Juli 2013

Das mußte ja so kommen: Nachdem das Steve-Martin-Remake von IM DUTZEND BILLIGER 2003 mächtig Kohle eingespielt hatte und sogleich eine Fortsetzung auf den Grill geworfen wurde, dachte sich die Konkurrenz, daß sie am Großfamilienreibach doch ein wenig teilhaben konnten. Flugs wurde eine alte Komödie mit Henry Fonda und Lucille Ball entstaubt und mit Dennis Quaid und Rene Russo neuverwertet. Mit insgesamt 18 Kindern kann DEINE, MEINE & UNSERE somit quasi als IM DUTZEND BILLIGER 1½ gesehen werden - mit dem dezenten Unterschied, daß die Steve-Martin-Filme um einiges charmanter über die Leinwand flimmern.


Inhalt "sponsored by Tele5"


Schon letztes Jahr füllte Tele5 seine Wochenend-Abende gerne mit wonnigem Trash - vorzugsweise mit herzhaften Monster- und Tierhorrorstreifen, von denen auch ich einige begutachten durfte (z.B. CROCODILE oder BAT ATTACK). Die Programmschiene scheint Erfolg zu haben - weshalb der Fernsehsender ab dem 26. Juli eine Reihe unter dem Banner "Die schlechtesten Filme aller Zeiten" bringt, die von Oliver Kalkofe und Peter Rütten präsentiert und kommentiert wird.

Ein wehmütiges Auge darf diese Sendereihe aber bei den Filmliebhabern durchaus hervorrufen, und das aus zweierlei Gründen. Einerseits stimmt einen die Filmauswahl nachdenklich: Schon für den Einstieg wird mit Fred Olen Rays SUPERSHARK ein Schnodderfilm gewählt, der freilich kompletter C-Quark ist - aber ohnehin nicht wirklich ernst gemeint. Später folgen zum Beispiel DIE RACHE DER KILLERFISCHE von Antonio Margheriti und das Endzeit-Spektakel CHERRY 2000 mit der jungen Melanie Griffith - kein preisverdächtiges Kino, aber an und für sich recht liebevoll gestaltete Genre-Stücke, die sich den Themenstempel keinesfalls verdient haben. Mit ORCS ist sogar ein sympathischer Billig-Streifen drin, der prinzipiell als Parodie auf die teuren HERR-DER-RINGE-Spektakel angelegt ist. Immerhin: Mit dem Italo-Fantasy-Spektakel DER THRON DES FEUERS (mit der wunderbaren Sabrina Siani) liegt man in Qualitätsfragen nicht ganz daneben. Ich gebe zu, daß ich mich auf letzteren Streifen am meisten freue, nachdem das gute alte VHS-Band mittlerweile eher den Titel DER THRON DER FINSTERNIS tragen sollte ...

Der andere Grund für eine gewisse Skepsis: Oliver Kalkofe ist ein witziger und schlauer Zeitgenosse - aber die Präsentation läßt auf einen recht derben Humor schließen. Und das wiederum ist eigentlich etwas, was ich schade finde - natürlich ist der Banner "Die schlechtesten Filme aller Zeiten" primär Marketingschachzug, um Interesse an dieser etwas anderen Programmgestaltung hervorzurufen, aber dennoch entgeht einem so manch wunderbares Filmerlebnis, wenn man nur mit dem Finger auf den vermeintlichen Quark zeigt und darüber spottet. Schließlich sind Filme nicht einfach "gut" oder "schlecht", und so mancher von der Masse als "Trash" eingestufte Film hat weitaus mehr Ambition zu bieten, als ihm zugestanden wird.

Immerhin: Die plakative Aufmachung läßt dennoch darauf schließen, daß Interesse an Kino abseits der teuren Blockbuster besteht - und sei es nur, weil man mal über abgefahrene Absurditäten wie KNOCHENBRECHER IM WILDEN WESTEN schmunzeln möchte.

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Von 1987 bis 1996 gehörten die amourösen Abenteuer des Möchtegern-Aufreißers Larry Laffer zu den beliebtesten Adventures der Softwareschmiede Sierra: Die witzigen Geschichten, die den Antihelden von einer Peinlichkeit zur nächsten Bredouille stolpern ließen, machten aus Larry eine Kultfigur, die es bis ins Feuilleton schaffte. Sechs Teile schrieb Designer Al Lowe rund um seinen LEISURE SUIT LARRY (wobei die Nummerierung Part 4 übersprang und gleich mit #5 weitermachte); eine Fortsetzung mit dem Namen LUST IN SPACE wurde 1999 gecancelt. Unter neuer Firmenaufsicht und ohne Lowe durfte der Serienname nurmehr für zwei sensationell schlimme Spielchen herhalten (MAGNA CUM LAUDE und BOX OFFICE BUST) - bis sich 2012 Larrys Vater aus dem Ruhestand zurückmeldete und per Crowdfunding Geld für ein Remake des allerersten Teils sammelte: LEISURE SUIT LARRY RELOADED.

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht - aber wenn mir ein Achtziger-Jahre-Actionfilm unterkommt, der den Alternativtitel COMMANDO MENGELE trägt, vom Italiener Andrea Bianchi inszeniert wurde (MALABIMBA, DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES), von Jess Franco mitgeschrieben wurde und von der französischen Z-Movie-Schmiede Eurociné (z.B. Jess Francos OASE DER ZOMBIES) auf die Beine gestellt wurde, dann muß ich diesen Streifen gewissermaßen sofortigstens sehen. Und nachdem ich so ein Entnazifizierungsspektakel mit höchster Aufmerksamkeit begutachtet habe, muß ich freilich auch flugs darüber berichten - immerhin gilt es hier nicht nur, effektiver Faschismusbekämpfung beizuwohnen, sondern auch, glorreichstes Weltspartagskino gleichgesinnten Cinephilen ans Herz zu legen.

Sie haben gewissermaßen nachhaltig die Gräber dieser Welt geöffnet: Der Amerikaner George Romero zuerst mit seinem Schwarzweißklassiker DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN von 1968 und dann zehn Jahre später nochmal mit dem perfiden Blutbad ZOMBIE - beide so einflußreich, daß kein folgender Film um sie herumkam - und in Romeros Fahrwasser 1979 der Italiener Lucio Fulci, dessen WOODOO - DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (in Italien ganz unbekümmert als Sequel zum Romero-Streifen verkauft) dafür sorgte, daß aus der italienischen Horrorproduktion eine ganze Industrie wurde. Plötzlich wankten die Untoten mit bemerkenswerter Vehemenz regelmäßig über die Leinwand: Umberto Lenzi schickte seine flinken Viecher in GROSSANGRIFF DER ZOMBIES zum Angriff, Bruno Mattei zeigte uns die HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN, Marino Girolami mischte ZOMBIES UNTER KANNIBALEN, Fulci selbst legte mit DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES und EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL nach, und der gute alte Joe D'Amato verquickte, wie könnte es anders sein, Zombieterror mit Sexeinlagen: IN DER GEWALT DER ZOMBIES. Und freilich wäre dieser Widergänger-Zyklus ohne den vorliegenden Film unvollständig: DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES von Andrea Bianchi.

(Inhalt "sponsored by Warner Bros")

Der Blockbustersommer geht weiter: Nach Snyders MAN OF STEEL steht uns in Kürze das Kampfspektakel PACIFIC RIM von Guillermo Del Toro ins Haus. Es sieht im Trailer nach einer gewaltig großen Skala aus, auf der Del Toro hier erzählt; üblicherweise wäre ich bei so opulenter Blechschaden-Vorschau eher skeptisch, was den Inhalt des Films angeht, aber da hat sich Del Toro mit seinen bisherigen Filmen wie HELLBOY und PAN'S LABYRINTH einen gewaltig guten Namen gemacht: Nicht nur, daß seine Effektspektakel vor liebevoller Kreativität nur so strotzen - sie vergessen auch dabei die menschliche, emotionale Komponente nicht. Seien wir also gespannt auf diesen Alien-gegen-Roboter-Irrwitz, der zumindest den TRANSFORMERS-Destruktionsentzug bis zum nächsten Sommer beruhigen dürfte ...

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Kartographieren wir einmal mehr das höchst verwirrende Land der Pseudofortsetzungen: Der hier besprochene GHOSTHOUSE 4 ist nämlich, das weiß ja ein jeder, keine Fortsetzung von GHOSTHOUSE 1-3, sondern ein Sequel zu rein gar nichts. Ein Noquel sozusagen. So gesehen paßt der Streifen natürlich in die Reihe, die nur im deutschen Sprachraum überhaupt eine ist, aber irritierenderweise gleich drei Filme vom selben italienischen Regisseur umfaßt: Der erste GHOSTHOUSE von Umberto Lenzi wurde ursprünglich als LA CASA 3 vermarktet, also als Sequel zu TANZ DER TEUFEL und dessen Fortsetzung (die im Italienischen die Titel LA CASA bzw. LA CASA 2 trugen), hatte aber natürlich rein gar nichts damit zu tun. GHOSTHOUSE 2 - DAS UNGEHEUER LEBT stammte eigentlich von Lamberto Bava und wurde auch als DEMONS III herausgebracht, stammt aber eigentlich aus einer Reihe von TV-Gruselfilmen, die Bava 1987 bzw. 1988 inszenierte. GHOSTHOUSE 3 - HAUS DER VERLORENEN SEELEN war dagegen wieder von Lenzi und gehört wie auch der vorliegende GHOSTHOUSE 4 zu einem Quartett von eigenständigen Fernsehhorrorfilmen, die sich um Spukhäuser drehen (die anderen beiden wurden von Lucio Fulci gedreht). Und somit gehört GHOSTHOUSE 4 ja dann doch irgendwie so ein bißchen zum vorigen Film. Also doch kein Noquel? Vielleicht ein Anthologiequel?

Egal. Immerhin rückt der Titel den Streifen noch eher in die richtige Richtung als der deutsche Alternativtitel, unter dem er ebenfalls erschienen ist: TOTENTANZ DER HEXEN II - wo doch jedes Kind weiß, daß der erste TOTENTANZ DER HEXEN eigentlich ein 1983 von Ulli Lommel inszenierter amerikanischer Schocker war! Aber lassen wir das mal mit den ganzen Namen, dem Schall und dem Rauch: Widmen wir uns doch ganz unverflugs dem vorliegenden Gruselhäuschen, in das uns Umberto hier locken möchte.

Der Weltraum, unendliche Weiten ... und ein nicht gar so unendliches Budget, weshalb es vom vielen All dann doch wieder nur ein paar düstere Korridore und einige Felsen im Sand zu sehen gibt. Und natürlich ein gar widerwärtiges Monster, das unglückselige Astronauten verspeist. Und wir sehen, was Ridley Scott bei seinem ALIEN in der ganzen Eile komplett vergessen hat: Möpse. Und wer sich von Monstern und Möpsen nicht gar so magisch angezogen fühlt wie ich, läßt sich vielleicht von dieser prägnanten Hintergrundinformation aus der IMDB auf die Couch locken:

This project was originally envisioned as an outer space version of LAWRENCE OF ARABIA by Allan Holzman. Roger Corman told him that the budget would be far too high, so Holzman eventually decided he wanted to do an ALIEN ripoff. Corman agreed to that.

Da kann man Regisseur Allan Holzman eine gewisse Flexibilität also nicht abstreiten! Holzman, der zuvor für Produzent Corman als Cutter für Epen wie CANDY STRIPE NURSES und SADOR - HERRSCHER IM WELTRAUM gearbeitet hatte, gab mit MUTANT - DAS GRAUEN IM ALL seinen Einstand als Filmemacher - obwohl er sich ein Jahr zuvor schon um einige zusätzliche Szenen des Phillipino-Kloppers NACKTE FÄUSTE - DIE TÖDLICHE KARATELADY kümmern durfte.