Drogen, Anarchie, Dauerparty: Das ist ein Lebensmodell, das nach außen hin reizvoll erscheint, weil es Vergnügen ohne die lästigen Verpflichtungen der Wirklichkeit verspricht. In Wahrheit aber läuft die Dauerexistenz im Rock'n'Roll-Lifestyle früher oder später auf die Selbstzerstörung hinaus: Wir haben gesehen, wohin der Ruhm Kurt Cubain getrieben hat, was der Exzess aus Courtney Love gemacht hat, wie es Jim Morrison im Rockstardasein ergangen ist. Wer in dieser Welt leben und überleben will, kann sie nur als Business verstehen und die Phantasie weniger leben, als sie anderen zu verkaufen. Iron Maiden, AC/DC, die Rolling Stones: Das sind primär mal Geschäftsmodelle, die deswegen funktionieren, weil sie uns nicht als solche erscheinen. Wir nehmen diese Phantasie gerne an, weil sie attraktiver erscheint als die Realität hinter den Kulissen; von dem Businessmeeting, in dem die Rückkehr von Maiden-Sänger Bruce Dickinson wegen sinkender Verkaufszahlen beschlossen wird, wollen wir nichts wissen.

Es ist eines der einprägsamsten und gleichzeitig ernüchterndsten Beziehungsbilder des klassischen deutschen Schlagers: Die lesebesessene Ehefrau geht jeden Abend pünktlich um halb zehn ins Bett, um sich ihren geliebten Krimis zu widmen, und dem vernachlässigten Ehemann bleibt nur der Suff. "Mimi hat den Krimi und die Interpol, und ich den Alkohol", konstatierte der Amerikaner Bill Ramsey in seinem mit hübsch gerolltem "r" vorgetragenen Song, und mittendrin ist noch der vielleicht viel größere Vorwurf, daß Mimis Lektüre nicht nur wegen brennender Nachttischlampe den Schlaf stört, sondern auch statt der Bildung die pure Ersatzlust zum Ziel hat: "Keinen Goethe, keinen Schiller holt sie aus dem Schrank heraus / Nein, einen superharten Thriller sucht sich Mimi aus". Da soll noch einer behaupten, im Schlager würden keine Tragödien behandelt werden.

2013 wurden gleich zwei großangelegte Anschläge auf das Weiße Haus verübt: Erst attackierte Antoine Fuqua in OLYMPUS HAS FALLEN den amerikanischen Regierungssitz, danach demolierte Roland Emmerich in WHITE HOUSE DOWN die Präsidentschaftsbude. An welchem Film orientiert sich also nun der etwas preiswerter produzierte OPERATION OLYMPUS - WHITE HOUSE TAKEN? Richtig: An gar keinem von beiden. Der von Cineastenschreck Uwe Boll inszenierte B-Thriller heißt im Original schlicht SUDDENLY und ist ein Remake eines gleichnamigen Films aus dem Jahr 1954, in dem Frank Sinatra zusammen mit zwei anderen Männern einen Anschlag auf den US-Präsidenten plante. Welches Haus wird nun also in OPERATION OLYMPUS - WHITE HOUSE TAKEN im Zuge dieses Attentats besetzt? Richtig: Ein Einfamilienhaus in einer amerikanischen Kleinstadt, von dem aus man die Hauptstraße überblicken kann. Im Weißen Haus könnte ja jeder drehen.

STATIC ist das beste Beispiel dafür, daß das Handwerk nichts nützt, wenn es nichts zu erzählen gibt. Es ist ein Einbruchsthriller, bei dem ein zurückgezogen lebendes junges Ehepaar von seltsamen maskierten Gestalten im eigenen Haus terrorisiert wird - und als solcher ist er natürlich auf eine gewisse mechanische Weise spannend, weil die Vorstellung, daß finstere Männer in die Sicherheit der eigenen vier Wände eindringen wollen und es wohl nicht nur auf das Tafelsilber abgesehen haben, eine gewisse Grundangst anspricht. Oberflächlicher filmischer Thrill ist ebenso einfach wie wirksam, wenn man einen Mann mit Gasmaske durchs Fenster schauen läßt.

Es ist schwer, einen Film aus dem Jahr 1998 zu finden, der schlechter weggekommen ist als die starbesetzte Kinoauflage der alten britischen TV-Kultserie MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE. Damals bestritten Patrick Macnee und Diana Rigg mit unaufgeregter Eleganz und viel Selbstironie absurde Spionageabenteuer, während sie sich süffisante Bonmots zuwarfen. Die Kinoversion, die dreißig Jahre nach Ende der Serie die AVENGERS (wie sie im Original heißen) in die Gegenwart holen sollte, zeigte schon im Vorfeld Probleme: Die ursprüngliche Schnittfassung von Regisseur Jeremiah Chechik wurde um über zwanzig Minuten gekürzt, der Film selber der Presse vorab nicht gezeigt - selten ein gutes Zeichen. Nach dem Start erntete MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE fast ausnahmslos vernichtende Kritiken und ging an der Kinokasse hoffnungslos unter. Was ging da schief? Eine ganze Menge.

Man wird das Gefühl nicht los, daß ESCAPE PLAN ungefähr 25 Jahre zu spät die Kinos erreicht: In den Achtzigern wäre es ein Knüller gewesen, zwei der größten Actionstars der Welt, die im Alleingang schon so oft die Welt vehement nach ihrer Vorstellung geformt haben, im Team zu sehen und ihren (freilich eher medial inszenierten als in realitas vorhandenen) Wettstreit um die Krone des Brachialkinos in ein passend geschmiedetes Vehikel zu lenken. Nun schreiben wir aber mittlerweile das Jahr 2014, und da fühlt sich die pure Präsenz dieser beiden mittlerweile alten Männer wie eine Nostalgieveranstaltung an: Wir sehen zwei gerngesehenen Helden vergangener Tage dabei zu, wie sie weniger gegen Schurken und finstere Gesellen kämpfen, sondern vielmehr den Fortschritt der Zeit zu bezwingen versuchen. Derweil schaffen sie es noch, aber wir sehen schon, daß sie diesen Kampf irgendwann verlieren werden.

Es steckt ein Vakuum in der Mitte von LARRY CROWNE, der zweiten Regiearbeit von Tom Hanks, und dieses Loch wird immer sichtbarer, je länger der prinzipiell durchaus liebenswerte Film läuft. Da verliert der titelgebende Held, ein Mann Mitte 40 (Tom Hanks), plötzlich seinen Job im Supermarkt, weil er nie eine Universitätsausbildung genossen hat, und weil er anderswo auf dem Arbeitsmarkt keine Chancen hat, geht er auf ein Community College - eine Art Berufskolleg. Dort belegt er unter anderem den Kurs "Freies Sprechen" bei Mrs. Tainot (Julia Roberts), einer frustrierten Lehrerin, die in einer freudlosen Ehe festsitzt und ihre Perspektivenlosigkeit mit starkem Alkohol betäubt. Es ist wohl kaum zuviel verraten, daß beide einander helfen können und sich dabei auch ineinander verlieben. "Ihr Kurs hat mein Leben verändert", sagt Larry Crowne gegen Ende. Das Problem: Wir haben das nicht gesehen.

Es war praktisch unmöglich, daß auf den Überraschungshit SAW keine Fortsetzung folgen würde. James Wans Psycho-Horrorthriller hatte sich 2004 als lukrativer und höchst effektiver Nervenkitzel entpuppt, der mit dem Jigsaw-Killer einen interessanten Serientäter etablierte: Ein dem Tode geweihter Mensch, der mit perfiden Fallen andere dazu bringen will, ihr Leben wieder wertzuschätzen. SAW funktionierte im Kopf und gab einem wie seinerzeit das BLUTGERICHT IN TEXAS das Gefühl, heftige Grausamkeiten zu sehen, obwohl eigentlich gar nicht so viel Blut den Bildschirm herunterfloß, wie man meinen könnte. Nebenher jagte der Plot im Eiltempo durch Twists und Überraschungen, und es ist dem erzählerischen Talent von Wan und seinem Autor Leigh Whannell hoch anzurechnen, daß man sich erst hinterher über etwaige Lücken in der Konstruktion Gedanken macht.