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Schon letztes Jahr füllte Tele5 seine Wochenend-Abende gerne mit wonnigem Trash - vorzugsweise mit herzhaften Monster- und Tierhorrorstreifen, von denen auch ich einige begutachten durfte (z.B. CROCODILE oder BAT ATTACK). Die Programmschiene scheint Erfolg zu haben - weshalb der Fernsehsender ab dem 26. Juli eine Reihe unter dem Banner "Die schlechtesten Filme aller Zeiten" bringt, die von Oliver Kalkofe und Peter Rütten präsentiert und kommentiert wird.

Ein wehmütiges Auge darf diese Sendereihe aber bei den Filmliebhabern durchaus hervorrufen, und das aus zweierlei Gründen. Einerseits stimmt einen die Filmauswahl nachdenklich: Schon für den Einstieg wird mit Fred Olen Rays SUPERSHARK ein Schnodderfilm gewählt, der freilich kompletter C-Quark ist - aber ohnehin nicht wirklich ernst gemeint. Später folgen zum Beispiel DIE RACHE DER KILLERFISCHE von Antonio Margheriti und das Endzeit-Spektakel CHERRY 2000 mit der jungen Melanie Griffith - kein preisverdächtiges Kino, aber an und für sich recht liebevoll gestaltete Genre-Stücke, die sich den Themenstempel keinesfalls verdient haben. Mit ORCS ist sogar ein sympathischer Billig-Streifen drin, der prinzipiell als Parodie auf die teuren HERR-DER-RINGE-Spektakel angelegt ist. Immerhin: Mit dem Italo-Fantasy-Spektakel DER THRON DES FEUERS (mit der wunderbaren Sabrina Siani) liegt man in Qualitätsfragen nicht ganz daneben. Ich gebe zu, daß ich mich auf letzteren Streifen am meisten freue, nachdem das gute alte VHS-Band mittlerweile eher den Titel DER THRON DER FINSTERNIS tragen sollte ...

Der andere Grund für eine gewisse Skepsis: Oliver Kalkofe ist ein witziger und schlauer Zeitgenosse - aber die Präsentation läßt auf einen recht derben Humor schließen. Und das wiederum ist eigentlich etwas, was ich schade finde - natürlich ist der Banner "Die schlechtesten Filme aller Zeiten" primär Marketingschachzug, um Interesse an dieser etwas anderen Programmgestaltung hervorzurufen, aber dennoch entgeht einem so manch wunderbares Filmerlebnis, wenn man nur mit dem Finger auf den vermeintlichen Quark zeigt und darüber spottet. Schließlich sind Filme nicht einfach "gut" oder "schlecht", und so mancher von der Masse als "Trash" eingestufte Film hat weitaus mehr Ambition zu bieten, als ihm zugestanden wird.

Immerhin: Die plakative Aufmachung läßt dennoch darauf schließen, daß Interesse an Kino abseits der teuren Blockbuster besteht - und sei es nur, weil man mal über abgefahrene Absurditäten wie KNOCHENBRECHER IM WILDEN WESTEN schmunzeln möchte.

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele, und dreht eine Dokumentation über den Filmemacher Howard Ziehm.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX, den All-Music Guide, das 35-Millimeter-Filmmagazin und Film & TV Kameramann. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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