Schaffen wir es, über das Schwarzenegger-Vehikel THE LAST STAND zu sprechen, ohne es zum "Comeback" zu deklarieren? Ach, plagen wir uns doch nicht unnötig ab: Nachdem Arnold acht Jahre lang in Kalifornien den Gouverneur gespielt hatte, konnte er sich nach Ende der Amtsperiode wieder anderen Rollen zuwenden; sein Mitwirken in THE EXPENDABLES 2 war dabei noch eine quasi dem Gastauftritt in Teil 1 geschuldete Ensemblearbeit, aber mit THE LAST STAND tritt der mittlerweile 65-jährige ehemalige Bodybuilder wieder alleine ins Rampenlicht - immerhin zehn Jahre nach seiner letzten Hauptrolle (TERMINATOR 3).

Schwarzenegger spielt hier den Sheriff einer verschlafenen Kleinstadt nahe der mexikanischen Grenze; einst als Cop im Drogendezernat von Los Angeles tätig, sucht der Mann hier nun eher die Ruhe fernab jeglicher Gewaltverbrechen: In Sommerton Junction muß man sich höchstens mal um einen Falschparker kümmern. Und natürlich kommt es, wie es kommen muß: Der Drogenbaron Cortez bricht aus und will mit seiner kleinen Privatarmee über die Grenze flüchten - und dafür muß er natürlich durch eben diese Kleinstadt, in der der Sheriff mit einer kleinen Handvoll mehr oder weniger geeigneter Deputies als letzter Wachposten fungiert ...


Machen wir uns nichts vor: Weitaus interessanter als die Geschichte ist bei THE LAST STAND, inszeniert vom Koreaner Kim Jee-woon, natürlich erstmal die Frage, was der alte Haudegen Schwarzenegger für eine Figur macht. Immerhin hat die Vorarbeit von Stallone und wohl auch Bruce Willis schon den Weg geebnet für die alternden Heroen des Actionfilms: Es ist heute schon keine Seltenheit mehr, harte Burschen jenseits der 50 und jenseits der 60 durch Actionspektakel zu schicken, wie sie sie Dekaden zuvor schon durchstehen mußten. So darf auch Schwarzenegger im Pensionsalter wieder die Waffen schwingen, wilde Hetzjagden hinlegen und üblen Unsympathen mit harten Faustkämpfen die Verwerflichkeit ihres Tuns erläutern - und das macht er vielleicht nicht mehr mit der unnachgiebigen Härte wie damals, aber immer noch überzeugend genug, um nach wie vor als "steirische Eiche" durchzugehen. Wenn auch mit Eastwoodschem Augenzwinkern: "How are you, Sheriff?", fragt ein Stadtbewohner Schwarzenegger, der gerade unsanft durch ein Fenster geflogen ist. "Old", keucht der, während er sich aufrappelt.

Und ja, auch wenn Modus und Körperlichkeit der Rolle eng an Schwarzeneggers frühere Filme anknüpfen, bleibt das fortschreitende Alter nicht unsichtbar - was diesem Mann, der letztes Endes nicht nur im TERMINATOR gerne mal eine pure Maschine gespielt hat, eine ungewohnte und interessante Komponente gibt: Mit seinen Falten wirkt Arnold jetzt gewissermaßen menschlicher als früher. Vielleicht konnte sich Schwarzenegger ja auch in genau dieser Rolle wiederfinden: Der einstige Actionheld, der sich aus dem Metier zurückgezogen hat und jetzt noch einmal unter Beweis stellen muß, daß er noch nicht zum alten Eisen gehört. "You don't give up easy", sagt zum Schluß ein FBI-Agent zu Arnold, und der antwortet mit ernster Miene: "This is my home." Man hat das Gefühl, daß Schwarzenegger da nicht nur in der Rolle redet.


Drumherum ist THE LAST STAND ein vergnüglicher Actionspaß - tough und brutal in seinen mitunter fast westernhaften Auseinandersetzungen, etwas ironisch und absurd dazwischen. Jee-woons Inszenierung hat eine spürbare Kraft und produziert viel Adrenalin; es schadet auch kaum, daß Schwarzenegger von einem feinen Schauspielensemble umgeben ist, bei dem vor allem Peter Stormare als widerlicher Killer ganz in seiner Rolle aufgeht. Ein bahnbrechender Action-Meilenstein ist nicht daraus geworden, ein riesiges Event-Movie ebensowenig - THE LAST STAND kümmert sich hauptsächlich darum, Arnold zurück in den Ring zu werfen. Und das macht der Film mit Wirkung: Ich freue mich jedenfalls schon auf Arnies nächsten Äktschnfüm.




The Last Stand (USA 2013)
Regie: Kim Jee-woon
Drehbuch: Andrew Knauer
Musik: Mowg
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Forest Whitaker, Peter Stormare, Eduardo Noriega, Luis Guzmán, Jaimie Alexander, Johnny Knowville, Rodrigo Santoro, Genesis Rodriguez, Harry Dean Stanton
FSK: 18 (uncut), 16 (geschnitten)

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Christian Genzel

Christian Genzel arbeitet als freier Autor und Filmschaffender. Sein erster Spielfilm DIE MUSE, ein Psychothriller mit Thomas Limpinsel und Henriette Müller, handelte von einem Schriftsteller, der eine junge Frau entführt, weil er sie als Inspiration für sein Buch braucht. Außerdem drehte Genzel mehrere Kurzfilme, darunter SCHLAFLOS, eine 40-minütige Liebeserklärung an die Musik mit Maximilian Simonischek und Stefan Murr. Derzeit entwickelt er seinen zweiten Spielfilm BROT UND SPIELE, eine Komödie mit Thomas Limpinsel, Götz Otto und Steffen Wink über alte Kindsköpfe und noch ältere Computerspiele.

Christian Genzel schreibt außerdem in den Bereichen Film, TV und Musik, unter anderem für GMX und den All-Music Guide. Außerdem hält er Vorträge zu Filmthemen und kuratierte 2014 an der Universität Salzburg eine Filmreihe zum Thema "Erster Weltkrieg".

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