Februar 2013

Vinyl ist großartig. Ich liebe es, Schallplatten aufzulegen und zu hören - ein Vorgang, der doch wesentlich haptischer ist als das Abspielen einer CD oder gar einer Datei, und der dabei die Musik viel stärker in den Vordergrund rückt. Vom wärmeren Klang und den schön großen Artworks mal ganz zu schweigen. Für die Menschen in der auf Kickstarter präsentierten Doku 78 RPM bin ich mit meinen Platten aber hoffnungslos neumodisch: Filmemacher Joel Schlemowitz und die interviewten DJs und Sammler widmen sich nämlich ganz den alten Schellackplatten, die mit 78 Umdrehungen pro Minute (anstelle von den später in Mode gekommenen 33 oder 45) auf alten Kurbelgrammophonen abgespielt werden.

"Once I swore I would die for you / But I never meant it like this". Ich liebe Stabbing Westward, die Industrial-Rockband, die in den Neunzigern leider stets im Schatten der Nine Inch Nails stand. "Shame" ist von ihrem zweiten Album WITHER BLISTER BURN + PEEL, und wie bei so vielen ihrer Tracks badet Sänger Christopher Hall auch hier ganz undistanziert und verzweifelt im Schmerz, während die Musik mit treibender Kraft dafür sorgt, daß sich die Songs doch immer wie ein Blick nach vorn anfühlen. "I need someone to ache for me the way I ache for you", klagt Hall irgendwo, und im Refrain heißt es: "I don't know if I'm real without you / What is left of me without you?" Und als Musikvideo gab's dazu einen fein inszenierten kleinen Psychothriller, bei dem die Bandmitglieder irgendwann den Sänger alleine lassen, um das Ende des spannenden Films nicht zu verpassen.

------------------
4 8 15 16 23 42

Liebe Blog-Freunde - da ich heute nichts Dringliches zu vermitteln habe, übergebe ich einfach das Wort an den geschätzten Karl-Heinz Stiegler alias Loriot, der uns in eindringlichster Manier innerhalb von nur zwei Minuten und sieben Sekunden mehr als genug Denkfutter für die kommenden paar Tage geben kann.

------------------
4 8 15 16 23 42

"I was made to fly / And you were made to die". Was für ein großartiger Industrial-Grunge-Track der schwer kategorisierbaren britischen Band Sunna, die nach ihrem mitunter recht sperrigen ersten Album ONE MINUTE SCIENCE (veröffentlicht auf dem Massive-Attack-Label Melankolic) in der Versenkung verschwanden, bis sie vor ein paar Jahren überraschend wieder auftauchten. Durch "Power Struggle" jedenfalls läuft fast physisch spürbarer Strom, der Song brummt und pulsiert, und darüber singt Jon Harris etwas, das sich wie eine Mischung aus Kriegswahn und Allmachtsphantasie anhört: "I will serve cause I want more / And i will create a bigger war / Then I will rule over and give you hell / And then you will do as I command / Cause I will be here when you are gone / Yeah, I'll still be here when you are gone / I'll fill you with fear of a holy sun". Und das Video dazu? Eine clevere und perfekt produzierte Mischung aus Performance-Video und Insektenhorror. Einer meiner absoluten Lieblingstracks.

------------------
4 8 15 16 23 42

Tutmosis (2007) from Christian Genzel on Vimeo.

Endlich ist mein Kurzfilm TUTMOSIS auch online zu sehen! TUTMOSIS entstand im Frühjahr 2006 im Rahmen des Salzburger KULTURSTADT-Projekts von Studio West. Der rote Faden des Projekts war es, ein ironisches Licht auf den Status Salzburgs als Kulturstadt zu werfen. Die einzelnen kommissionierten Beiträge hatten 2007 Premiere.

TUTMOSIS war eine Zusammenarbeit mit Christian Haslecker, mit dem ich schon ein Jahr zuvor bei SCHLAFLOS gearbeitet hatte. Statt eines Drehbuchs entwarfen wir ein detailliertes Dossier des porträtierten Künstlers, anhand dessen dann die Interviews improvisiert wurden. Neben Maximilian Simonischek (ebenfalls aus SCHLAFLOS) als Tutmosis und mir selbst als Moderator sind Ästhetik-Professor Dr. Otto Neumaier (von der Universität Salzburg) sowie Dr. Werner Riemer (damaliger Leiter der Filmförderung der Stadt Salzburg) zu sehen.

Wenn euch der Film gefällt, freue ich mich nicht nur über Kommentare, sondern auch über eine kleine Spende im "Tip Jar" ("Sparschwein") von Vimeo oder über einen Flattr-Obolus! Ebenso dankbar bin ich aber auch, wenn ihr den Film durch Shares oder Links weiterempfehlt. Viel Spaß!

------------------
4 8 15 16 23 42

Als sein 16-jähriger Sohn Jesse die Schule hinwerfen will, geht sein Vater einen eigenwilligen Deal mit ihm ein: Der Junge darf abgehen, bleibt zuhause wohnen und muß nicht arbeiten gehen, wenn er nicht will. Die einzige Bedingung: Jesse muß mit seinem Vater drei Filme pro Woche schauen. Die Streifen wählt der Vater quer durch die Filmgeschichte aus und gibt seinem Sohn jeweils ein paar einleitende Worte - und über die nächsten drei Jahre, während Jesse seine Pubertätsprobleme bewältigt und nach und nach eine Perspektive für seine Zukunft gewinnt, dient der regelmäßige Filmabend als Sprungbrett für Vater-Sohn-Gespräche über Liebe, Leben und das Erwachsenwerden.

Es war 1951 der perfekte Skandal, der wochenlang durch die Medien geisterte und große Protestwellen auslöste - und auch wenn man das heute gerne dem blanken Busen von Hildegard Knef in die Schuhe schiebt, der hier für einen ganz kurzen Moment zu sehen ist, so griff die Empörung über DIE SÜNDERIN doch wesentlich tiefer: Es ist weniger diese kleine Szene, die die Kirchenvertreter damals dazu brachte, aus dem Gremium der FSK auszutreten, weil diese den Film mit einer Altersfreigabe versah. Es ist die Geschichte selbst, die von Prostitution über Suizid bis hin zur Sterbehilfe eine ganze Reihe heikler Themen aufgriff - und das in einer Weise, die ganz entgegen des Titels die Geschehnisse nie verdammt.

In den frühen Jahren seiner Karriere begann Schauspieler Gene Wilder während eines Aufenthalts in Paris, ein Drehbuch zu schreiben - das, wie er dann feststellen mußte, nicht wahnsinnig gut ausfiel. Nachdem er 2005 seine Autobiographie KISS ME LIKE A STRANGER herausgebracht hatte, wollte er mit dem Schreiben nicht aufhören - und zog das alte Skript wieder hervor, das zwar über die Jahre nicht besser geworden war, aber immer noch im Kern eine gute Geschichte enthielt. So fing er an, diese Story in Prosaform zu überarbeiten. Das Ergebnis ist MY FRENCH WHORE, sein erster Roman, der den schlichten Untertitel "A Love Story" trägt.

Weiter geht's mit dem Kulturprogramm! Nach Theodor Fontanes UNTERM BIRNBAUM springen wir frohen Mutes ins 20. Jahrhundert und widmen uns Thomas Mann - ohne damit aber gleich in die Vollen zu gehen: Bevor man sich am 1008-seitigen Epos DER ZAUBERBERG oder am 759-seitigen Familiendrama BUDDENBROOKS womöglich die Zähne ausbeißt, ist es doch sinnvoller, sich mittels eines überschaubareren Werkes heranzutasten. Wie zum Beispiel Manns Novelle MARIO UND DER ZAUBERER, die nicht zuletzt durch ihre politischen Implikationen zu seinen bekanntesten Büchern zählt und offenbar als eine Art Bindeglied zwischen Manns realistisch gehaltenen Texten vor 1930 und den mystischeren Spätwerken gesehen werden kann.

Meine letzte Begegnung mit Theodor Fontane fand noch zu Schulzeiten statt, und sie war alles andere als erfreulich - das unsägliche Beziehungs- und Sittendrama EFFI BRIEST raubte mir seinerzeit mit seiner unendlich langwierigen Erzählweise den letzten Nerv, und das zu einem Ausmaß, daß ich meinen damaligen Deutschlehrer stetig bedrängte, zukünftige Generationen diesbezüglich zu verschonen. Wie ich wesentlich später erfahren habe, hat er nicht auf mich gehört. Warum exakt ich mir also nun, 15 oder 16 Jahre später, ausgerechnet ein Werk von Fontane zugelegt habe, kann ich nicht sagen - ich könnte mich ja darauf hinausreden, daß ich Theodor Fontane mit Theodor Storm verwechsle - aber auch ohne genau definierbaren Grund ging die Anschaffung von Fontanes kurzer Kriminalgeschichte UNTERM BIRNBAUM ohne viel Aufhebens und Zögern vonstatten, und das Buch mußte keine Woche im Regal verbringen, bevor es von mir gelesen wurde.
Die Kritik sagt: FROZEN ist wie DER WEISSE HAI im Schnee.
Nur ohne Boot.

Survival-Horror ist in: Immer öfter finden sich im Kino Menschen in alptraumhaften Widlnis-Situationen gefangen, in denen sie ums blanke Überleben kämpfen müssen - gerne ist der Widersacher dabei einfach nur die Natur selbst (OPEN WATER), manchmal dürfen sich die Protagonisten aber auch zuästzlich zur prekären Lage noch menschlicher Gegenspieler erwehren (A LONELY PLACE TO DIE). Auch FROZEN von HATCHET-Regisseur Adam Green bringt seine Hauptfiguren in eine aussichtslos wirkende Lage: Unsere drei Helden bleiben mit einem Skilift mitten in den Bergen stecken, gute zwanzig Meter über dem Boden und ohne Aussicht auf Rettung. Die Nacht bricht an, ein Schneesturm zieht auf - was kann man tun, wenn der Sprung nach unten ebenso riskant ist wie das Klettern über die messerscharfen Seile?

Auch seinen vierten Kinofilm vertonte John Carpenter selber, und wie auch bei den vorangegangenen Werken dauerte es bei THE FOG einige Jahre, bis die Musik als Album erhältlich war - aber wenigstens waren es wie bei HALLOWEEN nur fünf Jahre, und nicht siebenundzwanzig wie im Falle von ASSAULT - ANSCHLAG BEI NACHT. Die atmosphärisch dichte Geistergeschichte über einen tückischen Nebel, der eine Küstenstadt heimsucht und eine weit in der Vergangenheit liegende Schuld zu rächen sucht, verlangte freilich eine etwas verhaltenere Herangehensweise als den unnachgiebigen Terror der HALLOWEEN-Musik - und so kann THE FOG zeigen, wie sich Carpenter auch als Musiker weiterentwickelte und an der Herausforderung wuchs: Der Score gehört definitiv zu Carpenters besten.

Das habe ich vor kurzem per Zufall entdeckt: "Tightrope", ein Song, den Jah Wobble zusammen mit der Sängerin Julie Campbell für das gemeinsame Album PSYCHIC LIFE aufgenommen hat. Wobble gehört ja schon lange zu meinen liebsten Bassisten - auch hier gibt's eine fantastische Bassline, und man beachte den subsonischen Bass bei 2:46, der die meisten PC-Lautsprecher zur Kapitulation bringen dürfte. Er ist aber auch ein stets interessanter musikalischer Grenzgänger, der mit Elektronik und Dub ebensoviel anfangen kann wie mit weltmusikalischen Motiven aus unzähligen Kulturen, und der diese Elemente immer wieder gerne zu einem ganz eigenen Gebräu vermischt. "Tightrope" funktioniert primär als unwiderstehlicher Dance-Pop, aber der trancehafte Rhythmus und die durch den Mix hallenden Effekte zeugen von Wobbles sonstigen musikalischen Vorlieben. Dazu kommt dann noch ein simples, aber sehr cooles Video - der kauzige Herr Wobble, mit Hut und gelber Krawatte, prügelt auf die Trommel, zupft stoisch am Bass und haut dramatisch aufs Keyboard, während Julie Campbell (mir bislang unbekannt, sonst offenbar unter dem Namen LoneLady tätig) in einer wunderbaren Non-Performance so stechend in die Kamera guckt, als würde sie gleich grantig explodieren. Der Mann an der Gitarre, der kurz zu sehen ist, ist übrigens Keith Levene - der früher zusammen mit Wobble in John Lydons Band Public Image Ltd. spielte!

------------------
4 8 15 16 23 42

Es ist erstaunlich, wie lange es brauchte, bis die Musik aus Carpenters klassischen Filmen auf Platte erhältlich war. Daß DARK STAR erst sechs Jahre nach Erscheinen einen Soundtrack bekam, mag angesichts der billigen Produktion und der Tatsache, daß der Film wie auch Carpenter selbst erst einige Jahre später eine so große Fangemeinde fanden, noch einleuchten - aber auch HALLOWEEN, wohl Carpenters bekanntester Film und schon 1978 ein immenser Kassenschlager, brauchte fünf Jahre, bis der Score separat veröffentlicht wurde. Die Musik aus ASSAULT - ANSCHLAG BEI NACHT, zigfach gesamplet und weiterverwendet, wurde gar erst 27 Jahre nach Erscheinen des Films als Album herausgebracht!

DARK STAR war John Carpenters allererster Spielfilm - eine für kleinstes Geld inszenierte schwarze SciFi-Komödie, die 1970 als Studentenfilm begann und 1974 mit kleiner Finanzspritze von Produzent Jack H. Harris zum Spielfilm aufgepustet wurde. Die tragikomische Weltraumpersiflage um vier Hippie-Astronauten, die fernab der Menschheit schon seit Jahrzehnten durch das All fliegen, um potentiell instabile Planeten für eine spätere Besiedelung der dazugehörigen Sonnensysteme zu sprengen, mauserte sich zum Kultfilm - und die billige Machart unterstrich nur die ironischen Züge dieser Anti-Geschichte, in der die zu Tode gelangweilten Astronauten mit einem störrischen Alien in Form eines Strandballs kämpfen und mit einer nicht minder sturen Bombe philosophische Diskussionen führen müssen.

Was für ein supersimples Musikvideo - und gleichzeitig absolut originell und witzig: Die Knöpfchen am Synthesizer produzieren die Klänge für "Butterfingers", einem Track vom Bomb-the-Bass-Album FUTURE CHAOS - das wohl eines meiner absolut liebsten und meistgehörten Alben der letzten paar Jahre darstellt. Wer mag, kann ja mal nachforschen, welches Element welchen Tönen zugeordnet ist - und wird dabei vielleicht feststellen, wie detailreich dieser doch so einfach klingende Track eigentlich aufgebaut ist. So oder so kriege ich einfach nie genug von diesem warmen, weichen, fließenden, hypnotischen Sound - der sich durch das gesamte FUTURE-CHAOS-Album sowie, mit etwas anderer Stimmung, durch den nicht minder wunderbaren Nachfolger BACK TO LIGHT zieht.

------------------
4 8 15 16 23 42

Die einzelnen Mitglieder der legendären Anarcho-Truppe Monty Python waren schon in diversen britischen Comedy-Shows - sowohl im Radio wie auch im Fernsehen - aktiv gewesen, bevor sie ihre Kräfte als Sextett vereinten, aber zwei TV-Shows aus dem Jahr 1967 können gezielt als Keimzelle ihrer ganz speziellen Komik angesehen werden: Einerseits die als Kindershow konzipierte DO NOT ADJUST YOUR SET mit Eric Idle, Michael Palin und Terry Jones (Terry Gilliam werkelte im Hintergrund ein wenig mit), und andererseits die Sketchshow AT LAST THE 1948 SHOW, in der John Cleese und Graham Chapman zusammen mit Marty Feldman und Tim Brooke-Taylor auftraten (gelegentlich war auch Eric Idle als Nebendarsteller zu sehen). Letztere Show wurde von David Frost produziert - der mit Cleese schon die Satire-Show THE FROST REPORT gemacht hatte, an der Feldman und Brooke-Taylor ebenso schon als Autoren fungiert hatten wie Idle, Palin, Jones und Chapman.

Selbst der schundfilmgestählte Don Arrigone kann sich nicht jeden Tag doofe Hexenfilme wie LAST SCREAM oder WITCH ACADEMY ansehen - weswegen unser Korrespondent von der Trashfront in seinem heutigen Gastbeitrag mal einen doofen Schlangenfilm bespricht: BOA VS. MONTY PYTHON-- ach nein, es ist leider doch nur BOA VS. PYTHON. Sprich, Don, welches Juwel hast du da für uns ausgegraben?



Im Titel von BOA VS PYTHON verstecken sich zwei zentrale Ideen – und keine davon war 2004 noch irgendwie neu: Filme mit Riesenschlangen waren spätestens seit ANACONDA (1997) beliebt, und Kämpfe zwischen Monstern haben dank Godzilla auch schon jahrzehntelange Tradition (z.B. MOTHRA VS. GODZILLA von 1964). Meine Erwartungen an den Film waren dementsprechend niedrig – und, um es gleich vorweg zu nehmen: Ich wurde nicht enttäuscht.

Pressure 4-5 ist eine meiner liebsten "übersehenen" Bands - ihr erstes und einziges Album BURNING THE PROCESS erschien 2001, als Plattenfirmen im NuMetal-Fieber alles unter Vertrag nahmen, das auch nur annähernd wie die höchst erfolgreichen Vorbilder klang. Im Falle von Pressure 4-5 lagen sie damit theoretisch gar nicht so verkehrt: Ihre Independent-EP ANTECHNOLOGY von 1999 klang schwer nach Rapcore, weswegen auch dieses Dreamworks-Debüt entsprechend vermarktet wurde - obwohl die Gruppe sich hier hörbar von diesem Genre wegbewegte, das mittlerweile zum Klischée zu verkommen drohte.
Die wichtigsten CDs auf Wilsons Dachboden.
Ab sofort finden sich ein paar weitere Archiv-Texte auf dem Dachboden. Es sind einige englischsprachige Reviews, die ich 1999/2000 für den All-Music Guide geschrieben habe:

Weitere Musikreviews (deutsche und englische) lassen sich in der Rubrik Musik finden.

------------------
4 8 15 16 23 42

Zeit für ein bißchen Urge Overkill - eine meiner liebsten Alternative-Rock-Bands, die hauptsächlich durch ihr Neil-Diamond-Cover "Girl, You'll Be a Woman Soon" bekannt wurde (aber auch erst, nachdem der Song in PULP FICTION verwendet wurde) und in den Neunzigern mal einen kurzen Moment populär genug war, daß sie als Headliner mit Nirvana als Supportband gespielt hat. "The Break" stammt von ihrem besten Album EXIT THE DRAGON, das 1995 zunächst mal das Ende bedeutete - kurz darauf löste sich die Gruppe auf (mittlerweile gab's aber auch schon wieder eine Reunion). Das ist aber sicherlich nicht gemeint, wenn King Roeser mit seiner heiseren, windschiefen Stimme krächzt: "I need a break". Worum genau es hier geht, bleibt unklar - eigentlich wird nur ein Gefühl der Isolation eingefangen, ein Gefühl des unvermeidlichen Auseinanderfallens: "It's a place with no way in it / It's a road to no way out / I'm asleep when I'm awake / I can't get a break". Und dazu gibt's diesen wundervoll fahrigen Gitarrensound, diese Mischung aus Beiläufigkeit und zwingender Rhythmik, und die Balance zwischen Rock und Wehmut, die das ganze DRAGON-Album auszeichnet. Großartig.

------------------
4 8 15 16 23 42

Wenn es Kickstarter nicht gäbe, hätte ich wohl mehr Geld - aber dafür wäre ich auch nie über eine ganze Menge an interessanten Projekten gestolpert. Dazu zählt diese Doku: BENEATH THE ANVIL begleitet drei Leute dabei, wie sie quer durch die Vereinigten Staaten Stürmen hinterherjagen.

Ja, es klingt wie die Real-Life-Version von TWISTER, die Regisseur Chris Jenkins hier plant, und weil ich TWISTER liebe und Naturgewalten faszinierend finde, klingt der Streifen für mich auch sofort spannend. Aber auch ohne diese persönliche "Vorbelastung" scheint BENEATH THE ANVIL eine faszinierende Geschichte zu erzählen - vor allem eine Formulierung im Präsentationsvideo verspricht da eine lohnenswerte Auseinandersetzung mit der Frage, warum sich Menschen auf so gefährliche und extreme Unterfangen einlassen: "the relationship between risk and reward". Im Beschreibungstext zum Projekt erklärt Sturmjäger Blaize Justice, warum er diesem Hobby nachgeht: "We chase to be in awe. We chase to take brief break from our worldly worries, to experience the unpredictable journeys and to warn others who are in impending danger of these sometimes deadly storms. Most of all its [sic] about connection, both human and atmospheric". Diese Verbindung besteht offenbar nicht nur zu den Menschen, die mit ihm reisen, sondern auch zu seiner Umgebung: "Every chase is different. You will travel down roads you have never driven, see towns you never knew existed and meet people you would have otherwise never met".

Jenkins' Ziel sind überschaubare $7000, von denen er bislang etwas über $800 hat. Mal sehen, ob er innerhalb der verbleibenden 27 Tage den Rest zusammenbekommt. Für $25 bekommt man einen HD-Download des Films; eine DVD läßt Jenkins aber erst bei $125 springen (dafür dann inkl. T-Shirt und "thank you" im Abspann) - leider nur innerhalb der Vereinigten Staaten. Da sollten wir uns wohl eher mit dem Download begnügen - sehen will ich den Film auf jeden Fall.

Mehr Infos bei Kickstarter: Hier.

------------------
4 8 15 16 23 42

Seit so vielen Jahren schon bin ich Fan von Gene Wilder - und doch habe ich bis vor kurzem niemals eine seine wohl bekanntesten Rollen gesehen: Die Titelrolle in der Roald-Dahl-Verfilmung WILLY WONKA & THE CHOCOLATE FACTORY, die mittlerweile eher als Tim-Burton-Remake mit Johnny Depp unter dem Namen CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK bekannt ist (was übrigens auch der ursprüngliche Titel von Dahls Geschichte war sowie der damalige deutsche Kinotitel). Aber nun habe ich diesen Umstand endlich behoben und kann verstehen, warum der Film so ein Kultphänomen geworden ist - und warum man sich so gerne an Wilders Wonka erinnert.

Die folgenden Notizen erreichten mich auf mysteriösem Wege aus England: Unser Filmpatron Don Arrigone spricht hier - dem Beichtgeheimnis trotzend - über eine Begegnung, bei der er einer jungen Frau Beistand geben konnte, die den Film LITTLE WITCHES durchleiden durfte (der im Deutschen den Titel LAST SCREAM - WÄCHTER DES TEUFELS trägt). Ich darf Dons Geständnisse in ungekürzter Form präsentieren:



Aus den Aufzeichnungen des Pater Don Arrigone:

Sed libera nos a imagine movente ex abysso.

Vor ein paar Tagen kam eine junge, sichtlich erregte Frau zu mir in den Beichtstuhl. Kaum, daß sie Platz genommen hatte, begann sie zu weinen, und ich mußte einige Ave Maria beten, bevor sie zur Ruhe kam. "Was hat dich derart aufgeregt, mein Kind?" fragte ich sie schließlich, worauf sie mit tränenerstickter Stimme antwortete: "Vergebt mir, Vater, denn ich habe einen schlechten Film gesehen." Sie konnte nicht wissen, wie viele brave Christen durch Schundfilme in ihrem Seelenfrieden gestört wurden, und zweifellos glaubte sie, in ihrem Leid von Gott und der Welt verlassen zu sein. "Ich verstehe ... und wie ist der Name dieser Ausgeburt der Hölle?" Ich stellte die Frage so ruhig ich konnte. "LITTLE WITCHES, Vater." - "Du mußt jetzt stark sein, Kind, doch du kannst den Schrecken nur überwinden, indem du dich ihm stellst. Erzähl mir, was in diesem Film passiert ist."

Zum Tagesausklang genau das Richtige: Tiefster Darkhop-Keller von Wordsound-Chef Spectre - Brummen, Wummern, schleppender Beat, Pfeifen, ein Schuß Mystik, und dazu ein Rap von Sensational, dem entspanntesten Reimschmied der Hip-Hop-Welt. Bässe aufdrehen und in den Sog eintauchen. Follow the smoke!

------------------
4 8 15 16 23 42

Liebe Kinder, ich darf euch nun eine schreckliche Wahrheit über eine längst vergangene Zeit kundtun - und ihr werdet mir sicherlich nicht glauben. Rücken wir einfach raus damit: 1989 war David Hasselhoff richtig cool. Jaja, schon gut, so richtig cool war er natürlich nie - aber weil wir aus Gründen, die heute zu erläutern den Rahmen eines einzelnen Blogeintrags sprengen würden, seine Serie KNIGHT RIDER richtig dufte fanden und David rein prinzipiell ein richtig sympathischer Kerl zu sein schien, hievten wir - sprich: der deutschsprachige Raum - ihn auch gleich mit seinen diversen Singles und Alben in die Charts. Oh ja, 1989 hatte David als Sänger gleich mehrere veritable Hits, denen auf sämtlichen Radiowellen kaum zu entkommen war, und nebenher zierte er zigfach das Cover der Bravo. Mit seinem dritten Album LOOKING FOR FREEDOM gelangte David denn auch flugs in die oberen Ränge der deutschen Charts.

Wenn man zuviel Zeit auf Kickstarter verbringt, stolpert man fast zwangsläufig permanent über interessante Projekte. Gerade ist mir der Film IRIS aufgefallen, den ein junger New Yorker namens Chris Steinberger für magere $6000 inszenieren will. Wenig Geld für ein Charakterdrama? Oh ja - und eine lachhafte Summe für einen Actionthriller, aber letzteres soll IRIS tatsächlich werden!

Da erwartet man eigentlich nicht viel, was die Produktionsqualität angeht - aber Steinberger zeigt in seinem Präsentationsvideo, daß er aus ganz ganz wenig Geld offenbar ziemlich viel herausholen kann: Die Action macht Laune, der Look ist lässig, der Teaser verspricht einen unterhaltsamen Kick-Ass-Film mit Augenzwinkern. Ja, das ist Klischee und übertrieben, was er da zeigt, und der Effekt mit der Kehle schaut nicht absolut überzeugend aus - aber wer schmissige Actionkracher aus der Videothek mag, dürfte hier sehr gut aufgehoben sein.

Steinberger, der im Video sehr sympathisch und absolut energiegeladen herüberkommt, hat momentan etwas unter $700 - und noch 26 Tage Zeit. Die DVD des Films ($25) liefert er leider nur innerhalb der Staaten aus, ebenso wie das DVD/Soundtrack-Paket ($50). Vielleicht überlegt er sich ja noch eine Übersee-Lösung - oder eine Download-Variante. Immerhin: Für nur $15 gibt's ein Dankeschön im Abspann.

Mehr Info auf Kickstarter: Hier.

------------------
4 8 15 16 23 42

Alte NuMetal-Liebe rostet nicht: Head - der ehemalige Korn-Gitarrist, der 2005 zum christlichen Glauben fand, wegen persönlicher Differenzen aus der Band ausstieg und einige Jahre später mit SAVE ME FROM MYSELF ein Soloalbum veröffentlichte - hat eine neue Band namens Love and Death, die dieser Tage ihr erstes Album BETWEEN HERE & LOST herausgebracht hat. Wenn man nach der Single "The Abandoning" gehen darf, klingt das Ganze, als wäre es direkt aus dem Jahre 2001 ins Heute gebeamt worden: Schnalzende NuMetal-Riffs, heulende Gitarren, Psycho-Video und melodischer Refrain, das ganze Paket. Ich mag sowas ja - aber man darf schon überlegen, ob das Unterfangen bewußt "retro" gehalten wurde oder Head einfach stehengeblieben ist. "Head may have found Jesus but he never found 2010", lästert dementsprechend auch ein User der Website ThePRP. Egal: Auch wenn's für die Korn-eske Nummer keine Originalitätspreise gibt - mir macht's Spaß.

------------------
4 8 15 16 23 42