November 2013

Der schönste Moment von FAST & FURIOUS 5 steckt im Abspann. Da wird mit fast rührender Besorgnis darauf hingewiesen, daß alle Autostunts des Films von Profis in kontrollierter Umgebung gemacht wurden, und daß diese Stunts gefährlich seien und man sie deswegen bitteschön nicht zuhause nachmachen soll. Auch wenn sich der berüchtigte Genzelsche Dickschädel intuitiv gegen solch autoritäre Unterlassungsgesuche sträubt, gebe ich dann doch klein bei und verzichte darauf, nächste Woche mit einem Auto aus einem fahrenden Zug zu springen und dann damit über eine Klippe zu rasen. Unsere Helden im Film machen das übrigens, um ihre Haut zu retten - man könnte ihnen kaum einen besseren Plan vorschlagen! - während der Zugführer sich brav in die jüngste Reihe dienstbeflissener Oberschaffner einreiht, die nicht einmal zerstörte Waggons oder Explosionen am Zug dazu bringen können, ihre Lok zu verlangsamen oder gar zu stoppen (siehe auch: SKYFALL und SHERLOCK HOLMES 2).

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Halloween 2013 ist zwar schon vorbei, aber Horror hat ja zum Glück Ganzjahressaison. Der deutsche Streaming-Anbieter Watchever will mit seiner Aktion "Wir können auch böse" auf ein gewachsenes Angebot in den Genres Horror, Mystery und Thriller hinweisen (und nebenher darf man darüber sinnieren, ob das Hamburger-Hafen-Setting des dazugehörigen Werbevideos nicht vielleicht auch gleich für ein ganz ungruseliges Paket an Hans-Albers-Filmen zweitverwertet werden könnte). Im Angebot sehe ich feine Klassiker wie Kubricks THE SHINING und Cronenbergs THE DEAD ZONE, dazu natürlich diverse aktuellere Filme (z.B. SCREAM 4) und auch vielgelobte Serien wie THE WALKING DEAD. Watchever bietet ein monatliches Abo für 8,99 Euro an, das man auch vorab für 30 Tage kostenlos testen kann.

"Menschkeit": Dieser jiddische Begriff - eine Abwandlung des Wortes "Menschlichkeit" - taucht immer wieder in dem Politdrama CITY HALL auf. "Menschkeit" hat etwas mit Ehre zu tun, mit Charakterstärke - der "Mensch" im Jiddischen ist mit all den positiven Attributen versehen, nach denen wir streben (Spuren dieser Bedeutung zeigen sich in der geläufigen Negation "Unmensch"). Kurz gesagt: Wer "das Richtige" tut, zeigt "Menschkeit". Bürgermeister John Pappas definiert den Begriff im Film auf interessante Art und Weise: "The space between a handshake".

"Make it your own", empfahl Regisseur John Carpenter dem Musiker und Filmemacher Rob Zombie, als der ihm erzählte, daß er sich an ein Remake von Carpenters Horrorklassiker HALLOWEEN wagen würde. Ein guter Ratschlag, nicht nur im Hinblick auf das Resultat von Gus Van Sants Experiment, den Hitchcock-Streifen PSYCHO so originalgetreu wie möglich zu verfilmen: Schließlich war Carpenters Geschichte ja schon perfekt erzählt (und mit diversen Fortsetzungen bedacht worden), und die sinnhafteste Neuerzählung würde aus den Elementen des Originals eine eigene Story mit anderer Erzählstimme zusammensetzen - sprich: HALLOWEEN von Rob Zombie, nicht HALLOWEEN von jemand anderem.

Das weiße Haus ist reif für eine Renovierung: Gleich zwei Kinofilme haben sich dieses Jahr mit Vehemenz an die Arbeit gemacht, den geschichtsträchtigen Regierungssitz der Vereinigten Staaten zu demolieren. Es ist mittlerweile gar kein Ausnahmefall mehr, daß zeitnah zwei Blockbuster dasselbe Thema beackern - sei es ein Asteroideneinschlag auf der Erde (ARMAGEDDON vs. DEEP IMPACT), ein Vulkanausbruch (VOLCANO vs. DANTE'S PEAK), die Schneewittchengeschichte (SPIEGLEIN SPIEGLEIN vs. SNOW WHITE & THE HUNTSMAN), oder nun eben die Terroristenattacke auf die Präsidentenbude. Zugegeben: Antoine Fuqua mag mit seinem OLYMPUS HAS FALLEN unserem liebsten Krawallkind Roland Emmerich bzw. dessen WHITE HOUSE DOWN um ein paar Monate zuvorgekommen sein, aber eigentlich treten beide mit der Geschichte in die Fußstapfen der Serie 24, in deren siebter Staffel schon 2009 böse Buben dieselbe Hütte besetzten. Die bekamen es dann mit Spezialagent Jack Bauer zu tun, und als informierter Zuseher rechnete man jede Sekunde damit, daß Jack für die amerikanische Sicherheit den Verteidigungsminister foltern und das Oval Office sprengen würde.

In meinem Text zu Stanley Kubricks Horrorfilm THE SHINING habe ich angemerkt, daß der Film wie ein Puzzle funktioniert, das auf verschiedene Weisen zusammengesetzt werden kann - und biete dazu selber eine Bedeutung an, die ich jenseits der gezeigten Geistergeschichte wahrnehme: Ich sehe unter der Story um einen Winterhausmeister, der in einem über Monate hinweg eingeschneiten Hotel wahnsinnig wird und seine Familie umzubringen droht, eine Reflexion von familiärer Gewalt und Kontrollphantasien. Das ist keine wirklich gewagte Deutung - der Film bietet genug Elemente an, die diese Themen widerspiegeln. Und doch reihe ich mich mit exakt dieser letzten Behauptung in die Gruppe von SHINING-Exegetikern ein, die Kubricks Werk in Rodney Aschers Filmessay ROOM 237 mit höchst eigenwilligen Beobachtungen und Auslegungen bedenken und dafür Unmengen an Hinweisen aufdecken.