Januar 2013

Ohne große Worte darf ich den folgenden Gastbeitrag ankündigen, in dem der aufrechte Don Arrigone ein Opus aus dem umfassenden Gesamtwerk von Frauenversteher Fred Olen Ray analysiert: WITCH ACADEMY, der sich - ohne viel vorweggreifen zu wollen - fast vollständig mit meiner eigenen Uni-Erfahrung zu decken scheint. Was willst du uns berichten, werter Don?



Daß Hexen nicht unbedingt alte Frauen mit mehr Warzen als Zähnen sein müssen, sondern auch eine gewisse erotische Qualität haben können, wußte man schon im 19. Jahrhundert: Der französische Historiker Jules Michelet beschrieb sie als "jung und blumengleich", und auch Goethes Schilderung der Walpurgisnacht im ersten Teil von FAUST ist nicht frei von sexuellen Fantasien. In gewisser Weise steht also Fred Olen Ray mit seinem 1991 erschienenen WITCH ACADEMY nicht allein auf weiter Flur, sondern kann sich auf große Vordenker berufen, deren literarische Qualität er selbstverständlich nicht teilt (und auch gar nicht teilen will).

Was für ein erschreckender, beklemmender Film. In COMPLIANCE ruft ein Polizist bei der Managerin eines Fast-Food-Lokals an und erklärt ihr, daß eine ihre Mitarbeiterinnen von einer Kundin Geld gestohlen hat und deswegen festgehalten werden muß, bis er mit einem Kollegen anrücken und sie verhaften kann. Die Managerin gehorcht, obwohl die junge Mitarbeiterin beteuert, nichts getan zu haben. Dann werden die Forderungen des Polizisten am Telefon drastischer: Er verlangt zum Beispiel, daß die junge Frau ihre Kleidung ausziehen soll, weil darin das Geld versteckt sein könnte ...

Es ist von Anfang an relativ klar, daß es sich bei dem Anrufer um keinen tatsächlichen Polizisten handelt - weshalb es sofort einerseits faszinierend und andererseits nervenaufreibend ist, daß niemand die Identität und Autorität des Anrufers hinterfragt und überprüft. Wer sich dabei aber in der Sicherheit wiegt, daß so etwas im wahren Leben niemals funktionieren würde, macht sich die Angelegenheit ein bißchen zu einfach: COMPLIANCE basiert auf einem tatsächlichen Fall aus dem Jahr 2004, und trotz einiger dramaturgischer Änderungen wurden die Auswüchse der Situation - die bis zum sexuellen Übergriff reichen! - für die Fiktion nicht übertrieben.

Das ist einer der definierenden Songs meiner Kindheit: "Supergut (ne?!)" von Arno Steffen. Entdeckt habe ich das 1984 erschienene Lied durch eine Fernsehübertragung - und zwar eine, die freundlicherweise auch auf YouTube zu finden ist:

Und gleich das nächste interessante Filmprojekt auf Kickstarter: AN HONEST LIAR erzählt die Lebensgeschichte des mittlerweile 84-jährigen James Randi, der sich nach langer erfolgreicher Karriere als Magier (unter anderem entwarf er für Alice Coopers Bühnenshow eine Guillotine!) darauf spezialisierte, Scharlatane und Wunderheiler zu überführen. Daher auch der Titel: Randi gab nie vor, übersinnliche Fähigkeiten zu haben, sondern verstand sich als Entertainer - während die Machenschaften, die er aufzudecken versuchte, als tatsächliche paranormale Phänomene verkauft wurden (und das nicht selten, um gutgläubigen Menschen ihr Geld abzuknöpfen).

Unter anderem legte sich Randi in den Siebzigern mit Uri Geller an - dem Schweizer Magier, der vorgab, mit Gedankenkraft Löffel verbiegen zu können (Geller versuchte mehrfach, Randi um Millionensummen zu verklagen, blieb aber stets erfolglos). 1987 veröffentlichte Randi ein Buch namens THE FAITH HEALERS, wo er sich angebliche Wunderheiler wie Peter Popoff vorknöpfte - viele Elemente des Buches wurden später in dem Film DER SCHEIN-HEILIGE mit Steve Martin verarbeitet. Außerdem steckte Randi hinter dem sogenannten Project Alpha, wo er zwei junge Menschen mit angeblichen übersinnlichen Fähigkeiten in ein Forschungsprojekt einschleuste und damit die universitären Wissenschaftler an der Nase herumführte - von denen dann manche sogar behaupteten, daß die beiden Männer tatsächliche PSI-Fähigkeiten hätten und es eine Lüge wäre, wenn sie von sich behaupten, daß sie "nur" Bühnenmagier seien.

Eine immens spannende Geschichte also - für deren Fertigstellung die beiden Filmemacher Justin Weinstein und Tyler Measom schon fast die anvisierten $148.000 zusammenbekommen haben (derzeit fehlen noch knapp $15.000, aber das Projekt läuft auch noch 18 Tage). Es ist nicht ganz billig, den Film sehen zu können - $30 kostet der Download, $45 (plus $12 Porto nach Europa) die DVD, $75 (plus Porto) die Blu-Ray - auch wenn da diverse andere Nettigkeiten dabei sind, sind das recht hoch angesetzte Preise. Dennoch sieht der Film spannend genug aus, daß man ihn unbedingt im Auge behalten sollte.

Mehr Infos auf Kickstarter: hier.

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Nachdem das gute Stück schon über eine Million Klicks auf YouTube gesammelt hat, bin ich vermutlich der Vorletzte, der davon etwas mitkriegt - aber egal. Zu diesem wunderbar albernen und originellen Fake-Trailer braucht man eigentlich gar nichts zu sagen - außer vielleicht, daß die Zeile "I'm going to Disneyland!" sich mittlerweile ja als verblüffend prophetisch herausgestellt hat. Besten Dank an Dr. Wily von FYRC für den Link!

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Manchmal hilft es ungemein, wenn man - so wie ich - mit einem schlichten Gemüt gesegnet ist. Dann geht es einem nämlich schon während des Vorspanns zu THE MALIBU BIKINI SHOP gut: Dufter Achtziger-Jahre-Plastikpop, grellbunte Farben, und dazu tonnenweise knappe Bikini-Ober- und -Unterteile, von vorne und von hinten liebevoll abgefilmt. Ja, was will man eigentlich mehr von einem Film, der auf deutsch richtig schwungvoll BIKINI SHOP - HEISSE HASENJAGD AM VENICE BEACH heißt und damit ja auch schon gar nicht mehr verspricht, als es in den ersten fünf Minuten zu sehen gibt?

Ich weiß nicht genau, wann ich Gene Wilder für mich entdeckt habe, aber es muß schon recht früh gewesen sein: Schon als Kind liebte ich seinen Film TRANS-AMERIKA-EXPRESS - damals vor allem natürlich wegen dem spektakulären Finale - und ganz besonders auch seine Fremdgeh-Komödie DIE FRAU IN ROT, die ich zigfach gesehen habe, obwohl ich damals noch gar nicht wirklich verstand, worum es da überhaupt geht. Als Teenager habe ich dann jeden Wilder-Film gesehen, der mir in die Finger kam - seine Meisterstreiche mit Mel Brooks, seine eigenen Regiearbeiten (darunter der brillante und hochgradig alberne SHERLOCK HOLMES' CLEVERER BRUDER), seine wunderbare Westernkomödie EIN RABBI IM WILDEN WESTEN, und auch seine weniger grandiosen Werke wie KEIN BABY AN BORD oder DAS ANDERE ICH. Ich war fasziniert von diesem Schauspieler, der nebenher auch noch schrieb und Regie führte - von seinem schrägen, merkwürdigen Sinn für Humor, von seinem verträumten Blick, von seinen unglaublich komischen hysterischen Anfällen, die er den meisten seiner Figuren gibt. Und vor allem von dem Sentimentalen, das er ausstrahlt, und von der gewissen Melancholie, die so oft unter seinem Wahnwitz zu sehen ist.


An manchen Tagen braucht's keine Filmreviews, keine Musiknews und kein Kickstarter. Es braucht nicht mal üppige Sammler-Boxsets. Es reicht einfach nur das Musikvideo zu BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA, das John Carpenter mit seinen Filmemacher-Freunden Nick Castle (der aussieht wie Adam Sandler mit Afro) und Tommy Lee Wallace unter dem Bandnamen "The Coupe De Villes" zeigt. Bei diesem wunderbarem Synth-Rock und Carpenters grummligem Gesang - ganz zu schweigen von den höchst modischen Outfits im Video! - weiß man einfach: Die Welt ist großartig.

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Bei diesem Kickstarter-Projekt mußte ich nicht zweimal überlegen, bevor ich mich von meinem Geld getrennt habe: Ken Allen, Haus- und Hofmusiker der Adventure-Schmiede Sierra, arbeitet unter dem Titel UNDER THE HALF DOME an einer CD, auf der er einige seiner Kompositionen modern aufbereiten will. Bitte sehr, hier ist mein Geld, wie lange dauert's denn noch mit dem Album??

Ken Allen fing Ende der Achtziger bei Sierra an und hat unter anderem den Score zu dem hier schon besprochenen Game KING'S QUEST V mitkomponiert - aber auch an anderen persönlichen Sierra-Favoriten wie SPACE QUEST IV oder CONQUEST OF THE LONGBOW mitgewirkt. Seine Kickstarter-Präsentation spielt ein wenig mit dem Beginn von SPACE QUEST IV, und obwohl er nur ganz wenig Musik präsentiert, bin ich überzeugt, daß das Resultat ein Fest für jeden Sierra- und Chiptune-Fan sein wird.

Für $15 kriegt man einen Download des für Mai 2013 angekündigten Albums, für $30 (plus $5 Porto nach Europa) gibt's eine tatsächliche CD. Die höheren Pledge-Stufen sind auch nicht hoffnungslos übertrieben: Für $75 gibt's (neben anderen Nettigkeiten wie einem persönlichen Anruf von Ken) ein T-Shirt, und für $100 kriegt man noch einen Associate-Producer-Credit und darf 250 Worte für das Booklet der CD schreiben. Nachdem Ken innerhalb von nur einem Tag schon über die Hälfte seiner anvisierten $10000 zusammenbekommen hat und der Kickstarter noch 29 Tage läuft, ist jetzt schon die Rede davon, das Projekt auszubauen - vielleicht mit mehr Musik, vielleicht mit einer Vinyl-Edition. Her damit, her damit!

Mehr Infos auf Kickstarter: Hier.

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Wer glaubt, daß sich Gastautor Don Arrigone heute mit Bekenntnissen von Hochstaplern auseinandersetzt, kennt unseren Trashfilm-Eleven schlecht: KRULL ist ein Fantasy-Spektakel der frühen Achtziger – das den guten Don aber offenbar nicht wünschen läßt, er hätte die Dekade tatsächlich miterlebt. Erzähl doch mal, werter Don, was können wir von KRULL erwarten?


Dies ward mir zu wissen gegeben: Viel Kohle konnte gescheffelt werden in den Achtziger Jahren mit Science-Fiction und Fantasy. Und auch dies ward mir zu wissen gegeben: Daß alle ein Stück abhaben wollten von dem großen Kuchen, auch Peter Yates. Aber eins kann ich nicht wissen: Ob tatsächlich jemand KRULL, diesen Bastardsohn von STAR WARS und EXCALIBUR, sehen will.

Na, wer erkennt die Gruppe auf diesem wahrscheinlich besten Bandphoto der Welt? Ganz genau, es ist die semi-legendäre Avantgarde-Truppe Eternity Ltd., die sich hier im Jahr 2002 für ihren Auftritt im Salzbuger Rockhouse ablichten ließ. Und der Herr ganz rechts auf dem Bild, das bin ich - bzw. das war ich. Lang ist's her.

Eternity Ltd. begann 1998 als loses experimentelles Kollektiv - wir haben schwer lärmende Klangcollagen produziert, die erst im Lauf der Zeit konzeptuell verfeinert wurden. Neben einer kleinen Handvoll an Auftritten haben wir vornehmlich im Proberaum mit allen möglichen Ideen herumgespielt, die nicht immer wirklich anhörbar waren. Und weil die Mischung aus schrägem improvisiertem Lärm, Lyrik und Ambient immer mal wieder Musikformen wie Rock, Jazz oder Techno aufgegriffen hat, haben wir 2001 eigentlich ganz unpassend ein Industrial-Metal-Stück namens "Inner Sanctum" aufgenommen, das es auf den X-tra-Ordinary-Sampler vom Rockhouse geschafft hat (und uns dann auch einen Auftritt neben Bands mit klangvollen Namen wie Totentanz und Messiah of Pain beschert hat). Später habe ich den Track nochmal in meinem Film SCHLAFLOS eingesetzt, auf dessen Soundtrack-CD er dann auch zu hören war.

Die Besetzung war hier schon eine ganz andere als noch zu den Anfangstagen: Von links nach rechts auf dem Bild sehen wir Martin Payrhuber (Gitarre), Christian Haslecker (Bass), Christian Tröbinger (Gitarre, Beats, Programming, Samples, Sounds) und meine Wenigkeit (Gesang, Beats, Programming, Samples, Sounds). Aufgenommen haben wir den Track zu großen Teilen im Tonstudio der Anglistik (und zwar nachts und klammheimlich). Vor allem am Text merke ich, wie lange das mittlerweile schon her ist - heute würde ich gar nicht mehr so schreiben, obwohl mir die Zeile "I will create a bigger god / and I will survive where you will not" immer noch selber ganz gut gefällt.

2002 war dann aber auch schon wieder Schluß mit Eternity Ltd.: Ich selber habe mich auf den Film konzentriert, ebenso wie Kollege Haslecker (der 2005 den Kurzfilm FAUSTRECHT drehte und heute als Continuity z.B. bei der SOKO DONAU arbeitet). Christian Tröbinger macht weiterhin Musik, und zwar sehr feinen Austropop (hier). Und Martin Payrhuber ist ganz in den musikalischen Ruhestand gegangen - was nur recht und billig ist, denn was für Highlights können nach Eternity Ltd. und "Inner Sanctum" schon noch groß kommen im Leben?


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Es schwant einem ja schon Schreckliches, wenn die Schrifstellerfamilie Hohlbein in einem Fernsehbeitrag porträtiert werden soll und der dann als Dokusoap konzipiert ist und ausgerechnet von RTL2 ausgestrahlt wird. Mal sehen, was könnte an Phantastikautor Wolfgang Hohlbein, seiner oftmaligen Co-Autorin und Ehefrau Heike Hohlbein und der ebenso schreibwütigen Tochter Rebecca Hohlbein interessant sein? Redet man mit ihnen über ihre Arbeitsprozesse? Über Wolfgangs Anfänge? Über seine Interessen, Leidenschaften, Ängste? Redet man vielleicht über Konkurrenzdenken oder Zusammenarbeit innerhalb der Autorenfamilie? Spricht man über Wolfgangs gerne kritisierte Vielschreiberei? Oder diskutiert man wiederkehrende Themen in seinen vielen, vielen Romanen? Ach was! Filmen wir die Leute doch lieber beim Herumschlendern im Baumarkt, beim Organisieren einer Privatparty und beim Frühstücken!

Nachdem Talkshow-Legende Johnny Carson 1992 in den Ruhestand gegangen war, gingen ein Jahr später verschiedene neue Late-Night-Programme an den Start - darunter auch eine von Komiker Chevy Chase geleitete Show, die sich als einer der größten Flops in der Fernsehgeschichte erwies. THE CHEVY CHASE SHOW startete eine Woche nach der LATE SHOW WITH DAVID LETTERMAN und eine Woche vor der LATE NIGHT WITH CONAN O'BRIEN - und blieb genau fünf Wochen lang auf Sendung, bevor sie aus dem TV-Programm verschwand. Chase, der angeblich für schlappe $3 Mio. seinen Vertrag unterzeichnete, durfte tonnenweise Häme und Kritik einstecken: "Nervous and totally at sea, Chase tried everything, succeeded at nothing", schrieb das Time Magazine. Und wißt ihr was? Ich mag relativ alleine damit sein, aber ich finde die Show nicht mal halb so fürchterlich, wie gemeinhin behauptet wird.

Nachdem ich in letzter Zeit einige Gene-Wilder-Filme wieder angesehen (und ja hier auch über den einen oder anderen berichtet) habe und gestern seine Autobiographie KISS ME LIKE A STRANGER im Briefkasten lag, ist heute eine gute Gelegenheit, ein Interview mit ihm anzusehen. Im obigen, knapp halbstündigen YouTube-Clip sitzt er bei InnerVIEWS und spricht mit Ernie Manouse über seine Karriere, seine Bücher, seine Zusammenarbeit mit Mel Brooks und über die schwierige Zeit, in der seine Frau Gilda Radner an Krebs erkrankte und dann starb.

Wilder, der bei dem Interview ungefähr Mitte Siebzig ist, wirkt wunderbar entspannt und antwortet mit sanfter Stimme sehr überlegt und mit großer Bescheidenheit auf die Fragen des Interviewers. Hier und da blitzt sein beiläufiger Humor durch (als er nach Mel Brooks gefragt wird, wie es wohl schon zum tausendsten Mal vorkommt, lächelt er und sagt: "Funny you should ask"), aber größtenteils wirkt er nachdenklich und gleichzeitig glücklich mit seinem Leben. Wie auch in anderen Interviews ist es bemerkenswert, wie genau er den Fragen zuhört und wie er einen offenen und fast persönlich wirkenden Blickkontakt zum Interviewer hält.

Der schönste Moment aber kommt zum Schluß. "I didn't believe in fate, either. I always felt you make your own life and then call it fate", sagt er, nachdem er über Radner geredet hat und erzählt, wie glücklich er mit seiner jetzigen Frau Karen Boyer ist. "With Karen, I do believe in fate", fügt er hinzu, und die Tränen schießen ihm in die Augen - und mir selbst gleich mit.

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Von der Story hat so ziemlich jeder schon mal gehört: Da hat eine Frau in Amerika McDonald's verklagt, weil der Kaffee heiß war und sie sich daran verbrüht hat - und dafür hat sie $2,9 Mio. an Schadenersatz bekommen. Die Geschichte wurde zu einem großen Witz - wie können die es wagen, heißen Kaffee zu servieren? - und außerdem zu einem Zeichen, daß das Zivilrecht in den Staaten absurde Ausmaße angenommen hat: Offenbar kann man dort für die bescheuertsten und offensichtlichsten Tatsachen eine Firma verklagen und wird damit reich.


Heute feiert mein Lieblingsregisseur seinen Geburtstag: John Carpenter wird 65. Was schaut man sich zu seinem Ehrentag an? DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT? ASSAULT - ANSCHLAG BEI NACHT? Oder vielleicht doch lieber PRINCE OF DARKNESS? Ganz klassisch: HALLOWEEN? Oder ... oder ... oder ...

Ganz ehrlich: Ich könnte jeden Carpenter-Film immer wieder sehen. Ja, selbst die nicht gar so grandiosen wie DAS DORF DER VERDAMMTEN oder GHOSTS OF MARS - in beiden Fällen hat man mich ja auch schon oft genug dabei erwischt, wie ich die Filme verteidige oder darauf hinweise, daß sie weitaus interessanter sind, als man ihnen gemeinhin zugesteht.

Egal: Ich erwähne ja sonst die Geburtstage der diversen Filmschaffenden nicht, die ich mag und liebe - es wären wohl einfach zuviel. Aber Carpenter hat eben eine Sonderstellung - nicht nur, weil ich ihn immens spannend und interessant finde und immer wieder etwas Neues in seinen Filmen entdecke, sondern weil er wohl der eine Regisseur ist, der in mir am stärksten den Wunsch angeregt hat, selber Filmemacher zu werden.

Oben gibt's einen kurzen Ausschnitt aus einer Q&A-Session vom letzten Jahr zu sehen, bei der Carpenter in üblich nüchterner Weise erläutert, warum er die HALLOWEEN-Fortsetzungen befürwortet. Außerdem redet er über Videospiele, über THE FOG, und über DARKCHYLDE - die Comicbuchverfilmung, für die er derzeit eine Finanzierung aufstellen will ... hoffen wir, daß es da bald mal vorangeht!

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Und hier gleich das nächste Kickstarter-Filmprojekt, das sich um meinen Geldbeutel bemüht - ABOUT ABIGAIL nennt sich dieser 6-teilige Episodenfilm, dessen einzelne Kurzgeschichten von sechs unterschiedlichen Filmemachern geschrieben und inszeniert werden, aber sich allesamt um dieselbe Figur drehen: Nämlich um die titelgebende Abigail, die offenbar das Leben verschiedenster Männer gehörig durcheinanderbringt.

Ich mag solche Omnibus-Filme prinzipiell gern - die Gefahr bei solchen Einzelepisoden besteht natürlich immer darin, daß die Qualität der einzelnen Beiträge höchst unterschiedlich ausfallen kann und die Segmente auch vom Tonfall her nicht immer unbedingt aneinanderpassen. Dafür leiden die einzelnen Parts nicht darunter, einen ganzen Film tragen zu müssen - im Gegenteil: das Format erlaubt es, Geschichten zu erzählen, die niemals Spielfilmlänge hergegeben hätten und die wie kleine Fenster in Begebenheiten und Figuren funktionieren. Im Falle von ABOUT ABIGAIL sollen sich die sechs Segmente nicht nur um dieselbe Figur drehen, sondern es wird auch versprochen, daß die gute Abigail im Laufe dieses Films auch selbst eine Entwicklung durchmacht.


Was für eine wunderbar beknackte Werbung für den Atari 5200 aus dem Jahr 1983: Videospielen als Teenie-Strandkomödie. Wir lernen: Der Atari 5200 verwandelt den Himmel in eine gigantische LED-Anzeige. Strom gibt's direkt aus dem Sand. Und: Hübsche Mädels fahren voll auf diese Konsole ab.

Im kommenden Sommer flaniere ich mal die österreichischen Sandstrände mit einem Atari unter dem Arm auf und ab und werde testen, ob da die Schönheiten auch tatsächlich derart schwach werden - aber warum sollte uns Atari in dem Clip anlügen? Vorher muß ich mir allerdings noch so einen alten 5200 auf eBay besorgen ...

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Schon vor einiger Zeit haben wir uns das hochnotheitere Verwechlungskomödchen GUMMIBÄRCHEN KÜSST MAN NICHT angesehen, mit dem die Lisa-Film 1989 die Kinos beglückte. Da könnte man sich doch auch gleich noch den Soundtrack vorknöpfen, der als Flohmarktfund für 50 Cent auch nur halb so viel gekostet hat wie damals die DVD - und der dank der Auflistung der Mitwirkenden in Kombination mit dem Cover ja selbst bei solchen Menschen Schlimmstes erahnen läßt, die den dazugehörigen Streifen gar nicht gesehen haben.

Dabei fängt die Chose gar nicht so übel an: Das deutsche NDW-Trio Hong Kong Syndikat lässt den Titelsong "Real Men Don't Eat Gummibears" vom Stapel - ein hübsch leichtes Stück Nonsens, das mit entspannten Gesang über dezentem Synthgroove durchaus sympathisch wirkt. Der Gruppe selbst scheint die Nummer aber den Rest gegeben zu haben: Noch im selben Jahr löste sich das Syndikat auf.

Zeit für einen neuen Gastbeitrag: Der aufgebrachte Don Arrigone knöpft sich im folgenden Text zähnefletschend das Remake des berüchtigten Rape-and-Revenge-Streifens I SPIT ON YOUR GRAVE vor. Und wer den Don kennt, der weiß, daß er Worte wie "Machwerk" keinesfalls leichtsinnig verwendet! Ich übergebe das Wort:



I SPIT ON YOUR GRAVE – das könnte ein Zitat eines im Tempus verwirrten Herrn Genzel sein, getätigt, nachdem ich ihn mit wunderbaren Filmen wie EVIL BREED oder MASTERS OF MAGIC konfrontiert habe. Tatsächlich handelt es sich aber um den Titel eines kontroversen Exploitation-"Klassikers" aus dem Jahre 1978 (ursprünglich als DAY OF THE WOMAN veröffentlicht), bzw. um den des kaum minder umstrittenen Remakes von 2010. Und während man sich über die harte Gewalt an der Protagonistin tatsächlich aufregen kann, die die Grenze zur Geschmacklosigkeit weit hinter sich läßt, ist der Film an sich doch viel zu mies, als daß es sich lohnen würde, ihm groß Aufmerksamkeit zu schenken.

Sind derzeit so viele spannende Filmprojekte bei Kickstarter oder bin ich einfach nur an jedem zweiten Streifen interessiert? Klare Antwort: Beides. Aber als Retrogaming-Fan und als jemand, der an einem eigenen Spielfilm zu diesem Thema arbeitet (BROT UND SPIELE), übt die geplante Doku THE VIDEO CRAZE natürlich einen besonderen Reiz auf mich aus.

Wobei sich der Film auf eine Spielegattung konzentriert, die ich selber nie direkt erlebt habe: Den Arcadehallen-Spieleautomaten. Natürlich kenne ich viele dieser Spiele durch die Heimcomputer-Umsetzungen - aber 1982 war ich schlichtweg zu jung, als daß ich mich in etwaigen Spielhöllen aufgehalten haben könnte. Umso schöner, daß diese Subkultur jetzt filmisch festgehalten wird, damit auch diejenigen in sie einsteigen können, die bislang nur Flynn's Arcade in TRON bestaunen konnten.

Es ist wieder einmal Zeit, zusammen mit Gastautor Don Arrigone in die wunderbare Welt der Achtziger-Jahre-Fantasy abzutauchen. Heute auf dem Programm: DER KRIEGER UND DIE HEXE von 1984, der im Original THE WARRIOR AND THE SORCERESS heißt und im Fernsehen auch schon als THE WARRIOR lief. Und wie kann man angesichts eines solch schmucken Plakates dieser Filmverlockung widerstehen? Zumal der Film von den Leuten co-produziert wurde, die uns schon Fantasy-Epen wie IM REICH DER AMAZONEN oder WIZARDS OF THE LOST KINGDOM beschert haben. Nun denn, erzähl uns etwas darüber, werter Don!



Ein befreundeter Literaturwissenschaftler hat mir einmal erklärt, daß Western-Groschenromane, als diese in einer Krise steckten, recht einfach in Science-Fiction-Erzählungen umgewandelt werden konnten. Aufbau und Charaktere blieben weitgehend erhalten, man wechselte nur das Setting und einige genre-typische Elemente. Die beiden genannten Genres sind dabei nur exemplarisch zu verstehen – tatsächlich funktionieren die wahnwitzigsten Adaptionen. THE WARRIOR AND THE SORCERESS ist damit nur ein Beispiel von vielen, aber – das muß gesagt werden – ein besonders dreistes, das keinen Hehl aus seinen Wurzeln macht.

Ein recht schräges, aber potentiell witziges Projekt sucht hier die Gunst der Kickstarter-Gemeinde: FINDING SANDLER ist eine Doku, in der Filmemacher David Seth Cohen versucht, Adam Sandler aufzuspüren und sich mit ihm auf einen Drink zusammenzusetzen. Warum? Weil Cohen einst bei Sandlers Film BIG DADDY als Assistent dabei war und eines Abends, als er etwas bei Sandlers Apartment abliefern sollte, von ihm auf einen Drink in die Wohnung eingeladen wurde - was Cohen aber ausschlug, weil unten eine Kollegin im Auto wartete. Und nachdem er sich nun jahrelang über diese verpaßte Chance in den Hintern gebissen hat, macht er sich mit diesem Film daran, diese Gelegenheit nachzuholen - und nebenher seinen Traum zu verwirklichen, selber zum Filmemacher aufzusteigen.
Ein netter Fund: Was fällt uns an den Plakaten zu diesen sechs völlig unzusammenhängenden Filmen auf?







Ja, die gute Frau scheint herumzukommen. Oder aber der Grafiker wollte diesem Gefühl Ausdruck verleihen, das einen gerne mal bei den ganzen Direct-to-Video-Horrorstreifen beschleicht: "Das habe ich doch schon mal irgendwo gesehen ..."



Sicherlich könnte man dieses Motiv auch noch mit Grizzlybären, Terroristen, Killerpusteblumen und Nazi-Ufos variieren.

(Danke an Rodja Pavlik von HomeMovieCorner sowie an Filmemacher Michael Valentin von Goreholio für den Hinweis.)

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Die Soundtrack-LP zur Gene-Wilder-/Richard-Pryor-Komödie ZWEI WAHNSINNIG STARKE TYPEN habe ich vor vielen Jahren - ca. 1996 oder 1997 - zufällig in einem Photoladen entdeckt, und natürlich mußte ich die Platte als Wilder-Fan unbedingt mitnehmen - vor allem, weil Gene Wilder höchstselbst den Titelsong des Films singt! "Crazy" nennt sich das Stück, das wie ein Broadway-Tune den Film einleitet, und man kann Wilder sehr viele Talente attestieren, aber Gesang gehört keinesfalls dazu. Wobei der schiefe Singsang absolut zum Charme des Songs gehört: Wilder spielt hier mit seiner unverkennbaren Stimme einmal mehr den verträumten Exzentriker ("They say I'm crazy / Just a little bit out of whack / 'Cause I always like to act my dreams out / They call me a maniac"), der zum Ende des Songs auch prompt abtransportiert wird ("I'm just singing a song! Is it a law? Am I breaking a law?"). Es ist ein putziges Liedchen, das mit professionellem Sänger eine recht fade Angelegenheit geworden wäre.

Ein weiteres interessantes Kickstarter-Projekt: Hinter dem Film mit dem langen Titel I'M OBSESSED WITH YOU (BUT YOU'VE GOT TO LEAVE ME ALONE) verbirgt sich nach Aussagen der Macher eine Mischung aus RUSHMORE und DER-GROSSE-FRUST-Prequel (das es natürlich nie gab). Es ist eine Coming-of-Age-Geschichte über vier Freunde am Dartmouth College in New Hampshire, die in einer Improvisationsgruppe spielen und durch die Ankunft eines Filmstars am Campus gehörig durcheinandergebracht werden.

Das Drehbuch basiert auf einem Theaterstück, das die Verfasserin Genevieve Adams selbst am College geschrieben und aufgeführt hat. Zusammen mit Kamera-Neuling Bartosz Nalazek (immerhin Lehrling von Spielberg-Kameramann Janusz Kaminski bei GEFÄHRTEN und LINCOLN) soll daraus nun für $200,000 ein Spielfilm entstehen - wobei das bislang einzig fixe Cast-Mitglied Adams selber ist, die auch schon in der Theaterversion eine der vier Hauptrollen spielte.

Das könnte eine schöne, persönliche Geschichte über Freundschaft und Lebensveränderungen werden, die Adams hier plant. Das Präsentationsvideo hat einige Schwächen - die eingesetzten Outtakes sind anfangs witzig, halten aber dann zu lange von handfesten Informationen ab; die Tonqualität ist auch nicht das Gelbe vom Ei - aber wirkt sympathisch. Für $15 erhält man einen Download des fertigen Films (Fertigstellung ist geplant für Dezember 2013), für $25 gibt's noch eine Behind-the-Scenes-Featurette dazu. (Die nächste Stufe ist nicht so wohlüberlegt: Für $75 bekommt man ein signiertes PDF des Filmplakats dazu - kein tatsächliches Plakat, wohlgemerkt, obwohl selbst dafür 50 Dollar schon eine Menge Geld wären!)

Das Projekt steht momentan bei ungefähr $40,000 und hat noch 19 Tage, um das restliche Geld zusammenzukratzen - knapp, aber nicht aussichtslos. Ich würde den Film jedenfalls sehen wollen.

Link zum Kickstarter: Hier.

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Bestellt habe ich es schon Anfang November, gekommen ist es aber erst am Freitag: Das großartige John-Coltrane-Boxset THE HEAVYWEIGHT CHAMPION. Da sind auf 6 CDs verteilt alle Aufnahmen drin, die der Saxophonist für Atlantic gemacht hat - unter anderem also die klassischen Alben GIANT STEPS (1960), MY FAVORITE THINGS (1961) und BAGS & TRANE (1959). Dazu gibt's eine siebte CD mit Studio-Outtakes, die auch stilecht wie ein Band in einer eigenen Schachtel untergebracht ist, sowie ein über 70-seitiges feines Büchlein mit Infos zu den Aufnahmen. Sprich: Genau das Richtige für einen Coltrane-Gelegenheitsfan ... (Wer sich in Versuchung bringen will, schaut flugs bei Amazon vorbei.)


Und dann sind ja Ende Dezember auch noch meine Death-Waltz-Plattenspielerauflagen eingetrudelt. Von dem Vinyl-Label Death Waltz habe ich ja schon unlängst diverse Carpenter-Soundtracks sowie eine nette Halloween-Flexidisc erstanden - jetzt haben die Jungs ein schönes Gimmick produziert, das den Plattenspieler etwas interessanter gestaltet. Diese slipmats sind viel schmuckere Unterlagen als die übliche Gummimatte, auf die man das Vinyl auflegt - und außerdem leuchten sie im Dunkeln! Jetzt muß man sich nur noch mit der Entscheidung abplagen, ob man die weiße oder die schwarze Auflage verwendet ...


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Nachdem die Komiker Gene Wilder und Richard Pryor schon 1976 in der Krimikomödie TRANS-AMERIKA-EXPRESS höchst kassenträchtig aufeinandergetroffen waren, legten sie vier Jahre später mit ZWEI WAHNSINNIG STARKE TYPEN (im Original: STIR CRAZY) nach. Unter der Regie von Sidney Poitier spielten sie zwei arbeitslose New Yorker - der eine Autor, der andere Schauspieler - die auf der Suche nach ihrem Glück in den Südstaaten fälschlicherweise für ein Bankräuberduo gehalten werden und deshalb zu einer Gefängnisstrafe von jeweils 125 Jahren verdonnert werden. Einer der beiden entpuppt sich aber als talentierter Rodeoreiter, weshalb die Jungs die anstehende Gefängnisrodeomeisterschaft zu einem Ausbruchsversuch nutzen wollen ...

Ein interessantes Filmprojekt geht gerade bei Kickstarter in den Endspurt: BEYOND CLUELESS nennt sich der Streifen, den der junge Filmfan Charlie Lyne aus London machen will. Charlie steckt hinter dem recht populären Filmblog Ultra Culture und arbeitet unter anderem an der TV-Show THE FILM PROGRAMME der BBC mit.

BEYOND CLUELESS will einen Blick auf die Teeniefilme der Jahre 1995-2004 werfen - wahrscheinlich nicht ganz zufällig ein Zeitraum, in dem der 1991 geborene Charlie selber aufwuchs. Er schlägt die Brücke von CLUELESS (1995) bis MEAN GIRLS/GIRLS' CLUB (2004) und bezieht dabei interessanterweise auch solche Filme ein, die eigentlich nicht als Teeniestreifen gelten, aber deren Protagonisten Teenager sind - zum Beispiel JEEPERS CREEPERS oder GINGER SNAPS. Dabei ist BEYOND CLUELESS allerdings keine Doku: Charlie plant eine Collage, die mit Filmausschnitten und seinem Kommentar eine Reise durch eine Dekade populärer Teeniefilme verspricht. Unterstützt wird das Ganze durch einen Score, den die britische Band Summer Camp beisteuern wird - eine Gruppe, die ihrerseits schon eine starke Faszination mit dem Teeniekino gezeigt hat und deren Album WELCOME TO CONDALE von Pulp-Bassist Steve Mackey produziert wurde.

Inwieweit Charlies Filmessay erhellend sein wird, läßt sich angesichts des Präsentationsvideos noch nicht sagen - aber amüsant wird sein Trip durch zehn Jahre Teeniefilmgeschichte bestimmt. Charlie sammelt £9,500 und hat davon schon über £7,000 zusammen - mal sehen, ob er in den verbleibenden 9 Tagen noch den Rest zusammenkriegt. Für schlanke £5 kriegt man übrigens schon einen HD-Download des fertigen Films, für £15 gibt's den Film plus einen Download des Summer-Camp-Soundtracks. Weitere Infos: Hier.

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Im folgenden Gastbeitrag kümmert sich der wackere Don Arrigone um einen relativ berüchtigten Exploitation-Klassiker: THE EXTERMINATOR von James Glickenhaus, der unter anderem auch den schmackigen Action-Politthriller DER SÖLDNER inszeniert hat. Ab ins Grindhouse, werter Don!



THE EXTERMINATOR – ich muß sagen, der Titel weckt Erwartungen, und auch das Poster, das schlicht und ergreifend einen Mann mit Flammenwerfer zeigt, wirkt vielversprechend, zumindest für einen Exploitationfilm. Vorfreude ist, wie so oft, allerdings die schönste Freude, und der Film selbst ist, obwohl (oder weil?) solide, eher enttäuschend.

Die meiste Action wird zu Beginn geboten, als unsere Hauptcharaktere, John Eastland (Robert Ginty) und Michael Jefferson (Steve James), es mit dem halben Vietcong aufnehmen – wobei dieser nicht nur gewohnt grausam ist, sondern auch versucht, den halben Dschungel in die Luft zu jagen. Wohin man die Kamera auch richtet, im Hintergrund gehen Explosionen hoch, und wenn ein Hubschrauber einen Berg passiert, dann wird halt versucht, den Felsbrocken zu sprengen. An Effekten wurde in dieser Sequenz wahrlich nicht gespart.

Eigentlich hätte HANKY PANKY ein Nachfolger zu STIR CRAZY (zu deutsch: ZWEI WAHNSINNIG STARKE TYPEN) sein sollen - keine Fortsetzung, aber eine neuerliche Zusammenarbeit von Gene Wilder und Richard Pryor unter der Regie von Schauspiellegende Sidney Poitier. Aber dann sprang Pryor ab, und sein Part wurde stattdessen für die durch die Comedyshow SATURDAY NIGHT LIVE bekanntgewordene Komikerin Gilda Radner umgeschrieben. Für Wilder war das privat ein Glücksfall: Er und Radner heirateten zwei Jahre später. Karrieremäßig war der Film für alle Beteiligten dagegen weniger erfolgreich: Die Kritiken waren bestenfalls lauwarm, und wo STIR CRAZY in den Staaten noch über $100 Mio. einspielte, schaffte HANKY PANKY nicht einmal ein Zehntel davon.

Zeit für eine Horizonterweiterung: Anstatt sich immer nur den kommerziellen Schlonz anzusehen, der in Amerika produziert wird, könnte man sich doch stattdessen auch einfach mal den kommerziellen Schlonz ansehen, der woanders vor die Kamera kommt. Wie zum Beispiel FIRECRACKER, einen philippinischen Martial-Arts-Streifen, dessen deutsche Titel NACKTE FÄUSTE - DIE TÖDLICHE KARATELADY (auf Video) sowie HARTE FÄUSTE - NAKED FIST (im Fernsehen) zusammen mit dem epochalen Poster (die besagte tödliche Karatelady mit ebenso tödlichem Ausschnitt) schon andeuten, daß wir es hier mit einem Exploitation-Exponat der schnuckeligsten Gangart zu tun haben.

Kaum ist das neue Jahr eingeläutet und die letzte Rakete verglimmt, geht der Krach im neuen Jahr auch schon weiter: Wir verlosen zwei Slipknot-DVDs! Das Set VOLIMINAL: INSIDE THE NINE von 2006 beinhaltet die 90-minütige Behind-the-Scenes-Doku VOLIMINAL, bei der Slipknot-Clown M. Shawn Crahan höchstselbst Regie führte, und darüber hinaus noch diverse Interviews, Videoclips und Liveaufnahmen. Das andere Set nennt sich DISASTERPIECES, stammt aus dem Jahr 2002 und beinhaltet ein Live-Konzert der Band (15 Songs, aufgenommen in der London Arena), einige Musikvideos und einen Bonus-Audiotrack namens "Purity". Beides also keine brandneuen Veröffentlichungen - aber dennoch exzellentes Material für jeden Fan der Band (sowie für jeden, der 2013 mit einem herzhaften "People = Shit" einläuten möchte).

Um eine der beiden DVDs zu gewinnen, schreibt ein eMail an wilsonsdachboden@ghostlightproductions.de, Betreff "Slipknot", gebt euren vollständigen Namen mit Adresse an, und verratet mir noch, welche Band im Heavy-Bereich ihr mir als Geheimtip empfehlen würdet (liebe Gewinnspielspezialisten: Das ist keine Frage, bei der ihr "Slipknot" als richtige Antwort geben müßt, könnt oder dürft). Wenn ihr es speziell auf eine der beiden DVDs abgesehen habt, schreibt das bitte dazu - ansonsten wird nach Zufall entschieden. Einsendeschluß ist Montag, der 14. Januar 2013. Mehrfach-Teilnahmen sind nicht erlaubt.

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